Mitglied des Komitees für Vorlesungen der Christian Science in Der Ersten Kirche Christi des Scientisten in Boston, Mass., am 30sten April 1907.
Wenn ich hier auf diesem Podium stehe und in diesem prächtigen Gebäude spreche, so kann ich mich nicht enthalten, einen Rückblick zu tun und mich Erinnerungen hinzugeben. Der erste Gottesdienst dieser Vereinigung, welchem ich beiwohnte, wurde in der Chickering Hall abgehalten. Die Gemeinde war damals klein, eine bloße Handvoll im Vergleich mit den großen Gemeinden, die sich jetzt hier versammeln. Das ist nur ein paar Jahre her, Anfang 1893. Später wurden die Gottesdienste in die Copley Hall verlegt, und obgleich die Versammlungen beständig an Umfang zunahmen, so waren sie der Zahl nach verhältnismäßig unbedeutend. Obgleich jedoch die Zahlen nur allmählich zuzunehmen schienen, fand man, daß bei der Vollendung des ursprünglichen Kirchengebäudes der Raum für die Sitze bei weitem nicht ausreichend war.
Es war sofort augenscheinlich, daß die tausend Sitze, die vorgesehen waren, hätten verdoppelt werden müssen. Um der Not abzuhelfen, wurden an jedem Sonntag zwei Gottesdienste abgehallen, und bei Gelegenheit der allgemeinen Kommunion fanden mehrere Gottesdienste statt, und jedesmal war der Zuhörerraum der Kirche überfüllt. Die Zeit verging, und als bei einer großen Versammlung in der Mechanics Hall die Anwesenden sich einstimmig verbürgten, jeden Teil von zwei Millionen Dollars beizutragen, welcher für den Bau einer Erweiterung des ersten Gebäudes notwendig sei, da muß ich gestehen, daß ich ein Gefühl des Erstaunens empfand trotz meiner Neigung, unbedingtes Zutrauen auf alles zu setzen, was die Christian Science betrifft. Ich konnte es kaum für möglich halten, daß eine so große Summe in so kurzer Zeit erhoben werden könnte; und als man mir im Dezember vor der Vollendung sagte, daß man erwartete, das neue Gebäude für die Kommunionsgottesdienste im folgenden Juni zur Eröffnung fertig zu stellen, da muß ich wieder gestehen, daß um dieses für möglich zu halten, ich vielmehr im Glauben wandeln mußte, als im Vertrauen auf meine materiellen Augen.
Aber der Augenschein, welchen mein materieller Gesichtssinn mich anzunehmen zwingen wollte, erwies sich wieder als unwahr, und das große Gebäude wurde in der vorgeschriebenen Zeit vollendet, ungeachtet der Voraussagungen aller derjenigen, die außerhalb unsrer Reihen stehen, daß fünf bis sieben Jahre notwendig wären, um ein so großes und massives Gebäude fertig zu stellen; und unter gewöhnlichen Umständen zweifle ich nicht, daß das wahr gewesen wäre. Noch bemerkenswerter jedoch war die Tatsache, daß dieser Bau gänzlich frei von Schulden vollendet und eingeweiht wurde, und unser treuer Schatzmeister war dieses Mal, wie bei der Vollendung des ursprünglichen Gebäudes gezwungen, eine Benachrichtigung auszusenden, daß kein Geld mehr gebraucht würde. Doch während der Zeit, als all das sich zutrug, hörten wir oft die vielgebrauchte Redensart: „Die Tage der Wunder sind vorbei.” Gelegentlich hören wir sogar jetzt noch sagen, daß sie nicht mehr möglich wären. Wir stimmen natürlich mit unseren Freunden überein, daß im wahren Sinne die Tage der Wunder vorbei sind, weil unter göttlichem Gesetze, welches unveränderlich wirkt, sich keine Wunder ereignen.
Kaum weniger wunderbar sind die Werke der Zweige dieses Mutterstockes in der Errichtung ihrer zahlreichen, schönen und künstlerischen Kirchengebäude in unserem ganzen Lande und selbst jenseits des Ozeans. Nichts weniger als eine prophetische Vision hätte alles das vorhersehen können, was in Bezug auf materiellen Fortschritt erreicht worden ist; aber von welch geringer Bedeutung ist das im Vergleich mit dem geistigen Aufbau und der Umwandlung des Charakters und der Erweckung des individuellen Bewußtseins vom Tode. Viele Tausende in unserem ganzen Lande und in anderen Ländern legen ein Zeugnis ab für ihre Auferstehung von der Sklaverei der materiellen Sinne zur glorreichen Freiheit, welche sogar durch ein teilweises Verständnis der Allmacht des Geistes und des betrügerischen Wesens — der Nichtigkeit alles dessen kommt, was abgesondert davon ist.
Es ist höchst erfreulich, daß zu einer Zeit, als die Feinde der Wahrheit mit verzweifelter Energie ihre Batterien der Bosheit und des Hasses gegen die Sache richteten, für welche diese große Kirche steht, und gegen ihre ergebene Gründerin und Führerin, innerhalb dieser heiligen Mauern eine Versammlung abgehalten wurde, welche von so großer Bedeutung für die Welt war, eine Versammlung, deren Zweck es war, die Idee zur praktischen Ausführung zu bringen, welche der Mittelpunkt der christlichen Religion ist, welche den Eckstein dieser Kirche bildet und welche von den himmlischen Heerscharen, die die Geburt des Heilands der Welt vorhersagten, verkündet wurde, — „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen.” Und wie passend und günstig, daß als eine Folge dieser großen Gelegenheit die Entdeckerin und Begründerin der Christian Science der erste erwählte Fondateur der internationalen Friedensgesellschaft in Amerika gewesen sein sollte, deren einziger Zweck die endgültige Abschaffung des Krieges, und die dauernde Herstellung eines Weltfriedens ist. Der ist ein törichter Beobachter der Zeiten, der nicht in all diesem die Hand einer alles regierenden Intelligenz, die Tätigkeit eines erhabenen Geistes sieht.
