Wenn man entdeckt, welche Reichtümer die Christliche Wissenschaft uns in Form von Gesundheit, Freude und Frieden darbietet, so strebt man gewöhnlich eifrig darnach, Fortschritte zu machen und so bald wie möglich ein tieferes Verständnis und eine vollere Demonstration dieser Wissenschaft des Lebens zu erlangen, um als Kirchenmitglied das Seinige zu tun, und eine wohlgeordnete religiöse Bewegung aufbauen zu helfen.
Vielleicht ist eine der wichtigsten Lektionen, die man zu lernen hat, daß man bei der Überwindung von Krankheit seine Treue nicht zwischen Gemüt und Materie, zwischen Gott und Mammon teilen darf. Ebenso wie Christus Jesus in keiner Weise auf Medizinen oder materielle Methoden irgend welcher Art vertraute, so dürfen auch seine Nachfolger nicht ihr Vertrauen auf solche Heilmittel setzen, wenn sie getreulich auf dem Wege wandeln wollen, den er ihnen gewiesen hat.
Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft, schreibt: „Was war zuerst, Gemüt oder Medizin? Wenn Gemüt zuerst gewesen ist und durch sich selbst bestanden hat, dann muß Gemüt die erste Medizin gewesen sein und nicht die Materie. Da Gott Alles-in-allem ist, hat Er die Medizin geschaffen; aber diese Medizin war Gemüt. Sie hätte nicht Materie sein können, da dieselbe von der Natur und dem Charakter des Gemüts, Gottes, abweicht.“ (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 142.)
Wenn jemand in der Vergangenheit daran gewöhnt war, sich auf materielle Methoden zu verlassen, so mag er, wenn er das Studium der Christlichen Wissenschaft aufnimmt, versucht sein, Altes und Neues zu vermischen. Doch das ist niemals eine Hilfe, sondern immer nur ein Hindernis für wahre Heilung. Die Dunkelheit kann sich niemals mit dem Licht vermischen. Geistige Kraft kann nicht mit materiellen Mitteln verschmolzen werden und dennoch ihre Wirkungskraft behalten. Wenn der Irrtum einen Christlichen Wissenschafter in die Versuchung führt, sein Vertrauen zwischen Gott und der gottlosen Materie zu teilen, so sollte er sich an jenen Rat unsrer Führerin erinnern: „Jede Probe unsres Glaubens an Gott macht uns stärker. Je schwieriger der materielle Zustand zu sein scheint, der durch Geist überwunden werden soll, desto stärker sollte unser Glaube, desto reiner unsre Liebe sein“ (ebd. S. 410).
Ein weiterer Punkt, den der Christliche Wissenschafter im Sinn behalten sollte, ist, daß er durch sein eigenes treues Gebet und eingehendes Studium der Bibel und des Buches „Wissenschaft und Gesundheit“ ein richtiges Verständnis von den Grundlehren der Christlichen Wissenschaft erlangen kann. Im Handbuch Der Mutterkirche (Art. IV, Abschn. 1) bezieht sich Mrs. Eddy auf den Selbstunterricht in dieser Wissenschaft. Dieser Selbstunterricht, der täglich stattfinden kann durch die Aufnahme und Verarbeitung von Ideen, die in unsern Lehrbüchern dargelegt sind, ist die beste Art und Weise, individuell zu studieren und anwenden zu lernen, was die Christus-Wissenschaft lehrt. Die einzig autorisierten Lehrer der Christlichen Wissenschaft sind diejenigen, die den Kursus der Lehrerbildungsanstalt durchgemacht haben, der den Vorschriften des Kirchenhandbuches gemäß alle drei Jahre in Boston abgehalten wird. Diese Lehrer halten alljährlich Elementarkurse ab.
Es ist natürlich, daß jemand, der zu einem Ausüber geht, etwas mehr über Gott und den Menschen lernt und ermutigt wird, selbst zu studieren, um so ein besseres Verständnis von allem, was die Christliche Wissenschaft lehrt, zu erlangen. Doch ein Ausüber ist in erster Linie ein Heiler, und er sollte sorgfältig darüber wachen, daß sein Wirken innerhalb der Grenzen dieses heiligen Berufes verbleibt. Der Patient sollte von dem Ausüber nicht einen Lehrkursus erwarten. Es ist in der Ordnung, daß der Ausüber einem Anfänger zeigt, wie er die im Vierteljahrsheft der Christlichen Wissenschaft erscheinenden wöchentlichen Lektionspredigten studieren sollte, oder auch, wie er in der Bibel und Mrs. Eddys Werken geeignete Stellen betreffs gewisser Gegenstände finden kann. Doch sollte der Ausüber sorgfältig vermeiden, die Stellung eines Lehrers einzunehmen, oder einem Patienten gegenüber persönliche Meinungen in bezug auf die Bedeutung von Erklärungen in der Bibel und in Mrs. Eddys Werken zu äußern.
