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Sich in die Lektionspredigt vertiefen

Aus der März 1947-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Die Wahrheit ist Substanz. Jesus sagte: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.” Beachtenswert ist, daß Jesus nicht sagte: Ihr werdet von der Wahrheit wissen, sondern er ermahnt uns unzweideutig, „die Wahrheit [zu] erkennen”. Nur geistiges Erkennen kann frei machen. Die geistige Wahrheit, die wir kennen, drückt sich in unserem Sein aus, ja, sie ist unser Sein. Die Wahrheit, die Gott ist, erkennen, heißt also unsere wahre Wesensart, die wahre Wesensart der Idee Gottes, finden. Sich so als Gottes Idee kennen, vernichtet und verbannt alles, was der Wahrheit unähnlich ist. Es ist das Mittel, das Unwahre, das Unwirkliche und Substanzlose—das, was nichts ist, weil es nur eine Nachahmung ist—zu zerstören.

Diese Wechselbeziehung des Wissens und des Seins, d. h. daß man das ist, was man weiß, erklärt, warum man die Lektionspredigt nicht nur schnell oberflächlich durchlesen, sondern sich darein vertiefen, sie sich zu eigen machen sollte. Mary Baker Eddy schreibt mit Bezug auf ihr Lehrbuch „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift.” (S. 559): „Leset dieses Buch von Anfang bis zu Ende. Studiert es, sinnt darüber nach.” Hier erklärt sie unzweideutig, daß das Lesen dem Sichvertiefen in das Gelesene vorausgeht, und daß man durch weiteres Nachsinnen verstehen lernt. Haben wir nicht alle schon gelegentlich gesagt: „Ich habe meine Lektion gelesen”, oder „ich habe meine Lektion durchgenommen”? Wieviel besser es doch wäre, wenn wir immer wahrheitsgetreu sagen könnten: „Ich vertiefe mich in die Lektion; ich wende die Lektion an”!

Das Forschen und Lernen geht mit dem Anwenden Hand in Hand. Was wir z. B. in der Kochschule lernen, wenden wir in der Küche an; was wir in der Sonntagsschule von Christian Science verstehen lernen, sollten wir während der Woche anwenden; und was wir durch das tägliche Nachdenken über die Lektionspredigt lernen, sollten wir den Tag über im Leben anwenden. Lernbegierig, empfänglich sein und in freudiger Erwartung über die Lektionspredigten nachdenken verbürgt Wachstum. Dieses Wachstum bedeutet Fortschritt in der Christian Science, was immer Heilung zur Folge hat.

Ein sorgfältiges Aufmerken, d. h. ein Achtgeben auf die sich entfaltende Idee, ein empfängliches Denken und Gelehrigkeit ist eine Vorbedingung für das tiefere Eindringen. Wer sorgfältig aufmerkt, hat einen offenen Sinn und ist unvoreingenommen, urteilt nicht übereilt, wartet geduldig darauf, daß die Wahrheit sich selber enthülle. Das ehrliche Denken, dieser stille Hüter des Guten, ist mit Demut und Sanftmut aufs engste verknüpft. In dem verborgenen Heiligtum sorgfältigen Aufmerkens enthüllen sich neue Bedeutungen, erschließen sich geistige Auslegungen, lassen Worte die Ideen erkennen, die sie verkörpern.

Durch Formeln wird Erleuchtung und Entfaltung nur vereitelt. Das genaue Verfahren beim Forschen ist unumstößlich eine persönliche Angelegenheit jedes einzelnen; aber gewisse geregelte Bräuche sind hilfreich. Das Forschen des Christlichen Wissenschafters unterscheidet sich nicht wesentlich von irgend einem andern Forschen. Es erfordert ein genaues Festlegen der gebrauchten bedingten und unbedingten Ausdrücke, und eine geordnete Wechselbeziehung der Ideen und der Anwendung dieser Ideen auf Lagen im Leben. Es erhöht den Wert des Forschens, wenn man sich über das, was man liest, Fragen stellt, und dann die Antworten auf diese Fragen in den Stellen der Lektion sucht. Dabei sollte man immer eingedenk sein, daß „die Christliche Wissenschaft Entfaltung, nicht Zuwachs darstellt”, wie unsere Führerin uns sagt (Wissenschaft und Gesundheit, S. 68). In einem ehrlichen Denken geht diese von aufrichtigem Verlangen getriebene geistige Entfaltung mühelos vor sich. Mrs. Eddy sagt auch (Wissenschaft und Gesundheit, Vorw. S. x): „Keine intellektuelle Vorgeschrittenheit ist bei dem Schüler erforderlich, doch eine gesunde Moral ist höchst wünschenswert.”

