Lange dachte ich, dass die inspirierenden Ideen, die ich in der Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft hörte, großartig waren, aber wohl nicht alle auf mich zutrafen.
Ich konnte akzeptieren, dass ich Gott in einigen, aber ganz und gar nicht in anderen Dingen zum Ausdruck brachte. Beispielsweise hatte ich in der Bibel gelesen, dass wir nach Gottes Ebenbild gemacht sind und dass alles, was Er gemacht hat, sehr gut ist. Das ist ja eine schöne Vorstellung – und, klar, ich dachte, dass ich ein guter Mensch war und meine Talente einigermaßen gut nutzte. Doch wenn ich mich selbst betrachtete, war ich nicht überzeugt, dass wirklich alle Eigenschaften Gottes – wie Schönheit, Eleganz, tolle Ausstrahlung – bei mir vorhanden waren.
Wir reden in der Christlichen Wissenschaft manchmal über geistige Vollkommenheit, über das geistige Gesetz, dass wir als Gottes geistige Widerspiegelung vollkommen sind, weil Gott, Geist, vollkommen ist. Das bezog ich definitiv nicht auf mich. Ich fühlte mich so weit von Vollkommenheit entfernt, wie man nur sein kann.
Doch durch meine Beschäftigung mit der Christlichen Wissenschaft lerne ich, dass ich keine Ausnahme bin, denn wenn ein wissenschaftliches Gesetz Ausnahmen hätte, wäre es kein Gesetz.
Vor einigen Jahren habe ich etwas erlebt, das mir diese Tatsache so klar gemacht hat, dass ich sie nie vergessen werde. Es fing damit an, dass ich ungewöhnlich viele Haare verlor. Das machte mich nervös, denn ich hatte schon einmal mit Haarausfall zu tun gehabt, als ich eine Essstörung hatte. (Über diese Heilung berichte ich in der Episode des Podcasts Sentinel Watch mit dem Titel „Why I left Christian Science – and why I came back“ [Warum ich der Christlichen Wissenschaft den Rücken zugekehrt habe – und dann zurückgekehrt bin] vom 6. Mai 2024. Der Podcast wird von der Verlagsgesellschaft der Christlichen Wissenschaft herausgegeben.) Ich hatte das Gefühl, in diese Zeit zurückversetzt zu werden, in der ich mich in sehr schlechtem Licht sah. Und ich war besorgt, dass mein eh schon dünnes, feines Haar jetzt noch dünner werden würde. Um es ganz klar zu sagen, ich hatte Angst hässlicher zu werden.
Ich beschloss, eine Praktikerin der Christlichen Wissenschaft zu bitten, mit mir zu beten, denn ich hatte durch die Christliche Wissenschaft schon viele Heilungen erlebt. Ich wusste, dass ich mit dieser Praktikerin sprechen konnte, ohne dass mir etwas peinlich sein oder ich befürchten musste, dass sie mich verurteilt.
Wir redeten darüber, dass ich weniger an den Begriff Perfektion denken und mich mehr auf die Idee fokussieren sollte, dass ich vollständig gut war. Ich war nicht überzeugt, dass mir das helfen würde, keinen Haarausfall mehr zu haben. Doch ich dachte, dass ich doch einmal ausprobieren konnte, mich als in Gottes Gesetz enthalten zu betrachten. Und in Gottes Gesetz enthalten zu sein hieß, dass ich Schönheit zum Ausdruck bringen musste – nicht weil ich Haare hatte wie in der Shampoo-Werbung, sondern weil ich Gott, das Gute, widerspiegele, und das schließt jede gute Eigenschaft ein.
Ich dachte außerdem über einen Satz aus einem Buch von Mary Baker Eddy mit dem Titel Rückblick und Einblick nach, den mir eine Freundin gezeigt hatte (S. 35): „Die Wissenschaft ist das Prisma der Wahrheit, das ihre Strahlen bricht und die Farbtöne der Gottheit ans Licht bringt.“ Dieses Bild half mir zu erkennen, dass Gott unsere Quelle ist, und obwohl wir alle die Farbtöne der Schönheit auf ganz eigene Weise zum Ausdruck bringen, sind wir der vollständige Ausdruck dieser Schönheit, und dazu gehört jeder Farbton.
An diese Dinge dachte ich beim Haarewaschen und konzentrierte mich auf das, was ich lernte, statt auf die Befürchtung, dass mir die Haare in Büscheln ausfallen würden. Nach dem Duschen wickelte ich mir ein Handtuch um den Kopf und setzte mich hin. Ich fühlte mich wirklich von Gott geliebt und von der göttlichen Liebe versorgt – und das schloss jedes Haar auf meinem Kopf ein. Gott konnte nicht Gott sein, wenn etwas mit Seiner guten und vollkommenen Schöpfung nicht in Ordnung war. Ich war von Gottes Liebe und der Vollständigkeit dessen, was Er gemacht hat, nicht ausgeschlossen.
Als ich nach ein paar Minuten wirklichen Frieden gefunden hatte, nahm ich das Handtuch ab und stellte fest, dass mein Kopf nicht kahl war. Das schrieb ich der Praktikerin in einer SMS, und wir mussten beide lachen, weil es so albern war. Wir konnten darüber lachen, weil ich ein klareres Verständnis von meiner Beziehung zu Gott als Seine vollständig geliebte, ganz und gar schöne Widerspiegelung hatte – ohne Ausnahme.
Der Haarausfall hörte sofort auf, und jetzt verliere ich nicht mehr Haare als jeder andere Mensch auch. Ja, mein Haar ist gesünder und dichter als je zuvor. Doch das, was ich gelernt habe – dass ich aus dem Guten nicht ausgeschlossen bin und mir auch keine von Gottes Eigenschaften fehlt –, war der wertvollste Teil dieser Heilung. Zu erkennen, dass ich nicht die Ausnahme von Gottes Gesetz bin und dass ich Ihn so vollständig zum Ausdruck bringe wie alle anderen, hat mir in vielen anderen Bereichen meines Lebens geholfen.
Du bist auch keine Ausnahme, was Gottes Gesetz angeht. Ja, du bist der Ausdruck von Gottes Gesetz – vollständig gut und geliebt.
