Als meine Familie vor einigen Jahren dringend Hilfe brauchte, fand ich in einem Leseraum der Christlichen Wissenschaft eine Broschüre mit dem interessanten Titel „Der Triumph des Guten“. Darin enthalten waren Artikel und Heilungszeugnisse aus den Zeitschriften dieser Kirche, darunter zwei Zeugnisse, die ursprünglich 1955 im Christian Science Journal erschienen waren.
Die Zeitschriften der Christlichen Wissenschaft veröffentlichen seit über einhundert Jahren Berichte von Heilungen. Sie stammen von ganz normalen Menschen verschiedenster Hintergründe und Bildung und sind meist schlicht verfasst. Der Hauptgrund für ihre Beiträge ist in der Regel Dankbarkeit Gott gegenüber. Eine solche Dankesäußerung schlägt Wellen wie ein Stein, der in einen stillen See geworfen wird, und verbreitet häufig genau da Mut und geistige Inspiration, wo dies am dringendsten gebraucht wird. Diese Erfahrung habe ich damals im Leseraum auch gemacht.
Ich hatte die beiden in der Broschüre nachgedruckten Zeugnisse bereits gelesen und kannte einen der Zeugnisgeber sogar persönlich. Doch ich war trotzdem überrascht von dem frischen und tiefen Eindruck, den sie auf mich machten.
Das eine stammte von einem Christlichen Wissenschaftler aus England, der fast zehn Jahre lang an einer Lähmung gelitten hatte, bei der laut Ärzten wenig Hoffnung auf Heilung bestand. Das zweite stammte von einer Praktikerin der Christlichen Wissenschaft aus dem US-Bundesstaat New York, die Christliche Wissenschaftlerin wurde, als ein nach medizinischer Meinung unheilbares, tödlich verlaufendes Gewächs bei ihr geheilt wurde.
Der erste Zeugnisgeber schrieb, dass während der gesamten Zeit, in der er krank war und augenscheinlich körperlich keinen Fortschritt machte, geistiges Wachstum stattfand. Während er studierte und Behandlung durch Gebet in der Christlichen Wissenschaft erhielt, so erinnerte er sich, „erfüllte mich eine große geistige Freude, die Freude darüber, dass Gott regiert und nichts Seine Absicht – gegenwärtige Vollkommenheit und Zufriedenheit für alle – durchkreuzen kann“ (Peter J. Henniker-Heaton, JSH-Online, 30. Dezember 2016). Die Heilung trat ein. Viele, die ihn Jahre später kannten, bemerkten, dass diese Freude Teil seiner Persönlichkeit geworden war.
Die zweite Zeugnisgeberin wandte sich als letzte Möglichkeit an die Christliche Wissenschaft, als ihr die Medizin keine Hoffnung auf Heilung mehr gab. Auch sie schrieb von der Freude, die das neue geistige Verständnis inmitten extremer körperlicher Not mit sich brachte. Ihr tiefer Wunsch, folgende geistige Wahrheit zu verstehen und festzuhalten: „Es gibt keine Macht getrennt von Gott“ (Mary Baker Eddy, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 228), führte zu einer plötzlichen Flut der Überzeugung. „Mein Herz jubelte geradezu“, schrieb sie. „Ich dachte nicht daran, ob ich leben oder sterben würde. Ich dachte an die Wahrheit“ (Lois B. Estey, JSH-Online, 3. März 2017). Die Heilung vollzog sich kurze Zeit später, als das ganze Gewächs ausgeschieden wurde.
Ich war vom nochmaligen Lesen dieser Zeugnisse tief bewegt. Ein Mitglied meiner Familie hatte seit mehreren Monaten mit einer invalisierenden Beschwerde zu kämpfen, die ihn viel Kraft gekostet und seine körperliche Aktivität sehr eingeschränkt hatte. Er hatte mehrere Einstellungsangebote ablehnen müssen. Sein Zustand war nicht ärztlich diagnostiziert. Wir hatten von ganzem Herzen gebetet, um die Heilung zu bewirken, wie wir das über viele Jahre hinweg immer getan hatten, doch diesmal schien sich keine Besserung zu zeigen.