Gott allein kann euch und mir die wahre Idee von Ihm selbst, von uns selber, von unserm Brudermenschen und von der Christus-Wissenschaft offenbaren. „Gottes eigene Auslegung verleiht dem Menschen die einzig hinreichende oder wahre Idee Seiner selbst“ („Miscellaneous Writings“ von Mary Baker Eddy, S. 258). Laßt uns also vor allem ständig auf Gott schauen, das immergegenwärtige Gemüt, unser einziges Leben, um durch Inspiration und unsre Gebete um Wachstum in der Gnade zu einem immer klareren Verständnis von Seinem Wort geführt zu werden. Von Ihm allein kommt Aufklärung, Erleuchtung und das Gemüt des Christus. Kein Mensch kann uns das geben, was allein von Ihm kommt. Er ist unser Licht und unsre Erlösung. Denn Gott ist's, das Prinzip und nicht ein menschliches Wesen, der in euch wirkt beides, „das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen“ (Phil. 2:13).
Bei der Verwaltung der verschiedenen Zweige Der Mutterkirche ist es wichtig, daß geeignete Statuten abgefaßt werden, und daß diese im allgemeinen mit dem Geist des Kirchenhandbuches übereinstimmen und im besonderen mit Artikel XXIII, Abschnitt 10, welcher zum Teil lautet: „In der Christlichen Wissenschaft soll die Verwaltung jeder Zweig-Kirche ausgesprochen demokratisch sein, und keine Person und keine andre Kirche darf sich in ihre Angelegenheiten mischen.“ Der Ausdruck „ausgesprochen demokratisch“ bedeutet unter anderem, daß bei Angelegenheiten wie etwa der Ernennung von Kirchenbeamten, die zu wählen sind, einschließlich der Leser, die Mitglieder durch Abstimmung die Entscheidung treffen sollen. Jedes Mitglied stimmt durch geheime Wahl für die Person, die ihm am geeignetsten erscheint, die betreffende Stellung einzunehmen. Das Ergebnis dieser ersten Abstimmung wird bekannt gegeben, und dann werden weitere Abstimmungen gehalten, bis eine Stimmenmehrheit oder ein höherer Prozentsatz, wenn die Statuten dies verlangen, fuhr eine bestimmte Person erreicht worden ist, die dann für gewählt erklärt wird. Das gleiche Verfahren wird angewendet, um Entscheidungen über Kirchenangelegenheiten zu erlangen, die den Statuten gemäß der Mitgliederschaft bei den Mitgliederversammlungen vorgelegt werden. Die Kirchenbeamten stellen keine Kandidaten auf, und ebensowenig machen Mitglieder im voraus bekannt, daß sie bereit sind, ein Amt zu übernehmen.
Wenn auch frühere Erfahrung in Kirchenarbeit bei Zweigkirchen, die manche Mitglieder anderen voraus haben mögen, gewürdigt werden sollte, so muß sich doch jedes Mitglied individuell verantwortlich fühlen, bei Fragen, die für demokratische Abstimmung vorgelegt werden, seine eigene Entscheidung zu treffen, unbeeinflußt durch die Ansichten anderer oder persönliche Gründe, sondern nur von dem Verlangen beherrscht, ehrlich und demütig der göttlichen Führung Ausdruck zu verleihen. Es ist gerade diese ehrliche Gesamtentscheidung der Mitgliederschaft, was eine Zweigorganisation „ausgesprochen demokratisch“ macht; und Gott, das Gemüt eines jeden und aller, sollte von einem jeden Mitglied gesucht und geehrt werden, so daß diese Wahlen und Entscheidungen so viel wie eben möglich dem Vorsatz der Weisheit und dem Willen Gottes entsprechen.
Auf Gott allein vertrauen wir, wenn wir Heilung suchen. An Gott allein wenden wir uns, um Inspiration und Wachstum im geistigen Verständnis zu finden, und auf das Gemüt, unsern Vater-Mutter, verlassen wir uns, in der Zuversicht, daß Er durch das Gesamtbewußtsein ihrer Mitgliederschaft unsere Kirchen führen und leiten wird. In dem Maße, wie wir diesen Fingerzeigen folgen, wird unser individuelles Wachstum beschleunigt und die Wirksamkeit unserer organisierten Kirchenarbeit erhöht werden.
