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Original im Internet

Liebevolles Zuhören stellt Verbindung und Einheit her

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 31. Mai 2019


Eine Freundin und ich drehten uns im Kreis. Wir kamen nicht weiter mit immer gleichen Argumenten und dem Versuch, uns gegenseitig zu überzeugen, ohne einander allerdings wirklich zu verstehen oder einen Weg voran zu finden.

Als ich über die Situation betete, merkte ich, dass meine Zuneigung zu ihr nur noch ein Schatten war. Ich wünschte ihr Gutes, doch zuhören – offen sein für ihre Bedenken und interessiert sein an ihren Ideen – wollte ich nicht. Ich wollte, dass sie mir recht gab und mich unterstützte.

Diese schwierige Situation brachte meine oberflächliche Zuneigung ans Licht, und ich machte mich daran, Liebe besser zu verstehen. Die Bibel sagt uns, dass Gott der Ursprung von Liebe ist. Ja, Gott ist Liebe (siehe 1. Johannes 4:8). Um Liebe zu verstehen, muss man also Gott kennen – verstehen, dass Gottes Liebe so allumfassend, so unendlich ist, dass nichts existieren kann, was Liebe unähnlich ist. Selbst Furcht ist unmöglich in einem mit Liebe erfüllten Bewusstsein, und die Christliche Wissenschaft lehrt, dass es kein anderes Bewusstsein gibt. Wir lesen dort: „Furcht ist nicht in der Liebe“ (1. Johannes 4:18).

Als ich den Umfang der göttlichen Liebe erkannte, wusste ich, dass ich mich hinsichtlich der Entscheidung von Liebe führen lassen konnte. Meine Furcht und begrenzte Sichtweise, die argumentierten, dass mein Weg der richtige war, fügte sich der Zuversicht, dass die göttliche Liebe uns den Weg durch die abweichenden Meinungen weisen würde. Nun konnte ich mich von meiner eigenwilligen Haltung lösen und fing an, wirklich zuzuhören, was die Freundin zu sagen hatte. Diese Art zuzuhören war Neuland (und neue Liebe) für mich, und rückblickend erkenne ich, dass Christus Jesus es uns vorgemacht hat.

Jesus war das höchste Beispiel für gelebte Liebe. Er wusste, dass der Mensch die Widerspiegelung Gottes ist – untrennbar von der Liebe; der Ursprung seiner Fähigkeit, Liebe auszudrücken. Er demonstrierte die Macht der Liebe Gottes und heilte damit die Kranken, wandelte die Sünder um und weckte die Toten auf. Er demonstrierte die Zärtlichkeit der Liebe Gottes und war damit ein geduldiger Lehrer, guter Freund und aufmerksamer Zuhörer.

Jesu Fähigkeit zuzuhören kam von Gott, der nicht nur göttliche Liebe ist, sondern auch unendliches Gemüt. Diejenigen, die mit Jesus zu tun hatten, verstanden durch seine Fähigkeit, zuzuhören und inspiriert zu antworten, welche Erkenntnisse Gott vermitteln kann und welch große ist. Er wusste, wann und wie er zuhören und antworten musste. Er hörte der Samariterin am Brunnen zu, als sie sich darüber wunderte, was er über ihren Bedarf an „lebendigem Wasser“ sagte, und fand Worte, die ihr Denken erheben konnten. Er hörte Marta zu, als sie versuchte, nach dem augenscheinlichen Tod ihres Bruders seine Erklärung über das ewige Leben zu verstehen, und sagte Dinge, die ihr Erleuchtung und Trost brachten. Und er hörte seinen Schülern zu und ging auf ihre Ängste ein, als sie am Abend vor seiner Kreuzigung mit der Bedeutung seiner Worte rangen.

Mary Baker Eddy war für dieselbe Fähigkeit bekannt – zu erfassen, was andere auf dem Herzen hatten. Eine Schülerin schrieb: „Mrs. Eddy hatte die seltene Gabe, sich im Dienst an anderen zu verlieren. Egal mit wem sie sprach, diese Person war in dem Augenblick alles, was für sie existierte. Es war, als waren sie und ihr Gegenüber allein mit Gott, und sie schenkte in dem Moment ihre ganze Aufmerksamkeit und Liebe nur dem einen Bewusstsein. Das war keine einstudierte Haltung, sondern das Ergebnis ihres aufrichtigen Interesses an jedem Menschen. Und es führte dazu, dass sie aus jedem das Beste herausbrachte, was er zu bieten hatte“ (Daisette D. S. McKenzie, „Erinnerungen von Daisette Stocking McKenzie, C.S.B., und William Patrick McKenzie, C.S.B.“, Januar 1947; LSC009, Die Mary Baker Eddy-Bibliothek; © The Mary Baker Eddy Collection).

