Die heutige Welt ist gut über Fehltritte der Vergangenheit informiert. Begebenheiten, Meinungsaustausche, Fotos, E-Mails, Posts auf sozialen Medien und Textnachrichten werden im Kontext heutiger gesellschaftlicher Belange neu betrachtet. In einigen Fällen werden historische Figuren in einem neuen Licht gesehen. Zeitgenössische Personen wiederum werden öffentlichem Spott ausgesetzt, verlieren ihren Arbeitsplatz oder werden sogar strafrechtlich verfolgt für Dinge, die sie gesagt oder getan haben – wobei manches lange zurückliegt und anderes neueren Datums ist.
Die menschliche Justiz verlangt, dass kriminelle Taten bestraft werden, und wir haben in letzter Zeit gesehen, dass einige Fälle großes öffentliches Interesse genießen. Andere ungerechte Taten erfordern ein Umkehren und vielfach Wiedergutmachung, und auch dafür haben wir in der jüngeren Vergangenheit Beispiele gesehen.
Oft bereuen Personen, die anderen etwas angetan haben, ihre Worte und Taten später sehr. Um jedoch ein Fehlverhalten wirklich zu entgelten, ist mehr vonnöten: Umwandlung.
Eine ehrliche Umwandlung muss dem Wunsch entspringen, den Willen Gottes zu kennen und zu tun, selbst wenn uns dies nicht vollständig bewusst ist, und unsere Gedanken, Worte und Taten auf eine Ebene zu heben, auf der die reine Liebe unseres Vater-Mutter-Gottes zum Ausdruck kommt. Wenn wir über lähmende Ignoranz oder Reue hinauskommen wollen, müssen wir ehrlichen Herzens umgewandelt werden, und diese Umwandlung erfordert die Anerkennung, dass unsere wahre Natur geistig und nicht materiell war, ist und immer sein wird.
Im ersten Buch Mose wird klar gesagt, dass wir als Gottes Bild und Gleichnis erschaffen sind. Diese Tatsache bringt wahre Freiheit mit sich, eine Freiheit, die uns voran zum Licht zukünftiger guter Taten führt, statt zurück in die Dunkelheit, wo wir auf vergangene Fehler fixiert sind. Es ist fair zu sagen, dass die meisten Menschen Dinge nennen können, die sie lieber nicht gesagt oder getan hätten – selbst wenn es sich um relativ kleine Fehler handelt. Diese Reue kann unser Denken verfolgen und schlechte Erinnerungen heraufbeschwören.
Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft, schreibt in ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Es wäre besser, jeder Plage auf Erden ausgesetzt zu sein, als die sich steigernden Auswirkungen eines schuldbewussten Gewissens ertragen zu müssen. Das dauernde Bewusstsein Unrecht zu tun neigt dazu, die Fähigkeit, recht zu handeln, zu zerstören. Wenn Sünde nicht bereut wird und nicht abnimmt, eilt sie dem physischen und moralischen Untergang entgegen“ (S. 405). Die Randüberschrift für dieses Zitat lautet „Sich steigernde Reue“, also scheint es vonnöten zu sein, Unrechttun einzustellen, ehrlich zu bereuen und dann nicht endlos weiter darüber zu grübeln.
Es gibt Dinge in meinem Leben, von denen ich aus heutiger Sicht wünschte, sie nie getan oder gesagt zu haben – Situationen, in denen ich mich verletzend, lieblos oder egoistisch verhalten habe. Ich denke gelegentlich an diese Situationen in meiner Jugend zurück und fühle mich sehr schlecht deswegen. Das eigene Fehlverhalten zu erkennen, ist ein gerechtfertigter erster Schritt, doch er allein führt nicht zur Heilung. Und ich wollte frei von den verbleibenden Schuldgefühlen und der Selbstverdammung sein.
