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Original im Internet

Das Böse kann uns nie von Gott trennen

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 21. Februar 2019


In den frühen Anfängen des Christentums wurde ein für die Bewegung wichtiger Mann besonders hoher geistiger Gesinnung ermordet. Die Täter hatten sich von Wut leiten lassen, und es schien vorübergehend, als ob das Böse über das Gute triumphiert hätte – also genau das Gegenteil der Botschaft des Christentums an die Welt.

Doch als das Böse die Übermacht zu haben schien, schallte eben diese Botschaft besonders laut. Stephanus lebte die christliche Liebe, die er predigte. Seine letzten Worte, unendlich gnadenvoll – für alle gut hörbar gesprochen –, waren ein Gebet für seine Verfolger: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an“ (Apostelgeschichte 7:60).

Die versinnbildlichte heilende Liebe von Stephanus’ Leben wurde in diesem Augenblick nicht ausgelöscht, sondern verbreitet. Seine ungebeugte Güte trotz des Bösen hatte dauerhafte Wirkung, denn sie beeinflusste das Leben von einem, der dem Mord beiwohnte. Dieser Mann, Saulus – einer der eifrigsten Verfolger von Jesu Nachfolgern –, erfuhr später eine Umwandlung und verbreitete als Apostel Paulus Christi Botschaft mutig in Nah und Fern. Seine Worte und Taten inspirieren Menschen bis heute und tragen Früchte.

Wir können nicht genau wissen, welche Rolle Stephanus’ Vergebung in dieser Umwandlung spielte, doch wir wissen aus der Bibel, dass Paulus dieses Vorbild des standhaften Guten im Angesicht des Bösen nicht nur nachahmte, sondern sogar noch erhöhte. Nach seiner dramatischen Kehrtwendung machte Paulus eigene schwere Zeiten durch (siehe 2. Korinther 11:23–28). Er erlitt Schiffbruch, wurde unschuldig inhaftiert und sogar gesteinigt. Und doch triumphierte das Gute über all das Übel durch sein geistiges Verständnis und die liebevollen Gebete der anderen Christen. Angesichts all dieser Beweise sagte Paulus: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur, uns von der Liebe Gottes zu scheiden vermag, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Römer 8:38, 39).

Selbst in unseren schlimmsten menschlichen Nöten können wir uns ebenso der geistigen Untrennbarkeit von der Liebe, Gott, sicher und zunehmend von der Macht des göttlich Guten über die Übel, die uns begegnen, überzeugt sein. Die Lehren der Christlichen Wissenschaft ermutigen uns konkret zu erkennen, dass Gottes Güte nicht nur mächtiger ist als das Böse, sondern dass sie unendlich ist, wodurch selbst die Behauptung einer scheinbaren Wirklichkeit des Bösen angezweifelt wird.

Das Böse fühlt sich sehr mächtig an, wenn wir von Ereignissen hören, die menschlich nicht umgekehrt werden können – wie bei den ersten Christen, als sie von Stephanus’ Steinigung hörten. Doch selbst dann haben wir eine Wahl. Wir können dem Drang nachgeben, die Endgültigkeit einer Mitteilung zu akzeptieren, oder sie als materiellen Bericht erkennen, als Strohfeuer verglichen mit der Substanz des guten Lebens, das es zu verbergen scheint.

