Das vorletzte Jahr am College kann schwierig sein. Der Ernst des Lebens beginnt: Du siehst, wie einige deiner engen Freundinnen, Freunde und Gleichaltrigen im Leben erfolgreich sind, manchmal in Bereichen, in denen du dich selbst als unzulänglich empfindest. Deine Eltern fragen dich immer wieder, ob du dich schon auf Praktika beworben hast und wie dein Leben nach dem Studienabschluss aussehen soll.
Der Gedanke, meinen letzten Sommer im College zum vierten Mal in Folge in einem Fastfood-Restaurant zu verbringen, bereitete mir große Sorgen. Ich hatte das Gefühl, dass meine berufliche Laufbahn schon vorbei sein würde, bevor sie überhaupt begonnen hatte, wenn ich kein Sommerpraktikum ergatterte.
Im ersten Halbjahr war ich dadurch gesegnet, dass ich ein Auslandsstudium in Madrid absolvieren konnte. Doch auch wenn ich meine Zeit dort genoss, die Stadt erkundete und neue Leute kennenlernte, war die Suche nach einem Praktikumsplatz stets in meinen Gedanken. Als ich hörte, dass ein enger Freund sich in nur einer Nacht für vier Praktika beworben hatte, begann ich, mich mit ihm zu vergleichen, und das fühlte sich nicht gut an.
Eines der ersten Dinge, die ich in der Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft gelernt habe, sind die Zehn Gebote aus der Bibel, und diese Situation erinnerte mich an das Zehnte Gebot (2. Mose 20:17): „Du sollst nicht begehren.“ Begehren bedeutet, neidisch zu sein oder etwas zu wollen, was jemand anderes hat. Intellektuell war das für mich leicht zu verstehen, aber es fiel mir schwer, nicht neidisch zu sein, weil meine eigenen Pläne immer noch unklar waren.
Da ich mir nicht sicher war, wonach ich Ausschau halten sollte und wo ich hinwollte, suchte ich händeringend einen Praktikumsplatz. Nachdem ich mich auf unzählige Praktika beworben hatte und null Antworten erhielt, wurde meine Angst noch größer.
Eines Nachts fühlte ich mich überfordert und wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Also rief ich meine Mutter an und bat sie um Rat.
Nachdem sie mir eine Weile zugehört hatte, beruhigte sie mich mit einigen vertrauten und hilfreichen Ideen der Christlichen Wissenschaft – dass alles in Ordnung war und dass ich meinen richtigen Platz finden würde. Sie schlug vor, mich für ein Praktikum bei der Ersten Kirche Christi, Wissenschaftler, in Boston zu bewerben, und ich dachte darüber nach. Am Ende teilte sie noch diesen Gedanken aus Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy mit mir (S. 232-233): „In der Wissenschaft gibt es weder Raum noch Gelegenheit für Irrtum irgendwelcher Art.“
Ich bedankte mich bei ihr, schob ihren Vorschlag aber vorerst beiseite. Meine Gedanken waren immer noch voller Sorge. Aber nachdem ich das Gespräch beendet hatte, ging ich durch die Stadt und ließ den Gedanken, dass ich nirgendwo anders sein kann als an meinem richtigen Platz, langsam auf mich wirken.
Ich hatte das Gefühl gehabt, dass vielleicht etwas mit mir nicht stimmte, weil ich noch nicht herausgefunden hatte, was ich tun sollte. Aber mir wurde klar, dass ich von Gott geschaffen und absolut einzigartig bin und dass es keine Schande ist, wenn es Zeit braucht, meine geistige Identität und mein wahres Selbst zu verstehen. Ich dachte auch an etwas, das ich aus meinem Studium der Christlichen Wissenschaft gelernt hatte: Nichts und niemand ist unvollkommen, denn Gott ist vollkommen, und Er hat uns nach Seinem Bild und Gleichnis geschaffen. Gott führt auch jeden von uns unaufhörlich, sodass ich mich nicht stressen oder fürchten musste.
Auf der Grundlage dieses neuen Verständnisses reichte ich meine Bewerbung für ein Praktikum in Boston ein, wie es meine Mutter vorgeschlagen hatte. Nachdem ich die Bestätigung erhalten hatte, dass sie angekommen war, überkam mich eine Welle der Erleichterung. Alle meine bisherigen Sorgen darüber, wo ich landen würde, waren wie weggeblasen, und als ich mein zweites Vorstellungsgespräch beendet hatte, war ich mir sicher, dass dies genau der richtige Ort für mich war.
Ungewissheit kann beängstigend sein, aber man kann sie überwinden, indem man sich auf Gott, das Gute, verlässt und weiß, dass Er die Zügel in der Hand hält. Jetzt weiß ich wirklich, dass ich immer am richtigen Ort bin.