In meinem Fall lag das problematische Verhalten lange zurück, und ich fand, dass ich Reue empfunden und sich mein Denken und Handeln gewandelt hatte. In einigen Fällen hatte ich sogar gedacht, eine Beziehung wiederaufzubauen, und mich sehr bemüht, diejenigen, die ich in der Vergangenheit vielleicht verletzt hatte, liebevoll zu behandeln. Ich wollte meine gegenwärtige Fähigkeit, das Richtige zu tun, nicht von den Erinnerungen an vergangenes Fehlverhalten schmälern lassen.
Als ich mich mit diesem Thema befasste, verstand ich, dass die Lösung nicht darin lag, das, was geschehen war, zu ignorieren oder zu verdrängen. Wahre Freiheit des Denkens und Handelns resultiert vielmehr aus der ehrlichen Umwandlung und Betrachtung der Dinge aus höherer, geistiger Sicht. Mit anderen Worten, ich wollte die Dinge so sehen, wie Gott sie sieht, und dementsprechend handeln.
Die Bibel war mir dabei eine reichhaltige Quelle der Inspiration. Diese Verheißung Jesajas machte mir besonders viel Mut: „‚So kommt denn und lasst uns miteinander rechten‘, spricht der Herr. ‚Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden; und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch weiß wie Wolle werden‘“ (Jesaja 1:18). Das war keine umfassende Erlassung aller Schuld, sondern die Versicherung, dass Gott jetzt und immer Liebe ist und dass unser Vater-Mutter-Gott Seine geistige Schöpfung nie als etwas anderes als rein und gut gesehen hat. Und unser Leben kann dies zum Ausdruck bringen, wenn wir unser Denken und Handeln von Göttlichkeit und geistigen Eigenschaften durchdringen lassen. Mrs. Eddy wiederum erklärt, was unweigerlich durch Demonstration zutage gefördert werden muss: „Die menschliche Geschichte bedarf einer Überprüfung, und der materielle Bericht muss daraus gestrichen werden“ (Rückblick und Einblick, S. 22). Christus, die wahre Idee Gottes, wäscht uns rein und erlöst uns, wodurch unsere ursprüngliche, reine Natur ans Licht kommt.
Von besonderem Nutzen waren mir die Erlebnisse mehrerer Bibelfiguren. Sie waren fähig, vergangene schlimme Taten zu bereuen und zu überwinden und daraufhin Gott treu zu dienen.
Der Apostel Paulus hat vielleicht die größte Umwandlung durchgemacht. Zu Anfang seiner Laufbahn (als Saulus) beging er schreckliche Verbrechen gegen Christen. Doch als er buchstäblich das Licht erblickte und zu einem neuen Menschen wurde, konnte er seine furchtbaren Untaten hinter sich lassen und das Christentum über eine große Region verbreiten.
Paulus gab sich nicht mit Selbsthass oder Selbstmitleid ab, sondern folgte seinem neuen, von Gott ausgehenden Ruf, das Christentum zu verbreiten, und er ließ sich durch nichts von dieser Arbeit abbringen. Stellen Sie sich das Umdenken vor, das nicht nur seine schlimmen Absichten einstellte, sondern ihm eine völlig neue Richtung gab, die liebevollen Ideale, die er einst hatte zerstören wollen, zu fördern. Als er ein erleuchtetes Verständnis des Christus, der wahren Idee Gottes, der göttlichen Liebe, erlangte, konnte nichts ihn von seiner Mission abhalten. Wir können von Paulus lernen, nicht zuzulassen, dass der Fokus auf vergangene Sünden uns heute von richtigem Denken und guten Werken abhält.
Wenn in unserem Herzen wahre Umwandlung stattgefunden hat, können wir produktiv vorangehen. Wir können unnötige mentale Hürden der Schuld und Selbstverdammung überwinden. Mrs. Eddy sagte zu diesem Thema: „Wo recht zu tun der Beweggrund ist und die meisten der Handlungen recht sind, sollte man es vermeiden, auf frühere Fehler zurückzukommen“ (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 130). Ich verstehe das nicht so, dass sie sagt, es ist in Ordnung, immer weiter andere zu verletzen, solange 51 Prozent unseres Verhaltens insgesamt gut sind. Ich glaube, sie zeigt damit, wie wichtig es ist, dass unsere Motive – unsere wahren Beweggründe – 100 Prozent gut sind und dass unser Ziel sein muss, in allem, was wir tun und sagen, rechtschaffen zu sein. In den (hoffentlich seltenen) Fällen, in denen wir das nicht sind, sollen wir das Gute betonen, das wir erreichen wollten, und zu den korrekten Motiven und Handlungen zurückkehren.
