Als ich den Leseraum der Christlichen Wissenschaft betrat, weil ich an dem Tag Dienst hatte, sah ich erstaunt, dass bereits ein anderes Mitglied aktiv war. Mein erster Gedanke war, dass ich dann wieder gehen und Besorgungen machen konnte, weil ich ja nicht gebraucht wurde. Doch dann wurde mir klar, dass ich nie am falschen Ort bin.
Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, erklärt in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 424): „Unter der göttlichen Vorsehung kann es keine Unfälle geben, weil es in der Vollkommenheit keinen Raum für Unvollkommenheit gibt.“ Obwohl unser beider Anwesenheit ein Zufallsereignis oder Planungsirrtum zu sein schien und damit auf etwas Unvollkommenes deuten könnte, beschloss ich, dass es richtig war zu bleiben und mit dem anderen Mitglied Dienst zu tun.
Ich hatte mir vorgenommen, den Nachmittag über für den Leseraum und das Umfeld zu beten. Doch es fehlte mir an Inspiration. Ich kämpfte mit Problemen bei der Reparatur meines Hauses – sie kamen mir unaufhörlich und teilweise unlösbar vor. Die damit verbundenen Sorgen wirkten sich auf meine Gesundheit aus, was sich in starken Kopfschmerzen und anderem körperlichem Unwohlsein äußerte. Langsam kam es mir vor, als wäre die einzige Möglichkeit, die belastende Verantwortung loszuwerden, das Haus zu verkaufen.
Auch über meine Zweigkirche Christi, Wissenschaftler, war ich entmutigt. Ich war in großer Versuchung, betrübte Gedanken wie „Nie kommt jemand in den Leseraum“ oder „Die Leute haben zu viel zu tun, um in der Kirche mitzuarbeiten“ zu akzeptieren. Während ich bestrebt war, diese Zweifel aus meinem Denken zu vertreiben, hatte sich ein Gefühl der Vergeblichkeit in meine Kirchenarbeit eingeschlichen.
Ich fragte die andere diensthabende Bibliothekarin, ob wir zusammen für den Leseraum und die Kirche beten könnten. Sie empfahl, mit unseren Erwartungen zu beginnen, und erzählte mir, wie eine Erwartung des Guten Früchte getragen hatte, als sie zu früheren Zeiten im Leseraum tätig gewesen war. Sie erinnerte mich daran, dass es bei der Arbeit im Leseraum nicht darum geht, die Türen zu öffnen, sondern unser Denken.
Wissenschaft und Gesundheit enthält folgenden Satz (S. 426): „Wenn das Ziel erstrebenswert ist, beschleunigt die Erwartung unseren Fortschritt.“ Meine Kollegin sagte mir, dass sie jeden Tag mit der Bitte beginnt, ihr diejenigen zu schicken, denen sie mit Heilung helfen kann. Ich erkannte, dass solch ein Gebet den Weg für Segnungen ebnet und die Verantwortung Gott – und nicht uns – auferlegt. Gott regiert, führt und leitet uns alle zu dem, was wir am meisten brauchen.
Wir identifizierten irrige Suggestionen – Hürden im Denken –, die andere daran hindern könnten, unsere Kirche oder unseren Leseraum zu betreten. Wir arbeiteten daran, die Gegentatsachen für solche Behauptungen des sterblichen Sinnes zu finden – und diese Behauptungen durch göttliche Wahrheit zu ersetzen. Um beispielsweise den Glauben zurückzuweisen, dass die Gesellschaft die Teilnahme an Gottesdiensten nicht mehr wertschätzt, bekräftigten wir, dass das Gute in alle Ewigkeit bestehen bleibt und anziehend wirkt. Die göttliche Wahrheit – sowie das Verlangen nach Wahrheit und Ihre Wirksamkeit – kann mit der Zeit weder verringert werden noch nachlassen.
