Eines Sonntagmorgens fing ich an, wie immer für den Gottesdienst in der Zweigkirche Christi, Wissenschaftler, zu beten, deren Mitglied ich bin. Ehrlich gesagt wollte ich an dem Morgen nicht zur Kirche gehen. Ich war in einer depressiven Stimmung und hatte keine Lust auf Menschen. Es wäre viel einfacher gewesen, still aus der Ferne zuzuhören als persönlich anwesend zu sein.
Doch im Verlauf der Jahre habe ich gelernt, dass einer der Gründe für die Teilnahme am Gottesdienst ist, zu heilen und geheilt zu werden. Zwar kann ich auch als online-Teilnehmerin eine Heilung erleben, doch die körperliche Anwesenheit hilft mir zu erkennen, was geheilt werden muss, und sorgt dafür, dass ich mich den anderen Anwesenden verbundener fühle.
Ich habe schon oft während Gottesdiensten Heilungen erlebt und bin dankbar für die Anweisung im Kirchenhandbuch (Mary Baker Eddy, S. 42): „Die Gebete in den Kirchen der Christlichen Wissenschaft sind insgesamt und ausschließlich für die Gemeinden darzubringen.“ Selbst wenn ein Problem während eines Gottesdienstes nicht vollständig geheilt wird, gewinne ich geistige Einsichten aus der Bibellektionspredigt am Sonntag, die im Vierteljahresheft der Christlichen Wissenschaft zu finden ist, und aus der Lesung und den Erfahrungen, die in der Mittwoch-Zeugnisversammlung zu hören sind – Erkenntnisse, die mir den Weg zu einer raschen Heilung ebnen. An jenem Morgen musste ich natürlich meine „depressive Stimmung“ überwinden, um den Segen des Gottesdienstes erlangen zu können.
In den Wochen davor hatte ich intensiv mit der folgenden Zielsetzung über die Gottesdienste gebetet (Florence Clerihew Boyd, „Die Heilung des Volkes“, Herold, Januar, 1917): „Mrs. Eddy sagte einmal zu einem Schüler, sie sehne den Tag herbei, wo niemand eine Kirche der Christlichen Wissenschaft betreten könnte, gleichviel wie leidend oder wie bekümmert er sei, ohne geheilt zu werden; und sie fügte hinzu, dieser Tag werde nur dann kommen, wenn jedes Mitglied der Kirche sich in die Wahrheit vertiefe, die in den Bibellektionen enthalten ist – wenn es sie werktätig beweise und somit geistig vorbereitet zum Gottesdienst komme.“
An dem betreffenden Sonntagmorgen war mir klar, dass ich die wöchentliche Bibellektion studiert hatte und etwas zum Gottesdienst beitragen wollte, doch um „somit geistig vorbereitet“ zu sein, musste ich meine Einstellung ändern. Ich fing mit Dankbarkeit für alle Teilnehmenden an – die Leserin und den Leser, die sich so sorgfältig auf den Gottesdienst vorbereitet hatten, die Musiker, die Stücke zur Untermauerung der Botschaft der Lektionspredigt jener Woche ausgewählt hatten und spielten, und die Gemeindemitglieder, die persönlich (und online) anwesend sein und beten würden, um Mrs. Eddys Wunsch nach einem heilenden Gottesdienst zu erfüllen.
Ich beschäftigte mich auch mit den kleinen Bereichen der Disharmonie, die sich manchmal in einer Kirchenfamilie zeigen, indem ich um das Verständnis betete, dass „die Struktur der Wahrheit und der Liebe“ – Teil der Definition von Kirche in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (Mary Baker Eddy, S. 583) – weder Disharmonie noch Ärgernisse enthält. Als mein Mann und ich uns auf den Weg zur Kirche machten, war ich wieder bereit, einen Beitrag zu leisten. Mein inneres Jammern hatte aufgehört, und ich freute mich auf die neuen geistigen Erkenntnisse, die ich während des Gottesdienstes gewinnen würde.
