Welcher Anhänger der Christian Science Der Name, den Mary Baker Eddy ihrer Entdeckung gab (sprich kri'ß-tiön ßai'-enß). Die wörtliche übersetzung der zwei Worte ist „Christliche Wissenschaft”. freut sich nicht, zweimal im Jahre die Lektionspredigt über das Thema „Gemüt” im Vierteljahrsheft der Christian Science zu finden! Und wie dankbar sollten wir sein, daß der geliebten Entdeckerin und Gründerin der Christian Science Gott als Gemüt, als das unendliche göttliche Prinzip, die Quelle und Ursache alles Wirklichen, offenbart wurde!
Als Mary Baker Eddy in ihrem inspirierten Buch „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift” auf Seite 465 die Frage: „Was ist Gott?” beantwortete, wurde sie zu sieben der bedeutungsvollsten Ausdrücke der englischen Sprache geleitet, um die Gottheit zu definieren. Im Buch der Offenbarung (3:1) spricht der Apostel Johannes von den „sieben Geistern Gottes”. Sah sein erhabener Gedanke nicht da das Kommen des wunderbaren Tages voraus, wo diese „sieben Geister” der Menschheit praktisch erklärt werden würden? Dies ist Mrs. Eddys siebensache Definition Gottes: „Gott ist unkörperliches, göttliches, allerhabenes, unendliches Gemüt, Geist, Seele, Prinzip, Leben, Wahrheit und Liebe.” Dann fügt sie in Beantwortung der Frage: „Sind diese Ausdrücke sinnverwandt?” die folgende Erklärung hinzu: „Sie sind es. Sie beziehen sich auf einen absoluten Gott. Sie sollen zugleich die Natur, das Wesen und das Ganze der Gottheit ausdrücken.”
Wenn diese Zeilen von einem Neuling in der Christian Science gelesen werden, so sollte er sich von Anfang an die folgende Tatsache klarmachen: Wenn Gott Gemüt genannt wird, so beachte man, daß das Wort im Englischen durch große Anfangsbuchstaben (im Deutschen durch Fettdruck derselben) hervorgehoben wird, um damit anzugeben, daß es das gerade Gegenteil von dem bedeutet, was wir unter menschlichem oder sterblichem Gemüt oder Verstand verstehen. Gemüt bedutet Gott, die schöpferische Intelligenz, die große Erste Ursache, die sich Mose offenbarte als: „Ich werde sein, der ich sein werde” (2. Mose 3:14). Ist es nicht möglich, daß Moses so überwältigt war unter dem Eindruck von Gottes Majestät und Unendlichkeit, daß es ihm bewußt wurde, wie armselig und unzulänglich Worte sind, um das zu beschreiben, was er hörte und sah. Im hebräischen Urtext übermitteln die Worte „Ich werde sein, der ich sein werde” den Begriff des Seins oder der Existenz. Also wurde dem großen Gesetzgeber Gott als die unendliche Gegenwart offenbart, die allmächtige Selbstexistenz, der Ursprung und Erhalter alles wahren Seins. Wie könnte solche Allmacht und Allgegenwart weniger als unermeßliches Gemüt sein?
Der englische Ausdruck für Gemüt bietet augenscheinlich manchmal Schwierigkeiten bei der Übersetzung in die Sprachen andrer Länder, wenn er auf Gott angewandt wird; und die Anhänger der Christian Science in einem jeden solchen Lande, tun besser daran, das englische Wort zu gebrauchen, ohne es zu übersetzen. Da selbst die englisch sprechenden Personen die höhere Bedeutung des Ausdruckes lernen müssen, wenn er sich auf die Gottheit bezieht, warum sollte nicht jeder Anhänger und Forscher dieser großen Wahrheit seine übersinnliche Bedeutung zu erfassen suchen und zwar in der Sprache selbst, in der die Christian Science ursprünglich der Welt gegeben wurde.
Wie könnte man sich nun das Gemüt ohne Intelligenz vorstellen; und was ist eine Hauptcharakteristik der Intelligenz? Ist es nicht, zu denken? Doch finden wir nirgends in den veröffentlichten Schriften unsrer Führerin, daß sie sich auf Gott als das alldenkende Gemüt bezieht. Mit dem, was wir als Denken bezeichnen, ist meistens mehr ein sogenannter menschlicher Vorgang gemeint. Das göttliche Gemüt oder die unendliche Intelligenz braucht nicht zu denken, sondern weiß. So kommt uns also eine der herrlichsten Entfaltungen betreffs der Natur des Allmächtigen, wenn wir Gott als das vollkommene Gemüt erkennen, die allwissende Intelligenz. Wessen Intelligenz? Die eure und die meine, wenn wir lernen, sie uns durch Widerspiegelung zu eigen zu machen.
