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Original im Internet

(Über) Gott reflektieren

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 12. April 2019


Die Bibel bringt vielfach die geistige Bedeutung vertrauter Konzepte hervor. Im zweiten Korintherbrief lesen wir zum Beispiel, dass Reflexion mehr ist als nur ein physisches Phänomen: „Wir alle aber sehen mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel und werden in dasselbe Bild verwandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, ganz wie der Geist des Herrn wirkt“ (3:18).

Die Herrlichkeit des Herrn lässt sich als die wundervolle, reine Essenz Gottes definieren, der allgegenwärtige Liebe, Geist, Wahrheit und Gemüt ist. Gottes Natur ist vollständig gut und herrlich – und wird in jedem von uns reflektiert.

Neben widerspiegeln wird reflektieren auch als sorgfältig nachdenken, überlegen, nachsinnen definiert. Geistig betrachtet ist reflektieren somit eine Facette der Intelligenz und Tätigkeit des göttlichen Gemüts. Es ist Gottes Wissen. Mary Baker Eddy, die die Christliche Wissenschaft entdeckt hat, erklärt, dass Gott sich selbst widerspiegelt (siehe Rückblick und Einblick, S. 56); diese Widerspiegelung bzw. Reflexion ist Gottes Selbstausdruck, und das Ergebnis sind Sie und ich – geistig, vollkommen und vollständig.

In Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift schreibt Mary Baker Eddy: „So wie dein Spiegelbild im Spiegel erscheint, so bist du, da du geistig bist, die Widerspiegelung Gottes“ (S. 516). Wenn Gott Seine wertgeschätzte, fehlerfreie Widerspiegelung wahrnimmt, sieht Er keinen vollkommenen oder unvollkommenen physischen Menschen; der göttliche Geist reflektiert nicht (über) Materie. Gott sieht individuelle Widerspiegelungen Seiner eigenen Natur. Wir sind der einzigartige Ausdruck des einen göttlichen Geistes.

Die Widerspiegelung Gottes ist zwar originär, aber nie ein Urheber. Sie ist originär, weil die Reflexion des Gemüts in Ihnen und mir einzigartig und individuell ist, doch der Urheber aller Dinge ist Gemüt. Das bedeutet, dass die Wirklichkeit von dem, was Gott reflektiert, von Gott, dem Guten, hervorgerufen wird.

Wir alle haben einen uns innewohnenden geistigen Sinn, der uns befähigt, diese geistige Wirklichkeit wahrzunehmen. Und es ist eine Freude zu erkennen, wie ein Verständnis dieser wahren Schöpfung als Gottes eigene Widerspiegelung die Unwirklichkeit physischer Begrenzungen offenlegt. Als ein Freund von mir beispielsweise einmal krank wurde, erlangte er durch seine Gebete die klare Erkenntnis, dass Krankheit ihn, die Widerspiegelung des allmächtigen Gottes, nicht berühren kann.

Er sagte mir, dass ihm klar war, wie wichtig es ist, sich als denjenigen zu verstehen, der Gott reflektiert. Als er in seinen Gebeten danach strebte, erlangte er im Laufe eines Tages dauerhaft Freiheit von der Krankheit. „Es geht mir gut“, sagte er.

Die Substanz und Vollständigkeit unserer Identität als Gottes Widerspiegelung zu erkennen, ist große Weisheit. Wenn wir in ehrlichem, tiefem Gebet durch die Linse der Wissenschaft des Christentums schauen, nehmen wir Gottes absolute Qualität deutlicher wahr. In Wissenschaft und Gesundheit steht: „Unsterbliche Männer und Frauen sind Modelle des geistigen Sinnes, die vom vollkommenen Gemüt entworfen sind und jene höheren Vorstellungen von Lieblichkeit widerspiegeln, die jeden materiellen Sinn übersteigen“ (S. 247). Spiegeln Sie und ich jetzt in diesem Augenblick die „höheren Vorstellungen von Lieblichkeit“ des göttlichen Gemüts wider? Ja, und diese Erkenntnis ist ein Vorgeschmack auf den Himmel.

Reflektieren beinhaltet auch unsere Versorgung. Wenn wir erkennen, dass wir Gottes unendliche Güte widerspiegeln, verstehen wir, dass alles, was wir brauchen, bereits vorhanden ist. Die Unendlichkeit Gottes, der göttlichen Liebe, stellt alles bereit. Inspiration gedeiht zum Beispiel nicht im menschlichen Gehirn, sondern in der reflektierten Unendlichkeit der göttlichen Wahrheit. Die Ideen der Wahrheit gehen über jedes materielle Wissen hinaus. Es ist so tröstlich, darüber zu reflektieren, wie Wahrheit uns immer wieder neu mit Liebe, Reinheit und Intelligenz segnet. In unserem Alltag erleben wir die Unendlichkeit der intelligenten Fülle der Wahrheit, indem wir zulassen, dass unsere Motive und Handlungen von Gott bestimmt werden.

Das Beispiel vom Spiegel ist eine Analogie, die versagt, wenn wir dabei eine Distanz zwischen dem Original und der Widerspiegelung annehmen. Geistige Widerspiegelung kennt weder Zeit noch Raum. In Wissenschaft und Gesundheit lesen wir über Gott: „Er ist allumfassend und wird von allem widergespiegelt, was wirklich und ewig ist, und von nichts anderem. Er füllt allen Raum, und es ist unmöglich, sich eine solche Allgegenwart und Individualität anders denn als unendlichen Geist oder als Gemüt vorzustellen. Daher ist alles Geist und alles geistig“ (S. 331).

Gemüt ist allgegenwärtig und kann somit nicht an einer Stelle sein, während die Widerspiegelung an einer anderen ist. Im Hier und Jetzt von Gottes Allheit werden wir als vollständig geistige – ewiglich materielose, zeitlose, reine und vollkommene – Ideen erhalten. Dieser Wahrheit lag Christi Jesu beachtliche Heilsmission zugrunde. Er sah Menschen nicht als Sterbliche; Jesus kannte die wahre Natur jeder Person als Gottes individualisiertes geistiges Ebenbild. In unseren tiefen und ernsthaften Gebeten haben wir heute das Privileg, seinem Beispiel zu folgen.

Ein stiller See reflektiert die Bäume am Ufer, ohne sich anstrengen zu müssen. Gott zu reflektieren ist ebenso mühelos: Wir sind alle als Gottes Widerspiegelung erschaffen. In dieser unangestrengten Widerspiegelung sind Identität, Gesundheit, Befähigung und Liebe enthalten. Unsere Aufgabe liegt darin, uns durch Gebet von dieser geistigen Handlung des Reflektierens zeigen zu lassen, wie wir uns und einander betrachten sollen.

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Die Mission des Herold

Jeder einzelne Herold enthält die gute Botschaft, dass der Mensch als die Widerspiegelung Gottes vollkommen ist und dass er in seinem wahren Wesen eine geistige Idee ist und nicht eine an einen bestimmten Ort gebundene sterbliche Persönlichkeit. Der Herold offenbart denen, die ihn lesen, ihre Fähigkeiten, ihre unbegrenzten Möglichkeiten sowie ihre Freiheit und ihren Adel als Kinder Gottes.

– Mildred W. Willenbrock, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Oktober 1963 

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