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Original im Internet

Über einen langen Zeitraum beten

Aus der September 2021-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 6. Mai 2021 im Internet.


Das Telefon klingelte und eine gute Freundin war dran. Sie wollte mir sagen, dass sie geheilt war. Sie berichtete, dass sie alle Praktikerinnen und Praktiker der Christlichen Wissenschaft anrief, die ihr im Lauf mehrerer Jahre geholfen hatten, während sie über ein hartnäckiges körperliches Problem gebetet hatte, denn sie war so dankbar für jeden Schritt auf der Heilung. Das Telefonat war voll Freude und Dankbarkeit. Und wenn ich jetzt an diesen Anruf zurückdenke, beeindruckt mich die Tatsache, dass meiner Freundin all ihre Gebete – auch die Zeiten des Kampfes oder der Tränen – nicht als eine Reihe von Fehlschlägen, Sackgassen oder unzulänglichen Bemühungen in Erinnerung waren, sondern als Zeit mit viel Wert, Bedeutung und Fortschritt.

Christliche Wissenschaftler streben danach, „durch ... ihre Praxis zu demonstrieren, dass die Christliche Wissenschaft die Kranken schnell und vollständig heilt“ (Mary Baker Eddy, Kirchenhandbuch, S. 92) – und Heilung tritt in der Christlichen Wissenschaft vielfach wirklich zügig ein. Doch es kann auch Zeiten geben, wenn wir länger beten müssen. Wir lieben die Freude und Helligkeit zügiger Heilungen. Doch was ist, wenn es nicht so schnell geht? Bedeutet eine längere Zeit, dass wir weniger erfolgreich beten? Betrachten wir diese Zeiten als dunkel?

Unsere Antwort hängt von der Betrachtungsweise ab. Wenn wir unseren Erfolg nur nach der Materie einschätzen, können wir zu dem Schluss kommen, dass unsere Gebete abstrakt, irrelevant oder gar erfolglos sind. Das kommt, weil materieller Sinn (der die Situation mit den physischen Sinnen betrachtet) geistige Aktivität nicht wahrnehmen kann und vielleicht den Eindruck erhält, dass nichts passiert.

Die Sicht der materiellen Sinne auf unsere Situation kommt dem Versuch gleich, bei zugezogenen Vorhängen den Zustand des Himmels einschätzen zu wollen. Wir lesen vielleicht den Wetterbericht oder schauen uns ein Bild vom Himmel auf dem Handy an. Doch das hat nichts mit frischer Luft, den Lichtverhältnissen beim Sonnenuntergang, Schäfchenwolken, den Silhouetten vorbeifliegender Vögel usw. zu tun ... wir fühlen uns nicht, als erlebten wir das alles hautnah mit.

Im Gegensatz dazu kommt die Sicht der geistigen Sinne auf eine Situation – die wir im Gebet erlangen – einem Verlassen des Zimmers gleich. Statt Berichte anderer zu lesen oder unsere Vorstellungskraft zu nutzen, sind wir wirklich da. Geistige Wahrheit ist mit der Unmittelbarkeit bei uns – und offenbart sich in unserem Bewusstsein –, die in der Bibel als mit dem Heiligen Geist erfüllt beschrieben wird.

Dieses geistige Sehen ist nichts Ungewöhnliches. Mary Baker Eddy schreibt im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Die Schöpfung erscheint immer, und aufgrund der Natur ihrer unerschöpflichen Quelle muss sie immer weiter erscheinen“ (S. 507). Die Wirklichkeit ist nicht unsere Einbildung, sondern die Manifestation des göttlichen Gemüts. Die Wirklichkeit zu erkennen fühlt sich wie eine Entdeckung an; man öffnet sich und geht voran, statt sich zu verschließen und festzusitzen.

Die Wirklichkeit zu erkennen fühlt sich wie eine Entdeckung an; man öffnet sich und geht voran, statt sich zu verschließen und festzusitzen.

Ich bin sehr dankbar für bestimmte Bibelgeschichten über Entmutigung und Verzweiflung, weil man in solchen Zeiten oft am klarsten Gottes Gegenwart erfährt. Elia hörte die unerwartete Macht des stillen, sanften Sausens, als er völlig verzweifelt war, und konnte sich dann aufmachen und seine wichtige Arbeit fortsetzen (siehe 1. Könige 19). Jakob wurde von einem Engel besucht, als er verzweifelt kämpfte, und diese Erfahrung war so einschneidend, dass er einen neuen Namen erhielt (siehe 1. Mose 32:24–32). Ein Mann am Teich von Betesda begegnete Christus Jesus zu einem Zeitpunkt, als er die Hoffnung auf Heilung aufgegeben hatte, und konnte nach 38-jähriger Krankheit geheilt nach Hause gehen (siehe Johannes 5:1–9).

Mrs. Eddy schreibt über die schützenden Gedanken von Gott, die mit unseren Gebeten einhergehen, wenn uns das Leben dunkel erscheint: „Die Schritte des Gedankens sind langsam, wenn sie sich von der sinnlichen Seite des Daseins ab- und der Wirklichkeit und Seele aller Dinge zuwenden; sie verkünden dem Wanderer eine lange Nacht; aber die Hüter des Dunkels sind die Engel Seiner Gegenwart, die dem intellektuellen Ringen und den Zusammenstößen mit althergebrachten Glaubensbekenntnissen Erhabenheit verleihen, während wir in geistigere Breiten hineintreiben“ (Die allgemeine Anschauung der Menschen von Gott, S. 1).

Ich liebe die Tatsache, dass die Engel von Gottes Fürsorge uns den ganzen Weg begleiten, nicht erst ab einem bestimmten Endpunkt. Und dass diese Engel „dem intellektuellen Ringen und den Zusammenstößen mit althergebrachten Glaubensbekenntnissen“ Sinn und Größe verleihen. Die Schutzengel zeigen uns, warum wir beten, wenn wir nachts wach liegen, wenn unsere Kinder spielen oder wenn wir vor dem Computer sitzen. Sie zeigen uns, worum es bei dem Einsatz geht. Statt böse über die Unterbrechung oder die Störung unseres Lebens zu sein, fangen wir an zu erkennen, dass unsere beharrlichen Gebete – all das Streben unseres Herzens – von Liebe getauft werden und Früchte tragen.

Der Apostel Paulus beschrieb, wie er über das betete, was er als „Pfahl ins Fleisch“ bezeichnete: „Darum bin ich guten Mutes in Schwachheiten, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ (2. Korinther 12:7, 10). Er erkannte, dass seine Schwierigkeiten seinem Glauben keinen Abbruch taten, sondern ihn stärkten.

Über lange Zeit zu beten ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist vielmehr ein Zeichen starker, sich erweiternder und vertiefender Liebe zu Gott. Unsere Weigerung, uns einer Gott entgegengesetzten Macht – Schmerzen oder Furcht oder Mutmaßungen der materiellen Sinne – zu unterwerfen, macht uns zu dem, was die Bibel „Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“ nennt (Epheser 2:19). Wir fangen an zu erkennen, dass unsere ehrlichen Schritte heilende Schritte sind, die weder durch einen Zollstock noch durch Zeit gemessen werden können. Sie sind in Wirklichkeit große Sprünge im Licht der Wahrheit.

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