Ich war noch nicht lange Mutter, wir hatten wenig Einkommen, und ich war zur Kirche gegangen, um Gott anzubeten. Meine Großmutter hatte mir immer gesagt, dass wir die liebevolle Fürsorge unseres himmlischen Vaters fühlen können, wenn wir beten, und als ich an dem Abend in der Mittwoch-Zeugnisversammlung einer Zweigkirche der Christlichen Wissenschaft betete, hörte ich einen Engel – eine Inspiration von Gott –, der zu mir sagte: „Ich zeige dir den Weg!“ Von dem Moment an war ich überzeugt, dass Gott meine Familie und mich in jeder Hinsicht versorgte.
Ich hatte nach einem besseren Verständnis der geistigen Tatsache gestrebt, dass trotz unseres unzulänglichen Einkommens alles in Ordnung war. Dieser Gottesdienst war ein Wendepunkt für mich, denn ich hörte auf, auf meinen augenscheinlichen Mangel zu sehen. Stattdessen dankte ich Gott, Geist, beim Beten für das reichhaltige Gute, das Er immer bereitstellt. Die Versorgung des göttlichen Geistes ist überall. Ich dankte Gott für die florierende Natur um mich herum und für das, was ich mir bereits leisten konnte; ich dankte Gott sogar für die Segnungen anderer, beispielsweise das neue Auto meiner Nachbarin. Und ich betete im Namen anderer, die ebenfalls Mangel zu leiden schienen.
Mein Lieblingsvers in der Bibel war schon immer (Matthäus 6:33): „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird euch das alles zufallen.“ Ich wusste, dass im Himmel, der göttlichen Harmonie, kein Mangel herrscht.
Der Apostel Paulus schrieb über Gott (Apostelgeschichte 17:28): „In ihm leben, weben und sind wir.“ Ich verstand zum ersten Mal, dass wir in Geist leben. Dort gehört uns schon die Substanz, die Gott bereitstellt und die für jeden Bedarf ausreicht. Wir müssen nicht zu Gott beten, damit Er uns mehr gibt, denn Gott hat uns Vollständigkeit verliehen; uns fehlt nichts, das gut und nötig ist.
Ich betete an jenem Abend weiter und bekräftigte die geistige Tatsache, dass Gott unsere unendlich reiche und liebevolle Quelle ist. Die Sicht auf meine physischen Umstände wurde durch das Verständnis vom unendlichen Guten ersetzt, das von Gott kommt, und ich erhob mich von einer falschen Vorstellung vom Leben zu dem Bewusstsein der unendlichen geistigen Substanz, die uns immer zu eigen ist. Ich war sicher, dass ich damit Christus Jesus folgte.
Wer verstand Gottes reichhaltige Gnade besser als Jesus, als er Tausende mit nur ein paar Broten und Fischen speiste? Die Beschreibung davon schenkte meinem Mann und mir ein paar Wochen nach diesem Gottesdienst Inspiration. Nach einer ganztägigen Bergwanderung, die etliche hundert Höhenmeter spannte, stellten wir mit einem anderen Paar unsere Zelte auf und erfuhren, dass die beiden ihren Proviant für den Abend vergessen hatten. Mein Mann und ich hatten nur zwei Hamburger, zwei Äpfel und zwei Bouillonwürfel dabei. Doch wir vier beteten zusammen und dankten Gott für das Essen, das wir bei uns hatten. Wir schnitten alles in gleichgroße Teile und stellten fest, dass wir vollständig satt geworden waren.
Die Bibel berichtet, dass Jesus seine Augen zu Gott erhob und Ihm dankte, bevor er seinen Freund Lazarus von den Toten erweckte (siehe Johannes 11:41–44). Erhob er nicht seine Wahrnehmung, um die Güte und Fülle Gottes zu erkennen? Zu anderen Zeiten befahl Jesus einzelnen Personen, aufzustehen – beispielsweise, als er den einzigen Sohn einer Witwe von den Toten auferweckte (siehe Lukas 7:11–15).
Jesus exemplifizierte Christus; er trug seinen Nachfolgern auf, so zu heilen wie er. Unsere Einheit mit Gott als dessen Ebenbild befähigt uns, Jesu Beispiel gehorsam zu folgen. Mary Baker Eddy erklärt im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 505): „Geist teilt das Verständnis mit, das das Bewusstsein erhebt und in alle Wahrheit führt.“ Dieses Verständnis bewirkt Heilung.
In den Tagen nach diesem Gottesdienst fuhr ich fort, „zuerst nach dem Reich Gottes“ zu trachten, indem ich täglich Zeit damit verbrachte, mich intensiv mit der Bibellektion der betreffenden Woche aus dem Vierteljahresheft der Christlichen Wissenschaft zu beschäftigen. Diese Lektionen halfen mir zu verstehen, dass Gott – Leben, Wahrheit und Liebe – uns reichhaltig Gutes gibt. Diese Einladung im Buch Jesaja half mir besonders (55:1): „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst; kommt her und kauft ohne Geld und umsonst beides, Wein und Milch!“ Wir können uns für alles, was wir brauchen, immer an unsere geistige Quelle, Gott, wenden.
Die Bibel gibt uns das Wort Gottes, die Quelle unserer Versorgung, unserer Substanz und unseres Lebens. Und in Wissenschaft und Gesundheit wird dieses geistig nährende Wort beleuchtet. Statt materielle Ziele zu verfolgen, fuhr ich fort, Gott in der Kirche und überall zu dienen und zu vertrauen. Durch das inspiriert, was ich durch mein tägliches Bibelstudium und Gebet lernte, wurde ich nach und nach dazu geführt, eine berufliche Laufbahn im Bereich Kommunikation einzuschlagen, erst in den Printmedien und dann in Radio und Fernsehen.
Eines Tages bat mich ein Freund, seinem Werbespot im Fernsehen meine Stimme zu leihen. Als der Produzent mich kennenlernte, bot er mir einen Job in seiner Firma an. Innerhalb weniger Wochen wurde ich seine Assistentin. In den darauffolgenden Jahren arbeiteten wir sehr erfolgreich zusammen. Meine Umstände änderten sich erheblich; es schien, als ob sich die Fenster des Himmels geöffnet hatten (siehe Maleachi 3:10), und meiner Familie und mir wurde der Weg aus Mangel heraus gezeigt.
Wem wird also durch die heilende Botschaft der göttlichen Liebe der Weg zu Gott gewiesen? Jedem Menschen, der sein Herz darauf richtet, Gott besser zu verstehen, der nach Gottes Führung Ausschau hält und auf sie hört und der Ihm sein Leben widmet. Jesus hat uns gelehrt, dass Liebe jeden Bedarf deckt. Wir laden im Gebet Engel – Gottes reine und liebevolle Gedanken – in unser Bewusstsein ein, damit sie uns erheben und heilen. Und sie zeigen uns wiederum, dass wir in alle Ewigkeit mit Gott und Seinen reichhaltigen Segnungen vereint sind. Wir können freudig dieses Versprechen von Paulus bestätigen (Philipper 4:19): „Mein Gott aber wird allen euren Mangel ausfüllen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.“
