Es ist eine Verleumdung gegen die Christian Science zu behaupten, daß der Mensch nur durch das Gefühl der Annehmlichkeit, des Vergnügens oder der Belohnung zum Denken oder Handeln angeregt wird. Etwas Höheres, Edleres, Mächtigeres treibt den Impuls der Seele an.
Es wird mir zur Pflicht, gerecht gegen die Dahingeschiedenen zu sein und nicht unbarmherzig auf ihre Asche zu treten. Der Angriff auf mich und meinen verstorbenen Vater und seine Familie in „McClure’s Magazine“ vom Januar 1907, zwingt mich als pflichtgetreues Kind und Leiterin der Christian Science zu sprechen.
„McClure’s Magazine“ weist auf meinen Vater hin „als von großer, hagerer Gestalt” und stellt ihn dar „als einen alten Mann, der mürrisch in den Landwegen umherstampfte und gewöhnlich den Boden mit einem mächtigen Spazierstock schlug.” Mein Vater war von aufrechter, kräftiger Gestalt. Er brauchte niemals einen Spazierstock. Zum Beispiel: Auf einem Besuch beim Gouverneur Pierce, dem Vater des Präsidenten Franklin Pierce, reichte dieser meinem Vater einen Spazierstock mit einem goldenen Knopf, als sie sich zum Kirchgang bereit machten. Mein Vater dankte dem Gouverneur, weigerte sich jedoch den Stock anzunehmen mit den Worten: „Ich brauche niemals einen Stock.”
Ebenso schreibt „McClure’s Magazine“ meinem Vater unziemliche Redensarten zu, doch bestand mein Vater auf die Aufrechthaltung seines häuslichen Gesetzes; er erlaubte keine profanen Worte oder gemeinen Redensarten. Auch behauptet „McClure’s Magazine,“ daß die Bibel das einzige Buch in seinem Hause gewesen sei. Mein Vater war im Gegenteil ein eifriger Leser. Der Mann, den „McClure’s Magazine“ als „unwissend, herrschsüchtig und furchtlos charakterisiert, war gleichmäßig würdevoll, — ein gut unterrichteter intelligenter Mann; er war gebildet und hatte gute Manieren. Er wurde berufen geschäftliche Angelegenheiten für seine Stadt zu erledigen, Dokumente aufzusetzen, Streitigkeiten zu schlichten und einmal sogar als Rechtsanwalt in einem Prozeß, in dem es sich um Verarmung zwischen den Städten Loudon und Bow, N. H. handelte. Franklin Pierce, nachmaliger Präsident der Vereinigten Staaten war Rechtsanwalt für Loudon und Mark Baker für Bow. Beide hielten ihre Verteidigungsrede und mein Vater gewann den Prozeß. Nach der Entscheidung verbeugte sich Mr. Pierce vor meinem Vater und gratulierte ihm. Mehrere Jahre war Vater Kaplan der New Hampshire State Militia (Landwehr) und soviel ich mich erinnere, war er einmal Friedensrichter. Mein Vater war ein starker Verteidiger staatlicher Rechte und sah Sklaverei als eine große Sünde an.
Mark Baker war der Jüngste in seines Vaters Familie und erbte seines Vaters Besitztum, ein ausgedehntes Landgut in Bow und Concord, N. H. Die amtlichen Bücher weisen nach, daß Mark Bakers Vater die höchste Taxe in der Kolonie bezahlte. „McClure’s Magazine“ sagt, indem es die Bakersche Wohnung in Bow beschreibt: „Das Haus war ein kleines viereckiges Holzgebäude von rauher Architektur.” Meines Vaters Haus hatte ein schräges Dach nach dem damals herrschenden Baustil.
„McClure’s Magazine“ behauptet ferner: „Er [Albert] war der einzige aus der Bakerschen Familie, der eine gute Erziehung erhielt ... Mary Baker verlebte die ersten fünfzehn Jahre ihres Lebens in ihrem elterlichen Hause in Bow. Es war eine einsame, anregungslose Existenz. Die Kirche lieferte die einzige gesellige Abwechslung und die Distrikt-Schule wirklich das ganze intellektuelle Leben.”
