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Im Blickpunkt: Mary Baker Eddy Bibliothek

Fragen und Antworten zur Mary Baker Eddy Bibliothek

Aus der April 2002-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Können Sie uns etwas über das Gesamtbild, das größere Ziel der Mary Baker Eddy Bibliothek erzählen?

Die Gründungsidee der Bibliothek ist, die universale Nachfrage nach Spiritualität und nach der Wissenschaft des Seins sowie ihre Wirkung auf die Gesundheit und den menschlichen Fortschritt zu fördern. Die Bibliothek ist nicht ausschließlich Mary Baker Eddy „gewidmet". Sie ist vielmehr eine Institution, die sich der Veröffentlichung ihrer Schriften verpflichtet fühlt oder diese „öffentlich macht". Durch ihre Schriften werden die Ideen, die sie entdeckt und das Vermächtnis, das sie begründet hat, publik gemacht. Die Bibliothek ist eine Einrichtung die, genau wie der Christian Science Monitor, die große Verpflichtung einschließt, die Menschheit zu erheben.

Wie wird die neue Bibliothek mit ihren verschiedenen Bereichen dieses große Anliegen unterstützen?

In der Zusammenarbeit mit den Architekten der Bibliothek, dem Architekturbüro Ann Beha Associates, Boston, waren wir stets bestrebt, die Vision für die Bibliothek immer vor Augen zu haben. Diese Vision der Bibliothek — so die Definition — beinhaltet Licht, Offenheit, Zugänglichkeit. Und sie reißt Mauern nieder, die Mrs. Eddys Leben und ihre Ideen allzu lange schon vor der Welt verborgen gehalten hatten. Und obwohl die Welt ihre auflockernde Wirkung spürte, ist es Zeit, dass sie sichtbar und verständlich werden. Und so wurden Zement- und Granitwände weggerissen, ein Garten wurde angelegt und ein Glasfoyer wurde gebaut, das die Nachmittagssonne in den Eingangsbereich scheinen lässt und Passanten einlädt einen Blick hineinzuwerfen — nichts Geheimnisvolles, nichts Mysteriöses ist in diesem Raum.

Zur selben Zeit musste auch die Sammlung an Schriften und Gebrauchsgegenständen, die dieses Leben und diese Ideen aufzeichnen, ans Licht gebracht, zur Verfügung gestellt und zugänglich gemacht werden. Dieses Material in einer einsamen Kirchenabteilung einzusperren vermittelt der Welt ganz sicher nicht, dass Mrs. Eddys Vermächtnis heute noch relevant und wichtig ist. Dieses Material so zu verwahren wäre de facto das Signal, dass es nur für eine kleine Gruppe Wissenschaftler oder die Mitglieder einer Glaubensrichtung von Interesse ist. Wir würden riskieren, dass ein Lebenswerk und ein Vermächtnis weiterhin zur Randerscheinung degradiert würde, das tatsächlich allen gehört.

Die Bibliothek selbst ist in bestehenden Räumlichkeiten der Christian Science Verlagsgesellschaft untergebracht. Die Umgestaltung dieser Räume für die Nutzung als Bibliothek bringt auch eine behutsame Erneuerung der Fahnenhalle (der früheren Lobby der Christian Science Verlagsgesellschaft), die Renovierung und Aufhellung des früheren Verkaufsraumes sowie die Wiederbelebung des Mappariums als eine wichtige Touristenattraktion in Boston mit sich.

Welche Rolle spielt der Urheberrechtsschutz bei der Schaffung einer Bibliothek für die Öffentlichkeit?

In ihrem Testament hat Mary Baker Eddy alle Restbestände ihres Besitzes, einschließlich ihrer intellektuellen Eigentumsrechte wie Urheberrechte und Warenzeichen, der Mutterkirche vermacht. Der Christian Science Vorstand, als Treuhänder unter dem Willen Mary Baker Eddys, hat die Verantwortung und Verpflichtung den ihm anvertrauten Nachlass sorgfältig zu erhalten und ordnungsgemäß zu verwalten. Dazu gehören auch die vielen Hunderttausend Seiten von Mrs. Eddys unveröffentlichten Schriftstücken.

1976 hat der amerikanische Kongress ein Gesetz erlassen, das den zeitlich unbegrenzten Urheberrechtsschutz für unveröffentlichte Schriften durch einen Standardzeitraum für einen solchen Schutz ersetzt. Der Kongress bestimmte, dass das Urheberrecht bis 2047 verlängert wird, wenn diese bislang unveröffentlichten Schriften bis Ende 2002 veröffentlicht werden. Die Veröffentlichung kann entweder durch Druck und Vertrieb in Buchform oder durch uneingeschränkte Bereitstellung des Materials in einer öffentlichen Bibliothek geschehen.