Ein interessantes Ereignis war neulich in Galena, Ill., die siebzehnte Feier des Geburtstages des Generals Grant. Senator Beveridge erinnerte die Zuhörer im Laufe seiner berühmten Rede an gewisse historische Tatsachen in Verbindung mit einigen der großen Männer dieses Landes. Er erinnerte sie daran, wie Washington durch seine Feinde herabgesetzt wurde, wie sein Anspruch auf Religiosität belacht wurde, und wie er ein Heuchler und ein Verräter genannt wurde; wie Lincoln ein Landstreicher, ein unwissender, ungebildeter Mensch genannt wurde; wie Grant durch die unbedeutenden Menschen verleumdet wurde, die sich gegen ihn verschworen, und die er ahnungslos durch seine hervorragende Größe in den Schatten stellte; und wie sogar das jetzige Oberhaupt der Vereinigten Staaten mit Beschuldigungen angegriffen würde, daß er unaufrichtig, heuchlerisch und sogar wahnsinnig wäre. Er verweilte mit längeren Worten bei der letzten ungerechten und lächerlichen Beschuldigung, und wies sie in beredter Weise zurück.
Es ist geschichtlich wahr, daß jeder große Patriot und Held mehr oder weniger verkannt, verleumdet und zum Gegenstand von Verschwörungen und Intriguen gemacht worden ist, von seiten der kleineren Geister um ihn her, die von Bosheit und Neid angetrieben werden. Das ist ganz besonders von großen moralischen und religiösen Reformatoren wahr. Die Geschichte liefert nicht eine einzige Ausnahme zu der Regel, daß diese Reformatoren in demselben Maße verkannt und verfolgt worden sind, in welchem ihre Arbeiten und Bemühungen nicht verstanden wurden. Die moralischen und religiösen Reformatoren wurden, bis ihre Zwecke klar und bekannt wurden, nicht als Reformatoren sondern als Neuerer angesehen, und daher als gefährliche Personen und Störer bestehender Zustände und Einrichtungen. Mrs. Eddy hat bis zu einem gewissen Grade das Schicksal ihrer Vorgänger geteilt und teilt es noch. Die Feinde vorgerückter Ideen haben sich stets mit dem Gedanken geschmeichelt, daß, wenn sie die Führer niederschlugen, sie die Sache zerstören könnten. Die Feinde der christlichen Religion glaubten augenscheinlich, daß sie durch die Kreuzigung des großen Begründers die Verbreitung der Wahrheit verhindern könnten, welche er gekommen war festzusetzen. Aber in diesem Beispiel, wie in jedem andern, welches in der Geschichte verzeichnet ist, wurde die Wahrheit, welche sie zu zerstören suchten, nur um so schneller durch solche vergebliche Anstrengungen gefördert; und das ist auch heutigen Tages der Fall. Die Christian Science ist jetzt fester in den Geistern vorurteilsfreier und nachdenkender Leute begründet als vor den ungerechten und boshaften Angriffen, welche kürzlich auf ihre Führerin gemacht worden sind. Wir wissen, daß trotz aller Versicherungen des Gegenteils, der Angriff vielmehr der Sache der Christian Science als ihrer Führerin gilt.
Heute, angesichts dieser großen Versammlung fühle ich mich gezwungen zu sagen, daß, wenn die Führerin der Bewegung der Christian Science deren lange Jahre der Arbeit, Aufopferung und Hingabe die Begründung und Förderung einer Sache zur Folge hatten, welche sich schnell über die ganze Welt verbreitet, und welche in ihrem majestätischen Laufe Tausende unsrer Mitmenschen heilt und errettet; einer Sache, welche, wenn man ihr in unverbrüchlicher Treue folgt, endlich die Welt von allen ungünstigen und unglücklichen Zuständen heilen wird, von welchen sie geheilt werden sollte; einer Sache, welche Leben, Gesundheit, Frieden und Freude in Tausende von Herzen und Heimstätten gebracht hat und noch bringt; kurz, einer Sache, welche die großen Ziele des Begründers der christlichen Religion in ihrer Höhe und Tiefe zur Ausführung bringt; wenn sie, deren Lehren und Wirken fast zahllose Tausende zwingt sich zu erheben und sie gesegnet zu nennen, weil sie tatsächlich für sie zu einer großen Wegweiserin aus den Fesseln der Sünde und der Sinne in das gelobte Land einer größeren, freieren und heiligeren Existenz geworden ist, — wenn sie unfähig und wahnsinnig ist, dann wäre es gut, wenn das ganze Weltall so bevölkert wäre.
Die ersten Berichte dieser Kirche enthalten die folgenden interessanten und bedeutungsvollen Einzelheiten: „Bei einer Versammlung der Vereinigung der Christian Scientisten am 19ten April 1879 wurde auf Antrag von Mrs. Eddy beschlossen, — eine Kirche zu begründen, die bestimmt ist, die Worte und Werke unseres Herrn zu verkünden, welche das ursprüngliche Christentum und sein verlorenes Element, das Heilen, wieder einsetzen sollte.”