Das war die Art von Liebe und Zuhören, die ich auch anstrebte – Liebe und Zuhören, die das Ergebnis eines „aufrichtigen Interesses“ an der Freundin waren, nicht nur eine vermeintlich faire Einstellung, die das Ergebnis zu meinen Gunsten beeinflusste. Die Art zuzuhören, die ihr zeigte, dass ihre Worte ankamen, dass sie mir wichtig waren und dass sie selbst wertgeschätzt wurde. Ich verstand, dass die Sache keinesfalls schlecht ausgehen konnte, wenn ich Gott, Liebe, wirklich verstand und vertraute und diese Liebe auf fühlbare Weise ausdrückte. Kein Gedanke, den die Freundin vorbrachte, konnte das in Gefahr bringen, also konnte ich ihr zuhören, ohne sie zu kritisieren oder defensiv zu werden, sondern offenen, interessierten und aufnahmebereiten Herzens.

Ich wollte nicht mehr  ihre Zustimmung zu meinem Plan, sondern dass sie mit dem Gefühl aus unserem Gespräch herauskam, geliebt zu sein, wirklich gehört zu werden und die Anerkennung ihrer Ideen zu haben einschließlich der Gewissheit, dass unsere Beziehung wichtiger war als meine Agenda. Am Ende musste ich zugeben, dass ihre Ideen weiser waren als meine, und wir folgten ihrem Plan.

Dieselbe Praxis, geistig zu lieben und zuzuhören, hat sich auch in Organisationen bezahlt gemacht, denen ich angehörte, einschließlich der Kirche.

Als Zweigkirchenmitglied weiß ich, dass der Wunsch, der göttlichen Liebe zu vertrauen und anderen mit aufrichtigem Interesse zuzuhören, auf Mitgliederversammlungen zu harmonischeren Interaktionen und besseren Ergebnissen führt. Wenn die göttliche Liebe in aufrichtigem Respekt und Interesse für die anderen Mitglieder und ihre Ideen deutlich wird, tritt die Furcht, dass abweichende Meinungen problematisch sind, in den Hintergrund, und ein freier Ideenaustausch wird möglich. Dann verschwindet die Tendenz zum Debattieren zugunsten eines liebevollen Dialogs, bei dem klar ist, dass alle Beteiligten auf das göttliche Gemüt lauschen und einen wertvollen Beitrag leisten. In dieser Atmosphäre der Liebe und des Respekts unter den Mitgliedern nehmen wir vereint den vom göttlichen Gemüt vorgegebenen Pfad. Der Apostel Paulus empfiehlt diese in Liebe verankerte Haltung, wenn er schreibt: „Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor“ (Römer 12:10).

Ich habe festgestellt, dass Diskussionen dieser Art in der Kirche wärmer, harmonischer und kooperativer sind. Abweichende Meinungen werden nicht ignoriert oder überstimmt, sondern gelten als Möglichkeit, mehr zu erforschen und zu verstehen. Entscheidungen werden vereinter getroffen, da Diskussionen, an denen alle beteiligt sind, ganz natürlich zu Vorschlägen führen, die von einer Mehrheit mitgetragen werden. Meine eigene Befürchtung, dass wir eine falsche Entscheidung treffen würden, wenn eine bestimmte Meinung nicht durchkommt, machte der Überzeugung Raum, dass Gottes Stimme von allen Seinen Kindern erkannt und gehört wird, da wir alle der Ausdruck des einen Gemüts sind. Einander ohne Vorurteil oder Kritik zuzuhören, erwies sich nicht als abschüssiger Weg ins Chaos, sondern als das Gegenteil: unser Bewusstsein wurde erhoben und wir vertieften unser Engagement, die Satzung der Zweigkirche und ihrer Mutterkirche (der Ersten Kirche Christi, Wissenschaftler, in Boston) zu befolgen.

Wenn wir wirklich zuhören und damit anfangen, ein „aufrichtiges Interesse an jedem Menschen“ zu haben, spiegeln wir Gottes Liebe wider. Dieses Interesse vereint die Parteien; es kann gar nicht anders als von dem gefühlt zu werden, dem unser Interesse gilt. Die Freiheit von Furcht, die es mit sich bringt, hilft uns zu erkennen, dass wir in einer Umgebung sind, in der ein freier Ideenaustausch möglich ist. In diesem angstfreien Umfeld ist Gottes Stimme vernehmbar, die Führung des göttlichen Gemüts erkennbar und die vereinigende Macht der Liebe erfahrbar.

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Die Mission des Herold

Mrs. Eddys göttlich inspirierte Erklärung der Mission des Herolds der Christlichen Wissenschaft, der im Jahre 1903 gegründet wurde, ist zu einem Symbol für die weltumfassenden Tätigkeiten der christlich-wissenschaftlichen Bewegung geworden. Ihre Worte erscheinen als Inschrift an der Vorderseite der Christlich-Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft. Sie lauten: „Die allumfassende Wirksamkeit und Verfügbarkeit der Wahrheit zu verkünden.“ Der Herold ist ein greifbarer Ausdruck des Wunsches unserer Führerin, die unschätzbare Kenntnis der Wissenschaft des Lebens an die ganze Menschheit weiterzugeben. Sie erkannte, dass der Tröster „zur Heilung der Völker“ gekommen war.

– Alfred F. Schneider, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, September 1977

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