Christus Jesus wird als die Erfüllung biblischer Prophezeiungen verstanden, darunter Jesajas Vorhersage, Gottes Knecht werde „voller Schmerzen und Krankheit“ sein (Jesaja 53:3). Doch dann sah ich kürzlich, dass jemand Jesus lächelnd und mit einer freudigen Ausstrahlung gemalt hatte, und ich fühlte mich augenblicklich zu dieser Darstellung unseres lieben Meisters und Erlösers hingezogen.
Mir wurde bewusst, dass ich ihn normalerweise nicht so vor mir sah. Ich hatte mir Jesus immer als einen ernsten, nachdenklichen, geistig gesinnten Mann vorgestellt, dessen Mission laut Mary Baker Eddy, der Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, darin bestand, „die Wissenschaft des himmlischen Seins zu offenbaren, zu beweisen, was Gott ist und was Er für den Menschen tut“ (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 26). Dafür, dass er diese Mission erfüllte, wurde er abgelehnt, verhöhnt, verfolgt und letztendlich gekreuzigt. Es fiel mir schwer zu erkennen, wie Freude in dieses Bild passen sollte. Doch in seinem letzten Austausch mit seinen Jüngern sagte Jesus (Johannes 15:11): „Das habe ich zu euch gesagt, damit meine Freude in euch bleibt und eure Freude vollkommen wird.“ Und er versprach ihnen außerdem (Johannes 16:20): „Euer Schmerz wird in Freude verwandelt werden.“
Was war Jesu Einblick in Freude, und wie kann der uns trösten und Mut machen angesichts schwieriger Situationen, die kein Ende zu nehmen scheinen?
Beim Nachdenken über diese Fragen fand ich einen Hinweis in den Auswirkungen von schlafen und träumen. Es gibt Träume, in denen ich mich in schwierigen oder unüberwindlichen Situationen befinde. Je mehr ich versuche, diese Situationen im Schlaf zu meistern, desto hartnäckiger sind sie. Doch wenn ich aufwache, verschwinden der Traum und die damit einhergehenden bedrückenden Gedanken. Ich verbringe meinen Tag nicht voll Trauer oder Angst, weil ich schlecht geträumt habe. Ich freue mich, aufzuwachen und aktiv und produktiv zu sein.
Wie der Psalmist bin ich „zufrieden, wenn ich erwache“ (Psalm 17:15, nach der King James Bibel). Doch wahre Freude kommt nicht nur, wenn man von einem schlechten Traum erlöst wird. Der ganze Vers drückt Zufriedenheit aus, auch in der deutschen Übersetzung: „Ich aber will in Gerechtigkeit dein Angesicht schauen. Ich will mich satt sehen an deinem Bild, wenn ich erwache.“ Das Bild und Gleichnis Gottes, des Guten, ist das, was der wahre Mensch ist – Gottes geistiger Nachkomme. Zu verstehen, dass wir nach Gottes Bild und Gleichnis erschaffen sind, erweckt uns zu Freude und Zufriedenheit und bewirkt Heilung.
An einer Stelle in Wissenschaft und Gesundheit, wo Mrs. Eddy näher auf Jesajas Vorhersehung eingeht, zeigt sie, dass Jesus diese Prophezeiung wirklich erfüllt hat (S. 52): „Der Mann ‚voller Schmerzen‘ verstand am besten die Nichtigkeit des materiellen Lebens und der materiellen Intelligenz sowie die mächtige Tatsächlichkeit des alles-umfassenden Gottes, des Guten.“ In ihrer Erklärung und Demonstration der Wissenschaft des Christus offenbarte Mrs. Eddy Jesu wahre Natur und machte deutlich, wie wir seinem Beispiel folgen und seine Anweisungen erfüllen können, die Werke zu tun, die er tat.
Wenn wir das geistige, Jesus ständig bewusste Verständnis von Gott erlangen und den nach Gottes Ebenbild erschaffenen Menschen erkennen, werden wir nicht mehr an den Traum von einem Leben in der Materie glauben können. Und wenn wir begreifen, dass Gott uns als Seine vollkommenen Kinder kennt, erwachen wir zu der Wirklichkeit des Lebens in Gott und der Freiheit und Demonstration, die damit einhergehen. Wenn wir einmal die Machtlosigkeit des materiellen Lebens verstehen, fangen wir an, Traurigkeit durch Freude zu ersetzen.