Wir weisen auf die Geschichte der dazwischen liegenden achtundzwanzig Jahre hin, als Beweis für die Richtigkeit jener ersten Erklärung. Während dieser Jahre sind viele Tausende aus Zuständen der Sünde, des Kummers, der Sorge, des Wehs, der Not und der Krankheit herausgehoben worden, welche ohne die Hilfe dieses wissenschaftlichen Christentums in ihren verlassenen und hoffnungslosen Lagen geblieben sein würden. Wir zögern deshalb nicht zu sagen, daß, zufolge der Geschichte unsrer Zeit, das ursprüngliche Christentum in einem höchst wunderbaren und erfreulichen Grade wieder eingesetzt, und das verlorenen Element des Heilens wieder eingeführt worden ist.
Die biblische Grundlage der Christian Science.
Wir behaupten kühn, daß es klare, ganz besondere und reichliche Beweise in der Bibel gibt, für alles das, worauf die Christian Science Anspruch macht, und besonders auf die Möglichkeit, Krankheit und Leiden durch die direkte Vermittlung und Macht des allmächtigen Gottes zu heilen. Können wir diesen Anspruch rechtfertigen? Laßt uns sehen. Die Christian Science lehrt, daß Gott in Wahrheit allmächtig ist. Wenn Er der Allmächtige ist, dann wird Er sicherlich auch richtig durch die anderen Bezeichnungen, der Allgegenwärtige, der Allwissende, der Höchste und der Unendliche beschrieben. Wer allmächtig ist, der ist immer allmächtig. Wer allgegenwärtig ist, der ist niemals abwesend. Wer allwissend ist, der ist nie weniger als allwissend, und könnte es wegen seiner Allweisheit unmöglich sein. Wer der Höchste ist, der kann niemals weniger als der Höchste sein. Wer unendlich ist, der beschränkt nicht seine eigne Unendlichkeit, und könnte das wegen seiner Unendlichkeit unmöglich tun. Die Christian Scientisten nehmen diese Bezeichnungen als eine korrekte Definition Gottes und Seines Charakters an. Wenn sie Gott und Seinen Charakter richtig definieren, dann ist Gott überall. Es gibt keinen Ort in Seinem Weltall, wo Er nicht ist. Und wo Gott ist, da ist auch Sein Reich, denn Sein Reich besitzt notwendigerweise die gleiche Ausdehnung wie Er.
Zur Bekräftigung dieser Auffassung Gottes, Seiner Macht und Gegenwart in Seinem Weltall und in Seiner Welt, möchte ich gern auf eine Definition Gottes aufmerksam machen, die von dem großen Psalmisten, dem lieblichen Sänger Israels, im 103ten Psalm gegeben wird: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat! Der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen; der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit; der deinen Mund fröhlich machet und du wieder jung wirst wie ein Adler.” Dies ist entweder rein abstraktes, poetisches Gefühl, oder es ist eine Erklärung der ewigen Wahrheit, eine Definition des ewigen Gottes. Wir nehmen das letztere an. Wir glauben grade an solch einen Gott, wie Ihn der Psalmist hier besingt, — einen Gott, welcher die Macht besitzt zu vergeben, und der uns auch all unsere Sünden vergibt, einen Gott, welcher die Macht besitzt zu heilen, und der auch all unsere Gebrechen heilt, der unser Leben vom Verderben erlöset, und der uns stets mit Gnade und Barmherzigkeit krönt.
Ich führe diese Definition Gottes an, nicht weil sie allein dasteht; wir finden, daß grade solche Auffassungen Gottes durch die ganze Heilige Schrift laufen, wenn wir darnach suchen. Haben wir genügend darnach gesucht? Ist es uns im Allgemeinen gelehrt worden, daß es solch einen Gott gibt? Im Gegenteil, ist uns nicht zu oft gelehrt worden, daß es einen Gott gibt, der weit davon entfernt, alle Sünden Seiner Kinder zu vergeben, ein Mittel und einen Ort ewiger Strafe für diejenigen in Bereitschaft hält, die es nicht vermögen, einem vorgeschriebenen Lebenswandel gemäß zu leben? Einen Gott, der weit davon entfernt, alle Gebrechen Seiner Kinder zu heilen, ihnen Krankheit sendet, um sie zu strafen und sie besser zu machen? Ich stelle die vorherrschende theologische Auffassung Gottes nicht falsch dar, wenn ich so von Ihm spreche. Das war offenbar nicht Davids Auffassung Gottes. Wenn sie es gewesen wäre, so widerlegen seine eignen klaren Worte jene Auffassung. Noch war es die Auffassung, die Jesus von Gott hatte, wenn wir annehmen, daß seine eignen klaren Worte seine Auffassung ausdrücken. In unmittelbarer Verbindung mit dem 103ten Psalm lenke ich nun Ihre Aufmerksamkeit auf einen Teil der Geschichte des neuen Testamentes, welchen wir als die fundamentale christliche Lehre betrachten. Ich nehme auf das große Gebot Bezug, welches Jesus seinen Jüngern gab, und welches von einigen Erklärern der Bibel sein großer Auftrag an die Zwölf genannt wird. Wenn es wahr ist, daß dieser Teil der Bibel die fundamentale Lehre des Christentums ist, dann können sicherlich diejenigen, die wünschen ein christliches Leben zu führen, ihn nicht genug studieren und ihn nicht zu gut verstehen. Um dem jetzigen Zweck zu genügen, führe ich den Bericht an, welcher im 10ten Kapitel Matthäi enthalten ist: —
„Gehet nicht auf der Heiden Straße, und ziehet nicht in der Samariter Städte, sondern gehet hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Gehet aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Machet die Kranken gesund, reiniget die Aussätzigen, wecket die Toten auf, treibet die Teufel aus. Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebet es auch. Ihr sollt nicht Gold noch Silber, noch Erz in euren Gürteln haben; auch keine Tasche zur Weg-Fahrt, auch nicht zween Röcke, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert.”