Laßt uns sehen, worin die Früchte dieser „einsamen und anregungslosen Existenz” bestanden. Alle Töchter meines Vaters hatten eine akademische Erziehung empfangen, die genügend war um in verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeiten in Schulen zu unterrichten. Mein Bruder Albert war ein angesehener Advokat. Außer meiner akademischen Erziehung hatte ich Privatunterricht bei ihm. Er war Mitglied der New Hampshire Legislatur und wurde zum Kongreß vorgeschlagen, starb jedoch vor der Wahl. „McClure’s Magazine“ nennt meinen jüngsten Bruder George Sullivan Baker „einen Arbeitsmann in einer Wollfabrik in Tilton.” Die Tatsache ist, daß er Geschäftsteilhaber von Alexander Tilton war und mit ihm zusammen eine große Fabrik in Tilton N. H. besaß. Sein militärischer Titel „Colonel“ kam von seiner Ernennung zum Generalstabe durch den Gouverneur von New Hampshire. Mein ältester Bruder Samuel D. Baker hatte ein großes Geschäft in Boston, Mass.
In Bezug auf die Behauptung in „McClure’s Magazine,“ daß die ganze Familie „mit Ausnahme von Albert am Krebs gestorben sei,” möchte ich sagen, daß kein Tod in meines Vaters Familie weder von einem Arzt, oder durch den Totenschein als durch Krebsleiden verursacht, bescheinigt worden ist.
„McClure’s Magazine“ sagt, daß „die Streitigkeiten zwischen Mary, einem zehnjährigen Kinde und ihrem Vater, einem grauhaarigen Manne von fünfzig Jahren oft das ganze Haus in Aufruhr brachten” und fügt hinzu, daß diese „Anfälle” von Dr. Ladd als „Histerie mit reizbarem Wesen verbunden” diagnosiert wurden. Meine Mutter stellte mein Wesen oft ihren andern Kindern zum Muster auf und sagte: „Seht ihr Mary jemals böse?” Als die erste Ausgabe von „Science and Health“ veröffentlicht wurde, sagte Dr. Ladd zu Alexander Tilton: „Lesen Sie es, denn es wird Ihnen gut tun. Es wundert mich nicht, es gleicht so der Verfasserin.”
Ich werde folgenden Vorfall erzählen, der sich später im Leben ereignete und mein Wesen illustriert:
Als ich mit Dr. Patterson in seinem Landhause in North Groton, N. H., lebte, klopfte ein völlig blindes Mädchen an die Tür und fand Einlaß. Sie bat um Erlaubnis bei mir zu bleiben und mein Mitgefühl und meine Liebe waren so groß, daß ich sie nicht abweisen konnte. Kurz darauf sagte jedoch meine gute Haushälterin zu mir: „Wenn dieses blinde Mädchen bei Ihnen bleibt, werde ich fortgehen müssen; sie macht mir so viel Mühe.” Ich hatte nicht das Herz das blinde Mädchen fortzuschicken und verlor somit meine Haushälterin.
Meine Antwort auf die Aussage, daß ich laut der Bücher des Buchführers der Kongregational-Kirche in Tilton im Alter von siebenzehn Jahren beitrat, ist, daß meine religiösen Erfahrungen in meinem zwölften Lebensjahr ihren Gipfel zu erreichen schienen; daher mag ein Versehen im genauen Datum meines ersten Kirchenbeitritts vorgekommen sein.
Die Tatsachen über das McNeilsche Wappen sind folgende: —
Fanny McNeil, die Nichte des Präsidenten Pierce, spätere Mrs. Judge Potter, überreichte mir mein Wappen mit den Worten, daß es in Verbindung mit ihrem eigenen Familienwappen gemacht worden sei. Ich zweifelte niemals an der Wahrheit ihrer Gabe. Ich besitze noch ein anderes Wappen von den Vorfahren meiner Mutter. Als ich zuletzt in Washington, D. C. war, knieten Mrs. Judge Potter und ich in stillem Gebet am Grabhügel ihres verstorbenen Vaters des Generals John McNeil, des Helden in Lundy Lane.
Trotzdem „McClure’s Magazine“ sagt, daß „Mary Baker ihre Erziehung mit Smiths Grammatik und den langen Divisionsaufgaben im Rechnen vollendete,” wurde ich vom Rev. R. S. Rust, D. D., dem Vorsteher des methodistischen Konferenz Seminars berufen, um die Stelle der ersten Lehrerin während ihrer zeitweiligen Abwesenheit zu vertreten.
