Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft, weist jede Leserin und jeden Leser in ihrem Hauptwerk Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift an (S. 392): „Steh Wache an der Tür des Denkens.“ Für mich bedeutet das, die Gedanken, die zu mir kommen, zu überwachen und zu prüfen. Wenn sie nicht in die richtige Richtung – zu Gott, dem Guten – führen, sind sie irrige Suggestionen, denen der Zugang zu meinem Bewusstsein verweigert werden sollte.
Eine solche Suggestion, die schon länger an die Tür meines Denkens geklopft hatte und die ich zuerst nicht einordnen konnte – ob sie eingelassen oder abgewiesen werden sollte –, war Selbstoptimierung.
Mir wurde bewusst, wie oft ich mich aufgefordert fühlte, etwas an mir selbst zu verbessern bzw. zu optimieren. Unzählige Werbeplakate weisen darauf hin, mehr Sport zu treiben. Arbeitgeber ermuntern ihre Arbeitnehmerschaft oft, an Fortbildungsseminaren teilzunehmen. Und wenn ich eine Fremdsprache oder ein Instrument lerne, könnte ich mein soziales Ansehen verbessern. Nichts davon sah wie eine schlechte Idee aus!
Doch nach einer geistigen Beschäftigung und Kontemplation mithilfe von Gebet fing ich an, darüber nachzudenken, was das eigentlich bedeutete. Und ich fragte mich immer häufiger: Impliziert das nicht, dass ich hier und jetzt unzulänglich bin? Warum soll ich mich ständig verbessern? Kann ich mich wirklich verbessern und wenn ja, wie kann ich das effektiv tun? Und wann ist es genug? Wann bin ich an der besten Version meiner selbst angekommen?
Um Antworten zu finden, musste ich erst in Erfahrung bringen, wer und was dieses Ich ist. Wer bin ich? Bin ich der Körper, den ich allmorgendlich im Spiegel betrachte und angeblich über Diäten und Fitnessprogramme verändern und in etwas Besseres umwandeln und formen kann? Bin ich ein Intellekt, eine im Gehirn befindliche Wissensmaschine, die durch die Erziehung verbessert, mithilfe von Intelligenztests eingeordnet und durch immer mehr Bildung weiter optimiert wird?
Beim Studieren der Christlichen Wissenschaft entdeckt man, dass unser wahres Selbst nicht körperlich ist – es befindet sich nicht im Körper und ist auch keine menschliche Persönlichkeit. Gott, der göttliche Geist, hat den Menschen – uns alle – nach Seinem Bild und Gleichnis erschaffen (siehe 1. Mose 1:27), also sind wir in Wirklichkeit geistig und nicht materiell. Somit ist das wahre Selbst der individuelle Ausdruck geistiger Eigenschaften. In dem Maße, wie wir diese Eigenschaften zum Ausdruck bringen, machen wir Fortschritt.
Hierzu ein Beispiel: Wir lesen in Lukas 2:46, 47 über den damals zwölfjährigen Jesus: „Und es geschah nach drei Tagen, da fanden [seine Eltern] ihn im Tempel, wie er mitten unter den Lehrern saß, ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, wunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.“ Jesus hatte vermutlich nicht dieselbe umfassende, formelle Bildung erhalten wie die Lehrer, sondern brachte das Wissen und die Macht seines Vater-Mutter-Gottes zum Ausdruck. Er wusste, dass sein geistiges Selbst der Sohn Gottes war, und dass er ohne seinen göttlichen Vater nichts tun konnte. Wie er sagte (Johannes 5:19): „Der Sohn kann nichts aus sich selber tun, sondern was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut in gleicher Weise auch der Sohn.“ Mary Baker Eddy schreibt dahingehend (Wissenschaft und Gesundheit, S. 136): „Er beanspruchte weder Intelligenz, Tätigkeit noch Leben getrennt von Gott.“
Wenn das sogenannte Selbst als materieller Körper und Verstand definiert wird und Strategien zur Optimierung auf dieser Grundlage entwickelt werden, dann sind unsere Aussichten und Möglichkeiten auf das beschränkt, wozu unser materielles Gehirn und unser Körper fähig sind. Die Christliche Wissenschaft gibt uns eine völlig andere Sichtweise. Mary Baker Eddy erklärt in Wissenschaft und Gesundheit (S. 200): „Die große Wahrheit in der Wissenschaft des Seins, dass der wirkliche Mensch vollkommen war, ist und immer sein wird, ist unbestreitbar; denn wenn der Mensch das Bild, die Widerspiegelung Gottes ist, dann ist er weder umgekehrt noch gefallen, sondern aufrecht und Gott-ähnlich.“ Das ist ein völlig anderer Ausgangspunkt für Fortschritt. Wir beginnen mit geistiger Vollkommenheit und Vollständigkeit, statt mit einer begrenzten, unvollkommenen Körperlichkeit, und wir erkennen klar, dass dem Leben und der Identität des von Gott erschaffenen Menschen Vollkommenheit zugrunde liegt.
