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„Niemand kann zween Herren dienen.“

Aus der September 1908-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Wie man sich schon vor alters der Redensart bediente, daß alle Wege nach Rom führen, so wenden sich auch heute alle Gedanken der Menschen immer mehr der einen zentralen Idee zu, nämlich der Oberherrschaft des Geistes. Wir haben nur eine Frage in Erwägung zu ziehen: Welcher Weg führt unfehlbar zur Demonstration dieser großen Wahrheit? Jesus sagte: „Und es werden kommen vom Morgen und vom Abend, von Mitternacht und vom Mittag, die zu Tische sitzen werden im Reiche Gottes.” Die Wahrheit muß zu ihrem Rechte kommen. Gott ist der alleinige Geist, und dieser allgegenwärtige Geist umfaßt alle richtigen Gedanken, alle wahren Ideen. Diese können nie von dem Geiste, in welchem sie ihren Ursprung haben, getrennt werden. Sie sind auf ewig „unter dem Schirm des Höchsten.”

Vor einigen Jahren hatte ich eine für mich sehr interessante Erfahrung mit einem Mann, der wegen scientistischer Behandlung zu mir kam. Ich erfuhr, daß er sich viele Jahre mit der sogenannten Wissenschaft der Physik beschäftigt hatte und daß er sowohl diesseits als auch jenseits des Ozeans eine bekannte Persönlichkeit war. Er galt als ein Gegner der Christian Science, und man hatte mir daher geraten, über diesen Gegenstand so wenig als möglich mit ihm zu reden. Er war völlig entmutigt und hoffnungslos, litt an Schlaflosigkeit, konnte nur sehr wenig essen und glaubte, sein Werk zum Wohl der Menschheit sei beendet. Als er das zweite Mal zur Behandlung kam, war seine Schwermut größtenteils verschwunden, denn er hatte geschlafen und gegessen. Zu meiner großen Verwunderung fragte er mich, ob es ein Buch gebe, welches die Grundzüge der Christian Science enthalte. Ich überreichte ihm ein Exemplar des großen Werkes unserer Führerin — des Lehrbuches „Science and Health with Key to the Scriptures.“ An zehn aufeinanderfolgenden Morgen behandelte ich ihn und sprach mit ihm über das Prinzip der Christian Science. Am elften Tage erklärte er sich für geheilt. Ich fragte ihn nun, warum er auf meine vielen erklärenden Bemerkungen auch nicht ein Wort erwidert habe, weder dafür noch dagegen. Zu meinem Erstaunen antwortete er: „Was Sie gesagt haben, würde mir als höchst logisch und überzeugend erscheinen, wenn ich Ihre Prämisse annehmen könnte; ich glaube jedoch weder an die Bibel, noch an Gott.” Ich war schon mit vielen Zweiflern in Berührung gekommen, hatte aber noch nie zuvor etwas mit einem ausgesprochenen Atheisten zu tun gehabt. Seit meiner Geburt war ich von religiösen Leuten umringt gewesen. Mein Vater predigte vierzig Jahre lang das Evangelium, und ich hatte eine sehr fromme Mutter. Die Antwort dieses Atheisten gab mir daher großen Anstoß; ich wandte mich jedoch sofort an den göttlichen Geist, den unerschöpflichen Quell aller wahren Weisheit, um da die richtigen Worte zu finden — Worte, welche dem Manne unauslöschlich im Gedächtnis verbleiben würden. Die folgende Konversation war das Resultat:

„Glauben Sie,” fragte ich, „daß allen Kundgebungen eine Tätigkeit unterliegt, welche sich kundgibt?”

„Gewiß,” antwortete er.

Dann fragte ich: „Welchen Namen geben Sie dieser Tätigkeit?”

„Ich nenne sie Kraft,” erwiderte er.

„Gut,” sagte ich, „wir wollen diese Benennung vorderhand gelten lassen. Die Christian Science nennt jedoch diese Tätigkeit Prinzip, Geist, Seele, Leben, Wahrheit, Liebe.” Dann fuhr ich fort: „Nehmen die fünf Sinne Kenntnis von diesem Etwas, welches Sie Kraft nennen? Kann das sterbliche Auge es sehen, das Ohr es hören, und kann man es riechen, schmecken oder fühlen?”