Dieses ist in sich ein vollständiges Gebot. Es sind nicht zwei Gebote. Es gibt in diesen Worten keine Vollmacht, sie zu trennen und Unterabteilungen zu machen; nicht mehr Vollmacht, das zu tun, als das Gebot als ein Ganzes zu verwerfen. Die Worte, die sich auf das Heilen von Krankheit beziehen und auf die anderen Werke, die darin erwähnt sind, sind nicht nur ein Teil des allgemeinen Auftrages, sondern sie stehen auch in demselben Absatz, in welchem die Worte in Bezug auf Predigen vorkommen; doch ist es uns gelehrt worden zu glauben, daß während ein Teil dieses Gebotes für alle Zeiten und für alle Völker beabsichtigt war, ein andrer Teil nur für eine besondere Zeit und für ein besonderes Volk beabsichtigt war. Mit anderen Worten, daß der Teil, welcher sich auf das Predigen des Evangeliums bezieht, allen Nationen der Welt überliefert werden sollte, bis die heidnischen Nationen zur christlichen Religion bekehrt wären; aber daß der Teil, welcher sich auf das Heilen der Kranken und auf das Vollbringen der anderen erwähnten Werke bezieht, nur für die Zeit Jesu und seiner Jünger beabsichtigt war. Oder mit noch anderen Worten, der theoretische Teil sollte fortgeführt werden; aber der praktische Teil, das Vollbringen der Werke sollte in das tote Zeitalter der Vergangenheit verwiesen, und an dem galiläischen Meere zurückgelassen werden.
Die Christian Scientisten können nicht zu dem Versuch ihre Zustimmung geben, diesen Teil des großen Gebotes auszulassen oder ihn für veraltet zu erklären. Wenn sie keinen anderen glaubwürdigen Beweis als den hätten, welchen ich angeführt habe, würden sie sich doch gezwungen fühlen zu behaupten, daß dieses Gebot nicht vollständig erfüllt worden ist, und daß es nicht vollständig erfüllt wird, bis die Kranken nicht geheilt und die anderen darin erwähnten Werke nicht in Übereinstimmung mit den Lehren und den Methoden des Begründers der christlichen Religion vollbracht werden. Aber sie sind nicht gezwungen, sich allein darauf zu stützen. Dieses Gebot wird im Wesentlichen in den anderen Evangelien wiederholt. Ich werde mich jetzt nicht dabei aufhalten, diese einer besonderen Betrachtung zu unterziehen, sondern ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf eine anderes Gebot lenken, welches von Jesu denselben Jüngern gegeben wurde, denen er das erste große Gebot gab, mit Ausnahme Judas Ischariots, der ihn verriet. Nach seiner Kreuzigung und Wiederauferstehung und grade vor seiner Himmelfahrt, gab er jenen Jüngern ein endgültiges Gebot, welches am Ende des Buches Matthäi verzeichnet steht. Ich bitte sie sowohl auf die Einfachheit wie auf seinen umfassenden Charakter zu achten: „Darum gehet hin, und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes; und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.”
Diese Sprache ist einfach und bedingungslos. Wenn wir es als das annehmen, was er deutlich sagt, dann müssen wir schließen, daß es sowohl alle Einzelheiten des ersten Gebotes einschließt, wie alle Einzelheiten jedweder Gebote und Belehrungen, die Jesus seinen Jüngern gegeben hat. Ohne daß ich die Ansichten andrer kritisieren oder verurteilen möchte, muß ich offen gestehen, daß ich nicht einsehen kann, wie irgend jemand diese einfachen Worte lesen, und ihnen einen Augenblick des Nachdenkens schenken kann, und dann fortzufahren vermag, zu denken, zu sagen oder zu glauben, daß irgend ein Teil des ersten Gebotes oder irgend eines anderen Gebotes, welches Jesus je seinen Jüngern gab, beiseite geschoben werden, und für veraltet erklärt werden kann. Besonders wenn wir die Schlußworte des letzten Gebotes bedenken: „Und lehret sie halten, alles, was ich euch befohlen habe: Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.”
