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Zurück zum einfachen Leben

Aus der September 1983-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Tief im Herzen des modernen Menschen — des mechanisierten, komputerisierten und von den Medien bombardierten Menschen — ruht etwas, was viele sagen läßt: „Ich wünschte, ich könnte mich dem allem entziehen — zum einfachen Leben zurückkehren.“

Auf den ersten Blick könnte man glauben, daß niemand ein zurückgezogeneres Leben führte als die Erzväter des Alten Testaments. Aber vielleicht war ihr Leben doch nicht so einfach, wie es zunächst erscheint. Diese Menschen hatten es schwer mit hitzigen Nachbarn und begingen gelegentlich selbst Dummheiten und Grausamkeiten. Doch ihre einfache, tägliche Beschäftigung — das Hüten der Rinder und Schafe — bedeutete, daß sie der Natur nahe waren. Sie hatten Zeit, über deren Wunder nachzudenken; Zeit, sich klarzumachen, daß irgendwie hinter allem nur eine große Ursache stehen konnte. Sie wußten nicht alle Antworten auf die vielen Fragen, die sie sich gestellt haben mußten, doch sie beteten demütig zu dem Schöpfer aller; sie lauschten und vernahmen Harmonien, die weit jenseits der beschränkten Fähigkeiten des menschlichen Ohrs lagen.

Wie uns die Bibel berichtet, sprachen diese frühen Denker manchmal tatsächlich mit Gott — jenem ewigen, unendlichen Geist, der, wie Paulus sagte, „die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht“ 1. Kor. 1:20. hat. In verwirrenden und gefährlichen Situationen erhielten sie oft augenblicklich klare Hinweise, was sie tun sollten und wie es zu tun war. Paradoxerweise entzogen sie sich allem, indem sie Gottes stete Gegenwart erkannten und einen Schimmer von des Menschen zärtlicher, geistiger Beziehung zu Gott erhaschten.

Christus Jesus lehrte seine Jünger, sich von allem zurückzuziehen, um wirksam beten zu können. Er sagte: „Wenn du aber betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.“ Matth. 6:6. Mrs. Eddy nimmt auf dieses Kämmerlein Bezug, wenn sie in Wissenschaft und Gesundheit schreibt: „Das Kämmerlein versinnbildlicht das Heiligtum des Geistes, dessen Tür den sündigen Sinn ausschließt, aber Wahrheit, Leben und Liebe einläßt. Ist die Tür dem Irrtum verschlossen, so steht sie der Wahrheit offen, und umgekehrt... Um in das Herz des Gebets einzudringen, muß die Tür der irrenden Sinne verschlossen sein. Die Lippen müssen verstummen, und der Materialismus muß schweigen, auf daß der Mensch beim Geist Gehör finde, bei dem göttlichen Prinzip, Liebe, das allen Irrtum zerstört.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 15. Dann weist sie darauf hin, daß aufrichtige Anstrengung notwendig ist, um das zu erreichen.

Wenn wir uns wirklich bemühen, uns abzuwenden und zu beten, mögen wir uns schnell bewußt werden, welch einen Einfluß die Welt auszuüben scheint, um uns davon abzuhalten. Das ist eine Form von dem, was Wissenschaft und Gesundheit tierischen Magnetismus nennt. In das Kämmerlein zu gehen ist sicherlich nicht immer einfach, und die Tür geschlossen zu halten ist auch nicht leicht. Doch es gibt nichts, was lohnender wäre.

Die moderne Technologie bewirkt für uns Wunder, aber das menschliche Herz sehnt sich dennoch nach jenen Wundern, die die Technologie niemals vollbringen kann. Doch Christus Jesus, der Mensch, der „das Heiligtum des Geistes“ so gut nutzte, daß überall, wo er hinging, Heilungen stattfanden und Schicksale sich zum Besseren wendeten, wird immer noch von der Menschheit zurückgewiesen.

Mrs. Eddy verbrachte die zweite Hälfte ihres langen Lebens in dem Bestreben, wichtige Einblicke in Christi Jesu Leben und Wirken mit anderen zu teilen. Jeder kann durch ihre Lehren in zunehmendem Maße lernen, wie Christus Jesus zu heilen, kann lernen, wie man ihm aus dem Glauben an die Materie in die Wirklichkeit des geistigen Seins folgt, wie man auf die einzig praktische Art zu den einfachen Dingen des wirklichen Lebens zurückfindet. Man kann sich leicht so sehr in weltlichen Angelegenheiten verfangen, daß ewige geistige Wirklichkeiten keinen Platz im Denken finden. Doch erst wenn sie einen Platz finden, ist ein Entrinnen aus dem Glauben an die Materie tatsächlich möglich.

Sollte man also wie die Erzväter Schafe hüten? Nein! Das wäre keine wirkliche Lösung. Aber es ist möglich, nach neu-alten Ideen von Gottes Wesen zu suchen, sie zu finden und zu bewahren, wodurch wir die tiefe Bedeutung der Worte des Psalmisten verstehen lernen: „Erkennet, daß der Herr Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.“ Ps. 100:3.

