Sie haben sich vielleicht schon einmal gefragt, was nötig ist, damit die Menschheit sich von dem aggressiven und anhaltenden Bösen befreit, das einem friedlichen, produktiven und sinnvollen Leben im Weg steht. Einige meinen, es sei etwas Radikales wie ein Weltkrieg oder ein anderes verheerendes Ereignis erforderlich. Ein zeitgenössischer Autor glaubt, wir könnten durch biomedizinische Technologie gerettet werden, eine Zukunft, in der die Menschheit ihre dringendsten Probleme dadurch löst, dass sie Menschen in etwas verwandelt, das eher Technologie als menschlich ist. Doch können wir unsere Hoffnung nicht auf etwas Vielversprechenderes stützen? Etwas, das über materielle Bemühungen oder Ereignisse hinausgeht?
Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte eine Frau mit einem klaren, geistigen Intellekt, einer göttlich-inspirierten Wahrnehmung und Barmherzigkeit eine praktische, umwandelnde Macht hinter der geistigen Bedeutung der Bibel, fähig, die in unserer Welt üblichen und dem menschlichen Bewusstsein als Wirklichkeit erscheinenden physischen und moralischen Übel zu überwinden. Diese rettende Macht ist der Christus, die göttliche Idee von Gott, unerkannt durch materielle Wahrnehmung und doch beständig im menschlichen Bewusstsein vorhanden. Diese Frau – Mary Baker Eddy – verstand, dass der Mensch Jesus völlig untrennbar vom Christus war, seiner geistigen Identität als Sohn Gottes, doch sie erkannte zusätzlich, dass der Christus nicht auf Jesu menschliches Leben beschränkt war. Die Gegenwart und Macht des Christus begann nicht mit Jesu Geburt und endete nicht mit seiner Himmelfahrt. Mrs. Eddy studierte Jesu Lehren und seine heilende Mission, und durch ihre umfassenden Heilungen bewies sie die wissenschaftliche Natur des Christus-Heilens. Sie nannte ihre Entdeckung Christliche Wissenschaft. Obwohl Jesus in seiner vollkommenen Exemplifizierung des Christus allein steht, zeigt sich aus seiner Aufforderung an seine Nachfolger, die Kranken zu heilen (siehe Matthäus 10:8), dass das Christus-Heilen der ganzen Menschheit jederzeit verfügbar ist.
Was ist der Christus?
Die Begriffe Christus und Jesus werden seit zweitausend Jahren synonym verwendet, doch die Christliche Wissenschaft zeigt, dass Christus die unkörperliche, ewige Manifestation von Gott ist, während Jesus der höchste menschliche körperliche Ausdruck der Christus-Macht war. Jesu Worte und Taten – durch ein von Gott bewirktes Verlangen und die gottgegebene Mission angetrieben, die Menschheit von Sünde, Krankheit und Tod zu heilen und zu erretten –, versinnbildlichten die Christus-Natur. Jesus demonstrierte, dass im Kern des Ausdrucks des Christus das Bewusstsein von der geistigen Einheit Gottes und des Menschen liegt. Er zeigte, dass die Inanspruchnahme der göttlichen Macht, die kranke Körper, beschädigte Gemüter und verhärtete Herzen heilen kann, in dieser Erkenntnis vom Menschen als dem Nachkommen Gottes, des Geistes, enthalten ist. Er bezog sich auf Gott als seinen und unseren Vater. Er lehrte, dass der Vater Seine Söhne und Töchter liebt und dass wir die Notwendigkeit und Fähigkeit haben, Gott und einander zu lieben.
Von diesem Standpunkt geistiger Liebe offenbarte Jesus die geistige Güte des Menschen und wies Eigennutz, Unterdrückung, Heuchelei, Furcht und Sinnlichkeit als unnatürlich und des Menschen nicht würdig zurück. Er brachte in sich und anderen die natürliche gottähnliche Natur des Menschen als liebevoll, harmonisch, sündlos und unsterblich hervor. Auf diese Weise zeigte er, dass der Christus das menschliche Leben über Materie und Böses hinaushebt (und deren endgültige Unwirklichkeit beweist) und den Menschen von den lähmenden Gesetzen und Begrenzungen der Materie rettet. Jesus lehrte, dass der Ausdruck der christusähnlichen Natur zum gottähnlichen Wesen jedes Menschen gehört, und befähigte somit andere, seinem Beispiel zu folgen.