Paulus riet uns, dasselbe Gemüt zu haben und so gesinnet zu sein, „wie Jesus Christus auch war” (Phil. 2:5). Konnte das Gemüt etwas anderes als das göttliche Gemüt sein? War nicht ein jeder Gedanke und eine jede Handlung des Meisters ein unwiderleglicher Beweis davon, daß eine mächtige geistige Intelligenz ihn regierte? In seinem täglichen Handeln und Wandeln veranschaulichte Jesus für die Sterblichen die Herrschaft, die alle diejenigen, die Gott als Gemüt und den Menschen als Seinen harmonischen, intelligenten Ausdruck ansehen, über Sünde, Krankheit, Mangel und jedwede menschliche Disharmonie ausüben. Der Nazarener lebte so eng verbunden mit diesem Gemüt, daß er es mit Innigkeit seinen Vater nannte. Er verließ sich auf dieses Gemüt, er heilte mit Hilfe dieses Gemüts, und er nannte es unsern Vater; also ist dieses unendliche Gemüt unser Gemüt.
Wie im 17. Kapitel des Johannesevangeliums berichtet wird, betete Jesus, daß die Einigkeit mit dem göttlichen Gemüt, deren er sich bewußt war, auch allen anderen Gläubigen offenbart werden möchte. Haben wir alle dieses vom Himmel übermachte Erbteil zu würdigen gelernt, und wissen wir, es uns zu eigen zu machen? Lernen wir in Augenblicken großer Einsamkeit, uns diesem Gemüt zuzuwenden, das immer-gegenwärtige, immer-tröstende Liebe ist? Sind wir Gott dankbar dafür, daß wir als Ideen des allumfassenden freudigen Gemüts kein Herzweh kennen können? Kann Traurigkeit oder ein Gefühl der Trennung oder Bedrücktheit in dem weilen, das „Wissenschaft und Gesundheit” auf Seite 513 „das übervolle Weltall des Gemüts” nennt? Der erwähnte Ausspruch lautet: „In dem übervollen Weltall des Gemüts führen die geistigen Stufen des Fortschritts zu geistigen Sphären und erhöhten Wesen.” Ja, das Reich des Gemüts ist erfüllt von richtigen Ideen, von Gesundheit spendenden, Sünde überwindenden Ideen.
Haben wir Probleme zu lösen, die große Weisheit erfordern, und die uns in Lagen versetzen, wo besonderer christlicher Takt und Vorsicht vonnöten sind? Welch freudiges Vorrecht ist das des Christlichen Wissenschafters, sich sogleich dem „übervollen Weltall des Gemüts” zuzuwenden und des Menschen Einssein mit allem, das weise, intelligent, liebevoll und christlich ist, für sich in Anspruch zu nehmen! Wer kann die aber Tausenden von menschlichen Problemen ermessen, die gelöst worden sind und noch täglich gelöst werden von denen, die durch die Wissenschaft lernen, zu Gott, dem allwissenden Gemüt, Zuflucht zu nehmen!
Geschäftsleute, die Wahrheit suchen und sie zu demonstrieren lernen, haben von der harmonischen und gerechten Lösung gewisser Konflikte zwischen Arbeitgebern und -nehmern berichtet, die ausgearbeitet werden konnten, wenn der Gedanke sich demütig der Anerkennung des einen alles regierenden Gemüts zuwendete. Möge bald der Tag erscheinen, an dem bei allen Beratungen der Menschen und Völker wenigstens einer anwesend ist, der Gott als Gemüt verstehen gelernt hat, und dessen Gebete daher „mächtig vor Gott” sind, „zu zerstören Befestigungen. .. und nehmen gefangen alle Vernunft unter den Gehorsam Christi” (2. Kor. 10:4, 5).
Wir lesen in der Bibel, daß einmal ein einziger richtig denkender Mensch durch seine Weisheit eine Stadt errettete. In diesen Tagen, wenn es eine Menge richtig denkender Menschen in der Welt gibt, kann es da eine Entschuldigung für die fortgesetzten Zänkereien und Mißverständnisse, für die Haßgefühle und Eifersüchteleien geben, die von neuem den Frieden der Menschheit bedrohen? In „Wissenschaft und Gesundheit” lesen wir (S. 469, 470): „Mit einem Vater, nämlich Gott, würde die ganze Familie der Menschen Brüder werden; und mit einem Gemüt, und zwar Gott oder dem Guten, würde die Brüderschaft der Menschen aus Liebe und Wahrheit bestehen und Einheit des Prinzips und geistige Macht besitzen, welche die göttliche Wissenschaft ausmachen.”
Laßt uns in den Worten eines unsrer Kirchenlieder beten:
„Gib uns, o Gott, den Sinn,
Nur dein Gebot zu sehn,
Laß unsre höchste Lust es sein,
In deinem Wort zu stehn!”
