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Original im Internet

Gebet als Aktivismus

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 14. November 2019


Ich wurde schon mehrmals bei bestimmen Anlässen gefragt, ob ich eine rosa Mütze aufsetzen und mich an einem Protest beteiligen, ein Online-Gesuch zum Kampf gegen den Klimawandel unterschreiben oder Geld spenden werde, um zu verhindern, dass schreckliche Verbrechen vertuscht werden. Wir leben im Zeitalter des Aktivismus, der sich vielfach durch „Artivismus“ (Aktivismus durch Kunst), „Hacktivismus“ (wie von WikiLeaks durch das „Hacken“ geschützter Websites praktiziert) und auch „wirtschaftlichen Aktivismus“ (den Boykott von Unternehmen durch Verbraucher) ausdrückt.

Viele von uns möchten etwas tun, um positive Veränderungen zu unterstützen. Gebet wird selten als sinnvoller erster Schritt bei der Bewerkstelligung dieser Änderung betrachtet. Für viele hat es den Anschein, dass Beten nicht ausreicht. Ja, der Ausdruck: „Unsere Gedanken und Gebete sind Ihnen gewidmet“ wird als leere Kondolenz bei Tragödien gebrandmarkt. Das drückt die Überzeugung aus, Gebet sei machtlos – bestenfalls tröstende Worte – und nur menschliches Tun könne wirklich etwas ändern. 

Doch es gibt einen Aktivisten in der Bibel, der die Macht von Gebet demonstrierte, nämlich Christus Jesus. Betrachten wir eine von Jesu Heilungen – die Versorgung von fünftausend Menschen mit ein paar Fischen und Broten, wie in allen vier Evangelien berichtet wird. Für mich ist das ein klares Beispiel für menschlichen Aktivismus – dafür, „etwas zu tun“! Der menschliche Bedarf wurde mit Gebet gedeckt.

Das stand in klarem Kontrast zur Herangehensweise von Jesu Jüngern. Sie fanden, dass Jesus etwas unternehmen sollte, nämlich die Leute sofort wegschicken, damit sie sich frühzeitig etwas kaufen konnten, statt hungrig fortzugehen. Für die meisten von uns wäre das ein vernünftiges Vorgehen. Doch die Sichtweise der Jünger gründete sich auf ihren Eindruck von Mangel: dass nicht genug Nahrung für so viele Menschen vorhanden war. Und ihre „Lösung“ bestärkte diese Denkweise. Sie dachten, die Antwort auf den Mangel an materiellen Ressourcen lag darin, mehr materielle Ressourcen zu finden.

Beschreibt das nicht den allgemeinen Ansatz von Aktivismus – durch menschliche Energie und Ressourcen etwas tun? Man sucht nach einer menschlichen Lösung für einen wahrgenommenen materiellen Mangel (an Nahrung, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit usw.). Doch eine materielle Lösung stößt an Grenzen, denn sie ist von Natur aus begrenzt. Materie ist endlich. Gott ist unendlich und somit unbegrenzt. Jesus lehrte uns im Gebet des Herrn: „Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Unser tägliches Brot gib uns heute“ (Matthäus 6:10, 11). Dieses Gebet versichert uns, dass wir die Üppigkeit des Himmels – Gottes unendliche geistige Fülle – hier auf Erden erleben können, indem wir uns auf Gott verlassen. 

Als Jesus die Menge speiste, forderte er die Jünger als Erstes auf, ihm die Brote und Fische zu bringen. Dann schaute er gen Himmel und segnete die Brote und Fische (siehe Matthäus 14:19). Es hat den Anschein, dass er Gottes Macht und Gegenwart anerkannte und etwas sah, was über die offenkundig begrenzten materiellen Ressourcen vor ihm hinausging. Wir lesen in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Die Metaphysik löst Dinge in Gedanken auf und tauscht die Gegenstände des Sinnes gegen die Ideen der Seele ein“ (S. 269). Könnte es sein, dass die Brote und Fische für Jesus „Ideen der Seele“ darstellten? Dass er die Produktivität und geistige Ernährung der göttlichen Liebe erkannte? Statt eine begrenzte Menge Materie zu sehen, erkannte er den fühlbaren und reichhaltigen Beweis von Seele, Gott, der genau dort gegenwärtig war.