In direkter Verbindung mit dem ersten großen Gebote Jesu und mit seinem letzten Gebote möchte ich Sie noch auf eine Erklärung aufmerksam machen, welche von dem Begründer der christlichen Religion gemacht worden ist, und Sie werden bemerken, daß mit Ausnahme des 103ten Psalms, ich nur ausschließlich Stellen aus den Lehren des Begründers der christlichen Religion angeführt habe, und das sollte eine glaubwürdige Autorität für alle sein, die sich als Christen bekennen. Wenn wir an die großen Werke denken, die Jesus während seiner irdischen Laufbahn vollbrachte, wenn wir daran denken, wie er alle Arten von Sünde überwand und zerstörte, wie er alle Arten von Krankheiten und Leiden heilte, wie er die Toten auferweckte, über das Wasser wandelte und den Sturm stillte, und wie er viele andere wunderbare Werke vollbrachte, — wenn wir an all das denken und die Dinge von dem Standpunkt unsrer beschränkten, sterblichen Sinne aus betrachten, dann mögen wir wohl über die Worte erstaunt sein, welche ich nun anführe, wie sie im vierzehnten Kapitel St. Johannis, im zwölften Verse verzeichnet stehen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubet, der wird die Werke auch thun, die Ich thue.” Klare Worte. Ich weiß nicht, wie Worte klarer sein können. Es ist nur die Frage, ob wir sie annehmen oder verwerfen wollen. Wir könnten wohl annehmen, daß nachdem Jesus eine solche überraschende Erklärung gegeben hatte, er nichts mehr hinzufügen konnte. Wir könnten wohl annehmen, daß nachdem er in Ausdrücken solcher Feierlichkeit und Einfachheit erklärt hatte, daß diejenigen, die an ihn glauben, die großen Werke tun sollten, die er vollbrachte, er die äußerste Grenze der menschlichen Hoffnungen, Erwartungen und Möglichkeiten erreicht haben würde. Aber er blieb nicht dabei stehen. Er ging weiter und äußerte diese noch erstaunlicheren Worte: „Und wird größere [Werke] denn diese thun, denn Ich gehe zum Vater.”
„Denn Ich gehe zum Vater,” wie er hier sagt; „und siehe, Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende,” wie er am Schlusse des letzten Gebotes sagt. Wenn diese Worte wahr sind, dann müssen wir glauben, daß die Christus-Macht und der Christus-Geist, der Welt nie entzogen worden sind. Jesus ging zum Vater, in ein besseres Verständnis des göttlichen Gesetzes, durch welches er seine großen Werke auf Erden vollbrachte, und durch welches diejenigen, welche an ihn glaubten, nicht nur die Werke tun sollten, die er tat, sondern größere. Hier, sage ich, ist das große Gebot Jesu an seine Jünger. Die Christian Scientisten sind nicht verantwortlich dafür. Mrs. Eddy hat es nicht geschrieben. Es existierte unwiderrufen, unverändert, unbeanstandet lange Jahre vor ihrer Geburt und lange Jahre vor der Geburt irgend eines Menschen, der heute auf den Namen eines Christian Scientisten Anspruch macht. Wir sind nicht verantwortlich dafür, aber wir sind mit allen anderen zusammen, die sich Christen nennen, für die Annahme oder für die Verwerfung dieser klaren Lehre verantwortlich. Welches soll die Stellung sein, die wir in Bezug darauf einnehmen, — wir, die wir Nachfolger der Lehren des Begründers der christlichen Religion sein wollen?
Es ist eine geschichtliche Tatsache, daß, während zwei Jahrhunderten nach dem Anfang der christlichen Ära die Kranken durch die ersten Christen ohne materielle Heilmittel geheilt worden waren. Gibbon behandelt in seiner Geschichte „Der Niedergang und Fall des römischen Reiches” ausführlich diesen Gegenstand, unter der Überschrift: „Die ersten Christen.” Er führt Beispiele von Personen an, von denen einige wohlbekannte Römer in hohen Stellungen waren, die durch die Hilfe der ersten Christen von Krankheiten geheilt worden waren, welche von den damaligen Ärzten für unheilbar erklärt wurden. Aber nicht nur das, er erzählt mit gleichem Nachdruck, daß bis ans Ende des zweiten Jahrhunderts, Tote von den ersten Christen erweckt wurden. In diesem Bericht steht er nicht allein da, derselbe wird auch durch andere glaubwürdige Geschichtsschreiber bekräftigt. Auch die Schriften der ersten Kirchenväter, die ante-nicäischen Kirchenväter, wie sie genannt werden, melden uns dasselbe; sie schreiben ausführlich über diesen Gegenstand und berichten bis in die kleinsten Einzelheiten über das Heilen der Kranken und das Auferwecken der Toten durch die ersten Christen. Ihre Schriften existieren noch und bilden eine Bibliothek für sich. Ich selbst besitze eine Sammlung dieser Werke und habe sie mit viel Interesse und Nutzen in Verbindung mit den hiererwähnten Gedanken gelesen. Es ist ebenfalls eine Tatsache in der Kirchengeschichte, daß eine Anzahl der christlichen Sekten zu Anfang ihres Bestehens an die Macht des Gebets allein glaubten, die Kranken zu heilen, und daß solche Gebete üblich waren. Das ist bei den Waldensern, den Herrnhutern, den Hugenotten, den Freunden oder Quäkern, den Baptisten und den Methodisten der Fall. Nach dem Leben Martin Luthers zu urteilen, glaubte er an die Macht des Gebetes, Krankheit zu heilen und hat es auch mehr oder weniger ausgeübt. Nach dem Leben John Wesleys, dem Begründer des Methodismus, glaubte er viele Jahre lang fest an die direkte Macht Gottes, die Kranken durch die Kraft des Gebetes zu heilen und hat das nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere angewendet. Ein Beispiel wird erzählt, wo er fast unmittelbar von einem heftigen Fieber gesundete, an welchem er mehrere Tage lang gelitten hatte, dadurch daß er Gott direkt um Hilfe bat, und dadurch, daß er einige derselben Stellen der Heiligen Schrift, auf welche ich Sie aufmerksam gemacht habe, in sein Gedächtnis zurückrief und Betrachtungen darüber anstellte. Es ist ebenfalls eine feststehende Tatsache in Bezug auf die methodistische Episkopal-Kirche, daß, wenn die Bischöfe jener Sekte ordiniert werden, ihnen unter andern auch geboten wird, die Kranken zu heilen, nicht als sachverständige Ärzte, nicht mit Arzneimitteln und Medizinen, sondern Kraft ihres Amtes. Warum dieser Teil der Zeremonie zu einem toten Buchstaben geworden ist, geziemt uns nicht zu sagen.
