Dieser geistige Gedanke hat mich während des Koreakrieges beschützt und geleitet — und hilft mir auch heute noch. Ich war gerade zehn Monate verheiratet, als ich wieder zum Militärdienst einberufen wurde. Und meine Frau, die von Kindheit an Christliche Wissenschafterin ist, legte mir besonders ans Herz, diese Bibelworte immer bei mir zu tragen. Sie stammen aus dem elften Vers des einundneunzigsten Psalms; der vollständige Vers lautet: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“
Ich stellte bald fest, daß ich erst meine Auffassung von Engeln ändern mußte, bevor sich diese göttliche Führung und dieser göttliche Schutz in meinem Leben kundtun konnten. Obgleich mir in meiner früheren Religion weder Trost noch ein Verständnis von Gott zuteil geworden war, hatte ich mich nichtsdestoweniger dazu erzogen, in der Bibel nach Antworten zu suchen. Meine Frau und ich hatten viele erbauliche Unterhaltungen über die Offenbarungen der Christlichen Wissenschaft, die von Mary Baker Eddy entdeckt und gegründet wurde. Doch ich hatte die Wahrheit dieser Wissenschaft noch nicht zu verstehen begonnen. Als aber unser Truppentransporter auf eine Anlegestelle im Umkreis von Pusan in Südkorea steuerte, wurde mir in meinem Gebet um Schutz Klar, daß der Mensch Gottes geistige Schöpfung ist, immerdar eins mit Ihm, wie Christus Jesus andeutete, als er sagte: „Ich und der Vater sind eins.“ Joh. 10:30. Es war, als ob ein Damm gebrochen wäre und Verständnis in mein Denken flutete. Ich verstand jetzt das, worüber meine Frau und ich uns unterhalten hatten. Ich begann meine wahre Beziehung zu Gott zu erkennen.
Als nach der Landung der Standort unserer Einheit festgelegt war, schrieb ich meiner Frau und bat sie, mir alles zu schicken, was ich brauchte, um mit dem Studium der Christlichen Wissenschaft beginnen zu können. Ich erinnere mich nicht mehr, wie lange es dauerte, bis ich das Lehrbuch, Wissenschaft und Gesundheit von Mary Baker Eddy, und das Vierteljahrsheft der Christlichen Wissenschaft mit den wöchentlichen Bibellektionen erhielt, aber es schien nur eine kurze Zeit gewesen zu sein. Unterdessen wurde mir die Bibel beim Lesen weiterhin erhellt. Ich hatte mich mit beiden Büchern schon eingehend befaßt, als unsere Einheit von Intschön nach Norden vorrückte.
Während unseres Vormarsches freute ich mich schon auf die Stunden, in denen ich in Ruhe studieren und mehr über Gott, den Menschen und das Universum lernen konnte. Ich spürte tatsächlich, daß Gottes liebevolle Arme mich umgaben und mich und alle um mich her beschützten. Und jetzt verstand ich, daß Seine Engel keine menschenähnlichen Wesen mit Flügeln waren, sondern Gottes schützende, leitende Gedanken, die ständig in mein Bewußtsein strömten. Ich erkannte auch, daß diese Engelsgedanken zu allen kommen, die beten und lauschen. Im Glossarium zum Lehrbuch finden wir die folgende metaphysische Definition von „Engeln“: „Gottes Gedanken, die zum Menschen kommen; geistige Eingebungen, die rein und vollkommen sind; die Inspiration der Güte, Reinheit und Unsterblichkeit, allem Bösen, aller Sinnlichkeit und aller Sterblichkeit entgegenwirkend.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 581. Das sind Seine Engel, denen Er befohlen hat, uns auf allen unseren Wegen zu behüten. Und sie haben ganz gewiß mich und andere behütet!
Eines Nachts, als ich die Wachposten in einer vorderen Verteidigungsstellung am Fuße eines großen Berges kontrollierte, kam mir der Engelsgedanke: „Prüfe den Schützengraben, den du in etwa zweihundert Meter Entfernung am Abhang des Berges gesehen hast.“ Ich zögerte. Es bestand kein Grund, das zu tun; doch ich fühlte mich gezwungen, der Eingebung zu folgen. Als ich im Schützengraben stand und mich wunderte, was ich dort sollte, kam mir ganz klar der Gedanke: „Gehe bis ans Ende.“ Das tat ich; dann wartete ich. Als ich mich umwandte, um zurückzugehen, hörte ich einen Hilferuf. Ich antwortete und stieß auf zwei unserer Männer, die am Vormittag im Tal zwischen den Bergen in ein feindliches Minenfeld geraten waren. Es wurde eine Patrouille zusammengestellt, und wir konnten die beiden Verwundeten in Sicherheit bringen.
