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Geistige Identität, Moral und unvoreingenommene Liebe

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 5. April 2019


Die Ansichten über sexuelle Moral haben sich im Laufe der Generationen geändert und bieten Christlichen Wissenschaftlern die Gelegenheit, in ihrem Verständnis von der wahren Identität des Menschen als geistig statt körperlich zu wachsen – und der Welt zu helfen, mehr Stabilität und Gesundheit durch eigene moralische Entscheidungen, unvoreingenommene Liebe und Gebete zu erlangen. Ich habe aus eigener Erfahrung einiges über den Wert dieser Herangehensweise gelernt – besonders was unvoreingenommene Liebe angeht.

Ich wurde Mitte der 1970er-Jahre Großmutter, als meine Tochter – damals noch ein Teenager – eine Tochter zur Welt brachte. Das war sehr schwer für mich, denn ich maß dem in der Christlichen Wissenschaft verbreiteten herkömmlichen Standard von Heirat und Sex einen hohen Stellenwert bei und war tief betrübt über die Situation meiner Tochter. Gleichzeitig versetzte die Lehre der Christlichen Wissenschaft mich in die Lage, diesem Problem mit Liebe zu begegnen – einer Liebe, die unsere Familie damals zusammenhielt und den Zusammenhalt unserer Familie – die wundervolle Enkelin miteingeschlossen – mit jedem Jahr mehr gefestigt hat.

Die Moral beschränkt sich nicht auf Geschlechtsverkehr, doch aufgrund der allgemeinen Annahme, dass unsere grundlegende Identität körperlich ist, wird das sexuelle Verhalten heute häufig aus dem Diskurs über Moral ausgeklammert. Ein körperliches Verständnis von Identität und die damit verbundenen Bedürfnisse und Impulse spielen aber eine große Rolle im Leben jedes Menschen und finden ihren Weg in unsere tieferen Gefühle und Gedanken. Und das wirkt sich auf unser Verhalten aus – es führt häufig zu einem Egoismus, der die besten Interessen anderer und der Gesellschaft als solches außer Acht lässt.

Religion spielt bei der Festlegung moralischer Standards der Menschen von jeher eine große Rolle, um den Einzelnen und die Gesellschaft zu schützen, indem geistige Werte als Wegweiser für einen moralischen Lebenswandel verwendet werden. Doch ohne ein klares Verständnis von unserer geistigen Identität stützen sich diese Werte mehr oder weniger auf Willenskraft, und die ist nicht gerade für ihre hohe Erfolgsrate bekannt. Daher hat Heuchelei in religiösen Kreisen viele Menschen der Religionen – und sogar eines Konzepts von Moral – überdrüssig gemacht.

Und doch haben die grundsätzlichen Lehrsätze der Bibel – die zehn Gebote und die Bergpredigt – Bestand als gottinspirierte Wegweiser für das menschliche Verhalten. Sie müssen allerdings auf einer tieferen Ebene verstanden werden. Und genau da kommt die göttliche Wissenschaft des Christentums zum Tragen; sie ist Gottes Offenbarung des geistigen Verständnisses der Bibel, angefangen mit der Beschreibung des Menschen als zum Bild und Gleichnis Gottes erschaffen, wozu auch die männlichen und weiblichen Eigenschaften des geistigen Seins gehören (siehe 1. Mose 1:26, 27).

Statt also von einem materiellen Verständnis des Menschen auszugehen und dann Gott als menschähnlich zu betrachten, gründet sich die Christliche Wissenschaft auf das biblische Verständnis von Gott als göttlichem Geist – als Leben, Wahrheit und Liebe – und von Seinem Ebenbild, dem Menschen, als gänzlich geistig. Diese geistige Sichtweise von Gott – und vom Menschen als Gottes Ebenbild – befähigt uns, die zehn Gebote als positive Aussagen darüber zu betrachten, wie man als Gottes eigener geliebter und würdiger Ausdruck lebt. Und Jesu Bergpredigt offenbart die moralischen und geistigen Eigenschaften, die uns ganz natürlich innewohnen und uns befähigen, gemäß Gottes Geboten zu leben – nicht durch menschlichen Willen, sondern indem wir Gott Vorrang gewähren. Das bringt wahre Freiheit, bessere Gesundheit und mehr Freude mit sich.

Doch wir müssen im geistigen Verständnis unserer wahren Identität wachsen und begreifen, wie man sie auf praktische Weise zum Ausdruck bringt. In der Hinsicht wird im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy, der Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, Folgendes empfohlen: „Erhebe dich sanft aus der Materie in den Geist. Denke nicht, dass du dich dem geistig Höchsten widersetzen kannst, sondern komme natürlich in den Geist hinein, durch bessere Gesundheit und Moral und als das Ergebnis geistigen Wachstums“ (S. 485). Was für eine sanfte Herangehensweise und was für ein gutes Beispiel für uns, wenn wir heute unsere Kinder erziehen und für die Welt beten.

Es ist ziemlich normal für diejenigen, die die Christliche Wissenschaft studieren, sich wunderbar würdig und von Gott geliebt zu fühlen, wenn sie ihre reine und unbefleckte Natur als Gottes geliebtes Ebenbild und Seine Widerspiegelung entdecken. Doch gleichzeitig kann es uns problematisch erscheinen, Charaktereigenschaften an uns zu entdecken, die nicht diesem Standard genügen. Wenn wir dann demütig werden, wenden wir uns wie David Gott zu und beten: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist“ (Psalm 51:12).