Erst nachdem er Gottes Gegenwart und die unendliche Güte von Gottes Schöpfung anerkannt hatte, tat Jesus wirklich etwas, das den materiellen Sinnen als „Tätigkeit“ erkenntlich war, indem er die Brote aufbrach und seinen Jüngern übergab, die sie dann an die Menge verteilten. Jesus zeigte den Jüngern ihre natürliche Fähigkeit, geistiges Verständnis weiterzugeben, zu teilen und zu vermitteln – das Verständnis, das gleich im ersten Kapitel der Genesis offenbart wird, wo wir lesen, dass der Mensch zu Gottes Bild und Gleichnis erschaffen wurde, dass er Herrschaft hat und dass sein Zweck darin liegt, fruchtbar zu sein und sich zu mehren.

Mehr als 5000 hungrige Menschen wurden bei der Mahlzeit satt. Und es blieb etliches übrig, wodurch wir wissen, dass alle großzügig und reichhaltig zu essen hatten. Wir lesen nicht, dass die Jünger durch das Verteilen der Speisen an 5000 Leute ermüdeten. Auch sie wurden gestärkt. Daraus erkennen wir, was passieren kann, wenn wir erst Gottes Macht und Gegenwart anerkennen und uns dann durch dieses Verständnis von Gott zur richtigen Aktivität lenken lassen.

Jesus hat uns ein inspiriertes, geistiges Modell für Aktivismus gezeigt – ein göttliches Mittel, um Mangel in unserem Leben und der Welt zu überwinden. Er demonstrierte, dass Gottes liebevolle Versorgung jedem von uns als Seiner Schöpfung bereitsteht. Jesus wusste diese Tatsache zunächst im Gebet. Dann bewies er deren Wahrheit zielgerichtet durch eine Handlung.

Die Lehre der Christlichen Wissenschaft kann alle, die sie verstehen und praktizieren, zu geistigen Aktivisten machen, und die Organisation der Kirche Christi, Wissenschaftler, demonstriert auf bescheidene Weise dieselbe Art von zielgerichteter, geistiger Tätigkeit und Macht, die Christus Jesus demonstrierte. In vielen Städten in aller Welt bringen Kirchen Christi, Wissenschaftler, ihren Mitbürgern geistige Nahrung und Erneuerung durch Aktivitäten wie Gottesdienste, Sonntagsschule, Leseräume der Christlichen Wissenschaft und öffentliche Vorträge – und durch die individuellen und kollektiven Gebete örtlicher Kirchenmitglieder sowie deren von Gott veranlassten Tätigkeiten.

Eine weitere wichtige Aktivität dieser Kirche ist ihre Tageszeitung, der Christian Science Monitor, der die Aufgabe hat, „die unerschöpflich wirkende Wissenschaft ungeteilt [zu] verbreiten“ (Die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, und Verschiedenes, S. 353). Dies ist eine wichtige Art, die von den Jüngern verteilten Brote und Fische der heutigen Zeit weiterzugeben.

Die Segnungen kommen durch diese Tätigkeiten, wenn der Christus, die Macht der göttlichen Wahrheit, (durch Gebet) den Glauben an Begrenzungen auflöst – den Glauben, dass Lösungen nur in der Materie zu finden sind. Lassen Sie uns Christi Modell als geistige Aktivisten folgen – die wie Jesus mit Gott beginnen. Da Gott unendliches Gutes ist, können wir die fühlbaren Auswirkungen Seiner Liebe hier und jetzt erleben.

Mimi Oka
Auf Einladung der Redaktion

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Die Mission des Herold

Ich betrachte die Herolde und den Sentinel als den „gedruckten Paulus“, weil sie die Botschaft der universellen Verfügbarkeit der Wahrheit in die ganze Welt tragen. Ich muß aber hinzufügen, dass für den Christlichen Wissenschaftler in Übersee der Sentinel und der Herold weit mehr sind als Botschafter der Wahrheit; sie sind buchstäblich das Brot für den jeweiligen Tag und speisen die Christlichen Wissenschaftler mit der „Gnade“, die sie täglich durch das Gebet des Herrn suchen.

Howard Palfrey Jones, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, November 1969 

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