David verkörperte diese Art von Fortschritt und Verbesserung, als er dem Philister Goliat gegenüberstand, wie wir in 1. Samuel 17 in der Bibel lesen. Aus menschlicher Sicht war David diesem so übermächtig erscheinenden Philister-Krieger unterlegen. Doch David wusste, dass Gott, der Allmächtige, bei ihm war. Er sagte: „Der Herr, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, der wird mich auch von diesem Philister erretten.“
Während David sich auf den Kampf vorbereitete, geschahen ein paar erwähnenswerte Dinge. Als Erstes gab König Saul ihm seine Rüstung, um ihn zu schützen, und David gürtete sich auch Sauls Schwert um. Doch ihm wurde klar, dass diese weltlichen Mittel ihn mehr behinderten als unterstützten, und so legte er sie wieder ab. Stattdessen wählte er im Bach fünf glatte Steine; mit denen konnte ein Hirte wie er umgehen. Ich beziehe die Definition von Fluss in Wissenschaft und Gesundheit gern auf den Bach, aus dem David seine Steine nahm. Sie lautet unter anderem (S. 593): „Gedankenkanal“ und „Ist er ruhig und unbehindert, dann symbolisiert er den Lauf der Wahrheit ...“
Mit der festen Überzeugung von Gottes Schutz und den Werkzeugen ausgestattet, mit denen er bereits vertraut war, lief David auf den überwältigenden Riesen zu und besiegte ihn. Wie in dieser Situation deutlich wird, verließ sich David vollständig auf Gott und verstand, dass er als Seine Widerspiegelung bereits alles wusste und besaß, was er brauchte, um Erfolg zu haben. Er wählte eine geistige Optimierung.
Wie hilft uns diese Sichtweise, den Druck, besser zu sein, loszuwerden, der sich uns ständig aufdrängt? Sie ist damit verbunden, dass wir das vielfältige Gute, das unsere Individualität bereits charakterisiert, fördern und zum Ausdruck bringen und falsche Suggestionen über uns selbst, einschließlich der Behauptung, wir seien irgendwie unzulänglich, ausräumen. Das bedeutet, „Wache an der Tür des Denkens“ zu stehen. Selbstverständlich können wir weiter neue Dinge erlernen und unentdeckte Talente zum Ausdruck bringen, doch wir tun dies auf der Grundlage der Vollständigkeit. Dann wird Verbesserung zu Entfaltung, indem unsere natürliche geistige Vollkommenheit ans Licht kommt.
Diese geistige Herangehensweise an Fortschritt mag zunächst abstrakter scheinen als die Herangehensweisen auf materieller Basis, doch sie wird eindeutig effektiver und fruchtbarer sein, wie im Leben von David und Christus Jesus ersichtlich wird. Auch haben dies unzählige Christliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler effektiv in ihrem eigenen Leben bewiesen. Wenn wir von der Basis des Verständnisses unserer gegenwärtigen Vollkommenheit und der Tatsache ausgehen, dass wir in und mit Gott leben, wird unser von hingebungsvollem Gebet unterstützter Fortschritt stetig in die richtige Richtung vorangehen und letztendlich von Erfolg gekrönt sein.