Er mußte dies verneinen, und ich fragte daher weiter: „Wie wissen Sie denn, daß es eine solche Kraft gibt?”

Er erwiderte: „Mein geistiges Wahrnehmungsvermögen — das, was ich als sechsten Sinn bezeichnen möchte — legt über dieselbe Zeugnis ab.”

„Würden Sie diese erhabene Kraft Wahrheit oder Irrtum nennen?” fragte ich weiter.

Seine Antwort war: „Ich würde sie ganz entschieden Wahrheit nennen; denn wenn sie Irrtum wäre, so hätte sie sich vonwegen der selbstzerstörenden Eigenschaft des Irrtums schon längst vernichtet.”

„Sie geben noch zu, daß die physischen Sinne über diese Kraft kein Zeugnis ablegen?”

„Gewiß.”

„Wenn also die physischen Sinne über diese Kraft, welche Sie als Wahrheit anerkennen, kein Zeugnis ablegen, so folgt ganz natürlich, daß sie vom Irrtum zeugen. Mit anderen Worten: sie sind nicht die Sinne der Wahrheit, sondern die Sinne des Irrtums. Habe ich nicht recht?”

Nachdem er einige Augenblicke ernstlich nachgedacht hatte, sagte er: „Ich muß Ihnen beistimmen.”

„Geben Sie noch zu, daß der innere Sinn, welchen Paulus als den Christus in uns bezeichnet, welchen alle Christen als die geistige Gesinnung anerkennen und welchen Sie das geistige Wahrnehmungsvermögen oder den sechsten Sinn nennen — daß dieser Sinn den Menschen mit der unsichtbaren Kraft verbindet und daß er von derselben ausgeht?”

„Jawohl.”

„Was würde, Ihrer Meinung nach, des Menschen Streben nach dem Höchsten und Besten am meisten fördern: die Ausbildung und Kräftigung der fünf irrigen Sinne, oder des Sinnes der Wahrheit?”

„Die Ausbildung des Sinnes der Wahrheit.”

„Wie kann das am besten bewirkt werden: durch die fortwährende Behauptung, daß das Zeugnis der fünf Sinne wahr sei — wodurch der Sinn der Wahrheit in Wirklichkeit verneint wird —, oder durch die fortwährende Behauptung der Wahrheit und Verneinung des Irrtums?”

„Durch die Behauptung der Wahrheit und Verneinung des Irrtums.”

„Gut,” sagte ich, „gerade das lehrt die Christian Science, und gerade das tun die Christian Scientisten.” Ich habe den Mann seither nicht gesehen, bin aber davon überzeugt, daß ein Strahl des göttlichen Lichtes in die Dunkelheit seines Bewußtseins gedrungen ist.

Jesus erklärte: „Niemand kann zween Herren dienen. Entweder er wird einen hassen, und den andern lieben; oder wird einem anhangen, und den andern verachten.” Unsere Führerin sagt im Lehrbuche, „Science and Health,“ S. 505: „Das Verständnis ist die Unterscheidungslinie zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen.” Je mehr wir im Verständnis der Wahrheit wachsen, desto besser verstehen wir den Befehl: „Gehet aus von ihnen und sondert euch ab”; desto bälder begreifen wir, warum uns geboten wird: „Rühret kein Unreines an.” Nur durch eine beständige und beharrliche Verneinung des Zeugnisses der fünf Sinne — der Sinne, welche bloß über die wandelbaren, unharmonischen Annahmen des Irrtums berichten —, sowie durch das Zeugnis des geistigen Sinnes erlangen wir die wahre Erkenntnis. Dann wird alle Unruhe, Bangigkeit und Sorge verschwinden und es werden sich die Worte unseres Lehrbuches „Science and Health“ (S. 214) bewahrheiten: „Die Sinne des Geistes haben keinen Schmerz; sie sind stets in einem ungestörten Zustand.”

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