Einige Zeit nach Beginn der chinesischen Intervention in dem Konflikt mußte unsere Einheit durch Artilleriefeuer den Rückzug unserer Truppen decken. Während ich die Verteidigungslinie festlegte, kam mir der Engelsgedanke: „Bleib stehen und lausche.“ Trotz des Getöses der Artillerie hörte ich das Rascheln von Blättern; ich folgte dem Geräusch und fand einen verwundeten Soldaten und seinen erschöpften Kameraden, der ihn die ganze Nacht getragen hatte. Sie waren mit Blättern getarnt, um nicht entdeckt zu werden.
Später während dieser Aktion machte unsere Einheit in den frühen Abendstunden in einem ausgetrockneten Flußbett halt. Wir waren angewiesen worden, etwas zu schlafen. Jedem war aufgefallen, wie hart der Boden des Flußbettes war. Die Halbkettenfahrzeuge und die Kampfwagen mit montierten Geschützen hatten kaum eine Vertiefung hinterlassen. Mein Kamerad und ich stellten unser kleines Zelt auf und krochen in unsere Schlafsäcke.
Etwa um zwei Uhr nachts erhielten wir den Befehl zum Aufbruch. Ein Fahrer geriet in Panik und fuhr mit einem Halbkettenfahrzeug beim Zurückstoßen über meine Zeltseite. Mein Kamerad konnte sich aus dem Zelt befreien und das große Fahrzeug anhalten. Nachdem sie es von meiner Zeltseite entfernt hatten, fanden sie mich in meinem Schlafsack — ich war nicht verletzt. Der harte Boden hatte unter mir nachgegeben, und man konnte die Kontur meines eingesunkenen Körpers sehen. Mein Helm war in den Boden gedrückt und meine persönlichen Gegenstände, die sich darin befanden, waren zermalmt worden. Meinen Kameraden erschien dieses Erlebnis wie ein Wunder, aber ich wußte, daß es ein Beweis für die Gegenwart der Engel Gottes war.
Einen Monat später erhielt unsere Einheit hinter der Frontlinie eine Ruhepause, in der wir uns entspannen und unsere Ausrüstung säubern konnten. Wir saßen zu viert an einem behelfsmäßigen Tisch, während ungefähr hundert Meter von uns entfernt ein Soldat sein Maschinengewehr vom Kaliber 12,7 mm putzte. Später stellte man fest, daß der Soldat versehentlich ein Geschoß im Gewehrlauf gelassen hatte, als er ihn abnahm, um den Mechanismus zu säubern. Er setzte den Lauf wieder ein und feuerte unbeabsichtigt die Patrone ab. Kurz bevor er schoß, kam mir der Engelsgedanke: „Beuge dich nach vorn.“ Das tat ich, und das Geschoß zischte an meinem Kopf vorbei und schlug in einen Baum neben mir ein.
Diese Beweise (wir nennen sie in der Christlichen Wissenschaft Demonstrationen) offenbaren ganz klar die Gegenwart, die Macht, das Gesetz, die Tätigkeit und die Herrschaft des göttlichen Prinzips, Gottes. Diese Erfahrungen sowie andere, die ich später im Zivilleben hatte, ließen mich erkennen, daß das göttliche Gemüt, Gott — nicht Glück, Zufall oder materieller Instinkt —, Seine Schöpfung regiert und beschützt. Der zu Gottes Bild und Gleichnis geschaffene Mensch besitzt Herrschaft über alles, wie es im ersten Kapitel des ersten Buches Mose heißt.
Die geistige Einheit des Menschen mit Gott wird durch beständiges Gebet und Anerkennen der Allheit und Vollkommenheit Gottes augenscheinlich. Die Verheißung: „Er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten“ bedeutet nicht, daß wir nur gelegentlich beschützt oder geführt werden. Es ist eine Verheißung, die sich ständig in reichem Maße erfüllt und für alle Zeiten Gültigkeit hat, weil Gott ihre Quelle ist. Sie gilt allen und wird in einem gebeterfüllten Leben zur Wirklichkeit.
Die Bibel veranschaulicht deutlich, daß Gottes Verheißungen in Erfüllung gehen. Er befiehlt Seinen Engeln, uns zu behüten. In Wissenschaft und Gesundheit wird erklärt: „Diese Engel Seiner Gegenwart, denen die heiligste Aufgabe obliegt, sind in der geistigen Atmosphäre des Gemüts in Überfülle vorhanden und bringen infolgedessen ihre eigenen Kennzeichen aufs neue hervor. Ihre individuellen Formen kennen wir nicht, aber wir wissen, daß ihre Naturen der Natur Gottes verwandt sind und daß die also bildlich dargestellten geistigen Segnungen verkörperte und doch subjektive Zustände des Glaubens und des geistigen Verständnisses sind.“ Ebd., S. 512.
