Christus Jesus sagte seinen Jüngern und anderen Mitmenschen immer wieder, dass sie sich nicht fürchten sollten. Doch Angst auszuschalten ist nicht immer einfach, wenn sie in den unterschiedlichsten Formen zu uns kommt – schleichend oder in geballter Form. Ob die Herausforderung, vor der wir stehen, körperlicher, seelischer, finanzieller oder sonstiger Art ist, Angst auf geistig wissenschaftliche Weise anzugehen ist ein wichtiger erster Schritt im christlich-wissenschaftlichen Heilen.
Warum?
Zunächst lohnt es sich zu betrachten, wie die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, Mary Baker Eddy, diese von Jesus gegebene Anweisung unterstreicht. Mrs. Eddy schreibt im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 410–411): „Die christlich-wissenschaftliche Praxis beginnt mit Christi Grundton der Harmonie: ‚Fürchtet euch nicht!‘ ...
Beginne deine Behandlung immer damit, dass du die Furcht der Patienten beschwichtigst. Versichere ihnen schweigend, dass sie gegen Krankheit und Gefahr immun sind.“
Ihre Anweisung ist sehr klar und überzeugend. Zweimal wird uns gesagt, vor allem anderen unsere Aufmerksamkeit auf die Angst zu richten und diese zu beschwichtigen. Das ist weder nebensächlich, noch können wir darauf verzichten. Es ist der erste Schritt, also muss er wichtig sein.
Ein wesentlicher Grund dafür, die Angst auszutreiben, ist, dass sie unsere Fähigkeit unterminiert, uns auf Gott zu konzentrieren. Doch dieser Fokus auf Gott macht unsere Gebete zuversichtlicher, produktiver und erfolgreicher. Außerdem verschleiert oder verbirgt Angst das, worum es wirklich geht. Und sie behauptet, die Herrschaft über das Denken zu übernehmen, sodass es schwerer ist, klare Gedanken zu fassen. Als Erstes die Angst zu überwinden vertreibt den mit ihr einhergehenden mentalen Nebel und befähigt uns wirksamer zu beten.
Mrs. Eddy bezieht sich in ihren Schriften auf „böse Suggestionen“. Angst ist definitiv eine böse Suggestion, denn sie ist weder gut noch heilig noch bewirkt sie Heilung. Worin besteht die Suggestion? Oft geht es um eine weltweit verbreitete Überzeugung, ob sie in den Nachrichten erscheint oder bei zufälligen Begegnungen auf der Straße diskutiert wird. Mrs. Eddy beschrieb es folgendermaßen (ebd., S. 196–197): „Die Presse verbreitet unwissentlich viel Kummer und Krankheit unter den Menschen. Sie tut das, indem sie Krankheiten Namen gibt und lange Beschreibungen druckt, durch welche sich die Krankheitsbilder deutlich im Denken abspiegeln. Ein neuer Name für ein Leiden wirkt auf die Menschen wie ein Pariser Name für ein neues Kleid. Jeder beeilt sich, es zu bekommen.“
Eine einfache Analogie für die böse Suggestion namens Angst ist die typische Reaktion auf ein Knacken in einem alten Haus mitten in der Nacht. Der Bewohner wacht plötzlich auf, hat augenblicklich Angst und überlegt: „Was war das für ein Geräusch? Wo kommt es her? Welche Gefahr kann damit verbunden sein?“ Doch dann setzt der Menschenverstand ein und die Angst wird durch die Erkenntnis ersetzt: „Ach, das waren nur die Balken im Haus; kein Grund zur Sorge.“ Damit schläft der Bewohner beruhigt wieder ein. Wer oder was hat in diesem Augenblick Angst ausgelöst? Die Suggestion, dass Gefahr vorhanden sei, auch wenn es keine wirkliche Bedrohung gab.