Warum macht man sich die Mühe der Veröffentlichung, nur um das Urheberrecht zu schützen? Warum lässt man das Material nicht einfach unter Verschluss?

Die Unterlagen unter Verschluss und so angeblich vertraulich zu halten würde faktisch bedeuten, das Urheberrecht zu verlieren und so genau die gegenteilige Wirkung zu riskieren. Das kommt daher, weil ein Großteil des Materials Briefe enthält, die Mrs. Eddy an andere geschrieben hat. Während ihrer letzten Lebensjahre und noch verstärkt nach ihrem Tod wurden diese Briefe durch die Mutterkirche erworben oder ihr gestiftet und zwar von den Empfängern dieser Briefe, ihren Erben oder ihren Nachlassverwaltern. Als die Briefe ursprünglich der Kirche geschenkt wurden, machte man davon Kopien für die Stifter. Somit existieren Kopien dieses Materials außerhalb der Archive, die in den öffentlichen Gebrauch übergehen würden, wenn nicht das exklusive Veröffentlichungsrecht für die nächsten Jahre sichergestellt werden kann.

Besteht nicht die Gefahr, dass Dokumente verloren gehen, gestohlen oder beschädigt werden, wenn die Leute einen so weitreichenden Zugriff auf derart kostbares Material haben?

Nein. Bis zur offiziellen Eröffnung wird die Bibliothekl sowohl elektronische als auch Papierkopien von allen Aufzeichnungen Mary Baker Eddys wie auch von einigen anderen historischen Dokumenten der Sammlung erstellt haben. Wir fertigen auch Abschriften von den Dokumenten an, die von Mrs. Eddy geschrieben wurden, um die Lesbarkeit und damit auch die Forschung zu erleichtern. Die Originaldokumente werden sorgfältig in sicheren, klimatisierten Tresorräumen aufbewahrt. Sie werden den Forschern nur dann zur Verfügung gestellt, wenn es wirklich gute Gründe gibt sie einzusehen oder ihre physische Beschaffenheit zu untersuchen. Das gleiche gilt für die Artefakte.

Ein großer Teil des unveröffentlichten Materials besteht aus Mrs. Eddys Briefen. Hätte sie denn gewollt, dass sie veröffentlicht werden?

Es gibt viele Hinweise in Mrs. Eddys Briefen, die das Verständnis ihres Lebens und das Verständnis und den Erfolg von Christian Science in Zusammenhang bringen.

Sie war jedoch weise genug die Gefahr zu sehen, die darin bestand, ihre persönliche Geschichte zum Mittelpunkt ihres Lebens zu machen — gerade zu einer Zeit, in der viele ihrer Anhänger leicht in eine sehr persönliche Verherrlichung ihrer Führerin verfielen, und ihre Kritiker nur darauf warteten, sie in Verruf zu bringen.

1891 schrieb sie an Augusta Stetson: „Oh das Wunder meines Lebens — was wird man darüber denken, wenn es bis ins kleinste Detail bekannt wäre? Aber das ist jetzt unmöglich. Das wird noch Jahrhunderte dauern" (H00013, letter to Mrs. Augusta E. Stetson, April 28, 1891).

Die Memoiren von Adam H. Dickey sind in dieser Richtung aufschlussreich. An einer Stelle schrieb er: „Ich wusste, dass Mrs. Eddy eine Abneigung dagegen hatte ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit auszubreiten. Ich wusste auch, dass man ihr zu bestimmten Gelegenheiten den Vorschlag unterbreitete, die Geschichte ihres Lebens und ihre Erfahrungen aufzuschreiben, doch sie entschloss sich standhaft, das nicht mal in Erwägung zu ziehen. Ihre Antwort auf derartige Vorschläge war: „Die Zeit meine Geschichte aufzuschreiben ist noch nicht gekommen" (Adam H. Dickey reminiscence, 1927, p. ix.).

Das vielleicht Letzte, was zu diesem scheinbaren Widerspruch geschrieben wurde, steht in einem Brief von 1909 von Mrs. Eddy an Adam H. Dickey: „Was das Schreiben meiner eigenen Geschichte angeht: Man sollte nicht damit beginnen, solange ich hier lebe." Danach besagen Mrs. Eddys letzter Wille und ihr Testament, dass alle ihre Briefe, Manuskripte, Briefwechsel, Texte, Skizzenbücher und Schreibhefte ihrer Kirche vermacht werden.

Gibt es Bestimmungen im Kirchenhandbuch, die sich auf die Veröffentlichung von Mrs. Eddys privaten Unterlagen beziehen?

