Ich habe eine liebe Freundin, mit der ich jeden Tag per Video-App rede. Als ich mich über etwas, was sie sagte, empörte und überlegte, nicht weiter täglich mit ihr zu sprechen, wusste ich, dass es eine große Veränderung sowohl in ihrem als auch in meinem Leben bedeuten würde. Ich war mir nicht sicher, ob das, was ich als völlig berechtigten Ärger empfand, die Veränderung unserer Freundschaft wert war.
Mein verkrampfter Magen ließ mich ihre Bemerkungen jedoch nicht einfach vergessen. Große Gefühle und wütende Einwände schwirrten in meinem Denken herum. Aber ich war klug genug, innezuhalten und nachzudenken, bevor ich reagierte. Ich fragte mich: „Wie würde Jesus in einer solchen Situation handeln?“
Das Johannesevangelium schildert einen Vorfall, bei dem eine Frau als Sünderin verurteilt wird und Christus Jesus daraufhin erklärt, dass nur jemand, der selbst ohne Sünde ist, das Recht habe, den ersten Stein auf sie zu werfen (siehe Kapitel 8:1–11). Diese Zurechtweisung der Selbstgerechtigkeit schützte die Frau vor Schaden, da alle ihre Ankläger weggingen, ohne einen einzigen Stein zu werfen. Angesichts der Tatsache, dass Jesus Selbstgerechtigkeit zurechtwies, fragte ich mich, ob ich Selbstgerechtigkeit in mir selbst zurechtweisen musste.