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Original im Internet

Nicht nur auf der Kirchenbank sitzen

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 19. September 2019


Ich war der einzige, der sitzenblieb, alle anderen knieten während des Kommunionsgottesdienstes unserer Zweigkirche Christi, Wissenschaftler. Doch das tat mir zu weh, weil ich mir etwas verrenkt hatte.

Dann wurde mir klar, dass ich nicht nur auf einer Bank saß. Ich befand mich in der Kirche und öffnete mich nun innerlich mehr noch als äußerlich dafür, ein tieferes Verständnis von Realität zu erlangen – eine Realität, die, richtig verstanden, die Struktur von dem offenbart, was ich wirklich bin. Als ich mich später durch ein stärkeres, geistiges Verständnis von Kirche segnen ließ, renkte sich nach und nach alles wieder ein und ich war auf dem Weg zur Freiheit von dem Problem – und konnte mich bei darauffolgenden Kommunionsgottesdiensten hinknien.

Im Laufe der Jahrhunderte haben viele Menschen auf einer Kirchenbank Frieden und Inspiration gefunden. Die Kirche mag in ihrer Struktur imposant oder bescheiden gewesen sein. Doch die Predigt, die Musik, das Gebet haben Empfänglichkeit zu einem göttlichen Einfluss auf das Leben vermittelt. In der Kirche zu sitzen kann auch heute sehr inspirierend sein und viel mehr mit sich bringen als einem vielleicht bewusst ist. Die Predigt kann nach und nach Ihre Sicht der Realität ändern und eine heilende Macht in Ihrem Leben sein.

Wenn die Menschen an Kirche denken, steht oft die äußere Struktur im Vordergrund – der Gotik, des Barocks der Moderne. Mary Baker Eddy lädt uns in ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift ein, auf neue, tiefere und sogar revolutionäre Weise über Struktur und Substanz und ihren Bezug zu Kirche nachzudenken. Sie definiert Kirche in Wissenschaft und Gesundheit unter anderem als „die Struktur der Wahrheit und der Liebe“ (S. 583).

Im Alltag bringen die meisten Menschen „Struktur“ allgemein mit Materie in Verbindung. Den materiellen Sinnen scheint es so, dass Materie allem eine Struktur verleiht – unserem Körper, unserer Kirche und der restlichen Welt. Das Studium der Christlichen Wissenschaft offenbart eine ganz andere Weise, Materie zu betrachten. Statt sie als Substanz und die Grundlage der Struktur aller Dinge zu sehen, erklären die in der Christlichen Wissenschaft vorgestellten heilenden Gedanken Materie bzw. den Glauben daran als eine fälschliche Betrachtung dieser Dinge.

Die meisten Menschen würden zugeben, dass eine Existenz, die auf einer solchen Unsicherheit und Verwundbarkeit aufbaut, wie man sie in der Materie kennt, viel zu wünschen übrig lässt. Sie mögen versuchen, die damit verbundenen Probleme einer in Materie strukturierten Sicht der Realität auszuhalten oder zu bewältigen. Doch wenn sie den schwierigsten Disharmonien gegenüberstehen, überrascht es nicht, dass Denker anfangen, eine geistigere Perspektive zu eruieren.

Mit dieser geistigeren Sichtweise der Dinge erkennen wir, dass Kirche mehr ist, als ein Ort mit einem Sitzplatz auf einer Bank. Kirche kann in ihrem tiefsten metaphysischen Sinn zu einer Sichtweise wahrer Struktur, Ordnung und Gestaltung im Bewusstsein inspirieren, die weder Schaden erleiden noch in Unordnung geraten. Kirche offenbart eine Existenz, die geistig ist, frei von den Begrenzungen und Anfälligkeiten der Materie. Dieses erhobene Bewusstsein bringt die gesamte authentische Gestalt und Form ans Licht. Durch Kirche offenbaren Wahrheit und Liebe (Synonyme für Gott) eine wundervoll aufschlussreiche Herangehensweise, um zu erkennen, wie die Wirklichkeit gestaltet ist und wie sich diese Wirklichkeit sich auf geordnete Weise entfaltet. Welch ein Kontrast zu den allzu oft ungeordneten und sogar chaotischen Darstellungen des materiellen Sinnes! Die Materie könnte als eine Art Dunkelheit beschrieben werden, die die göttlich erleuchtete Struktur verbirgt oder verdeckt.

In manchen Fällen können die Umstände dazu führen, dass Ihre „Bank“ ein Sessel in Ihrem Haus ist, in dem Sie dem Gottesdienst online beiwohnen. Oder im Auto auf der Autobahn. Doch Ihr Denken kann ebenso durch ein tieferes Verständnis von der in Wahrheit und Liebe statt in Materie strukturierten Existenz genährt werden. Auch wenn dies etwas theoretisch klingt, kann es dennoch heilende Auswirkungen haben. Ja, die Funktionen und sogar die Struktur des Körpers können gesegnet und geheilt werden, wo immer wir sind, wenn wir uns zunehmend von der „Struktur der Wahrheit und der Liebe“ umgeben und umgewandelt fühlen. Meine Heilung, die im Kommunionsgottesdienst unserer Kirche ihren Anfang nahm, ist ein Beispiel für die tiefere Auswirkung von Gottes Kirche und beweist diesen Punkt über Glauben, der in Wissenschaft und Gesundheit zum Ausdruck kommt: „Das Bewusstsein baut einen besseren Körper auf, wenn der Glaube an Materie überwunden worden ist“ (S. 425). Mehr Glaube an Wahrheit und Liebe. Weniger Glaube an die Materie.

