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Original im Internet

Die Liebe, die uns von Selbsthass befreit

Aus der Mai 2020-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 2. März 2020 im Internet.


Ist es erforderlich, uns selbst zu lieben? Die meisten Menschen würden zustimmen, dass dies für ein glückliches und erfülltes Leben unerlässlich ist. „Liebe dich selbst“ ist ein beliebter Rat.

Doch was ist mit der christlichen Forderung, bescheiden und selbstlos zu sein? Schließlich sagte Jesus: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz täglich auf sich und folge mir“ (Lukas 9:23). Als ich überlegte, was es bedeutet, sich selbst zu lieben, führte die Beschäftigung mit der Frage: „Was genau liebe ich als Ich?“ zu einer geistigen Sichtweise.

Uns selbst als einen Körper mit menschlicher Persönlichkeit zu sehen ist nicht die korrekte Wahrnehmung des Menschen. Diese Einschätzung entstammt dem Glauben, dass wir geistig und materiell erschaffen sind und somit Beschränkungen und Charakterfehlern unterliegen. Dieses falsche Selbst ist den Extremen eines niedrigen oder übertriebenen Selbstwertgefühls ausgesetzt, das jeweils schlechte und sogar schädliche Entscheidungen für uns und andere nach sich ziehen kann.

Die Christliche Wissenschaft erklärt, dass dieses falsche Konzept vom Menschen zurückgewiesen werden kann und muss. In Wirklichkeit wurde jeder von uns vollständig und geistig erschaffen, und wir müssen das falsche Konzept aufgeben, um das wahre anzuerkennen: Unsere gute und reine geistige Identität liegt in Gott, dem göttlichen Geist. Jesus verstand seine geistige Identität als Gottes Sohn. Er demonstrierte diese Identität durch seine Menschlichkeit und zeigte uns damit, wie wir jeweils unsere Herrschaft über das falsche Konzept einer materiellen Persönlichkeit beweisen und unsere wahre, geistige Identität zum Ausdruck bringen können.

Jesus war der demütigste Mensch, der je auf Erden gewandelt ist, doch er verlor nie seinen wahren geistigen Wert und seinen Lebenszweck aus den Augen. Die Wissenschaft des Christentums gründet sich auf sein Vorbild und zeigt uns, wie wir den geistigen Wert von uns und anderen so erkennen können, wie er. Die Bestätigung und Inanspruchnahme – und Liebe – unserer geistigen Identität verleiht uns Sicherheit, Glück und Demut. Sie befähigt uns, in unserem Verständnis von Gott als unserer geistigen Quelle zu wachsen und den umfassenden Ausdruck unseres Potenzials anzustreben sowie düsteren Gedanken der Selbstverdammung, des Selbstzweifels und des Egoismus Einhalt zu gebieten.

Als Studienanfängerin hatte ich mit akutem Selbsthass zu kämpfen. Ich war nicht ständig deprimiert, durchlebte aber Zeiten so negativer Gedanken über mich selbst, dass ich manchmal morgens nicht aus dem Haus kam. Ich war einige destruktive Beziehungen eingegangen und lebte in Umständen, die nicht immer ungefährlich waren.

Ich hatte gelegentlich die Sonntagsschule der Kirche Christi, Wissenschaftler, in der Nähe der Uni besucht und ging regelmäßiger hin, nachdem ein Freund bemerkte, dass ich besser drauf war, wenn ich zur Kirche gegangen war.

An einem Sonntag sagte mein Sonntagsschullehrer zu mir: „Du musst dich selbst lieben.“ Ich erinnere mich nicht mehr an den Zusammenhang, aber dieser Satz blieb haften und rüttelte mich auf. Ich dachte an alles, was ich seit meiner frühen Kindheit in der Sonntagsschule über meine Identität als Gotteskind gelernt hatte – als vollkommen und nach Seinem Bild und Gleichnis erschaffen.

Im ersten Kapitel der Genesis in der Bibel wird erklärt, dass Gott den Menschen zu Seinem Ebenbild erschaffen hat. Die Christliche Wissenschaft hebt die Tatsache hervor, dass alles, was wahr über uns ist, geistig, gut und liebenswert ist, eben weil wir zu Gottes Ebenbild erschaffen sind, und Gott ist Liebe und absolut gut. Unsere echte Identität wird durch geistige Eigenschaften definiert, die sich in Gott finden, den wir widerspiegeln – Eigenschaften wie Liebe, Intelligenz, Kraft und Güte.

Ich fing an zu erkennen, was für ein großer Fehler Gedanken des Selbsthasses sind, denn ich bin ja eine wahrhaft geliebte Tochter meines Vater-Mutter-Gottes und verdiene denselben Respekt und dieselbe Liebenswürdigkeit wie alle anderen Menschen. Ich war überrascht festzustellen, wie großzügig ich andere liebte – auf eine Weise, die ich mir selbst vorenthielt.

