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Für Junge Leute

Sollte ich mit ihm schlafen?

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 23. April 2019


Mit ihm zu schlafen war nie mein Plan gewesen. Er war einfach ein Bekannter, dem ich dreitausend Meilen von zu Hause zufällig begegnete. Wir redeten nur miteinander. Und lachten. Fühlten uns verbunden.

Klar, er war intelligent, nette Gesellschaft, sah gut aus. Ich fühlte mich von ihm angezogen und ihm ging es eindeutig genauso.

Und dann ... führte eins zum andern. Wir rückten auf dem Sofa näher zusammen. Ich berührte ihn am Arm, er meine Hand.

„Sollten wir ins Schlafzimmer gehen?“, fragte er.

Ich hatte lange niemanden so anziehend gefunden.

Es fühlte sich richtig an, nein zu sagen, eine Grenze zu setzen. Doch ich unternahm keinen Versuch, die Zeichen der Zuneigung aufzuhalten. Ich wusste, dass ich mich nicht konsequent verhielt, doch irgendwie war es mir egal.

Nein – egal war es mir nicht. Ich wusste nur nicht, was ich eigentlich wollte.

Ich hatte so viel über Beziehungen gebetet. Obwohl ich mein Leben lang Christliche Wissenschaftlerin war, hatte ich in den letzten Jahren eine neue, geistigere Sichtweise von Beziehungen erlangt. Ich hatte gelernt, dass meine Beziehungen glücklicher und besser verankert sind, wenn ich sie als Ausdruck des Guten betrachte, das Gott, das Gute, uns immer bereitstellt. Ich hatte angefangen zu verstehen, dass ich mein Leben nicht in Schubladen einteilen kann: ich kann nicht Gott und Religion in eine Schublade tun und dann denken und handeln, als ob alles andere von Gott getrennt ist. Ich war zu der Erkenntnis gekommen, dass alles Gute in jedem Bereich meines Lebens ein Ausdruck von Gott, dem göttlich Guten, ist, also musste es mit dem geistig Guten übereinstimmen – nicht mit einer begrenzten Auffassung von Gutem verbunden mit Wünschen, Sehnsüchten und potenziellen Nachteilen, sondern das reine, wahre, beständige Gute ohne jeden Eigennutz.

Doch ich hatte sehr lange niemanden so anziehend gefunden.

Es lag bald auf der Hand, dass mein Entschluss, nicht ins Schlafzimmer zu gehen, irrelevant geworden war. Meine Gedanken rasten. Würde es wirklich etwas ausmachen, wenn ich mit ihm schliefe? Ja. Nein. Ja. Was ist schon dabei? Ich hatte das nicht so geplant, aber nun würde es passieren.

Und dann ... passierte es doch nicht. Stattdessen passierte etwas viel Besseres.

Ein winziges Zögern. Dann fragte er: „Bist du damit einverstanden?“

Ich sagte ja. Doch dann hielt er ein paar Minuten später noch einmal inne und fragte: „Bist du morgen immer noch damit einverstanden?“

Da begriff ich, was wirklich vor sich ging. Er war nicht nur ein netter Typ, der meine Zustimmung wollte. Nein, in dem Moment, als ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich aufhören sollte, als ich dachte, dass ich nicht aufhören wollte, gab es da noch etwas anderes, das ganz klar Wirkung zeigte, und wir konnten es beide spüren.

Ich hatte in der Christlichen Wissenschaft gelernt, dass das, was ich jetzt spürte – diese machtvolle Gegenwart einer reinen, völlig geistigen Liebe –, als Christus bezeichnet wird. Und diese Christus-Gegenwart füllte den Raum ganz und gar und neutralisierte jeglichen sexuellen Drang völlig. Ich fühlte mich in diesem Moment so geliebt und versorgt wie nie zuvor – auf eine Weise, die von Gott stammen musste.

Danach fiel es uns beiden leicht, aufzuhören. Wir zogen uns wieder an und er fuhr mich zurück ins Hotel. Keiner von uns meinte, etwas verpasst zu haben. Und das hatten wir auch nicht. Wir wussten beide, dass es wegen des tiefen Gefühls von Liebe – wahrer Liebe, die den Raum erfüllt hatte – richtig gewesen war.

Damit war die Geschichte nicht zu Ende, denn das Gefühl der spürbaren Gegenwart des Christus blieb mir erhalten und brachte so viel mehr Befriedigung mit sich als ich erlebt hätte, wenn es zum Geschlechtsverkehr gekommen wäre. Ich habe daraus gelernt, dass Gott uns nicht weniger gute Dinge gibt als die Gesellschaft, sondern viel, viel bessere. Und Christi Gabe reiner Liebe bildet die Grundlage für wahres Glück.

Nicht lange danach lernte ich jemanden kennen, mit dem ich eine tiefe Verbindung habe und der weiter ein wichtiger Teil meines Lebens ist. Diese neue Beziehung gibt mir alles, was ich gewollt habe, und noch viel mehr. Ich bin ziemlich sicher, dass es aufgrund meines inzwischen erlangten Wissens dazu gekommen ist, dass ich niemanden brauche, um echte Liebe zu spüren. Die hatte ich ja schon von Gott, und deshalb war sie immer da. Ich konnte das immer dann spüren, wenn ich bereit war, darauf zu achten.

Manchmal fragte ich mich: Hätte eine andere Entscheidung so einen großen Unterschied gemacht? Und die Antwort, die mir immer wieder kommt, ist, dass es sehr einfach gewesen wäre, die große Lektion über wahre Liebe, Gottes Liebe, zu verpassen, wenn ich nicht bereit gewesen wäre, das geistig Gute zu erleben, das mir bereits zur Verfügung stand. Und diese Lektion hat mir nicht nur bei Beziehungen geholfen, sondern auch überall sonst, und ich würde es um nichts in der Welt ändern wollen.

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– Otto Bertschi, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Oktober 1968 

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