Im Kirchenhandbuch heißt es ganz klar, dass der Christian Science Vorstand die Geschäfte der Mutterkirche erledigen soll (Art. I Abschn. 6). In diesem Fall ist er es, der die Entscheidungen über die Verwaltung von Mrs. Eddys intellektuellem Besitz, also ihrer Schriften, treffen muss. Und der Vorstand wendet das Kirchenhandbuch auf die jeweilige Situation an.

Kirchenmitglieder haben gefragt, ob die Veröffentlichung von Mrs. Eddys privater Korrespondenz nicht im Widerspruch zu Artikel XXII Abschnitt 8 steht, der „Privatmitteilungen" heißt. Einige Dinge sollte man über diese Bestimmung wissen. Zunächst mal fällt sie unter die Kategorie der Satzungsbestimmungen, die als „Zustimmungsklauseln" bekannt sind. Es ist eine wohlbegründete gesetzliche Vorgehensweise, wenn es physisch nicht möglich ist bestimmte Bedingungen von der genannten Person erfüllen zu lassen (in diesem Fall der Pastorin Emerita), dass dann der Nächste in der Rangfolge — in diesem Fall der Christian Science Vorstand — diese Zuständigkeit übernimmt.

Seit über sieben Jahrzehnten hat der Christian Science Vorstand unveröffentlichte Briefe Mrs. Eddys herausgegeben, von denen man sagen könnte, dass sie unter die Bestimmung „strenge vertrauliche Privatmitteilungen" Art. XXII Abschn. 8, fallen. Viele von ihnen befinden sich in Robert Peels Büchern über das Leben Mrs. Eddys wie auch in weiteren Büchern anderer Biografen.

Ursprünglich hatte Mrs. Eddy diese Regel als strenge Warnung für solche Mitglieder aufgestellt, dass sie der Versuchung widerstehen sollten, ihre Privatgespräche sowie Unterhaltungen mit ihr zu enthüllen und Mrs. Eddys Briefe und Ratschläge zu benutzen, um ihre eigenen persönlichen Meinungen zu verbreiten. Es gibt jedoch in den Aufzeichnungen keinen Hinweis darauf, dass sie meinte, dass diese Bestimmung die Veröffentlichung dieses Materials nach ihrem Ableben betreffen sollte. Und es gibt zumindest eine Reihe von Hinweisen darauf, dass ihre Bedenken, die diese Bestimmung nach sich zogen, den unmittelbaren Moment betrafen und nicht historisch bedeutsam waren.

Nichtsdestoweniger hat der Vorstand im Verlauf der letzten zehn Jahren jeden einzelnen Brief und alles Geschriebene von Mrs. Eddy wieder und wieder durchgesehen. Er hat bei dieser Durchsicht die Kirchensatzungen sowie deren Geist berücksichtigt, als er diese wichtige Kirchenarbeit erledigte.

Die Ereignisse des 11. Septembers 2001 zum Beispiel hatten weitreichende Auswirkungen auf die Menschheit. Wird die Bibliothek etwas zu aktuellen Ereignissen sagen können?

Das steht völlig außer Frage. Mrs. Eddy hatte in ihren veröffentlichten und in ihren unveröffentlichten Schriften viel über die Natur des Guten und des Bösen, über Krieg und Frieden, Leben und Tod, Trauer und Trost zu sagen und natürlich über Gott, als das regierende Prinzip in unserem Leben. Sie stieß selber auf Begebenheiten und Umstände, die die Größenordnung und Bedeutung dessen erreichten, was die Welt im letzten September mit ansehen musste. Im Laufe ihres Lebens war Amerika durch einen erbitterten Bürgerkrieg geteilt. Drei Präsidenten wurden ermordet. Weitere Kriege rückten bedrohlich näher oder drohten auszubrechen.

Nicht nur Mrs. Eddys Schriften werden etwas zu den aktuellen Ereignissen zu sagen haben, sondern auch ihre Bibliothek. Die Mary Baker Eddy Bibliothek wird Programme und Veranstaltungen für die Kommune anbieten und sponsern, die gemäß ihres mutigen Zwecks die „universale Nachfrage nach Spiritualität, der Wissenschaft des Seins und ihre Wirkung auf die Gesundheit und den menschlichen Fortschritt unterstützen". Dies ist ein wundervolles und sehr zeitgemäßes Erbe, das nun der Welt zur Verfügung steht. Und es gibt wohl keine bessere Zeit als den Beginn eines neuen Jahrhunderts und eines neuen Jahrtausends, diese wertvollen Schätze zu öffnen.

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