Skip to main content Skip to search Skip to header Skip to footer
Original im Internet

Schließen Sanftheit und Macht einander aus?

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 21. September 2026


Wer die Christliche Wissenschaft studiert und im Leben umsetzt, stellt fest, dass der geistige Reichtum der Christus zugeschriebenen Eigenschaften zutage tritt, wenn man die Liebe zur göttlichen Liebe, Gott, an erste Stelle setzt. Zu diesen Eigenschaften gehört auch ein sanfteres Temperament – ein Geschenk, das wir in all unsere Beziehungen einbringen, ob es um unseren Freundeskreis, die Mitglieder unserer Kirche, unsere Verwandten oder sogar diejenigen geht, die wir als Feindinnen und Feinde betrachten, aber so lieben möchten, wie Jesus es uns gelehrt hat.

Sanftheit ist auch ein Geschenk, das wir uns selbst machen. In einer Beschreibung der Früchte des vergeistigten, durch die Christliche Wissenschaft inspirierten Denkens schreibt Mary Baker Eddy (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 354): „Ein wenig mehr Freundlichkeit, ein geläuterter Beweggrund, einige liebevoll mitgeteilte Wahrheiten, ein besänftigtes Herz, ein beherrschter Charakter, ein hingebungsvolles Leben würden die rechte Tätigkeit des inneren Triebwerks wiederherstellen und offenbaren, dass die Bewegung von Körper und Seele im Einklang mit Gott steht.“

„Im Einklang mit Gott“ zu sein bedeutet, im Einklang mit unserem allharmonischen, allfreudigen, allliebenden Vater-Mutter-Gott zu sein, verbunden mit der über alles herrschenden Macht des Prinzips und der heilenden Barmherzigkeit und Zuneigung der Liebe. Ja, Gott ist allmächtig. Doch die Bibel zeigt an vielen Stellen auch Gottes Sanftheit. In den Psalmen lesen wir beispielsweise Lobpreis für Gottes Gütigkeit und Erbarmen (siehe 145:9). Und Mrs. Eddy identifiziert in ihrem Hauptwerk über die Christliche Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, die Beziehung zwischen diesen beiden besonderen Qualitäten (S. 514): „Zartheit begleitet alle Macht, die Geist verleiht.“

Das Wort „alle“ in dem Satz sagt uns, dass Sanftheit bzw. Zartheit und Autorität bzw. Macht bis in alle Ewigkeit in Gott vorhanden sind. Diese Tatsache wird im Leben und in den Werken Jesu, des höchsten menschlichen Ausdrucks von Gottes unendlichem geistigem Wesen, sehr deutlich. In einer angespannten Situation, als die Schriftgelehrten und Pharisäer ihn drängten zu sagen, ob er einverstanden war, eine Frau zu steinigen, die einer unmoralischen Tat bezichtigt wurde, hielt die Göttlichkeit, die Jesus zum Ausdruck brachte, die selbstgerechten Ankläger machtvoll von ihrer Tat ab, während er sanft mit der Frau umging und ihr einen besseren Weg voran zeigte (siehe Johannes 8:1–11).

Jesus zeigte uns die liebe- und kraftvolle heilende Macht, die uns allen zu eigen ist. Wenn die göttliche Autorität des Christus – die wahre Idee von Gott und von unserer geistigen Widerspiegelung Gottes – das Herz der Menschen berührt, können andere die Sanftheit von Gottes Liebe zu ihnen selbst spüren. Man kann dies in einer Heilung Mary Baker Eddys in ihrer Kindheit nachvollziehen. Sie berichtete, dass sie Fieber bekommen hatte als Reaktion auf die für sie besorgniserregende calvinistische Doktrin von einigen wenigen Auserwählten, während alle anderen als Sünder verdammt wurden.

Die sanfte geistige Ermutigung ihrer Mutter hatte eine Änderung bewirkt. Mrs. Eddy schreibt (Rückblick und Einblick, S. 13–14): „Als meine Mutter mir die brennenden Schläfen kühlte, empfahl sie mir, auf Gottes Liebe zu vertrauen; Er werde mir Ruhe geben, wenn ich, wie ich es gewohnt war, im Gebet zu Ihm ginge, um mich von Ihm leiten zu lassen. Ich betete, und ein mildes Leuchten unaussprechlicher Freude kam über mich. Das Fieber war verschwunden, und ich stand auf und kleidete mich an – ich war gesund. ... Der Arzt war erstaunt; und der ‚schreckliche Ratschluss‘ der Prädestination – wie Johannes Calvin seinen eigenen Glaubenssatz mit Recht genannt hat – verlor für immer seine Macht über mich.“ 