Dieses Forschen kann dazu führen, daß man bei seinem Nachdenken über die Lektion für die Woche viele kleinere Themen herausliest. Und wenn man ihnen weiter auf den Grund geht, findet man oft, daß sie einem das, was einem besonders not tut, auf eine Art und Weise geben, die dem menschlichen Bewußtsein erstaunlich oder sogar wunderbar scheinen mag. Es ist überraschend, wie die Lektion jeder Woche angewandt werden kann, um sowohl unsere persönlichsten schwierigen Fragen im Alltagsleben, als auch diejenigen der Welt zu lösen. Die das Denken erhebende und das Verständnis weckende Bedeutung ist oft im Wortlaut fast verborgen. In diesem Falle gelangt man zu dem Sinn der Stelle in ähnlicher Weise wie zu dem Inhalt eines Pakets, das man öffnen muß, indem man die Schnur loslöst, das Papier, worin es eingewickelt ist, entfernt, den Deckel der Schachtel abhebt und das Seidenpapier wegnimmt. Genau so dringen wir durch beharrliches Bemühen in die tieferen Wahrheiten unserer Lektionspredigt ein.

Wie bei allem Lernen erweisen sich auch beim täglichen Erforschen der Lektionspredigt gewisse Bücher, wie z. B. ein gutes Wörterbuch, die Konkordanzen zu den Schriften unserer Führerin und eine Bibelkonkordanz, als eine große Hilfe; sie bereichern unsere Erfahrung.

Manchmal hört man jemand sagen, daß er keine Freude an tiefem Nachdenken habe, nicht wisse, wie er es angreifen solle, oder keine Zeit dazu habe. Wie ein Schulkind vielleicht nicht gern stillsitzt, zum Fenster hinausschaut und lieber alles andere tut, als sich mit seiner Aufgabe zu befassen, wenn es nicht weise und liebevoll dazu angehalten wird, so muß das menschliche Bewußtsein dazu erzogen werden, an zweckdienlichem, planmäßigem Forschen Freude zu finden. „Befleißige dich, Gott dich zu erzeigen als einen rechtschaffenen und unsträflichen Arbeiter, der da recht teile das Wort der Wahrheit.”

Die Kinder in der Sonntagsschule der Christian Science sollten gelehrt werden, als Ergebnis gründlichen täglichen Sichvertiefens in die Lektion eine reiche Entfaltung und viel Gutes zu erwarten und zu beanspruchen. Sie sollten dazu angehalten werden, in den Stellen der Lektion zu finden, wie sie ihre Schwierigkeiten überwinden können, und dann den gelernten Wahrheiten entsprechend zu leben, sie zum Ausdruck zu bringen.

Heilung ist tatsächlich das Aufgeben menschlicher Annahmen. Forschen ist ein Mittel, verstehen zu lernen, wie man sie aufgeben kann. Wenn jemand, der an einer körperlichen Krankheit leidet, sich damit befaßt, Gott, die Wahrheit, verstehen zu lernen, wird der Mesmerismus gebrochen und die Heilung beginnt. Auf die Änderung der Krankheitsanzeichen achten, anstatt darauf acht zu geben, ob man im Denken an geistigem Verständnis zunimmt, heißt die Heilung verzögern. Als das kanaanäische Weib sich von ihrem tiefen Kummer um ihr krankes Kind und ihrem müden, geängstigten Selbst abwandte und die Wahrheit suchte, die Jesus lehrte; als sie danach trachtete, auch nur ein Brosamlein zu bekommen, das von des Meisters Tisch fallen mochte, „ward ihre Tochter gesund zu derselben Stunde”.

Die offensichtliche Schwierigkeit, ob es sich um Krankheit, unglückliche Zustände, Sünde, Leid, Mißerfolg im Geschäft oder Mangel handelt, ist tatsächlich nie der Kernpunkt. Sie ist vielmehr eine Verlockung, das Denken abzulenken von dem, was man in bezug auf Weisheit, Geduld, Selbstlosigkeit, Fleiß, Reinheit, Duldsamkeit usw. zu lernen hat. Je schneller man aufhört zu glauben, es handle sich um eine körperliche Schwierigkeit, und von ganzem Herzen wünscht, das Wort Gottes zu hören und in der Gnade zu wachsen, lernt man, was man zu lernen hat, und es erfolgt die Heilung.

Beim Rechnen lernen wir, uns nicht mit dem falschen Ergebnis zu befassen. Ein Umstellen oder Ändern der Zahlen berichtigt den Fehler nicht. Wendet man sich aber von dem falschen Ergebnis vollständig ab und hält sich an das Prinzip und die Regeln des Rechnens, so kann man die Aufgabe dadurch lösen, daß Unachtsamkeit oder Unwissenheit der Wahrheit weichen.

Wenn wir uns in aufrichtigem Verlangen von der Schwierigkeit, von Schmerz oder Begrenzung in der menschlichen Erfahrung abwenden und verstehen lernen, was die Christian Science uns lehrt, können wir irrige Annahmen, die sich in Krankheit äußern, entdecken und sie dadurch vernichten, daß wir die Tatsachen der göttlichen Wissenschaft zugeben.

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