Der Anhänger der Christian Science tut wohl daran, sich dessen bewußt zu bleiben, daß das Böse, das negative sterbliche Gemüt—mit andern Worten die materiellen Sinne—alles das für sich beansprucht, das Gott, dem unsterblichen Gemüt, zugehört. „Das Böse”, sagt Mary Baker Eddy, „beanspruchte am Anfang die Macht, Weisheit und Nützlichkeit des Guten” (Miscellaneous Writings, S. 60).
So erhebt das sterbliche Gemüt zum Beispiel den Anspruch, Intelligenz, Macht und Mittel zu besitzen, womit es den Menschen erschaffen kann, und die Substanz, aus der es ihn machen und verkörpern kann. Es beansprucht, eine Stätte zu haben—seinen eigenen vergänglichen Begriff von Schöpfung—mit der es ihn umgeben kann, und Kräfte, mit denen es ihn schädigen, bedrängen und schließlich vernichten kann.
Da aber das sterbliche Gemüt immer lügt, kann es nie mehr tun als Anspruch erheben; denn Gott allein besitzt. Wieviel das sterbliche Gemüt auch beanspruchen mag, so kann das niemals verhindern, daß Gott in sich selbst die Fülle der Wirklichkeit besitzt. Das Böse mag Anspruch erheben auf alles—Ursache, Wirkung, Intelligenz, Macht, Gesetz, Substanz, Wesenheit—doch Gott besitzt alles, und was Gott besitzt, ist immer Sein eigen, heute und in aller Ewigkeit.
Ursächliche Kraft wohnt aller wirklichen Intelligenz inne. Das materielle sterbliche Gemüt hat keine wirkliche Intelligenz, also auch keine Kraft, den Menschen zu erschaffen. Das göttliche Gemüt, das alle Intelligenz in sich faßt, ist daher allmächtig und hat allein die Kraft, den Menschen zu erschaffen. Gott, der Geist, das Gemüt, ist die einzige Substanz, denn Substanz ist das, was unzerstörbar und ewig ist. Da das sterbliche Gemüt zeitlich ist, hat es keine wirkliche Substanz, aus der es den Menschen erschaffen könnte. Negative Gedanken und zerstörbare Atome sind nicht Substanz und können nicht das Sein und Wesen oder den Körper des Menschen ausmachen.
Das sterbliche Gemüt beansprucht, euch und mich aus einem negativen Begriff von Substanz zu erschaffen, und uns in der Materie zu verkörpern und damit zu umgeben. Doch ist dieser Anspruch gänzlich haltlos. Der Mensch ist die Wirkung des Geistes, des materielosen Gemüts; er ist der Ausdruck oder die Verkörperung des Gemüts, notwendigerweise mit dem Gemüt verbunden und von dem immergegenwärtigen Reich der Ideen des Gemüts umgeben.
Der Anspruch des Irrtums, daß er Kräfte hat, womit er den Menschen beleben, beherrschen, quälen und schließlich vernichten kann, ist eine Fabel. Nur positive Intelligenz schafft wahre Kräfte und wirkliches Gesetz. Die angeblichen Kräfte und Gesetze des sterblichen Gemüts gehören ebenso dem Reich der Fabel an wie das sterbliche Gemüt selbst. Sie können sich niemals die Macht anmaßen, die den Kräften Gottes, des Guten, angehören, noch widerrechtlich das Vorrecht der Gottheit an sich reißen, den Menschen zu regieren und zu erhalten.
Diese Wahrheiten haben eine praktische Bedeutung für das tägliche Leben. Wir sollten erkennen, daß die Anmaßungen des sterblichen Gemüts den Menschen ebensowenig bedrohen können wie Gott; denn unser einzig wahres Menschentum bleibt in Gott als Sein Ausdruck und ist als solcher sicher und geborgen vor allen Ansprüchen des Bösen. „Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen?” (Jer. 23:28.)
Angenommen, die aggressiven, anhaltenden Suggestionen des Bösen sind, daß Herr A. ein schweres oder unheilbares Leiden hat. Auf Grund der obigen Ausführungen sollte er sich klarmachen, daß die Behauptung des sterblichen Gemüts, ursächlich für ihn zu sein, unwahr ist; denn Gott, das ewige Gemüt, ist die einzige Ursache des Menschen. Das gottlose sterbliche Gemüt hat nichts zu tun mit seinem Leben und seiner Individualität; es weiß nicht einmal, daß seine wahre, geistige Selbstheit existiert. Da das sterbliche Gemüt nichts von Gott, seinem Gegenteil, weiß, weiß es gleichermaßen nichts von Gottes Ausdruck, dem Menschen. Ebenso wie Gott zu rein ist, um das Böse zu sehen, so ist das sterbliche Gemüt zu materiell und unrein, um Gott oder Seinen Menschen wahrzunehmen.
Herr A. Sollte sich vergegenwärtigen, daß Gott unendlich, Alles, ist und alles in sich schließt—daß Er in Seiner unendlichen Selbstheit alle Individualitäten in sich schließt und bewirkt, daß alle immerwährend Güte, Gesundheit und Harmonie ausdrücken. Keine angebliche materielle Ursache hat irgend etwas mit seinem Leben und dessen Fortdauer zu tun. Er sollte sich weigern, den lügenhaften Anspruch des Irrtums zu fürchten, daß er ihn durch materielle Erzeuger geschaffen und in der Materie verkörpert hat und ihn nun schädigt, quält und zu vernichten droht. Er sollte sich vergegenwärtigen, daß seine Individualität nicht in der Materie ist und nicht von materiellen Kräften gequält, beeinflußt oder bedroht werden kann; denn Gott, ewiges Leben und Gemüt, ist seine Seele und Substanz, die einzige Macht, die ihn und seine Umstände beeinflussen kann. Der Anspruch des Irrtums, ihn zu schaffen und zu bedrängen, hat keine Macht, diese geistige Tatsache umzuwandeln.
Wenn der Irrtum einen hervorragenden Platz in Herrn A.'s Gedanken beansprucht, so sollte er sich klarmachen, daß dieser Anspruch in Wirklichkeit keine Macht noch Anerkennung gewinnen kann. Gott herrscht ewiglich und allerhaben in seinem Bewußtsein. Er selbst hat unwandelbare Gesundheit und unbeeinflußbare Wesenheit, da sein Urheber, das göttliche Gemüt, ewig harmonisch ist. Gott hat alle Macht über ihn, und das Böse hat keine Macht über ihn.
Er freut sich in der Entdeckung, daß er als Gottes eigene Idee einen sicheren Platz hat, den die Ansprüche des Irrtums niemals wandeln können. Sie werden von Gott und Seinen Wesenheiten nicht einmal gehört, wahrgenommen oder gefürchtet. Er weiß, daß das Böse von seinem Denken und seinem Körper keine Pflanzstätte für die Fortpflanzung seiner Lügen machen kann. Auch kann er von den widerrechtlichen Ansprüchen des Irrtums nicht vom Kinde Gottes in ein Lasttier für böse Annahmen verwandelt werden.
„Stelle die Ansprüche des Bösen und der Krankheit in all ihren Formen bloß, und brandmarke sie”, sagt Mrs. Eddy, „vergegenwärtige dir aber, daß ihnen keine Wirklichkeit innewohnt” (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 447). Laßt uns mit unwandelbarem Glauben daran festhalten und immer voller verstehen lernen, daß—was auch immer die Ansprüche des Irrtums sein mögen—Gott allein alle Macht und Substanz, alles Leben und alle Individualität besitzt und sie sicher und geborgen in der Liebe ewigem Schutz bewahrt.
