Betrachten Sie die Bibel als eine Sammlung schöner Literatur und poetischer Texte? Als Berichte über berühmte Personen und bekannte Ereignisse vor langer Zeit? Als eine wichtige Anleitung zur Anbetung Gottes und für ein sinnvolles Leben? Vielleicht als eine Mischung aus allen dreien. Oder vielleicht haben Sie noch nie über die Bibel nachgedacht oder finden nicht, dass sie für Ihr Leben und die heutige Zeit relevant ist.
Wie auch immer Ihre Antwort ausfallen mag, es ist an der Zeit, die Bibel ganz neu zu betrachten. Wo sonst können Sie die Lösung für jedes Problem im menschlichen Leben finden, ob Krankheit – einschließlich scheinbar aussichtsloser Fälle – über schwierige persönliche Beziehungen bis hin zu Konflikten zwischen Nationen?
Je besser wir mit der Bibel vertraut sind, desto besser verstehen wir Gott und desto mehr gewinnen wir an Nähe zu Ihm. Dann verstehen wir, dass Gott sich im Verlauf der Zeit nicht geändert und auch nichts von Seiner Kraft eingebüßt hat, diejenigen, die sich Ihm zuwenden, zu heilen und zu retten. Dann sind wir besser in der Lage, nicht nur uns selbst zu helfen und zu heilen, sondern auch andere. Wir lesen in der Bibel (2. Timotheus 3:16, 17): „Die ganze Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Besserung und zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen und zu jedem guten Werk befähigt sei.“
Die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft Mary Baker Eddy musste viele persönliche Herausforderungen überwinden und hat dabei die Erkenntnis erlangt, dass „die Bibel ... das Rezept für alles Heilen“ enthält (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 406). Sie hat die Bibel von Kind an geliebt. Da sie in der ersten Hälfte ihres langen Lebens ständig mit gesundheitlichen Problemen konfrontiert war, hat sie die verschiedensten Methoden probiert, um Heilung zu erlangen, darunter auch Homöopathie. Doch nach einem Unfall, bei dem sie schwere Verletzungen erlitten hatte, bat sie um ihre Bibel. Laut einer Biografie schlug Mrs. Eddy die Bibel auf und „fing an, in einem der Evangelien die Geschichte eines Mannes zu lesen, der nicht laufen konnte. Jesus heilte ihn mit dem Befehl: ‚Steh auf und geh!‘
‚Als ich das las, dämmerte mir die heilende Wahrheit auf‘, erklärte Mary später. Jesu Worte: ‚Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich‘ kamen ihr mit solch einer leuchtenden Klarheit in den Sinn, dass sie eine Macht und Kraft empfand, die nicht aus ihr erstanden war. Als sie dann wieder an ihren Körper dachte, merkte sie, dass die Kälte und die Schmerzen vergangen waren und sie aufstehen und ins Nebenzimmer gehen konnte.“
In der Biografie wird berichtet, dass sie in dem Augenblick nicht verstand, wie sie geheilt worden war: „Sie wusste nur, dass sie etwas Wundervolles erkannt hatte, ‚nämlich Leben in und von Geist‘, wie sie später erklärte, eine vollständig andere, leuchtendere Wirklichkeit als das, was die materiellen Sinne präsentieren“ (Isabel Ferguson und Heather Vogel Frederick, A World More Bright: The Life of Mary Baker Eddy [Die lichtre Welt: Das Leben von Mary Baker Eddy], S. 60–61).
Anschließend verbrachte Mrs. Eddy mehrere Jahre damit, in der Bibel zu forschen, über das Gelernte nachzudenken, die Brocken der Wahrheit, die sie dabei gewann, anzuwenden, indem sie andere heilte und unterrichtete – und zu schreiben. Weitere Jahre wurden benötigt, um Wissenschaft und Gesundheit zu schreiben und herauszugeben, das Buch, das sie zum Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft erklärte. Dieses Buch – das Mrs. Eddy über Jahrzehnte immer wieder überarbeitete, um die Lehren so klar und verständlich wie möglich darzustellen – sollte die Bibel keineswegs ersetzen, sondern es sollte der Leserschaft einen guten Zugang zur Bibel bieten bzw. helfen, sie geistig zu verstehen.