Diese beiden Zeugnisse setzten meiner Entmutigung ein Ende. Sie sagten quasi: „Moment mal, was du bisher gesehen hast, ist gar nicht die Wahrheit der Situation. Daran ist überhaupt nichts wahr. Wir müssen uns von diesem materiellen Bild nicht entmutigen lassen. Gottes Güte ist echt. Wir müssen sie nicht erst echt machen. Sie ist bereits das Wesen und die Substanz des Seins und Lebens aller Menschen. Die göttliche Liebe ist echt und gegenwärtig, die einzige Macht in dieser Situation, und wir verneigen uns vor der Gegenwart dieser göttlichen Realität.“
Das war zwar nicht der Punkt, an dem die vollständige Heilung eintrat, doch für mich war es ein entscheidender Wendepunkt hin zu Gott und Geist bei meinen Gebeten um Heilung. Ich war so dankbar für die beiden Zeugnisgeber, für die Christliche Wissenschaft und vor allem für die unkomplizierte, völlig präsente Realität der göttlichen Liebe, die diese Heilungen bezeugten.
Wenn diese Zeugnisgeber angesichts solch extremer Probleme auf die geistige Wahrheit reagieren konnten, dann würde uns das auch gelingen, dachte ich. Wenn sie unter diesen Umständen mit Integrität und Entschlusskraft beten und am Gebet festhalten und sogar geistige Freude finden konnten, dann würden wir das auch können. Kurz darauf begann sich die Gesundheit meines Angehörigen zu verbessern, und in den darauffolgenden Monaten zeigte sich die vollständige Heilung. Als er nicht lange danach eine neue Arbeitsstelle annahm, die die Zustimmung eines Arztes erforderte, weil großer körperlicher Einsatz vonnöten war, sagten wir still: „Danke, Gott.“
Ich könnte nicht nachzählen, wie oft ich durch das geistige Licht in Heilungsberichten von Christlichen Wissenschaftlern oder das klare, unmissverständlich echte Verständnis von Gottes Güte erhoben worden bin, die bei Zeugnissen so häufig durchscheinen. Natürlich ist Inspiration nicht etwas, was wir über andere erlangen. Einfach von den Heilungen anderer zu lesen ist kein Ersatz für geistiges Studium und das schwer erarbeite Wachstum in der Gnade und im Verständnis, das die echte heilende Praxis in unserem Leben bewerkstelligt.
Doch Zeugnisse wie diese helfen uns zu erkennen, dass geistiges Verständnis nicht unerreichbar ist – ganz normale Leute können geistige Wahrheit selbst erfahren und verstehen. Diese Zeugnisse berichten nicht nur von Heilungen vergangener Jahre. Sie berichten von der Wirklichkeit der göttlichen Liebe hier und jetzt, gegenwärtig und ungeschmälert in ihrer Macht, uns innerlich umzuwandeln und äußerlich zu heilen.
Gottes Güte ist echt. Wir müssen sie nicht erst echt machen.
Seit ihrer Gründung haben die Zeitschriften der Christlichen Wissenschaft mehrere Zehntausend Heilungsberichte veröffentlicht. Es ist legitim zu sagen, dass sie nur einen Bruchteil der erheblichen Heilarbeit wiedergeben, die sich seitdem im Leben der Christlichen Wissenschaftler zugetragen hat. Dabei geht es um Heilungen in allen Bereichen menschlichen Leidens. Viele ernstliche Zustände waren dabei, die eindeutig nicht „von selbst besser wurden“, wie manche Skeptiker uns einreden möchten. In einem großen Teil dieser Fälle wurden die Heilungen von Ärzten oder anderen Zeugen als medizinisch unerklärlich oder sogar als Wunder bezeichnet. Obwohl Christliche Wissenschaftler selbst Heilungen nicht als Wunder im herkömmlichen Sinne betrachten, sind viele der Heilungen so physisch klar und geistig lebendig, dass sie selbst im Neuen Testament nicht fehl am Platz wären.
