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Original im Internet

Das Böse aufgedeckt und aufgelöst

Aus der Februar 2022-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 13. Januar 2022 im Internet.


Haben Sie sich je nach dem Warum des Bösen gefragt? Ich habe jahrelang immer wieder überlegt, warum das Böse existiert, bis ich schließlich erkannte, dass das Nachdenken über die Existenz des Bösen ein Hindernis war, das mich vom Heilen abhielt. Folgender Vergleich war mir bei dieser Erkenntnis eine große Hilfe.

Viele von uns sind vielleicht schon mal an einem heißen, trockenen, windstillen Tag auf der Autobahn gefahren und haben gemeint, vor uns eine große Pfütze auf dem Asphalt zu sehen. Doch wir haben nicht abgebremst, denn wir wussten, dass dort gar keine Pfütze war. Es war nur eine Spiegelung, etwas, das ich als optische Lüge bezeichne. Während wir darauf zufahren, verschwindet die Pfütze vor unseren Augen.

Diese Spiegelung hat keine Substanz und kann uns daher auch nicht zum Rutschen bringen. Wir könnten sogar sagen, dass die „Pfütze“ keine Wirklichkeit hat, obwohl wir sie alle sehen. Die Frage: „Wieso ist da eine Pfütze auf der Straße?“ lässt sich also nicht direkt beantworten, denn es ist ja keine da. Wir können auch nicht fragen: „Wie konnte diese große Pfütze so schnell austrocknen?“, denn die Frage würde auf der irrigen Annahme beruhen, dass es eine wirkliche Pfütze gegeben hat, die hatte austrocknen müssen. Das Einzige, was wir tun können, ist, das Phänomen Spiegelung zu erklären, das die Pfütze wirklich aussehen lässt.

Man muss also betrachten, ob es überhaupt eine Grundlage für die Fragen gibt, die gestellt werden. Beim Autofahren stellen wir fest, dass nicht der Zustand der Straße sich geändert hat, sondern unsere Wahrnehmung. Wir haben uns vorwärtsbewegt und dadurch eine neue Perspektive erlangt – von der aus die optische Lüge keinen Einfluss mehr auf uns hat, und somit erkennen wir die Wahrheit über den Zustand der Straße.

Nur wenn wir die alte Sichtweise aufgeben und uns dadurch nach vorne bewegen, können unsere Schlussfolgerungen und Handlungen auf der Wahrheit aufbauen. Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, schrieb in ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Die Bereitwilligkeit, wie ein kleines Kind zu werden und das Alte für das Neue aufzugeben, macht das Denken für die vorgeschrittene Idee empfänglich. Die Freudigkeit, die falschen Orientierungspunkte zu verlassen, und die Freude sie verschwinden zu sehen – diese Einstellung hilft die endgültige Harmonie herbeizuführen“ (S. 323).

Endgültige Harmonie – was für ein herrliches Ziel! Solch ein Ziel zu erreichen ist es doch sicher wert, die falschen Orientierungspunkte zu verlassen. Und ein alter, vertrauter Orientierungspunkt, den wir hinter uns lassen wollen, ist die Frage: „Warum gibt es das Böse?“ Doch können wir diese Frage angesichts des augenscheinlichen Bösen so einfach hinter uns lassen wie „Warum ist die Pfütze da?“ Oder bleiben wir stattdessen dabei, sie immer und immer wieder zu stellen?

Ich wurde einmal von einer Pferdebesitzerin gebeten, für ein Pferd zu beten, das an schlimmer Pilzkrankheit litt und in Lebensgefahr war. Das Pferd war in einer Tierklinik, und der Tierarzt wollte es am folgenden Tag einschläfern.

Ich verschwendete keine Zeit damit, über den Grund für die Krankheit nachzudenken oder zu überlegen, ob ich fähig sein würde, dem Pferd zu helfen. Ich blieb auf Kurs, unbeeindruckt von dieser „Pfütze auf der Straße“. Mein gesamtes Bewusstsein war darauf ausgerichtet, Gottes Allgegenwart zu erkennen, die die Harmonie des Pferdes und der Personen einschloss, die es versorgten.

Das Pferd wusste nichts über mich oder meine Arbeit. Doch mein Gebet hatte nichts mit Worten zu tun, sondern war eine demütige Bereitschaft, mich vom göttlichen Gemüt unterweisen und materielle Orientierungspunkte hinter mir zu lassen, um geistigere zu erreichen. Statt mich Zweifeln zu ergeben, war ich bereit, meinen Glauben an die Macht und Gegenwart des Guten vertiefen zu lassen. Die Qualität meines Gebets war nicht mentale Willenskraft, die versucht, eine „Pfütze“ zu trocknen, sondern treue Empfänglichkeit für die göttliche Harmonie.