Christusähnlich werden
Zu den mitreißendsten Jüngern des ersten Jahrhunderts gehörte Paulus, der in Jesu Leben etwas viel Tieferes erkannte als nur Wunderwerke. Er verstand, dass Jesus den Weg zu einem vergeistigteren Ausdruck des menschlichen Lebens wies, der allen offensteht, solange sie die göttliche, christusähnliche Natur für sich selbst akzeptieren. Aufgrund seiner einzigartigen Erfahrung verstand Paulus, dass der Christus-Geist, ist er einmal akzeptiert, alles von Grund auf ändert. Wenn die göttliche Natur eine menschliche Natur umgewandelt hat, kann ein Mensch nicht mehr weitermachen wie vorher. Bei Paulus mussten Stolz, Arroganz, Selbstgerechtigkeit, Verdammung und Verfolgung durch Anteilnahme, Selbstaufopferung, Reinigung, Reue und liebevolle gute Werke ersetzt werden. Paulus’ Predigten lag die Botschaft zugrunde, den alten Menschen abzulegen und den neuen anzuziehen – den christusähnlichen Menschen, den Menschen, der durch die erlösende Macht der göttlichen Liebe belebt wird – und diese wahre Identität so zügig wie möglich zu akzeptieren.
Paulus predigte in einem Zeitalter, das unserem nicht unähnlich war. Extreme, kontroverse Ansichten und Praktiken hielten das Denken und Leben der Menschen gefangen, und Paulus hinterfragte sie mit der göttlichen Botschaft der geistigen Einheit von Gott und dem Menschen und dem Bund aller in Christus. Zum Beispiel schrieb er den Galatern: „Da ist weder Jude noch Grieche, weder Knecht noch Freier, weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus“ (3:28).
Größere Empfänglichkeit für Christus bedeutet weniger Abhängigkeit, Gewalt, Korruption und Verbrechen.
In einem anderen Brief an die frühen christlichen Kirchen lesen wir: „Werdet ... erneuert im Geist eurer Gesinnung und zieht den neuen Menschen an, ... legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. ... Alle Bitterkeit, Grimm, Zorn, Geschrei und Verleumdung sei fern von euch, ebenso wie alle Bosheit. Seid aber untereinander freundlich, herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat“ (Epheser 4:23–25, 31, 32). Gibt es heutzutage eine relevantere und dringlichere Botschaft für die Welt?
An einigen Stellen kritisiert Paulus die Sinnlichkeit seiner Zeit und betont die Notwendigkeit einer höheren Moral als Stütze einer stabilen menschlichen Gesellschaft. Der Eindruck von Paulus’ passioniertem Aufruf, Christus Jesus zu folgen, ist über die Jahrhunderte nicht verblasst.
Rund 1800 Jahre später schrieb Mary Baker Eddy in ihrem Lehrbuch über die Wissenschaft des Christus (die göttlichen Gesetze des Christus-Heilens): „Alle müssen sich früher oder später auf Christus, die wahre Idee Gottes, gründen“ (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 54). Und an anderer Stelle in Wissenschaft und Gesundheit: „Es ist möglich – ja, es ist die Pflicht und das Vorrecht jedes Kindes, jedes Mannes und jeder Frau –, dem Beispiel des Meisters durch das Demonstrieren von Wahrheit und Leben, Gesundheit und Heiligkeit in einem gewissen Grade zu folgen“ (S. 37). Wie der umwandelnde Christus alles für Paulus verändert hat, so erlebte es Mary Baker Eddy, wenn auch in einem völlig anderen Kontext. Als sie sich fester auf den Christus gründete, da Gott ihr immer mehr von ihrer geistigen Identität und ihrer Bestimmung offenbarte, erfreute sie sich besserer Gesundheit und Kraft, wodurch sie außerordentliche Werke zum Wohl der Menschheit leisten konnte.
