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FÜR JUNGE LEUTE

So konnte ich aufhören, nachtragend zu sein

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 15. Juni 2026


Eine Freundin hatte etwas Verletzendes zu mir gesagt. Das war jetzt schon ein paar Monate her, und ich wusste, dass ich die Sache einfach loslassen sollte, aber es gelang mir nicht. Und nun war ich mit einer Gruppe auf eine Reise gegangen, und diese Freundin war auch dabei.

Ich wollte nicht nachtragend sein, aber sie ging mir mit allem total auf die Nerven. Und je mehr Zeit ich mit ihr verbrachte, desto ärgerlicher wurde ich. Das ging so weit, dass ich mich an einigen der Aktivitäten nicht beteiligte, weil sie daran teilnahm.

Nach ein paar Tagen merkte ich, dass sie mir gegenüber auch nicht sehr freundlich eingestellt war. Die angespannte Stimmung war dabei, uns beiden die ganze Reise zu verderben.

Erst habe ich versucht, allein daran zu arbeiten. Zum Beispiel habe ich probiert, an andere Dinge zu denken, den anderen von meiner Wut zu erzählen und das Mädchen zu ignorieren. Aber nichts davon half.

Einmal konnte ich nachts nicht schlafen. Ich war so voller Wut, dass sie mich ganz überwältigte. Ich wälzte mich im Bett hin und her und kam irgendeiner Art von Ruhe oder Frieden kein bisschen näher. Ich stand auf und ging zu der Praktikerin der Christlichen Wissenschaft, die uns begleitete. Eine Praktikerin bzw. ein Praktiker hilft uns, alles aus einer geistigeren Sicht zu sehen, deshalb dachte ich, dass mir ein Gespräch mit ihr helfen würde, meine geistige Natur und die des anderen Mädchens zu erkennen und zu wissen, dass wir unschuldig waren und liebevoll sein konnten.

Ich fing an zu weinen, als ich der Praktikerin erzählte, was los war. Ich hatte so sehr versucht, all den Hass, die Wut und die verletzten Gefühle loszulassen, aber das schien nicht möglich zu sein.

Die Praktikerin sagte, dass ich das alles „Gott überlassen konnte“, mit anderen Worten, ich konnte darauf vertrauen, dass Gott mir half und mich tröstete, statt zu denken, dass ich es alles aus eigener Kraft tun musste. Da fiel mir eine Bibelstelle ein, die ich schon oft gehört hatte, die mir aber nie wirklich viel gesagt hatte (Matthäus 11:28, 30): „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. ... Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ Das sind Worte, die Jesus gesagt hat, und obwohl er im Leben vielen Menschen begegnet war, die grausam zu ihm waren, hatte er sich durch ihr Verhalten nicht belastet gefühlt, sondern liebevoll auf sie reagiert. Wenn er diese Worte sagen konnte, dann wusste ich, dass ich auch Hass loslassen und eine Möglichkeit finden konnte, liebevoll zu sein.

Ich verstand, dass meine nachtragende Haltung mich nur behinderte, und ich ließ sie los, um eine geistige Sichtweise zu erlangen. Das fiel mir immer noch schwer, und so suchte ich noch einmal bei Jesus nach Inspiration. Weil Jesus wusste, dass er gekreuzigt werden sollte – ein sehr grausamer Tod –, betete und redete er zu Gott und bat Ihn, ihm diese Erfahrung zu ersparen, wenn es möglich war. Doch in diesem Augenblick der großen Herausforderung konnte er trotzdem beten (Lukas 22:42): „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“

Ich erkannte, dass ich mich genauso auf Gott stützen musste, wie Jesus es getan hatte. Schließlich schreibt Mary Baker Eddy in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 420): „Wahrheit, nicht Irrtum, Liebe, nicht Hass, Geist, nicht Materie regiert den Menschen.“

Ich merkte, dass ich mein Leben von dem Irrtum, dieses Mädchen falsch zu sehen, und von dem Hass, den ihr Verhalten bei mir ausgelöst hatte, regieren ließ. Aber die Wahrheit, dass Liebe alle Macht hat, war direkt bei uns. Ich musste nur bereit sein, sie zu erkennen. 

Mit dieser Erkenntnis fühlte ich mich viel besser. Ich konnte begreifen, dass die negativen Gefühle, die so gerechtfertigt ausgesehen hatten, nicht von Gott gekommen waren und deshalb auch kein Teil von mir sein konnten. Ich konnte all das loslassen und das Mädchen und mich selbst als Gottes Kinder sehen – liebenswert und liebevoll.

Die Spannung und Negativität zwischen uns lösten sich sehr schnell auf, und unsere Freundschaft war wieder intakt. Ich bin so dankbar für das, was ich über die Macht der Liebe gelernt habe, die lang anhaltenden Ärger auslöschen kann.

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