Niemand kann behaupten, dass Jesus es ihnen nicht gesagt hatte. Wie das Lukasevangelium in der Bibel berichtet, hat er seinen Jüngern bei mindestens drei verschiedenen Gelegenheiten angekündigt, dass er verhaftet, verspottet, geschlagen und gekreuzigt (auf schlimmste Weise hingerichtet) werden würde, aber er versicherte ihnen auch, dass er am dritten Tag auferstehen würde.
Das hat er nicht einfach nebenbei erwähnt. Bei einer dieser Gelegenheiten sagte er ihnen: „Behaltet diese Worte in euren Ohren“ (Lukas 9:44) – heutzutage würde man sagen: „Passt auf, das ist äußerst wichtig.“ Eine weitere Gelegenheit war nach einer wichtigen Erkenntnis, als die Jünger seine göttliche Mission begriffen, der Menschheit Licht und Erlösung zu bringen. Doch als alles, was er ihnen vorausgesagt hatte, auch tatsächlich genau so eintraf, wie er es ihnen nur Tage vorher beschrieben hatte, schien es, als ob sie diese Worte nicht in den Ohren behalten hatten. Während Jesus vom Kreuz genommen und in ein Grab gelegt wurde, tauchten die Jünger unter, statt die Tage bis zu seiner Auferstehung zu zählen. Und dann verhöhnten sie auch noch diejenigen, die am dritten Tag berichteten, Jesus lebendig gesehen zu haben. Erst als Jesus ihnen persönlich erschien, glaubten sie es endlich.
Die Tatsache, dass sie nicht glaubten, was Jesus ihnen gesagt hatte, verdeutlicht, wie sehr es dem menschlichen Gemüt widerstrebt, das Evangelium zu akzeptieren, das Jesus lehrte und bewies. Hätten wir anders reagiert, wenn wir an der Stelle der Jünger gewesen wären? Sie hatten das Neue Testament nicht – sie wussten nicht, wie die Geschichte ausgehen würde. Petrus’ heftige Reaktion, als Jesus einmal ankündigte, was er erleiden würde, zeigt, wie schockierend diese Nachricht für sie war (Matthäus 16:22): „Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!“ War die Kreuzigung eine angemessene Erfahrung für Gottes Auserwählten? „Das widerfahre dir nur nicht!“, rief Petrus aus, und wir können es ihm gut nachempfinden.
Doch wie sollte Jesu Botschaft der vollständigen Erlösung des Menschen sonst an diejenigen weitergegeben werden, denen die Materie ebenso wirklich erschien wie Geist, Gott? Jesus hatte bereits die Fähigkeit von Gottes Kindern bewiesen, die göttliche Macht widerzuspiegeln, indem er jede Art von Bösem zerstört und die Materie selbst überwunden hatte. Er hatte die Kranken geheilt, die Toten auferweckt, war auf dem Wasser gewandelt und augenblicklich von einem Ort an einen anderen gewechselt. Doch selbst seine eigenen Jünger waren weiterhin überzeugt, dass Jesu Herrschaft über Böses und Materie Grenzen hatte.
Doch es gab keine Grenzen. Es hatte sie nie gegeben. Gott hat keine Grenzen, und Seine Kinder haben ebenfalls keine. Zu dieser Tatsache mussten Jesu Nachfolger erst vollständig erwachen. Um den Widerstand des menschlichen Gemüts zu brechen, um dessen Unwirklichkeit zu beweisen, gestattete Jesus dem gesamten Bösen und allem Hass auf ihn und die von ihm gelehrte Wahrheit, das Schlimmste zu tun, alles, was es hatte, an ihm auszulassen. Und er bewies, dass alle diese Bemühungen machtlos waren, genau wie er es angekündigt hatte. Genau wie er es vorher gewusst hatte. Dieses Wissen gründete sich auf seine Überzeugung, dass Gott die einzige Macht ist – eine Tatsache, auf die er sogar den Vertreter des Römischen Reiches hinwies, kurz bevor dieser ihn zum Tode am Kreuz verurteilte (siehe Johannes 19:10, 11).
Genau diese machtvolle Demonstration zerstörte endgültig die Angst seiner Jünger, dass Gottes Macht begrenzt war und dass die Materie letztendlich immer siegreich sein würde. Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, schrieb (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 34): „Seine Auferstehung war auch ihre Auferstehung. Sie half ihnen, sich und andere aus geistiger Stumpfheit und blindem Glauben an Gott zu der Wahrnehmung unendlicher Möglichkeiten zu erheben.“ Nachdem ihre Zweifel und dunklen Befürchtungen zerstreut waren, kamen die Jünger bereitwillig aus ihrem Versteck, fähig, Jesu Botschaft mutig voranzutragen – sie zu lehren, zu beweisen und uns weiterzugeben.
Die Botschaft der Auferstehung ist nach wie vor korrekt. Wir sind keine Sterblichen, die in sterbliche Probleme verwickelt sind. Wir sind Kinder des Lichts, Kinder der Liebe, geliebt von der Liebe, die uns in jedem Augenblick versorgt, beschützt und leitet.
Vielleicht meinen wir, unter Furcht und Zweifeln begraben zu sein. Vielleicht sind wir überzeugt, dass die Christliche Wissenschaft manche Dinge bewältigen kann oder bei manchen Menschen wirkt, aber nicht bei anderen oder uns. Wenn das der Fall ist, können wir Jesu Auferstehung auch unsere Auferstehung sein lassen, die uns befähigt, uns und andere aus einem hoffnungsvollen Gottesglauben zu dem klaren Verständnis von allem, was bei Gott möglich ist, führen zu lassen.
Wenn wir Christi Jesu Opfer anerkennen, können wir uns bewusst machen, dass er die Macht Gottes über den Glauben an eine von Gott getrennte Macht vollständig und für alle sichtbar bewiesen hat. Wir müssen nicht mit Jesus leiden und seine Erfahrung auch nicht wiederholen. Doch um an seiner Herrlichkeit teilzuhaben, müssen wir so leben, so denken und so handeln, wie er es uns gelehrt hat. Wir mögen bescheiden anfangen, doch während wir seine Lehre treu in die Tat umsetzen, werden wir feststellen, dass auch wir heilen und das Licht der Erlösung in der Welt leuchten lassen können.
Halleluja! Wir haben die gute Nachricht erfahren – und nichts kann sie uns nehmen!
Lisa Rennie Sytsma
Stellvertretende Chefredakteurin