Diese veröffentlichten Zeugnisse sprechen auf ihre eigene stille Weise unser Herz genauso an wie die biblischen Erzählungen von Heilungen. Ein weiterer Verfasser erklärte Mitte des 20. Jahrhunderts bei der Beschreibung einer seiner ersten Heilungen: „Es war eine so beeindruckende Erfahrung, dass meine Frau und ich sicher waren, von der Gegenwart des Christus so berührt worden zu sein wie diejenigen, die zu Zeiten Christi Jesu am Ufer des galiläischen Meeres standen“ (J. Woodruff Smith, JSH-Online, 3. Februar 2017). Obwohl statistisch gesehen die Christliche Wissenschaft nie wirklich groß war, würden diese Heilungsberichte etliche Bände einer modernen Apostelgeschichte füllen.
Worum es hier ohne Zweifel geht, ist die einfache Tatsache, dass diese Heilungen stattfanden. Die Zeugnisse sind eindeutig religiöser Art und keine medizinische Dokumentation, doch die darin beschriebenen Heilungen waren echte Erfahrungen echter Leute. Sie sind weder fiktiv noch sagenumwoben. Sie stammen nicht aus ferner Vergangenheit. Selbst wenn der Schreibstil auf eine frühere Generation hindeutet, ist die Signifikanz der Erfahrungen eindeutig. Die Verleugnung und der Unglaube einer skeptischen Welt können die schlichte, überzeugende Tatsache nicht mindern, dass diese vielen Tausend Menschen Heilung erlebt haben, oft trotz medizinischer Prognosen eines gegenteiligen Ausgangs.
„Unmögliches kommt niemals vor“ schrieb die Gründerin des Herold, Mary Baker Eddy, im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 245). Mrs. Eddy, eine klare Denkerin, deren geistige Sichtweise aus ihren eigenen Erfahrungen des christlichen Heilens erwuchs, begriff, dass dieses scheinbar „Unmögliche“ erhebliche Implikationen für unsere Sichtweise der Welt hat. Sie wich von herkömmlicheren religiösen Sichtweisen ab und betrachtete die auftretenden Heilungen nicht als übernatürliche Interventionen seitens eines Gottes, der hin und wieder physikalische Gesetze außer Kraft setzt, sondern als Beweise für ein völlig anderes Verständnis von Leben und Dasein.
Als die siebzig Jünger, die Jesus einst aussandte, von ihrem ersten Missionsauftrag in die umliegenden Orte zurückkehrten, berichteten sie dem Meister begeistert von den Heilungen: „Auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen.“ Jesu Antwort erhob ihr Denken von den beeindruckenden äußerlichen Phänomenen des Heilens zu der ewigen Beziehung zu Gott, aus der das Heilen entspringt. „Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister untertan sind“, sagte er ihnen. „Sondern freut euch vielmehr, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“ (Lukas 10:17, 20).
Der Himmel, auf den Jesus sich bezieht, war eindeutig mehr als ein erhoffter Ort, den man nach dem Tode erreicht. Er ist die wunderbare geistige Realität, die er an anderer Stelle als Reich Gottes bezeichnete. Jesus bezog dieses Reich nicht auf die Zukunft und betrachtete es auch nicht als von der gegenwärtigen Erfahrung abgehoben. Er sagte, es sei „nahe gekommen“ (Markus 1:15) und sogar „inwendig in euch“ (Lukas 17:21). Sein ganzes Leben bewies die Unmittelbarkeit dieser göttlichen Ordnung im Hier und Jetzt. Als er seine Jünger aussandte, um zu lehren und zu heilen, wies er sie an, ihren Zuhörern zu sagen: „Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen“ (Lukas 10:9).