Als mein Mann und ich vom Parkplatz zum Kirchengebäude gingen, blieb mein Schuh an etwas hängen und ich schlug heftig auf dem Bürgersteig auf, wobei meine Handballen von dem Aufprall am meisten betroffen waren. Allerdings fühlte ich mich nur wie eine Zeugin des Vorfalls. Er war nicht die Wirklichkeit meines Seins als geliebtes Kind Gottes. Mein Mann bot liebevoll an, mir aufzuhelfen, doch ich wollte einen Moment still sein und mich ganz auf das Verständnis meines wahren, unverletzten Status konzentrieren. Dann stand ich vorsichtig auf mit der Überzeugung, dass ich unsere Kirche mit Herrschaft betreten und meine Aufgaben uneingeschränkt erfüllen konnte. Diese Überzeugung war kein menschlicher Wille, sondern gründete sich auf die Tatsache, dass dieser Unfall wie alle anderen nie passiert war, denn Gott sorgt ständig für uns alle als Seine Kinder und überlässt uns weder dem Zufall noch irgendeiner Art von Unglück.
Nachdem ich das Gebäude betreten hatte, merkte ich, dass meine Hände sich stark und unnatürlich verfärbt hatten. Während ich meine Aufgaben zur Vorbereitung des Gottesdienstes erfüllte, wies ich jede Suggestion über eine mögliche Verletzung und später auftretende Schmerzen zurück, denn ich wusste, dass keine von ihnen die Wahrheit über mich, eine Idee Gottes, des einen, unendlichen Gemüts, war. Ich fragte mich: Habe ich wirklich auffallend verfärbte Hände? Nein, natürlich nicht, denn ich bin von Gott, dem Guten, erschaffen und werde von Ihm aufrechterhalten. Werden die Hände morgen weh tun? Das ist unmöglich, denn der Unfall, die angebliche Ursache, hat sich nie zugetragen, und es kann ohne eine Ursache keine Wirkung geben. Hat sich ein Unfall ereignet? Nein, denn Gott umsorgt mich und bewahrt mich ständig als Sein immerwährend würdevolles, agiles und aufmerksames Bild und Gleichnis.
Während der gesamten Zeit hielt ich daran fest, warum ich in der Kirche war: um zu heilen und geheilt zu werden. Ich brauchte nicht zuzulassen, dass ein unwirklicher Vorfall die Freude zerstörte, die ich beim Verlassen meines Hauses eine Viertelstunde vorher empfunden hatte, oder die Inspiration, die ich während des Gottesdienstes erlangen sollte. Ich wusste, dass meine wahre, von Gott aufrechterhaltene Gesundheit und mein Wohlbefinden von allen unterstützt wurden, die sich auf den Gottesdienst vorbereitet hatten und daran teilnahmen, mich eingeschlossen. Und ich war wachsam, augenblicklich jede Suggestion eines Unfalls oder einer Verletzung und von deren Nachwirkungen zurückzuweisen.
Das Ergebnis war äußerst inspirierend. Während des Gottesdienstes erlangte ich ein besseres Verständnis der geistigen Bedeutung verschiedener Stellen aus der Bibel und aus Wissenschaft und Gesundheit, die vorgelesen wurden. Am Ende des Gottesdienstes sahen meine Hände wieder normal aus. Mein Handgelenk war an dem Tag und danach weder steif, noch hatte ich dort Schmerzen. Ich war so dankbar für die praktische Demonstration der Rolle, die Kirche in meiner christlich-wissenschaftlichen Heilung an jenem Sonntag gespielt hatte. Diese Erfahrung war eine wahre Erfüllung des Wunsches von Mrs. Eddy, dass alle, die an unseren Gottesdiensten teilnehmen, geheilt werden, da die Mitglieder die geistigen Wahrheitsgedanken in der Bibellektion die ganze Woche über studiert und umgesetzt haben.
Diese Erfahrung hat mein Verständnis von dem praktischen Wesen unserer Gottesdienste bereichert und mich während anderer Gottesdienste inspiriert.
Mary Bothwell
Pasadena, Kalifornien, Vereinigte Staaten