Gilt die einfache Autorität der Bibel und ihre sie bekräftigende Geschichte jetzt nichts mehr? Hat sie heutigen Tages für uns keine Bedeutung mehr? Hat sie keine Bedeutung mehr für diejenigen, die uns voran gehen? Haben wir ein Recht das alles auszutilgen, oder es für veraltet zu erklären? Lassen Sie uns einen Augenblick nachdenken. Wenn der Streitpunkt, auf welchen ich Bezug genommen habe, wahr wäre, nämlich, daß ein Teil des großen Gebotes Jesu veraltet wäre, dann ist er nur ein toter Buchstabe und jeder von uns würde das Recht haben, wenn er wollte, Feder und Tinte zu nehmen und ihn auszustreichen. Wir haben sicherlich dasselbe Recht ihn physisch auszustreichen, wie ihn geistig auszutilgen. Die Christian Scientisten geben dieses Recht nicht zu noch trachten sie es auszuüben.
Jesu Heilen der Kranken.
Ich möchte ein paar Worte über Jesu Art die Kranken zu heilen hinzufügen. Oft, wenn er einen Kranken heilte, sagte er im Wesentlichen, „Sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre.” Als er den Gichtbrüchigen heilte, sagte er zu ihm: „Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.” Er erkannte augenscheinlich eine Verbindung zwischen irgend einer Art Sünde, welche dieser Mann begangen hatte, und der Krankheit unter der er litt, aber er klagte nicht den armen Menschen an, daß er infolge seiner Sünden krank wäre; er bedrohte ihn nicht mit ewiger Strafe, noch sprach er über ihn das Urteil der Unheilbarkeit oder des Todes aus. Er tat nichts, um ihn zu erschrecken, sondern alles um ihn zu ermutigen. Er bat ihn, getrost zu sein, und zur selben Zeit erklärte er seine Sünden für vergeben und seine Krankheit für geheilt, und er befahl ihm aufzustehen, sein Bett zu nehmen und heimzugehen; und der Mann tat das.
Wenn Jesus die Tatsache erkannte, daß, um wenig zu sagen, die Sünde Ursache von vielerlei Krankheit in seiner Zeit war, so erkannte er nur das an, was wir auch heutigen Tages in Betracht ziehen müssen, wenn wir überhaupt etwas in Betracht ziehen wollen. Wenn wir jetzt die Macht hätten, und sie ausübten, aus der Welt alle Krankheiten, Kummer, Sorgen, Weh, Leiden und Tod zu verbannen, welche das Resultat irgend einer sündigen, unrechten oder törichten Lebensweise sind, so würden wir damit fast wörtlich die Möglichkeit verwirklicht haben, die Werke zu vollbringen, die Jesus von denen vollbracht haben will, die an ihn glauben. Nehmen wir die große Sünde, die erstaunliche Torheit der Unmäßigkeit an; hätten wir in diesem Augenblicke die Macht alle Krankheiten, Kummer, Sorgen, Weh, Leiden, Armut und Tod aus der Welt zu verbannen, welche von dieser einen Form sündigen oder törichten Lebens herrühren, so würden wir dadurch fast die Erde in ein Paradies verwandelt haben. Ich führe dieses Beispiel an, weil es uns so deutlich vor Augen steht, und weil wir wissen, daß es eine so reiche Quelle vieler Krankheiten und aller ihrer Folgen ist. Dann gibt es andere Übel, die einen geistigen Charakter tragen, wie Sorge, Überanstrengung, Angst, Entmutigung und Melancholie mit ihrem langen Gefolge von physischen Unpäßlichkeiten, welche unsere menschliche Weisheit gern physische Krankheiten nennt. Nehmen wir die Geschäftswelt an: wieviele Männer und Frauen werden krank und wieviele sterben infolge von Geschäftssorgen, Enttäuschungen, Entmutigungen und Niederlagen, und wieviele suchen diesen Leiden durch Selbstmord zu entgehen.
Der Christian Scientist geht in seiner Analyse der Ursachen der Krankheiten noch weiter und sagt Ihnen, daß es noch andere Ursachen gibt, die geistigen Ursprung haben, wie Ärger, Bosheit, Haß, Eifersucht, Rachsucht und ähnliche geistige Zustände. Wir wissen, daß Leute manchmal in Anfällen von Leidenschaft krank werden oder sterben. Diese anderen Eigenschaften sind, wenn man sich ihnen hingibt, nicht weniger schädlich; und wenn sie nicht überwunden werden, so werden sie sich früher oder später in der Form von sogenannten physischen Krankheiten offenbaren.