Und noch wichtiger, wir können die verbreitete und doch geistig ungültige Schlussfolgerung hinterfragen, dass das Böse wirklich fähig war, jemanden auch nur eines Augenblicks seiner ewigen Untrennbarkeit von Gottes Güte zu berauben. Das war der Gedanke, der mir kam, als ich die traurige Mitteilung erhielt, dass eine Bekannte bei einem selbstlosen Dienst getötet worden war. Erst war ich schockiert. Es schien als ob Gott, das Gute, abwesend war, als es passierte. Doch in der relativen Ruhe eines siebenstündigen Überseeflugs betete ich inniglich, um den Augenschein eines Siegs des Bösen infrage zu stellen, indem ich mich bemühte, Paulus’ höhere Sichtweise einzunehmen, nämlich die der Christus-Idee unserer geistigen Untrennbarkeit von Liebe. Aus dieser Sicht wird klar, dass Gott keinen einzigen Augenblick abwesend ist. Das heißt nicht, dass Gott in den unfairen Umständen ist oder tatenlos zusieht. Es bedeutet, dass Gott anstelle der Umstände – Krankheit, Sünde oder Tod – gegenwärtig ist.

Diese Erkenntnis erinnerte mich an einen Gedanken aus Mary Baker Eddys Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift. Wie Paulus überwand auch Mrs. Eddy zahllose Schwierigkeiten, die sich ihrer hingebungsvollen Arbeit in den Weg stellten, „das ursprüngliche Christentum und sein verloren gegangenes Element des Heilens wieder einzusetzen“ (Handbuch der Mutterkirche, S. 17). Die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft schrieb mit der Autorität dieser Beweise von Gottes allgegenwärtiger Macht: „Wir verlieren die hohe Bedeutung von Allmacht, wenn wir, nachdem wir zugegeben haben, dass Gott, oder das Gute, allgegenwärtig ist und Allmacht besitzt, immer noch glauben, dass es eine andere Macht gebe, die das Böse genannt wird“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 469).

Als ich darüber nachdachte, erkannte ich, dass Einzelheiten einer Tragödie von der Materie berichten; sie geben den materiellen Eindruck von einem Augenblick wieder. Doch wir können uns auf einen geistigen Sinn von dem berufen, was in jeglicher Situation passiert – auf eine zeitlose, göttliche Perspektive, die nur Gottes Sicht der Schöpfung sieht.

Als sich mein Denken dieser göttlichen Sicht anpasste, war auch ich gewiss, wie Paulus es ausdrückt, dass es keinen Augenblick gegeben hatte, in dem meine Bekannte nicht Gottes geistiges Kind war, nicht eins mit Ihm und in Gottes unendliche Liebe eingehüllt war. Als ich das erkannte, wurden mir die Eigenschaften sehr bewusst, die ihre einzigartige, göttliche Identität ausmachten. Ich war sicher, dass diese Eigenschaften fortdauern, unberührt von der Schilderung eines Bösen gegen das Gute, die behauptet, die unendliche Ordnung von Gottes harmonischer Schöpfung stören zu können. Ich erkannte außerdem das ununterbrochene Gute all der Samen der heilenden Liebe, die sie bei anderen gesät hatte, indem sie auf der menschlichen Ebene das Gute, mit dem sie Gott widerspiegelte, zum Ausdruck brachte. Ich war fest entschlossen, die unbezähmbare Natur des Guten zu bezeugen, das in dieser Stelle in Mary Baker Eddys Buch Vermischte Schriften 1883–1896 zum Ausdruck kommt: „Im Lebenskampf wird das Gute durch die angebliche Tätigkeit des Bösen regsamer und beharrlicher. Ellenbogenstöße der Menge zwingen uns, fester auf den Füßen zu stehen“ (S. 339).

Letztlich ist jede Aktivität des Bösen „angeblich“, denn wenn die Handlungen des Bösen wahr wären, dann wäre die beständige Untrennbarkeit von Gott, die Paulus erkannte, eine Mythe. Doch die Liebe setzt nie aus, und Gottes Schöpfung ist auf ewig eins mit dieser allgegenwärtigen Liebe. Da wir das wissen, können wir das Gute wiedergeben und verstärken, das das Böse uns zu stehlen behauptet, und zwar, indem wir noch konsequenter auf der Grundlage dieser geistigen Ideen leben.

Tony Lobl
Stellvertretender Chefredakteur

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– Mildred W. Willenbrock, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Oktober 1963 

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