Wir sagen vielleicht „Ich habe Angst“, doch eine zutreffendere Aussage wäre: „Die Suggestion der Angst, die sich mir in diesem Moment aufdrängt, ist sehr stark, und ich bin in Versuchung zu glauben, dass sie gerechtfertigt ist.“ Sie ist aber nicht gerechtfertigt. Warum? Weil nur Gott, das Gute, wahr ist – Er ist die einzige Macht. In der Bibel und in Mrs. Eddys Schriften werden uns immer wieder die Einzigartigkeit und Allheit von Gottes Macht und Gegenwart beschrieben. In den Psalmen (62:12) lesen wir, „dass Gott allein mächtig ist“, und bei Jeremia (32:17): „Ach, Herr Herr, sieh, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgestreckten Arm, und kein Ding ist dir unmöglich.“
Es ist wichtig zu erkennen, dass die böse Suggestion der Angst nicht in unserem Denken vorhanden ist. Sie gehört nicht zu uns. Angst gibt sich nur als unser Denken aus. Wenn wir uns in unseren Gebeten als Erstes speziell jeder Angst zuwenden, identifizieren wir uns nicht mit dieser falschen Suggestion. Angst gehört nie zu uns, und Gott hat uns die Autorität verliehen, diese Suggestion rundum von uns zu weisen. Mary Baker Eddy schreibt (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 113): „Wer sich weigert, durch etwas anderes als das göttliche Gemüt beeinflusst zu werden, befiehlt dem Herrn seine Wege und erhebt sich über die Einflüsterungen aus einer bösen Quelle.“ Angst als unpersönliche Suggestion zu erkennen hilft uns, Herrschaft über sie zum Ausdruck zu bringen.
Es ist außerdem wichtig, jede Versuchung zurückzuweisen, uns und andere zu verurteilen, wenn Angst sich ins Bewusstsein eingeschlichen hat. Damit würden wir die Angst selbst in den Mittelpunkt stellen, statt uns mithilfe von Gebet mit ihr auseinanderzusetzen, wodurch sie zerstört wird. Über Angst zu sprechen überwindet sie nicht, während Gebet dies bewerkstelligt. Wenn Sie jemals feststellen, dass Sie bei dem Gedanken hängenbleiben: „Aber ich soll doch keine Angst haben“, dann können Sie innehalten und erklären: „Ich habe keine Angst. Gott hat keine Angst, und ich bin als Gottes Bild und Gleichnis erschaffen, also bin ich ebenfalls furchtlos und wohlauf und weiß es.“ Diese Aussage stützt sich auf Christi Jesu Versprechen (Johannes 8:32): „[Ihr] werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“
Als ich im College war, litt ich einmal unter körperlichen Schmerzen und bat eine Praktikerin der Christlichen Wissenschaft, für mich zu beten. Ich war fast gelähmt vor Angst, dass die Schmerzen nicht vergehen würden. Die Praktikerin zitierte diesen Satz aus dem Lehrbuch (S. 151): „Furcht hat das Sein und seine Tätigkeit niemals zum Stillstand gebracht.“
Und dann sagte sie: „Du kannst so viel Angst haben, wie du willst. Gott hört nie auf zu Gotten.“ Ich war so überrascht, dass ich lachen musste. Dieser Gedanke war sehr tröstlich für mich, und die Heilung trat schnell ein.
Nur weil die Suggestion der Angst vorhanden ist, werden wir dadurch nicht unfähig, geheilt oder erlöst zu werden. Es stimmt, dass wir keine Angst haben sollen. Doch Gott ist die einzige Macht, also hält das augenscheinliche Vorhandensein von Angst Gott nicht davon ab, Gott und allmächtig zu sein.
Wir lesen in der Bibel (2. Chronik 20:15): „Ihr sollt euch nicht fürchten noch verzagen vor dieser großen Menge; denn nicht ihr kämpft, sondern Gott.“ Wir sind nicht von einer „großen Menge“ Angst oder Verzweiflung irgendwelcher Art beschwert, sondern werden für alle Zeit von der Macht und Gegenwart des einen unendlichen Gemüts, Gottes, gestützt und gestärkt.
Die Bemerkung der Praktikerin, dass ich so viel Angst haben konnte, wie ich wollte, weil Gott trotzdem weiter „Gottet“, half mir, aus dem Bannkreis auszubrechen. Ich war in die Falle getappt zu glauben, dass Heilung von etwas abhing und mich betraf. Aber Heilung ist nie persönlich, und Gottes Liebe zu uns ist nicht von irgendwelchen Bedingungen abhängig. Als Gottes ewige Widerspiegelung ist jeder Mensch bereits vollkommen und vollständig, unversehrt und wohlauf. Das ändert sich nie. Hinzu kommt, dass Gott keine Angst hat, also haben wir als Seine Widerspiegelung ebenfalls keine Angst. Das bedeutet es, mit Angst fertigzuwerden: sie als Suggestion von außen zu erkennen, die keine Macht, keine Gegenwart, keine Wirklichkeit und keine Gültigkeit hat, und sie vollständig zurückzuweisen, da Gott die einzige Macht und immer gegenwärtig ist.
Also, ja, wir handhaben immer als Erstes die Angst. Und das tun wir mit Herrschaft und Freude!