Mrs. Eddy schreibt (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 84): „Der geistige Christus war unfehlbar; Jesus als materieller Mensch war nicht der Christus. Der ‚Mann voller Schmerzen‘ wusste, dass der Mensch voller Freuden – sein geistiges Selbst oder der Christus – der Sohn Gottes war und dass das sterbliche Gemüt, nicht das unsterbliche Gemüt, litt.“
Es gab eine Zeit in meinem Leben, als ein körperliches Problem nach dem anderen auftrat – erst Kopfschmerzen, dann Ohrenschmerzen, dann hartnäckiger Schluckauf. Diese Symptome verfolgten mich tagelang, doch als ich beharrlich betete, um zu meiner wahren Identität als Gottes vollkommener, geistiger Mensch zu erwachen, verschwanden die Probleme jeweils. Allerdings hatte ich die Stimme verloren und konnte monatelang nicht normal reden.
Ich war nahe daran, den Mut zu verlieren. Doch ich erinnerte mich daran, dass der „Mann voller Freuden“ seinen Nachfolgern auch versprochen hatte (Johannes 14:16): „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, der für immer bei euch bleiben wird.“ Und Mrs. Eddy erklärte (Wissenschaft und Gesundheit, S. 55): „Unter diesem Tröster verstehe ich die Göttliche Wissenschaft.“ Mit Dankbarkeit und Liebe für Gott und den immer-gegenwärtigen Tröster war es mir möglich, freudig zu bleiben – zuversichtlich und voll Erwartung einer vollständigen Heilung.
Dann stand ein wichtiges Ereignis bevor. Ich sollte die Hauptansprache auf einer Schülerversammlung der Christlichen Wissenschaft halten. Obwohl sich meine Stimme in der Vorwoche gebessert hatte, konnte ich am Tag vor der Versammlung weiterhin nicht sprechen, ohne immer wieder Pausen einlegen zu müssen. Und es gab niemanden, der an meiner Stelle hätte hingehen können. Ich fühlte mich wie am sprichwörtlichen Roten Meer; ein Umkehren war nicht möglich.
Dann musste ich an diese Stelle aus Wissenschaft und Gesundheit denken (S. 566): „Wie die Kinder Israel triumphierend durch das Rote Meer, durch die dunkle Ebbe und Flut menschlicher Furcht geführt wurden – wie sie durch die Wüste geleitet wurden, müde durch die große Einöde menschlicher Hoffnungen wanderten in Erwartung der verheißenen Freude –, so wird die geistige Idee jedes rechte Verlangen auf seinem Weg vom Sinn zur Seele führen, von einer materiellen Auffassung des Daseins zur geistigen, hinauf zu der Herrlichkeit, die denen bereitet ist, die Gott lieben.“
Wie beim Erwachen aus einem Traum konnte mein rechtes Verlangen, ein aktiver Teil der Versammlung zu sein, mich aus einer materiellen Auffassung zu geistigem Verständnis führen. Es war möglich, darauf zu vertrauen, dass Gott durch Seinen Christus das mitteilen würde, was gehört werden musste, und ich dankte Gott freudig für den unvermeidbaren Sieg.
Am nächsten Tag konnte ich meine Pflichten während der sechsstündigen Versammlung erfolgreich erfüllen. Die „dunkle Ebbe und Flut menschlicher Furcht“ wurde durch Gottes Liebe geteilt, und ich empfand große Freude. Von da an konnte ich wieder normal reden.
Wir finden im Jakobusbrief folgende ermutigende Worte (Jakobus 1:2–4): „Meine Brüder, haltet es für lauter Freude, wenn ihr in verschiedene Anfechtung geratet“, weil, so erklärt er, „euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld bewirkt. Die Geduld aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und unversehrt seid und keinen Mangel leidet.“
„Vollkommen und unversehrt“ zu sein und keinen Mangel zu leiden beschreibt Christus Jesus und sein Leben der Freude in den verschiedensten Anfechtungen. Mit solch einem tröstlichen Vorbild und dem Verständnis seiner wahren Natur, wie sie in der Christlichen Wissenschaft offenbart wurde, können wir alle Jesu Beispiel folgen und Menschen der Freude sein. Wie wundervoll ist es zu wissen, dass wir von unserem liebevollen Vater-Mutter-Gott alles haben, was wir brauchen, um Kummer zu überwinden und freudig zur Wirklichkeit zu erwachen.