Für viele Christliche Wissenschaftler hat die Erfahrung von Heilungen die enorme geistige Realität des Reiches Gottes, der göttlichen Liebe, mit sich gebracht. Aus diesem Grund sind diese Heilungen auch in einem technischen Zeitalter von so großer Bedeutung. Sie sind nicht das Resultat „alternativer“ Heilmittel, sondern ihre Bedeutung und ihr Ursprung sind heilig. Sie verweisen auf das gegenwärtige geistige Universum von Licht, Liebe und Güte, das Jesu eigenes Leben und Werk unter Beweis stellte.
Heilung findet statt, wenn der Geist von Christi Christentum das menschliche Denken in gewissem Maße von einem bedingungslosen Glauben an materielle Macht und Zustände befreit. Statt nur eine geringfügige religiöse Kuriosität zu sein, die angesichts der massiven Entwicklung in der Medizin im letzten Jahrhundert hinfällig ist, sägen die Heilungen im Leben der Christlichen Wissenschaftler am Eckpfeiler des Materialismus und stellen herkömmliche Annahmen über das Leben auf den Kopf. Die augenscheinlichen mentalen Verschlingungen des Materialismus in unserem Leben würden unser Verständnis der göttlichen Liebe als eine gegenwärtige Macht und Hilfe in die Irre führen, wenn das ginge. Eine echte Heilung schließt das materielle menschliche Denken auf und lässt das Licht der göttlichen Liebe ein.
Als Mary Baker Eddy im Jahr 1900 vom Boston Globe gebeten wurde, etwas über „den letzten Danksagungstag des 19. Jahrhunderts zu sagen“, begann sie ihre Antwort folgendermaßen: „Neuenglands letzter Danksagungstag dieses Jahrhunderts ist für die Gemüter der Menschen dadurch bedeutungsvoll, dass die Bibel besser verstanden wird und Wahrheit und Liebe von praktischerer Bedeutung geworden sind ...“ (Die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, und Verschiedenes, S. 264).
Die auffälligsten Anzeichen dieses praktischen geistigen Verständnisses waren die weit verbreiteten Heilungserfahrungen im Leben der Menschen, doch diese körperlichen Heilungen, so wichtig sie auch sind und waren, weisen auf eine weitreichende geistige Umwandlung im menschlichen Denken hin. Wie Mrs. Eddy über jenen Danksagungstag schrieb (Verschiedenes, S. 265):
Er bedeutet, dass selbstlose Liebe lauter denn je zuvor an das Herz der Menschheit pocht und dass sie Einlass findet ...
Er bedeutet, dass die Wissenschaft des Christentums über dem menschlichen Denken aufgedämmert ist, um im vollen Glanz der Herrlichkeit des Tausendjährigen Reiches zu erscheinen ...
Würde wahre Danksagung nicht mehr enthalten als nur Dankbarkeit für persönliche Segnungen oder Gefälligkeiten, die in einer gefallenen materiellen Welt ungleich verteilt werden? Es würde moralisch wenig Sinn machen, Gott als jemanden zu verstehen, der sich aussucht, wen Er heilt und segnet – und wen nicht. Wie die Wissenschaft des Christentums vermittelt, ist die göttliche Liebe unparteiisch, universal, konstant und – vor allem – unaufdringlich und doch mächtig wirklich. Wie der Vater in Jesu Gleichnis vom Verlorenen Sohn eilt uns diese unwiderstehliche Wirklichkeit der Liebe entgegen, um die Herzen anzunehmen, die sich ihr inmitten menschlicher Not zuwenden. Gottes Reich – Sein geistiges Universum des Guten – steht jedem von uns offen; wir alle können darin leben, es erleben, verstehen und lieben. Die Worte des 100. Psalm (Vers 4) gelten auch heute: „Geht zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben“.
Übersetzt aus dem Christian Science Journal, Ausgabe November 2016.