Dieses Bewusstsein, dieses inspiriertere Verständnis von Kirche, kann uns sogar weit über die Heilung von körperlichem Weh hinaus segnen. Es kann einen Wandel jeder unharmonischen Phase der Materie mit sich bringen. Heilung, im weiteren Sinne, kann als Wiederherstellung der Ordnung beschrieben werden – einer Art Grundordnung. Dies wird in Wissenschaft und Gesundheit so beschrieben: „Das Wunder führt keine Unordnung ein, sondern es entfaltet die ursprüngliche Ordnung, es beweist die Wissenschaft des unveränderlichen Gesetzes Gottes“ (S. 135). Beispiele in der Bibel wie Elisa – der den eisernen Beilkopf an die Wasseroberfläche brachte – oder Jesus – der auf dem Wasser wandelte, sofort an einem Ziel ankam oder durch geschlossene Türen hindurchging – sind weitere Beweise dafür, wie ein Erkennen der Struktur von Gottes Universum einen befähigt, viel mehr Herrschaft und ordentliche Harmonie zu demonstrieren, als die Materie bieten kann.

Im folgenden Beispiel aus heutiger Zeit räumte eine Familie das Essgeschirr weg, bevor sie zur Mittwochabend-Zeugnisversammlung fuhr – einer Versammlung, die die Struktur der Wahrheit und der Liebe als eine Macht bekräftigt, die uns ein viel stabileres und beständigeres Verständnis von Substanz vermittelt als das, was die Materie verspricht. Beim Öffnen des Kühlschranks fiel eine Flasche um und zerbrach die Glasplatte, auf der sie stand. Die Familienmitglieder sahen die Splitter. Doch statt zu reagieren, bemühten sie sich bewusst, nicht beeindruckt zu sein, denn das wichtigste für sie war, zur Kirche zu gehen. Als sie nach dem Gottesdienst wiederkamen, war die Glasplatte heil und unversehrt.

Ein weiteres Beispiel zeigt andere Beteiligte zu einem anderen Zeitpunkt und an einem anderen Ort – es geschah während der Mitgliederversammlung einer Zweigkirche. Ein Mitglied konnte nach der Versammlung seinen Autoschlüssel nicht finden. Andere halfen ihm, in der Kirche, auf dem Parkplatz und an allen anderen Stellen zu suchen, wo der Schlüssel hätte sein können. Doch die Suche ergab nichts. Schließlich wurde entschieden, dass jemand ihn nach Hause fahren würde; bei Tageslicht sollte die Suche dann fortgesetzt werden. Als einer der Suchenden, der nicht in der Nähe des Mannes mit dem verlorenen Schlüssel gewesen war, seinen Autoschlüssel aus der Tasche zog, um heimzufahren, fand er dort auch den verlorenen Schlüssel. Er konnte sich das nicht erklären und gab dem Besitzer freudig seinen Schlüssel zurück.

Diese beiden Beispiele scheinen nichts miteinander zu tun zu haben – und mögen dem menschlichen Gemüt, das Materie als Substanz akzeptiert und sein Verständnis von Harmonie und Ordnung durch Materie definieren lässt, weit hergeholt vorkommen. Aber es gibt eine Verbindung. Eine von Materie strukturierte Existenz bietet das ständige Potenzial für defekte, verlorene, kranke – stets anfällige – Materie. Doch wenn Sie in das Bewusstsein einer göttlichen, von Wahrheit und Liebe strukturierten Gegenwart eintauchen, empfinden Sie zunehmend die Ordnung und Substanz, die den in einer von Materie strukturierten sogenannten Realität auftretenden Begrenzungen und Empfindlichkeiten nicht unterliegen.

Seit mehr als hundert Jahren enden die Sonntagsgottesdienste der Kirchen der Christlichen Wissenschaft mit einer wissenschaftlichen Erklärung, die unter anderem folgende revolutionären Worte enthält: „Es ist kein Leben, keine Wahrheit, keine Intelligenz und keine Substanz in der Materie. ... Geist ist das Wirkliche und Ewige; Materie ist das Unwirkliche und Zeitliche. Geist ist Gott und der Mensch ist Sein Bild und Gleichnis. Folglich ist der Mensch nicht materiell; er ist geistig” (Wissenschaft und Gesundheit, S. 468). Da diese Worte eine göttliche Offenbarung sind, haben sie die Macht, unser Verständnis von Realität umzuwandeln.

Ein wachsendes Vertrauen in Kirche als „die Struktur der Wahrheit und der Liebe“ hat einzelne und die ganze Menschheit unzählige Male gesegnet. Und es hat völlig neue Lösungen für eine Welt bewirkt, von der die meisten Menschen sich so sicher sind, dass sie auf Materie beruht. Die wahre Struktur stammt von Gott, Geist, und dieser Geist ist Wahrheit und Liebe. Und Wahrheit und Liebe wandeln den Alltag um.

Die wichtigste Bank, auf der wir sitzen, bringt uns in Stellung, unsere Sicht der geistigen Wirklichkeit zu vertiefen. Diese Sitzbank ist mehr als nur eine Holzbank oder ein Sessel. Sie ist eine Einstellung und kein materieller Platz, das Bewusstsein eines geistigen Modells, das Gottes Wirklichkeit der Schöpfung auf geordnete, harmonische Weise entfaltet.

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Michael Pabst, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Februar 1997 

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