Über meine erste Heirat und den tragischen Todesfall meines Mannes sagt „McClure’s Magazine“: „Er [George Washington Glover] brachte seine junge Frau nach Wilmington, South Carolina und starb im Juni 1844, sechs Monate nach seiner Hochzeit am gelben Fieber. Er hinterließ seine junge Frau in einer jämmerlichen Lage. Sie war fern von der Heimat und gänzlich ohne Mittel oder Freunde. Glover erhielt jedoch als Freimaurer eine standesgemäße Beerdigung. Auch bezahlten die Freimaurer Mrs. Glovers Reisekosten nach New York, wo ihr Bruder George sie empfing und nach ihrem Vaterhaus begleitete ... Sie befand sich in schwierigen Umständen. Sie war eine erwachsene Frau mit einem Kinde, doch gänzlich ohne Versorgungsmittel ... Mrs. Glovers einzige Anstrengung sich selbst zu ernähren, bestand darin, daß sie auf kurze Zeit an einer Schule unterrichtete.”
Mein erster Mann, der Major George W. Glover wohnte in Charleston, South Carolina. Auf einer Geschäftsreise in Wilmington, North Carolina, wurde er plötzlich vom gelben Fieber befallen und starb in ungefähr neun Tagen. Ich begleitete ihn auf dieser Reise. Er hatte die für solchen Ausflug nötige Geldsumme mit sich genommen. Bei seinem Hinscheiden war ich von Freunden umgeben, deren Fürsorge für mich höchst rücksichtsvoll war. Der Gouverneur des Staates mit seinem Generalstabe sowie ein langer Leichenzug folgte der sterblichen Hülle meines Geliebten nach dem Friedhofe. Die Freimaurer wählten einen Begleiter für mich, der mich nach meinem Vaterhaus in Tilton, N. H. brachte. Mein Einkommen als Schriftstellerin gewährte mir reichliche Mittel zum Unterhalt. Ich eröffnete eine Schule für kleine Kinder, jedoch nur zu dem Zweck um das Erziehungssystem in New Hampshire einzuführen.
Der mir durch „McClure’s Magazine“ zugeschriebene Reim ist nicht von mir gemacht worden, sondern ist, soviel ich weiß, die Umschreibung eines vor Jahren gesungenen albernen Liedes. Wie man mir sagte, lautet es folgendermaßen: —
Go to Jane Glover
Tell her I love her;
By the light of the moon
I will go to her.
Die verschiedenen in „McClure’s Magazine“ erzählten Geschichten, daß mein Vater den Weg vor unserem Hause mit Gerberlohe und Stroh bestreute und daß Leute dafür bezahlt wurden um mich zu schaukeln, sind mir ganz unbekannt. Ebensowenig erinnere ich mich solchen Unsinns, daß Dr. Patterson nach Franklin. N. H. gefahren sei, mit einer Chaiselongue oder einer Wiege für mich auf seinem Wagen. Ich weiß nur, daß mein Vater und meine Mutter alles taten, was in ihren Kräften stand, um mir zu helfen, als ich krank war.
Ich hatte niemals „Neigung zu langen, einsamen Wanderungen, besonders des Nachts,” wie „McClure’s Magazine“ behauptet. Wenn ich des Abends ausging, was ich selten tat, wurde ich stets von einer vernünftigen Person begleitet. Ich habe beständig erklärt, daß ich kein Medium für Geister sei. Ich habe mich niemals besonders für die Shaker interessiert, mich niemals in „Mesmerismus gemischt,” bin niemals „Amateur-Hellseherin” gewesen, noch haben „abergläubische Landleute mich häufig” um Rat ersucht. Ich verfiel niemals in einen Zustand der Verzückung um ferne Scenen zu beschreiben, wie „McClure’s Magazine“ erzählt.
Meine älteste Schwester liebte mich zärtlich, doch verwundete ich ihren Stolz als ich die Christian Science annahm, und dies war für eine Baker ein trauriger Verstoß. Ich mußte mich von meinem Sohn trennen, weil mein kleiner Knabe nach meines Vaters zweiter Heirat in seinem Hause nicht willkommen war.