Nachdem wir so kurz die Ursachen der Krankheiten und ihre Folgen erwähnt haben, was sollen wir über das wirkliche Heilmittel für dieselben sagen? Können wir auf eine endgültige und durchgehende Heilung von Krankheiten und Leiden hoffen, die direkt oder indirekt von den erwähnten Ursachen herrühren, durch irgend eine angenommene Kraft oder Wirkung, welche in leblosen Mitteln enthalten ist? Kann das Arzneimittel in den menschlichen Gedanken eindringen und dort falsche Zustände regulieren? Kann es falsche geistige Gelüste und Wünsche zerstören? Wenn es das tun könnte, würde es sowohl mächtig wie intelligent sein. Wenn es wirklich unter solchen Bedingungen heilen könnte, dann würde es wirklich der Gott sein, für den manche ernste Leute es halten. Und was sollen wir von der Chirurgie sagen? Kann das Messer des Chirurgen falsche geistige Zustände ausschneiden, oder falsche Lüste und Leidenschaften entfernen? Das Äußerste, was man zu seinen Gunsten behaupten kann, ist, daß es in einigen Fällen die physischen Wirkungen derselben entfernen kann. Indem ich das sage, will ich keinen Schatten auf den medizinischen und chirurgischen Beruf werfen. Von ihrem Standpunkte tun sie das Beste, was sie tun können. Ihr Zweck ist richtig, denn er besteht darin, menschliches Leiden zu erleichtern, und den Verheerungen der Krankheit Einhalt zu tun; aber, wenn wir alle Verdienste dieser Berufe, auf welche sie möglicherweise Anspruch machen können, anerkennen, so drängt sich uns die Frage auf, — und allen denen die überhaupt dieser großen Frage gegenübertreten, drängt sie sich immer wieder auf, und will wie Banquos Geist nicht auf ihr Geheiß verschwinden, — können leblose Mittel und Arzneien, oder das Messer des Chirurgen wirklich Krankheiten heilen, welche die Folge von unrechten Gedanken, falschen geistigen Zuständen, oder unrechter Lebensweise sind?
Wenn wir von der Sünde und ihren Folgen sprechen, so möchten wir nicht, daß unsere Worte so aufgefaßt würden, daß alle diejenigen, die krank werden, infolge einer bewußten oder absichtlichen unrechten Tat, die sie ihrerseits begangen haben, krank sind, denn einige der besten Menschen in der Welt scheinen am meisten zu leiden, einige der zartesten und empfindlichsten Naturen, scheinen am schnellsten den Verwüstungen der Krankheit zu unterliegen; aber wir möchten, daß das, was wir sagen, so verstanden wird, daß wir alle in größerem oder geringerem Grade in Folge der langen Jahre verkehrter menschlicher Zustände, oder menschlichen Irrtums leiden; lange Jahre, in welchen die Menschheit zu weit entfernt von Gott und seinem göttlichen Gesetze gelebt hat, lange Jahre, in denen sie verabsäumt hat, die Lehren der Bibel und besonders die Lehren des großen Begründers der christlichen Religion zu studieren, zu verstehen und anzuwenden. Daher die Notwendigkeit, daß die Menschheit zu einem höheren und wahreren Begriff der Ursachen und der Heilung von Krankheit und Leiden erwacht. Daher die Notwendigkeit der Gründung jener Kirche, deren Zweck und Aufgabe es war, „das ursprüngliche Christentum und sein verlornes Element, das Heilen, wiedereinzusetzen.”
Das ist der Zweck der Kirche der Christian Science. Das ist der einzige Lebenszweck der Entdeckerin, Gründerin und Führerin der Christian Science. Um diesen großen Zweck zu erreichen, schrieb und veröffentlichte und verbreitete sie das Lehrbuch der Christian Science „Science and Health with Key to the Scriptures.“ Um diesen großen Zweck zu erreichen organisierte sie die Erste Kirche Christi des Scientisten in Boston, Massachusetts, und alle ihre Zweigkirchen. Zu diesem großen Zweck ließ sie eine Literatur der Christian Science begründen, welche jetzt in so rascher Weise den menschlichen Gedanken durchdringt und beeinflußt. Zu diesem großen Zwecke ließ sie die Bibel und ihren Schlüssel das Lehrbuch der Christian Science als den einzigen Prediger der Kirche der Christian Science ordinieren. Zu diesem großen Zwecke werden die Bibellektionen, welche aus der Bibel und aus dem Lehrbuch der Christian Science gewählt werden, an jedem Sonntag in diesem ganzen Lande und in anderen Ländern gelesen. Zu diesem großen Zwecke werden diese öffentlichen Vorträge gehalten. Zu diesem großen Zwecke wird jedes rechtmäßige Mittel gebraucht, diese große Wahrheit zu verbreiten, damit das Publikum sich darüber unterrichten und wenn es wünscht, sich den Segen und die Wohltaten derselben zu nutze machen kann.
Tuen Mrs. Eddy und ihre Anhänger recht oder unrecht, wenn sie so versuchen, den Lehren Christi Jesu in ihrem ganzen Umfange zu gehorchen und sein vollständiges Evangelium auf Erden einzusetzen? Haben sie ein Recht oder haben sie kein Recht auf den guten Willen und die Gemeinschaft aller derjenigen, die eine vollkommene Herrschaft des Evangeliums Christi auf Erden wünschen — eine vollständige Erlösung der Menschheit von all ihren Sünden, ihren Sorgen, ihrem Kummer, ihrem Weh, ihren Krankheiten und ihrer Sterblichkeit?
Können wir nicht unsere Freunde in allen christlichen Kirchen gerechterweise fragen: Wenn es recht ist, einen Teil der Werke zu tun, oder tun zu wollen, welche, wie Jesus sagt, von denen vollbracht werden müssen, die an ihn glauben, ist es dann nicht noch viel richtiger, alle solche Werke zu tun, oder tun zu wollen? Wenn es andrerseits unrecht ist, alle jene Werke zu tun, oder tun zu wollen, dann ist es verhältnismäßig ebenso unrecht, einen Teil jener Werke zu tun, oder tun zu wollen. Wie kann deshalb irgend jemand, der Anspruch darauf macht, ein Nachfolger Christi zu sein, beständig die Lehren der Christian Science und ihre wunderbaren Resultate ableugnen und verleumden?