Mrs. Eddy wußte, daß die Herrlichkeiten der Natur dazu dienen können, unsere Gedanken auf den einen Gott zu lenken. Sie schreibt: „Die Natur verkündet das natürliche geistige Gesetz und die göttliche Liebe; die menschliche Annahme aber mißdeutet die Natur. Die Polarregionen, die sonnigen Tropen, die riesenhaften Berge, die beschwingten Winde, die mächtigen Wogen, die grünenden Täler, die heiteren Blumen und die herrlichen Himmel — sie alle weisen auf Gemüt hin, auf die geistige Intelligenz, die sie widerspiegeln. Die Blumenapostel sind Schriftzeichen der Gottheit. Sonnen und Planeten lehren uns erhabene Lehren.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 240.

Aus ihrem ständigen Ratgeber, der Bibel, erschloß Mrs. Eddy sieben Synonyme für Gott. Mann kann mit diesen Begriffen so vertraut sein, daß sie nur zu leicht zu bloßen Worten werden. Doch wenn man in seinem „Kämmerlein“ ernsthaft auf sie lauscht, hört man den sanften Donner jener allmächtigen, unendlichen Liebe, die auch unendliches Prinzip, unendliche Seele, unendliches Gemüt, unendlicher Geist, unendliches Leben und unendliche Wahrheit ist. Jeder Begriff ist mit den anderen sechs synonym.

Wie können diese Begriffe synonym sein? Nehmen wir zur Erklärung einmal drei — Gemüt, Liebe und Prinzip. Unendliches Gemüt muß unendliche Intelligenz sein. Unendliche Liebe muß auch unendlich intelligent sein, denn unintelligente Liebe wäre natürlich unmöglich eine Gottheit. Akzeptiert man das als wahr, so erkennt man, daß Gemüt und Liebe synonym sein müssen. Legt man denselben logischen Gedanken zugrunde, so muß Prinzip Gemüt sein, oder Prinzip wäre zwangsläufig prinzipienlos, unintelligent. Wir können also verstehen, daß alle drei synonym sein müssen, weil Prinzip Gemüt und Gemüt Liebe ist. Es ist unermeßlich hilfreich, sich die Zeit zu nehmen und sich klarzumachen, wie alle Synonyme zueinander in Beziehung stehen. Wenn man die tiefe Bedeutung dieser wichtigen Wörter erforscht, beugt man in Ehrfurcht und Verehrung vor Gottes ewiger, unumschränkter Gewalt die Knie.

In der Bibel und im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit, werden mehr als siebzig andere Namen für Gott erwähnt oder angedeutet. Sie bloß aufzuzählen wäre ritualistisch und nicht inspirierend. Wenn man sich jedoch mit einigen beschäftigt, so daß Inspiration die Gedankenhaltung fördert, die auf die Gegenwart unseres Vater-Mutter Gottes anspricht, preist man Seinen heiligen Namen — dieser Begriff wird gewöhnlich zur Beschreibung Seiner offenbarten Natur oder Wesenheit gebraucht.

Und während wir uns noch in jenem „Kämmerlein“ befinden — von nichts gestört —, besteht der nächste und natürliche Schritt darin, mit Freude über den geistigen Menschen nachzudenken, den von Gott erschaffenen Menschen. Die Bibel und das Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft sprechen vielfach von ihm als dem Sohn, der Idee, dem Zeugen oder Ausdruck Gottes. Gott ist überall; und wo immer Gott ist, muß Sein Ausdruck sein, der alle Seine Attribute widerspiegelt — Weisheit, Intelligenz, Macht und vieles mehr. Es ist weise, in unserem „Kämmerlein“ im Gebet zu verharren, bis wir — wie der Psalmist sagt — „die Schönheit des Herrn, unseres Gottes“ Ps. 90:17 [n. der engl. King-James-Ausgabe]. und deren Gegenwart in unserem Leben wahrnehmen. Die Herrlichkeit des Vaters ruht auf Seinem Sohn, dem einzigen Menschen, der allein unser wahres Selbst sein kann.

Vergegenwärtigen wir uns dann, was uns konfrontiert, wenn wir aus dem „Kämmerlein“ hervortreten, um wieder unseren täglichen Pflichten nachzugehen, lassen wir diesen vergeistigten Sinn von uns selbst für uns wirken. Die Aufgabe besteht darin, im Namen Gottes und mit der Herrschaft, die Er Seinen Kindern gibt, allem, was den menschlichen Fortschritt behindert — wie z. B. Angst, Materie, Sünde und Krankheit —, jegliche Macht abzusprechen. Demut gibt uns die Gewißheit, daß die unendliche Intelligenz, die ewige göttliche Liebe, uns inspiriert und lenkt und uns ihre heilige Allmacht zeigt. In der Bibel wird an vielen Stellen die Wirkung beschrieben, die ein solches Gebet für einen selbst hat. Paulus schreibt: „Denn dies Verwesliche muß anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muß anziehen die Unsterblichkeit.“ 1. Kor. 15:53. Wenn wir uns so allem entziehen, bringt uns das zu allem zurück, bereit für das, was der Tag auch bringen mag, doch als mutige Unsterbliche und nicht als ängstliche Sterbliche. Zurück zum einfachen Leben muß daher bedeuten: Zurück zu dem „Heiligtum des Geistes“. So einfach ist das.

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