„McClure’s Magazine“ nennt Dr. Daniel Patterson, meinen zweiten Mann „einen wandernden Zahnarzt.” Er erzählt, daß wir nach meiner Hochzeit „eine kurze Zeit in Tilton wohnten, dann nach Franklin umzogen ... daß die Pattersons während der folgenden neun Jahre eine ruhelose Existenz führten. Der Doktor praktizierte in mehreren Städten zwischen Tilton und North Groton und dann in Rumney.” Als ich Dr. Daniel Patterson heiratete, wohnte er in Franklin, N. H. Er besaß den Titel D. D. S., war ein allgemein angesehener Mann und wurde für einen ausnahmsweise geschickten Zahnarzt gehalten. In North Groton kaufte er einen Wohnsitz, der ihm gefiel, zur Sommerwohnung. Zu der Zeit besaß er ein Haus in Franklin, N. H.
Obgleich „McClure’s Magazine“ behauptet, daß die gerichtliche Aufzeichnung angibt, meine Ehescheidung von Dr. Patterson sei mir bewilligt worden, weil er mich verlassen hatte, so ist dennoch Ehebruch der Scheidungsgrund. Es befinden sich noch heute Personen hier, die bei der vom Richter abgegebenen Entscheidung im Gerichtshofe anwesend waren und die folgende Tatsache wissen: Nachdem der Beweis vorlag, daß ein verheirateter Mann Dr. Patterson verhaften lassen wollte, weil er seine Frau entführt hatte, gebot das Gericht dem Schreiber die Scheidung zu meinen Gunsten zu protokollieren. Die Verhaftung Dr. Pattersons wurde verhindert durch einen Brief von mir an denselben Gatten mit der Bitte, davon abzustehen. Als derselbe seine Frau wieder bekam, hielt er sie wie eine Gefangene in ihrem Hause und ich stiftete Versöhnung zwischen dem Paar. Eine Christian Scientistin sagte mir, daß die Frau dieses Mannes ihr mit Tränen der Dankbarkeit im Auge diese oben angeführte Tatsache genau so erzählt habe. Ich lebte friedlich mit Dr. Patterson und er war freundlich gegen mich bis zur Zeit unserer Scheidung.
Die folgende Bescheinigung von R. D. Rounsevel in Littleton, N. H., dem Eigentümer vom White Mountain Hause in Fabyans, N. H., deren Urkunde sich in meinem Besitz befindet, wird in dieser Beziehung von Interesse sein: —
Um das Jahr 1874, war der Zahnarzt Dr. Patterson, ein Kostgänger von mir in Littleton, New Hampshire. Wahrend seines Aufenthaltes zu verschiedenen Zeiten, hatte ich ein Gespräch mit ihm über seine Frau von der er geschieden war. Er sprach von ihr als eine edeldenkende, christliche Frau und erklärte, daß die Ursache der Scheidung ganz seine Schuld sei, und daß wenn er seine Pflicht getan hätte, er ein so angenehmes und glückliches Heim gehabt hätte, wie man sich nur wünschen kann.
Zu der Zeit hatte ich keine Ahnung, wer seine Frau war. Später erfuhr ich, daß Mary Baker G. Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christian Science, die oben erwähnte Frau sei.
(Unterzeichnet)
Grafton S. S. Jan. 1902. Dann erschien R. D. Rounsevel persönlich und legte den Eid ab, daß diese von ihm unterzeichnete Angabe wahr sei.
Vor mir
(Bescheinigt)
Wen oder was beschreibt die sogenannte „McClure“ „Geschichte?” Mich, die wirkliche Mrs. Eddy, von der die „New York World“ behauptet, daß sie am Krebs sterbe, oder ist es ihr Doppelläufer oder die vorher beschriebene Strohpuppe?
Wenn ich es wirklich bin, erlauben Sie mir, daß ich den unternehmenden Geschichtsschreibern für das Zeugnis danke, das sie dabei für die göttliche Macht der Christian Science ablegen, die, wie sie zugeben, mich der Wiege und dem Grabe entrissen und mich zur geliebten Führerin von Millionen guter Männer und Frauen in unserem eigenen und andern Ländern gemacht hat, — und dies alles, weil ich die Wahrheit verkündigt habe, welche die Spreu vom Weizen getrennt hat und die zu einer Körperschaft vereinigt, die die Wahrheit lieben; weil die Wahrheit zwischen Sekte und Wissenschaft unterscheidet und den himmelwärts strebenden Impuls belebt; weil ich noch das Erntelied des Erlösers vernehme, die Nationen erwecke und den Menschen dazu bewege seine Feinde zu lieben; denn „selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen, und reden allerlei Übels wider euch, so sie daran lügen.”