Da unser wahres Wesen zum Bild und Gleichnis Gottes erschaffen ist, sind wir der Liebe würdig. Und wenn wir das erkennen, verstehen wir, dass wir, wenn wir das „erste und größte Gebot“ befolgen, wie Christus Jesus es bezeichnet hat – „den Herrn, deinen Gott, [zu] lieben von ganzem Herzen“ –, dann auch das zweite große Gebot befolgen müssen, nämlich unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst, als geistige Ideen, die Gottes gesamte Güte widerspiegeln (siehe Matthäus 22:35–39).

Da unser wahres Wesen eine Widerspiegelung Gottes ist, sind wir der Liebe würdig.

Als ich das nächste Mal versucht war, mich selbst zu verdammen, konnte ich diese Gedanken sofort zurückweisen und an meiner Überzeugung festhalten, göttlich geliebt und der Liebe würdig zu sein. Nun hatte ich ein klares geistiges Verständnis von meiner Identität als Gottes vollkommene Widerspiegelung, und keine deprimierenden Gedanken konnten das Wissen erschüttern, das ich erlangt hatte. Aufgrund dessen war ich innerlich gelassener, ging regelmäßiger in meine Seminare und leistete bessere Arbeit in meinen Kursen. In den darauffolgenden Monaten löste ich die destruktiven Beziehungen auf und fand eine Wohnung, die mehr Sicherheit bot.

Mary Baker Eddy schreibt: „Allem entsagen, was einen sogenannten materiellen Menschen ausmacht, und seine geistige Identität als Kind Gottes anerkennen und erreichen ist Wissenschaft, die geradezu die Schleusen des Himmels öffnet, aus denen das Gute in jeden Lebensbereich hineinströmt, dabei die Sterblichen von aller Unreinheit reinigt, alles Leiden zerstört und das wahre Bild und Gleichnis demonstriert“ (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 185).

Jesus wies die materiellen Konzepte vom Menschen durch eine Demut zurück, zu der ein unverrückbares Vertrauen auf Gottes Liebe und Zielsetzung für ihn gehörte. Das befähigte ihn, alles aufzugeben, was als materielles Selbst bezeichnet werden könnte. Jesu wahre, unsterbliche Identität als der Christus, die göttliche Idee Gottes, wurde bewiesen, als er sich über das Todesurteil erhob und vollständig und endgültig demonstrierte, dass das Leben des Menschen nicht materiell, sondern geistig ist. Ein göttliches Verständnis von Jesu Erfahrung am Kreuz und seine Auferstehung ermutigen uns dazu, unsere Bindung an eine materielle Selbstsicht aufzugeben und danach zu streben, mehr von unserer ewigen geistigen christlichen Identität aufzunehmen, die Gott erschaffen hat und aufrechterhält.

Für mich war das Mittel gegen extremen Selbsthass die Bestätigung meiner Identität als geliebtes Kind Gottes und der Respekt, der denjenigen gebührt, die Gott gehören. Wir können das tun, ohne uns anderen überlegen zu fühlen. Ja, diese Art von Liebe zu unserem wahren Selbst hat nichts mit menschlicher Persönlichkeit zu tun; man gibt demütig zu, dass der Ursprung unseres Seins unbegrenzte göttliche Liebe ist. Diese Liebe hat keinen Deut Egoismus, Selbstmitleid, Selbstverdammung und Eigenwillen und befähigt uns, die grenzenlose Freude und Freiheit unseres göttlichen Erbes als Gottes Kinder auszudrücken.

Mary Baker Eddy ermutigt uns in ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Lasst uns in geduldigem Gehorsam gegen einen geduldigen Gott daran arbeiten, mit dem universalen Lösungsmittel der Liebe das harte Gestein des Irrtums – Eigenwillen, Selbstrechtfertigung und Eigenliebe – aufzulösen, das gegen die Geistigkeit ankämpft und das Gesetz der Sünde und des Todes ist“ (S. 242). Die Eigenliebe, die wir auflösen müssen, ist der Egoismus, der auf der irrigen Annahme beruht, wir seien materiell und getrennt von Gott, dem Guten. Sie ist die Tendenz, sich höher oder wichtiger einzuschätzen als die anderen – das Gegenteil von Demut.

Wahre Demut bedeutet, Gott als die Quelle unserer Identität anzuerkennen; sie ist der Ursprung unseres Gehorsams gegen die beiden größten Gebote. Sie findet sich durch eine ehrliche Suche nach Gott, sie wird durch treue Hingabe an die geistigen Tatsachen des Seins ausgedrückt und segnet alle mit der reinen Liebe von Gott und dem Menschen. Demut bringt uns unter den Schutz Gottes, der stärksten Verteidigung gegen Depressionen und ichsüchtige Eigenliebe.

Seit dieser Lektion an der Uni schließe ich die ganze Menschheit in diese geistige Liebe ein. Dadurch kann ich klarer erkennen, dass alle Menschen der Liebe würdig und fähig sind, egal wo sie sich befinden. Ich bin dankbar zu wissen, dass ich durch dieses geistig wahre Verständnis vom Selbst immer davor beschützt bin, hasserfüllte oder lieblose Gedanken über mich oder andere zu hegen.

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