In meinem Fall führten die aus der Bibel und Mrs. Eddys Schriften erlangte Inspiration und mein gezieltes Gebet mein Bewusstsein von tiefer Reue zur dankbaren Anerkennung von Gottes Liebe und Vergebung. Kurze Zeit später erhielt ich eine E-Mail von einer Frau, die ihre Dankbarkeit für alles zum Ausdruck brachte, was meine Frau und ich für ihre Familie getan hatten. Ich muss zugeben, dass ich viele der Dinge, die sie aufführte, ganz vergessen hatte. Nicht lange danach sagte mir ein Freund, dass er sehr von einer großzügigen Tat meinerseits inspiriert worden war, an die ich mich nur vage erinnern konnte. Diese Dankbarkeit für unsere Hilfe half mir über meinen Zustand anhaltender Selbstverdammung hinweg, die mich davon abhielt, jetzt und in Zukunft Gutes zu tun.
Je nach den Umständen kann es einige Zeit dauern, bis diejenigen, denen wir Unrecht getan haben, sich wiederhergestellt und anerkannt fühlen. Es kann angemessen sein, sich zu entschuldigen und ein Friedensangebot zu unterbreiten oder etwas wiedergutzumachen, und manchmal kann dieser Schritt den Weg für Frieden und Versöhnung ebnen. Natürlich gibt es unterschiedlichste menschliche Untaten, und während einige leicht zu vergeben sind, mag bei anderen erheblich mehr Erneuerung vonnöten sein, bevor eine Lösung erlangt wird.
Doch selbst in solchen Fällen ist es erforderlich, unsere eigene Reue und unsere Bemühungen, das Richtige zu tun, nicht auf die lange Bank zu schieben. Mrs. Eddy schreibt: „Wenn du das Unrechte wissentlich glaubst und tust, kannst du deinen Kurs sofort ändern und recht handeln“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 253).
Als eine blutrünstige wütende Menschenmenge eine im Ehebruch ergriffene Frau vor Jesus stellte, damit er sie verurteile und verdamme, entschärfte er die explosive Lage mit ein paar weisen und klaren Worten, die die vorwurfsvollen Männer auf ihren eigenen Bedarf an Umwandlung aufmerksam machten. Was die Frau betraf, so warf er ihr nicht ihre Untaten vor und bestrafte sie auch nicht. Jesus forderte sie nur ruhig, klar und liebevoll auf: „Geh hin und sündige nicht mehr!“ (Johannes 8:11).
Selbst in den ernsten Fällen – zum Beispiel, wenn jemand zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt wurde – kann die betreffende Person im Alltag Gutes ausdrücken und bestrebt sein, Gott besser zu kennen, wenn wahre Reue stattgefunden hat und der Wunsch vorhanden ist, das Richtige zu tun.
Gottes Liebe zu jedem von uns ist unbegrenzt. Letztendlich kann nichts uns von der göttlichen Liebe trennen. Wenn wir uns zu einem Leben verpflichten, das Gott und nicht das Selbst verherrlicht, in dem wir bestrebt sind, richtig zu denken und zu handeln und alles umzuwandeln, was nicht von Gott kommt, dann können wir auf unserem geistigen Pfad Fortschritt erwarten und vorangehen. Eine solche Umwandlung mag viel Gebet und Demut unsererseits erfordern, doch wir können sicher sein, dass uns Gottes Liebe zu uns allen den Weg aus jeder Dunkelheit weisen wird. Das führt zu wahren und dauerhaften Veränderungen in unserem Leben und der Welt.