Im Licht dieser Erfahrung, bei der die Liebe einer Mutter ein Umdenken bewirkt hatte, das eine körperliche Heilung nach sich zog, können wir erkennen, dass die Reinheit und Sanftheit der Liebe, Gottes, nichts mit Schwäche zu tun hat, sondern ein Zeichen der Stärke ist. Die göttliche Liebe enthüllt, wenn sie als tätige Liebe gelebt wird, die Macht der göttlichen Wahrheit, Gottes, über alles, was im Widerspruch zur Liebe stehen würde. Ein Denken, das an einem von Christus getadelten Irrtum festhält, mag diese heilende Macht nicht immer als sanft empfinden. Doch wenn es den Irrtum schließlich aufgibt, kommt das liebevolle Motiv hinter der strengen Zurückweisung ans Licht.

In vielen Kulturen und Religionsgemeinschaften wird Stärke mit Männern und Sanftheit mit Frauen in Verbindung gebracht. Doch als Gottes geistiges Ebenbild schließen wir alle beides in uns. Somit spiegelt jeder Mann und jede Frau den „Geduldigen, Gütigen und Wahren, [den] Einen, an dem ‚alles ... liebenswert‘ ist“, wider (Wissenschaft und Gesundheit, S. 3). Und jede Frau ebenso wie jeder Mann zeigt „Gottes Attribute und Seine Macht ..., so wie auch das auf den Spiegel geworfene menschliche Gleichnis die Farbe, Form und Tätigkeit der Person wiedergibt, die vor dem Spiegel steht“ (ebd., S. 301).

Um diese Fülle des Segens – Gottes Ebenbild – zu sein, zu akzeptieren und umzusetzen, ist es hilfreich, den Rat der Bibel zu befolgen (Hohelied 2:15): „Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben; denn unsere Weinberge haben Blüten gewonnen.“ Die „kleinen Füchse“ symbolisieren jede unausgeglichene Sichtweise wie Ängstlichkeit oder Arroganz, erdrückendes Mitgefühl oder kalte Herzlosigkeit. Alles, was auf die Sanftheit oder Kraft Gottes, der Liebe, verzichtet, bewegt unser Denken weg von unserer wahren Natur als Gottes geistiger Ausdruck und verbirgt die Segnungen, die unsere ungetrübte Widerspiegelung Gottes uns und anderen beschert.

Wir können solche Umwege des Denkens und Handelns vermeiden, wenn wir auf Christus lauschen und ihm gehorchen, denn er übermittelt uns Gottes Botschaft, dass wir alle Seine heiligen, heilenden, liebevollen Qualitäten widerspiegeln, die unsere geistige Identität und Einheit mit Gott ausmachen. Und wenn wir dann Machtausdrücken begegnen, die keine Sanftheit enthalten, können wir diese ungeistige Sichtweise von uns weisen, im Gebet verneinen und somit deren Unwirklichkeit erkennen. Die Autorität des Christus, der Wahrheit, ermächtigt uns zu bestätigen, dass die allseits vorhandene Kraft und Sanftheit von Gottes Allmacht zugegen ist. Und wenn wir erleben, dass Sanftheit Aggression ausgeliefert ist, können wir uns in der Kraft des Geistes erheben und bekräftigen, dass die Attribute Gottes nicht miteinander konkurrieren, sondern einander ergänzen. Wenn Sanftheit mit der Macht des Geistes einhergeht, dann muss die Macht des Geistes jede geistige zarte Berührung begleiten und unterstützen.

Die mächtige, sanfte Berührung des Christus ist heute so dringend vonnöten, um Harmonie in individuellen und internationalen Beziehungen wiederherzustellen. Wo immer Menschen individuell und kollektiv kämpfen, ohne dass es einen Ausweg zu geben scheint, können wir das Geschenk der Ruhe und Entschlossenheit überbringen, indem wir die machtvolle Sanftheit und sanfte Macht von Gottes liebevoller Herrschaft besser verkörpern.

Tony Lobl
Geschäftsführender Chefredakteur

Wenn Sie mehr Inhalte wie diese erforschen möchten, können Sie sich für wöchentliche Herold-Nachrichten anmelden. Sie erhalten Artikel, Audioaufnahmen und Ankündigungen direkt per WhatsApp oder E-Mail. 

Anmelden

Weitere Artikel im Web

  

Die Mission des Herolds

„... die allumfassende Wirksamkeit und Verfügbarkeit der Wahrheit zu verkünden ...“

                                                                                                                            Mary Baker Eddy

Nähere Informationen über den Herold und seine Mission.