Ein alter, vertrauter Orientierungspunkt, den wir hinter uns lassen wollen, ist die Frage: „Warum gibt es das Böse?“

Als der Tierarzt das Pferd am folgenden Tag untersuchte, ging es dem Tier so viel besser, dass es aus der Tierklinik entlassen wurde. Eine Nachsorgeuntersuchung mehrere Tage später ergab, dass das Pferd völlig gesund war, und so ist es geblieben. Heilungen von Tieren zeigen so klar, dass Heilung durch Gebet nicht auf Psychologie beruht, sondern rein geistig ist. Und das trifft natürlich auf uns alle zu!

Christus Jesus sagte seinen Jüngern: „Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: ‚Bewege dich von hier dorthin!‘, und er wird sich wegbewegen; und nichts wird euch unmöglich sein“ (Matthäus 17:20). Sind unsere Einstellungen und Sichtweisen vielleicht die Berge, die wegbewegt werden müssen? Wenn unser Glaube ausreicht, materielle Sichtweisen immer bereitwilliger hinter uns lassen zu wollen, und dies dann auch zu tun, um geistigere Perspektiven einzunehmen, dann werden wir die Substanzlosigkeit furchteinflößender Situationen auf der Straße unseres Lebens klarer verstehen.

Wie die Bedrohung auch bezeichnet wird – Böses, Furcht, Krankheit, Sünde –, in der Christlichen Wissenschaft kann sie als Lüge klassifiziert und somit berichtigt werden. Und wie wird eine Lüge berichtigt? Durch die Wahrheit.

Die Wahrheit, die Jesus lebte und lehrte, ist immer noch hier, so wie sie das schon immer war, und kann von allen demonstriert werden, die danach streben. So wie Jesus das Böse niemals ignoriert, sondern als Lüge klassifiziert und durch Wahrheit aufgelöst hat, so wird diese Herangehensweise auch von der Christlichen Wissenschaft gelehrt und demonstriert.

Manchmal erscheint uns ein Problem zu groß, um geheilt zu werden. Doch so wie es egal ist, ob die Pfütze auf der Autobahn groß oder klein aussieht – da es von Anfang an sicher ist, dass sie verschwinden wird –, kann man das scheinbare Problem aufgrund desselben Prinzips, nämlich dass es niemals Substanz hatte, geistig überwinden, d. h. heilen. Um die Pfütze tatsächlich verschwinden zu sehen, müssen wir uns vorwärtsbewegen. Beim Heilen müssen wir alte Orientierungspunkte hinter uns lassen. Es ist das Erheben des Denkens, was für die Erkenntnis der Wahrheit ausschlaggebend ist. Der Schritt, den wir gehen müssen, ist somit, das Denken über die Materie zu erheben, anstatt zu versuchen, die Wahrheit vom alten Orientierungspunkt aus zu erkennen.

Eine große Pfütze mag uns stärker beeindrucken und wir zögern vielleicht, werden ärgerlich oder furchtsam und suchen gar nach Schuldigen oder komplizierten Möglichkeiten, die Pfütze zu umgehen. Doch die Lösung besteht darin, die Pfütze als das zu erkennen, was sie ist: ein für die Augen sichtbares Phänomen, das weder Substanz noch wirksame Kraft hat – eine optische Lüge, die uns nichts antun kann, während wir sie als Lüge aufdecken und vorangehen.

Ich stelle immer wieder fest, dass sich Schwierigkeiten auflösen, von denen ich zunächst dachte, dass sie mir den Weg versperren. Ich verstehe immer besser, dass diese Schwierigkeiten Lügen über meine Existenz waren, die ich eine Weile geglaubt hatte, statt sie augenblicklich aufzudecken und zu heilen. Doch wenn die Lügen der Wahrheit ausgesetzt werden, mache ich geistigen Fortschritt – dann lösen sich die Lügen auf ähnliche Weise auf wie die Spiegelungen auf der Straße, und werden geheilt.

Diese Art von Heilung hat nichts mit menschlichem Willen oder menschlicher Fähigkeit zu tun. Jesus machte uns dies sehr klar, als er sagte: „Der Sohn kann nichts aus sich selber tun, sondern was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut in gleicher Weise auch der Sohn“ (Johannes 5:19).

Ich finde es immer wieder befreiend, mich mit diesem Satz zu beschäftigen. Für mich ist es ein bisschen wie ausatmen. Ausatmen schafft Platz fürs Einatmen. Ein verbrauchtes, veraltetes Verständnis meines Selbst macht Platz für ein neues. Überzeugungen wie diese: „Ich habe unüberwindliche Berge vor mir, die ich alle allein bewältigen muss, ohne dass ich eine Ahnung habe, wie“ kann dieser Platz machen: „Ich kann (und muss) nichts allein machen. Das heißt nicht, dass ich inaktiv bin, sondern es befreit mich von der falschen Annahme, dass ich selbst eine Quelle der Aktivität bin.“

Alle Macht, jede Fähigkeit, alles Gute kommt von Gott. Gott, Gemüt, Liebe, ist der Schöpfer, und wir alle bringen Gottes dauerhaft aktive, herrliche Einheit mühelos zum Ausdruck.

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