Praktisch jeder Mensch stößt im Leben auf Situationen, in denen der Fluss des Guten sehr eingedämmt oder gar vollständig blockiert zu sein scheint. Eine hilfreiche Frage lautet: „Wer oder was kontrolliert nach meiner Überzeugung den Fluss des Guten in meinem Leben – der Chancen, des Glücks, der Gesundheit, der Liebe, des Friedens usw.?“
Es mag aussehen, als sei es unser Arbeitgeber, eine Nachbarin, ein Verwandter, eine Politikerin oder die Regierung, der bzw. die einen Damm im Strom des uns zuströmenden Guten errichtet hat. Oder wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, wir seien ein hilfloses Opfer uneinsichtiger oder aggressiver menschlicher Persönlichkeiten. In solchen Fällen ist eine höhere, geistige Sichtweise vonnöten, um den Mesmerismus des Frusts und der Angst zu durchbrechen. Dann ist es möglich, das zu beseitigen, was uns von der Erkenntnis abhält, dass der natürliche Fluss des geistig Guten beständig aus dem einen unendlichen Gemüt, Gott, zu uns kommt.
Aus der geistigen Sicht, die die Christliche Wissenschaft bereitstellt, ist der Übeltäter nie ein Mensch, sondern immer die irrige Vorstellung vom Wesen des Guten als endlich und materiell. Diese irrige Vorstellung scheint Autorität und Macht zu besitzen, doch in Wirklichkeit hat sie nur die Macht, die wir ihr zugestehen.
Wir lesen in der Bibel (Jakobus 1:17): „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem es keinen Wechsel und auch nicht den Schatten einer Veränderung gibt.“ Mit anderen Worten, Gott, Geist, ist die einzige Quelle des Guten, und als solche ist sie vollständig geistig und absolut verlässlich.
Wir lassen uns allerdings allzu einfach einreden, dass das Gute, wie es sich auch zeigen mag, einen menschlichen oder materiellen Ursprung hat und daher durch das unterbrochen werden kann, was andere tun oder unterlassen, oder dass wir persönlich dafür zuständig sind, die Fortdauer oder gar die Existenz des Guten zu sichern.
Das Konzept des Guten als materiell, begrenzt und sporadisch – einigen verfügbar, aber nicht anderen oder manchmal vorhanden, aber nicht immer – ist wie ein Haus, das statt auf Felsen auf die Erde und ohne Grundmauer gebaut ist und zusammenbricht, wenn Schwierigkeiten auftreten (siehe Lukas 6:48, 49). Es wäre naiv und vergeblich, unsere Hoffnungen auf dieses materielle Konzept des Guten zu gründen.
Wenn wir in unseren Gebeten ein höheres, geistiges Verständnis des Guten erlangen, erkennen wir dessen göttliches Prinzip, Liebe, und können uns der Beständigkeit und Universalität des Guten absolut sicher sein. Und da wir alle geistig von Christus, der göttlichen Idee versorgt sind, die beständig zu unserem Bewusstsein spricht, können wir die geistige Tatsache der unaufhaltsamen Tätigkeit des Guten immer besser beweisen.
Ich hatte in meiner Berufstätigkeit mehrmals Vorgesetzte mit äußerst dominierenden Persönlichkeiten. Sie maßten sich eine Macht und Autorität an, die andere persönlich verletzte und eine produktive Arbeitsatmosphäre störte. Ich habe miterlebt, wie Kolleginnen und Kollegen gedemütigt und unrechtmäßig entlassen wurden. Manchmal fühlte ich mich durch den Druck gefangen, unangemessene und unmögliche Erwartungen erfüllen zu sollen. Einmal wurde ich so krank, dass ich meine Stelle kündigte, weil ich meinte, dass das die einzige Möglichkeit war, meine Gesundheit zurückzuerlangen.
Ich wollte für mich und andere heilend auf diese Situationen einwirken. Ich musste die Vorstellung, dass eine eigenwillige und schädliche persönliche Macht die Kontrolle hatte, im Denken hinterfragen und zurückweisen und durch die Zuversicht auf Gottes gnädige, liebevolle und beständige Kontrolle ersetzen. Wer hatte meiner Meinung nach die Macht? Anders ausgedrückt: Wer oder was kontrollierte den Fluss des Guten aus meiner Sicht?