Der Geist und die Macht des Christus verliehen ihrer Menschenfreundlichkeit Flügel, mit denen sie sich über den Skeptizismus gegen die gegenwärtige heilende Macht des Christus erhob. Das befähigte sie, eine weltweite Bewegung ins Leben zu rufen, die darauf abzielt, das Christus-Heilen so zu praktizieren, wie Jesus es eingeführt hat. Der Christus wurde Mary Baker Eddy als praktische, intelligente und barmherzige göttliche Wissenschaft offenbart, die sich erlernen und im Leben bewiesen ließ, als die Herzen Einzelner weltweit durch die Christus-Botschaft vom Materialismus fort- und zur Geistigkeit hingewendet wurden.
Sich auf den Christus zu stützen ist dieselbe moralische Pflicht wie, den neuen Menschen anzuziehen. Mary Baker Eddy schreibt: „Lasst Selbstlosigkeit, Güte, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Gesundheit, Heiligkeit, Liebe – das Himmelreich – in uns herrschen, und Sünde, Krankheit und Tod werden abnehmen, bis sie schließlich verschwinden (Wissenschaft und Gesundheit, S. 248).
Die gute Nachricht für die Menschheit heute ist, dass der Christus jetzt und immer bei uns ist, dass die Wissenschaft des Christus offenbart und von vielen Tausenden als eine wirksame und rettende göttliche Wissenschaft bewiesen worden ist. Paulus schrieb: „Wir haben Christi Gemüt“ (1. Korinther 2:16, nach der King James Bibel) und „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus“ (Philipper 4:13). Mary Baker Eddy erklärte, dass „der Christus als die geistige Idee – die Widerspiegelung Gottes – mit einem gewissen Maß an Macht und Gnade zu all denen gekommen [ist], die bereit waren, Christus, Wahrheit, zu empfangen“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 333).
Was kann Christus heute für die Menschheit tun?
Aufgrund der Erkenntnis, dass die unvergleichliche Liebe, durch die Jesus heilte und Tausende segnete, dem Christus-Geist zuzuordnen war, der ihn belebte, schrieb Mary Baker Eddy: „Die Göttlichkeit des Christus wurde in der Menschlichkeit Jesu offenbar“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 25). Heute, wo der Geist Christi in die Herzen von Frauen und Männern aufgenommen wird, kann dies zu mehr Vertrauen und Einheit unter den Völkern aller Nationen führen und uns als Familie näher zusammenbringen. Es kann die Moral zu Hause, am Arbeitsplatz und in der Regierung erwecken und stärken. Größere Empfänglichkeit für Christus bedeutet weniger Abhängigkeit, Gewalt, Korruption und Verbrechen. Es bedeutet eine geringere Neigung zu Sinnlichkeit, Unehrlichkeit und Egoismus. Durch größere Akzeptanz des Christus kann man seine Feinde mehr lieben. Man wendet sich von Hass, Groll und Rache vorheriger Generationen ab und wählt Vergebung, Anteilnahme und Verständnis.
Wenn wir uns durch den Christus umwandeln lassen, erleben wir mehr Demut in Machtpositionen, da Gott als das rechtmäßige Prinzip anerkannt wird, das die Menschheit regiert. Diese Umwandlung bedeutet weniger Armut, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit und Krankheit und dafür höhere Lebensqualität. Den Christus-Geist willkommen zu heißen, bedeutet mehr Bewusstsein für die Gegenwart Gottes als unvoreingenommene Liebe, die die ganze Menschheit umfängt, und daher weniger Furcht, Einsamkeit, Entfremdung, Unzufriedenheit und geistige Leere. Es bedeutet zu wissen, dass jeder – von Gott als Mann und Frau erschaffen – einen ganz eigenen, wertvollen und gleichwertigen Platz als Bruder oder Schwester aller Kinder Gottes ausfüllt.
So und mehr führt der Christus uns zu einem göttlicheren Verständnis von der Menschheit mit ihren unendlichen Möglichkeiten für das individuelle und kollektive Gute. Jeder von uns hat die Möglichkeit, im Alltag mehr vom Christus – dem belebenden Geist von Wahrheit und Liebe – belebt zu sein, und dasselbe auch von anderen zu erwarten.