Die Christian Scientisten machen nicht Anspruch darauf, in diesem Zeitalter alle die Werke tun zu können, die Jesus und einige seiner Jünger vollbrachten, aber sie behaupten aufrichtig, daß sie mit vereinten Kräften ehrliche Anstrengungen in jener Richtung machen. Und selbst so weit sind ihre Arbeiten mit solch wunderbarem und erfreulichem Erfolge gekrönt worden, daß sie sich wohl ermutigt fühlen können, auf diesem Christus-Wege weiter und immer weiter zu wandeln, mit der vollen Hoffnung und Erwartung, und mit dem Bewußtsein, daß, wenn sie dem ihnen anvertrauten heiligen Pfande treu bleiben, früher oder später alle die großen Werke hier auf Erden vollbracht werden, die Jesus tat, und die er seinen Jüngern zu tun lehrte und durch sie der ganzen Welt, — und allen ihren Nationen. Nicht nur das, sondern sogar die größeren Werke, welche, wie er prophezeite, auch vollbracht werden sollen. Entweder ist das wahr, oder die Verheißungen sind falsch.
Die Heilung von Krankheit.
Worin besteht also die Heilung von Krankheiten? Ich habe die Antwort der Christian Science auf diese Frage schon angedeutet. Ich habe im Allgemeinen auf die Ursache oder die Ursachen von Krankheit aufmerksam gemacht. Das wahre Amt des Arztes oder auch des Seelenarztes ist, die Ursachen aufzufinden und zu beseitigen und nicht die Wirkungen zu behandeln. Das beste Heilmittel für diejenigen Formen der Krankheit, welche als das direkte Resultat einer falschen Lebensweise erkannt worden sind, ist, von der falschen Lebensweise abzulassen. Angenommen, eine Quelle oder ein Wasserreservoir, welches eine Stadt versorgt, wird so verseucht, daß viele Bewohner krank werden oder durch den Genuß des Wassers sterben? Was ist das vernünftigste und wirksamste Mittel dagegen? Dem Wasser keine Beachtung zu schenken, sondern alle Zeit und Aufmerksamkeit darauf zu verwenden, die Kranken zu behandeln und die Toten zu begraben? Würden nicht alle vernünftigen Leute sagen, daß es das Richtigste wäre, die giftigen Elemente aus dem Wasser auszuscheiden und es zu reinigen und damit der Ursache von Krankheit und Tod ein Ende zu machen?
Die Stellung der Christian Science ist, daß diese selbe vernünftige Regel auf alle Arten Krankheit angewendet werden sollte, und deshalb sollte es das große Ziel sein, eher die Ursachen aufzufinden und zu vernichten, als Wirkungen zusammenzuflicken. Es ist unvernünftig und ungerecht für die Menschen, nachlässig und gedankenlos weiter zu gehen, ohne auf die Ursachen zu achten, welche Krankheit und Tod hervorbringen, und dann, wenn diese Schwierigkeiten eintreten, sie einer unerforschlichen Vorsehung zur Last zu legen. Sie sollten lieber ebenso viel Aufmerksamkeit darauf verwenden, zu lernen, wie sie ihr Leben in Übereinstimmung mit dem göttlichen Gesetze regeln könnten, als wie auf die Förderung ihrer weltlichen Zwecke. In dem Maße, in welchem sie das tun, dürfen sie sicher sein, daß sie die gebührende Belohnung für ihre Bemühungen ernten werden, und im Verhältnis eine viel größere Belohnung, als bloßes weltliches Trachten bringen kann.
Wenn die Ursache von Krankheit derartig ist, daß sich der Patient derselben nicht bewußt ist, dann ist es das Amt des Arztes oder des Seelenarztes, die Ursache festzustellen und das Heilmittel anzuwenden. Wenn man findet daß die Ursache geistig ist, — und nach solch einer geistigen Ursache forscht der Christian Scientist immer, — dann besteht das Heilmittel darin, die geistige Ursache zu regeln oder zu beseitigen. Der Christian Scientist versucht seinen Patienten geistig zu wecken und ihm seine wahre Beziehung zu Gott zu zeigen. Dieses ist Gebet im höchsten Sinne des Wortes. Nicht allein das Gebet aufrichtigen Wunsches und aufrichtigen Flehens, sondern mehr die Verwirklichung der Allgegenwart, der Allmacht, und des Alllebens Gottes.
Jeder einzelne Christ ist ein solcher Mann, wie Christus selbst auf Erden ist und kann die ganze Welt in göttlichen Sachen regieren, jedermann helfen und nützen, kurzum die größten Werke tun, die auf Erden geschehen, denn er ist vor Gott höher geachtet als die ganze Welt, ja Gott gibt der Welt nur alles und erhält sie um seinetwillen, so daß, wenn keine Christen auf Erden wären, keine Stadt und kein Land Frieden hätte, vielmehr alles auf einen Tag durch den Teufel (das Böse) verderbt würde. So sind die Christen wahre Helfer und Heilande, ja Herren ... der Welt.
Copyright, 1907, by Mary Baker G. Eddy.
Verlagsrecht 1907, von Mary Baker G. Eddy.