Unser moralischer und geistiger Fortschritt mag uns gelegentlich langsam erscheinen, doch er ist sicher, wenn wir bescheidene Motive verfolgen und uns ehrlich bemühen, ein Leben zu führen, das Zeugnis ablegt für die Güte und Vollkommenheit Gottes und des Menschen – und nicht nur für uns selbst, sondern auch zum Wohl der ganzen Menschheit. Gott unterstützt unseren Fortschritt.

Die verbreiteten Meinungen der Gesellschaft werden uns auf die Probe stellen und dazu anhalten, unsere Gedanken und Motive der Ebene anzupassen, wo wir meinen, wir und andere seien den Begrenzungen der Körperlichkeit ausgesetzt. Diese Art von begrenzenden Gedanken führen zu Unzufriedenheit und Frust sowie zu unmoralischem und unethischem Denken und Handeln, darunter Geschäftsgier, Egoismus und diktatorisches Vorgehen in der Regierung und unangemessenes sexuelles Denken und Verhalten in menschlichen Beziehungen.

Es erfordert Mut und Durchhaltevermögen, einen moralischen Lebenswandel zu führen, mit „Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Zuneigung, Barmherzigkeit, Hoffnung, Glaube, Sanftmut, Mäßigkeit“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 115). Diese Eigenschaften fördern unseren geistigen Fortschritt und den der Menschheit. Wir werden auf Widerstand stoßen, ob in unserem eigenen Denken oder dem von anderen, die noch nicht erkannt haben, wie natürlich ein geistiger Lebensansatz ist. Doch der Christus – die Wahrheit von der geistigen Identität des Menschen, die Jesus lebte und demonstrierte – steht als Hilfe bereit. Und wir können Jesu Art, die Gesundheit und Moral anderer zu heben, ebenfalls annehmen. Wir lesen in Wissenschaft und Gesundheit: „Die göttliche Natur kam am besten in Christus Jesus zum Ausdruck, der den Sterblichen die wahrere Widerspiegelung Gottes vor Augen hielt und ihr Leben höher hob, als ihre armseligen Denkmodelle es ermöglicht hätten – Gedanken, die den Menschen als gefallen, krank, sündig und sterbend darstellten“ (S. 259). Das ist sicherlich ein hehres Ziel. Doch es ist erreichbar, wenn wir uns auf die Macht der göttlichen Liebe stützen, uns zu helfen und anzuleiten.

Ich lerne ganz besonders aufzupassen, dass ich keine Selbstgerechtigkeit zulasse, die andere verurteilt. Eine solche Einstellung führt dazu, dass andere sich von uns abwenden, gegen uns wenden oder beides. Die Menschen müssen unsere unvoreingenommene Liebe spüren, selbst wenn ihnen unser moralischer Standard bewusst ist, der erheblich von dem abweichen kann, was ihnen am wichtigsten ist.

Die Christliche Wissenschaft hilft uns, ein unmoralisches und unethisches Verhalten nicht nur von unserem eigenen Denken und Verhalten zu trennen, sondern auch von der Art und Weise, wie wir andere identifizieren. Wir müssen aus uns selbst alles ausmerzen, was Gott und somit der wahren Natur eines jeden Menschen unähnlich ist. Und wir müssen dies tun und gleichzeitig jeden Menschen in seiner wahren Identität als Gottes vollkommene geistige und würdige Widerspiegelung selbstlos und unvoreingenommen lieben.

Ist das einfach? Nein! Ist es wichtig? Und wie! Können wir es bewerkstelligen? Ja, solange wir uns auf Gottes Macht stützen und nicht auf menschlichen Willen!

Gott, unparteiische und universale Liebe, ist das göttliche Prinzip des Menschen und belebt jeden menschlichen Gedanken und jede Handlung. Und durch unser tiefes Studium der Bibel und von Wissenschaft und Gesundheit zusammen mit unserem täglichen Einsatz, gemäß dem göttlichen Prinzip zu leben, werden wir mehr Freude, bessere Beziehungen und robustere Gesundheit erleben und in der Welt fördern. Das ist die Art von moralischem Leben und moralischer Liebe, nach der die Menschheit verlangt.

Wenn wir unserem Alltag nachgehen, müssen wir die Entscheidungen treffen, die unserem Fortschritt und dem anderer am dienlichsten sind: in der Kirche, am Arbeitsplatz, auf dem Markt und im Denken über Machthaber und Zufallsbekanntschaften. Mrs. Eddy gibt folgenden wertvollen Rat: „Bei menschlichen Handlungen beginnt die Weisheit mit dem, was unter den gegebenen Umständen dem Rechten am nächsten kommt, und von da aus vollbringt sie das unbedingt Rechte“ (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 288). Unsere Wahl von dem, was „dem Rechten am nächsten kommt“, wird klar sein, wenn sie von der unfehlbaren Liebe des Christus, der Wahrheit, angeleitet wird.

Es ist nie zu früh oder zu spät, in Übereinstimmung mit unserer wahren, gottähnlichen Identität zu leben und zu lieben. Dieser selbstlose Lebenswandel dient dazu, den moralischen Standard für unsere Familien und die Welt zu heben.

Barbara Vining
Chefredakteurin

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– Mildred W. Willenbrock, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Oktober 1963 

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