Als wir zusammen beteten, fing ich an zu erkennen, dass ein begrenztes Verständnis von Gottes Allheit fruchtbringende Ergebnisse unmöglich macht. Doch eine Sorge nagte weiter an mir: Unsere Kirchenmitglieder hatten die Möglichkeit diskutiert, die Kirche zu schließen oder mit einer anderen zu verschmelzen. Ich erzählte dem anderen Mitglied von meiner Angst und fragte: „Was ist, wenn wir unsere Kirche verlieren?“
Sie antwortete: „Kirche ist ‚die Struktur der Wahrheit und der Liebe‘ (siehe Wissenschaft und Gesundheit, S. 583). Wahrheit kann nicht verlorengehen.“ Mrs. Eddy bestätigt diese Worte, indem sie sagt (ebd., S. 87): „Der wahre Begriff geht niemals verloren.“
Und dann erzählte mir meine Kollegin von einer beeindruckenden Heilung, die eine Verwandte von ihr aufgrund ihrer standhaften Gebete und ihrer Weigerung erlebt hatte, dem Glauben nachzugeben, dass eine Situation außerhalb von Gottes heilender Macht sei. Während ich ihr zuhörte, erkannte ich, auf wie vielfache Weise ich zugelassen hatte, dass meine Wirklichkeit durch die materiellen Sinne bestimmt wurde. Ich hatte akzeptiert, dass mein Haus irreparabel und nicht zu retten war. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, das Haus zu verkaufen – aufzugeben und eine Niederlage hinzunehmen. Doch das Gottvertrauen meiner Kollegin inspirierte mich und rüttelte mich dazu wach, Jesu Versprechen in der Bibel zu vertrauen (Matthäus 19:26): „Bei Gott sind alle Dinge möglich.“
Ich erkannte, dass ich mich nicht länger auf das materielle Bild, materielle Urteile und Begrenzungen fokussieren durfte, sondern auf die göttliche Wahrheit und Liebe schauen musste. Und dann hörte ich eine deutliche Engelsbotschaft: „Du musst dich nicht belastet fühlen. Du hast eine Wahl.“ Als diese Worte in meinem Denken widerhallten, dachte ich über meine Wahl nach. Ich konnte weiter glauben, dass es unlösbare Probleme gab und dass ich unter der Last einer falschen Verantwortung leiden musste, oder ich konnte solche Gedanken aus dem Weg räumen und auf die göttliche Liebe vertrauen. Sofort traf ich die Wahl, auf Gott zu vertrauen, und fühlte, wie sich die Sorgen auflösten. Zum ersten Mal seit vielen Wochen fühlte ich mich frei.
Als es Zeit für meine Kollegin und mich war, wieder zu gehen, sprudelte ich über vor Dankbarkeit für Gottes Güte. Bevor ich losfuhr, saß ich einen Augenblick still im Auto, um dankbar alle Ideen durchzugehen, über die wir gesprochen hatten, und merkte, dass meine Zeit im Leseraum meine Hoffnung wiederhergestellt hatte. Was für ein Geschenk! Und war dies nicht das Ergebnis, das man von einem Besuch im Leseraum erwartet? Wiederhergestellte Hoffnung – und Heilung. Später sagte mir meine Kollegin, dass unsere gemeinsame Zeit im Leseraum auch ihre Hoffnung wiederhergestellt hatte. Gottes Wort segnet alle.
Auf dem Heimweg konnte ich erkennen, dass mein Haus und alle Bereiche darin unter Gottes Fürsorge waren. Ich hörte auf, mein Heim als endlose Baustelle zu betrachten. Nun betrachtete ich es als eine Idee des Gemüts – unendlich, geordnet, nützlich und vollständig. Ich vertraute auf die Harmonie von Gottes Regierung.
Innerhalb weniger Tage war das größte Problem am Haus behoben, und andere Reparaturen folgten zügig. Ich fühlte neue Energie, und meine Freude nahm zu, als ich mich auf Gott verließ. Ich sollte außerdem erwähnen, dass die Kopfschmerzen und das andere Unwohlsein in dem Moment aufhörten, als ich verstand, dass ich mich nicht belastet fühlen musste. Und unsere geliebte Kirche stimmte gegen eine Verschmelzung mit einer anderen, eine Schließung und auch einen Umzug – und nun wächst unsere Mitgliedschaft!
Ich bin dankbar für diese Früchte, aber noch mehr Dankbarkeit empfinde ich für den inspirierten Leseraum, der Hoffnung wiederhergestellt hat. Meine Kollegin und ich arbeiten weiterhin jede Woche im Leseraum. Wir freuen uns darauf, zusammen zu beten, Gott zu loben und über heilende Wahrheitsgedanken zu sprechen, die unsere Kirche und unser Umfeld segnen. Früher habe ich akzeptiert, dass unser Leseraum ungenügend aktiv war, doch heute betrachte ich ihn als einen Ort der göttlichen Wahrheit, der Hoffnung, des Fortschritts und des Vertrauens.