Mrs. Eddys eigene Liebe für die Bibel und ihr jahrelanges Bestreben, eine geistige Perspektive der darin enthaltenen Lehren zu erlangen, hatten schließlich zu dem Schlüsselmoment der Inspiration geführt, als sie 1866 geheilt wurde und die Christliche Wissenschaft entdeckte. Die von ihr gegründete Kirche – die Kirche Christi, Wissenschaftler – war dazu bestimmt, „das ursprüngliche Christentum ... wieder einzusetzen“ (Handbuch der Mutterkirche, S. 17), einschließlich der Art von Heilung, die Jesus vollbrachte. Und so erklärt der erste Glaubenssatz der Kirche auch, dass Christliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler „das inspirierte Wort der Bibel zu [ihrem] geeigneten Führer zum ewigen Leben“ nehmen (Wissenschaft und Gesundheit, S. 497).
Ich habe mit der Bibel als meinem Führer mehrere Heilungen erlebt. Eine, die mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war eine Zerrung des hinteren Oberschenkelmuskels. Beim Sprinten fühlte ich plötzlich, wie etwas riss, gefolgt von einem stechenden Schmerz hinten am Oberschenkel. Laut medizinischer Prognosen kann es mehrere Wochen dauern, bis solch eine Verletzung verheilt ist, doch ich musste einige Tage später in Verbindung mit meinem Militärdienst einen 3,25 km Lauf innerhalb einer vorgegebenen Zeit absolvieren (siehe „Leg injury healed“ [Beinverletzung geheilt], Christian Science Sentinel, 28. September 2015).
Ich war mutlos, weil es weh tat zu gehen, geschweige denn zu laufen. Doch in der Woche des anberaumten Laufs stieß ich beim Lesen der wöchentlichen Bibellektion aus dem Vierteljahresheft der Christlichen Wissenschaft auf diese Stelle in der Bibel (Hebräer 12:12, 13): „Richtet die müden Hände und die wankenden Knie wieder auf und macht gerade Bahn für eure Füße, damit das Lahme nicht strauchelt, sondern vielmehr gesund wird.“ Mit diesen Worten fand bei mir ein augenblickliches Umdenken statt. Ich musste mich nicht einer Verletzung unterwerfen, von der ich wusste, dass Gott sie mir nicht geschickt hatte, sondern ich konnte die Vorstellung, lahm zu sein, aus meinem Denken verbannen. Wenn die Verletzung nicht in meinem Denken war, das den Körper regiert, so argumentierte ich, dann konnte sie mir kein Leid zufügen.
Ich hatte durch mein Studium der Christlichen Wissenschaft gelernt, dass es nur ein Gemüt – Gott – gibt und dass alles wahre Denken ein Ausdruck dieses Gemüts ist. Dieses Gemüt ist vollständig gut und ist sich keinerlei Verletzung oder Krankheit bewusst, sondern bringt nur Gesundheit und Frieden zum Ausdruck. Es ging mir zügig besser, und ich konnte ein paar Tage später meinen vorgeschriebenen Lauf mit guter Zeit und in Freiheit und Freude absolvieren.
Diese Heilung demonstriert für mich, dass „die ganze Schrift ... von Gott eingegeben“ ist und dass das inspirierte Wort die gesamte Macht Gottes hinter sich hat. Gott, Geist, spricht Sein Wort zu jedem, überall. Und wenn unser Denken einmal davon berührt ist, können wir nicht zu der alten, materialistischen Denkweise zurückkehren. Unser Denken und unser Leben bessern sich. Körperliche Heilungen, wie ich sie erlebt habe, sind ein Nebenprodukt.
Wenn wir die Bibel aufnahmebereiten Herzens und mit dem Bestreben lesen, sie geistig zu verstehen, stellen wir fest, dass sich unsere Einstellung der Bibel gegenüber ändert. Für uns hat sie einen so viel höheren Stellenwert als nur eine geschichtliche Aufzeichnung oder ein Dokument, das keine Relevanz für unser heutiges Leben hat. Vielmehr verstehen wir, dass sie in jedem Alter und jeder Situation Führung und Hilfe bereitstellt, denen wir vertrauen können. Sie ist in der Tat ein Rezeptbuch für alles Heilen. Und unsere Denkweise über sie ist keine Nebensächlichkeit. Mrs. Eddy schreibt in ihrer Botschaft an die Mutterkirche für 1902 (S. 4–5): „Unsere Gedanken über die Bibel drücken sich in unserem Leben aus.“