Die Versuchung bestand darin, mich als Opfer eines böswilligen Gemüts zu sehen, das ganz und gar von Gott getrennt und Ihm unähnlich war. Mein Gebet schloss die Erkenntnis ein, dass Liebe das einzig mögliche Gemüt ist, das das Universum, uns alle eingeschlossen, regiert, denn Gott ist unendliches Gemüt und grenzenlose Liebe. Ich wies die falsche Schlussfolgerung zurück, nach der Gemüt und Liebe getrennt betrachtet wurden und eine böswillige Mentalität am Steuer war. Als ich die unlösbare Einheit von Gemüt und Liebe besser erkannte, wich meine Angst vor einer schädlichen kontrollierenden Mentalität und gab den Platz frei für ein friedvolles Bewusstsein von Gottes „Hand“ am Regler.
Die Lösung kam schließlich mit dieser Erkenntnis, dass die göttliche Liebe das einzige Gemüt des Menschen ist, das jede Individualität regiert, und dass kein anderer Machtanspruch diese geistige Tatsache stören kann. Das missbräuchliche Verhalten ließ nach und hörte in einigen Fällen vollständig auf. Meine Kündigung aus Krankheitsgründen wurde nicht akzeptiert, und ich wurde durch christlich-wissenschaftliche Behandlung geheilt, woraufhin ich nach drei Wochen zur Arbeit zurückkehren konnte. Und das Beste war, dass ich eine neue Überzeugung meiner Freiheit von Dominanz erlangt hatte. In den anschließenden zwei Jahrzehnten der Berufstätigkeit war ich frei von solchen Erlebnissen und konnte helfen, ähnliche Probleme mit der Arbeitsatmosphäre für andere zu verhindern oder zu lösen.
Nachrichten aus aller Welt können sehr überzeugend argumentieren, dass der Fluss des Guten zu Millionen von Menschen zum Erliegen kommt. Es kann leicht die Versuchung entstehen zu glauben, dass aggressive Menschen einen großen Teil der Weltbevölkerung bewusst in Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit treiben. Doch das Gefühl der Lähmung, das durch solch eine Einschätzung entsteht, verstärkt den scheinbaren Würgegriff, den der Glaube an eine böse Macht zu haben scheint, nur noch mehr.
Geistige Denkerinnen und Denker können viel Gutes bewirken, indem sie den mesmerischen Anschein einer Überlegenheit böswilliger Mentalitäten und die Unzulänglichkeit des Guten zurückweisen. Aufgrund der überzeugenden Beispiele von Jesus und seinen Aposteln schreibt Mary Baker Eddy im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 207): „Das Böse ist nicht das Höchste; das Gute ist nicht hilflos ...“
Christus, die Stimme der allmächtigen Wahrheit und Liebe, spricht zum Bewusstsein jedes Menschen. Er weckt und belebt die geistige Gewissheit der absoluten Herrschaft und Kontrolle der göttlichen Liebe über alle und alles. Das Gute ist niemals abwesend oder hilflos. Das immer-gegenwärtige göttliche Prinzip, Liebe, ist das einzige Gemüt, der einzige Gesetzgeber, und wir sind alle fähig, diese geistigen Tatsachen so weit zu erfassen, dass wir den Damm entfernen können, den der Glaube an eine böswillige Macht im unaufhaltsamen Fluss des Guten errichtet zu haben scheint.
Pausenloses Wiederholen des Bösen, mentales Dahindämmern, Selbstverunglimpfung, Mangel an Weitsicht – alles Phasen des sterblichen Gemüts, der falschen Mentalität, die behauptet, die Sterblichen zu beherrschen – sie alle sind Zeichen dafür, dass wir den Strom des Guten von einer unautorisierten Macht regulieren lassen, und das würde dann zu Stagnation führen.
Mrs. Eddy schreibt allen Widerstand gegen das Gute und alle Unterbrechungen des Guten in der menschlichen Existenz der Tätigkeit dieses vorgeblichen Gemüts zu und drängt uns (Wissenschaft und Gesundheit, S. 392): „Steh Wache an der Tür des Denkens. Wenn du nur solche Schlüsse zulässt, die du in körperlichen Resultaten verwirklicht sehen möchtest, wirst du dich harmonisch regieren.“ Aus meiner Sicht legt sie uns nahe, im Auge zu behalten, wer den Fluss des Guten reguliert, und jeden Glauben zu erkennen, nach dem eine Gott entgegengesetzte Macht existieren und Menschen davon abhalten kann, Gottes Güte ungehindert zu empfangen.
Lassen Sie uns bestrebt sein, Mrs. Eddy Versicherung zu verstehen (ebd., S. 412): „Die Macht der Christlichen Wissenschaft und der göttlichen Liebe ist allmächtig. Sie ist tatsächlich ausreichend, um den Bann zu brechen und Krankheit, Sünde und Tod zu zerstören.“ Das wird unser Leben für die immer fließenden Ströme des göttlich Guten öffnen, und zwar nicht nur für uns persönlich, sondern auch für unsere Mitmenschen weltweit.
