Mary Baker Eddy schrieb in ihrem Artikel „Die Wiedergeburt“: „Die Wiedergeburt ist nicht das Werk eines Augenblicks. Sie beginnt mit Augenblicken und dauert durch die Jahre fort; mit Augenblicken der Hingabe an Gott, des kindlichen Vertrauens und der freudigen Aufnahme des Guten; mit Augenblicken der Selbstverleugnung und der Selbsthingabe, der himmlischen Hoffnung und der geistigen Liebe“ (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 15).
Durch den Prozess der „neuen Wiedergeburt“ wurde das, was mir wie die größte Hürde meines Lebens erschien, in wundervollen Segen verwandelt. Diese Heilung entfaltete sich im Laufe vieler Jahre und zeigt unmissverständlich die Macht der Christlichen Wissenschaft, unser Leben umzuwandeln und zu erheben.
Ich habe mehrere Jahre lang die Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft in der Zweigkirche Christi, Wissenschaftler, besucht, wo mein Vater Mitglied war. Als ich klein war, machte ein Vorfall tiefen, bleibenden Eindruck auf mich. Ich wurde durch die gebetvolle Behandlung eines Praktikers der Christlichen Wissenschaft innerhalb kurzer Zeit von einer schweren Verbrennung an der Hand geheilt.
Ich hatte das Heizelement eines Grills angefasst – es schien nicht zu funktionieren, war aber in Wirklichkeit glühend heiß. Ich verlor fast sofort das Bewusstsein. Etwas später kam ich in meinem Bett zu mir, wo mein Vater mich liebevoll ansah, was mir viel Trost brachte. Dann schlief ich ohne Schmerzen die Nacht durch, und am nächsten Morgen war die Brandwunde vollständig verheilt und nur ein kleiner, voll ausgebildeter Schorf am kleinen Finger war noch zu sehen. Ich wusste, dass sich etwas Wundervolles ereignet hatte.
Im Laufe der Jahre wandte ich mich völlig von der Christlichen Wissenschaft ab, aber ich glaube, diese Heilung in meiner Kindheit verhinderte, dass ich ganz meine Verbindung zu Gott verlor, denn ich konnte die Heilung nie leugnen. Und dann bat ich in einer schweren Zeit instinktiv Gott um Führung.
Substanzmissbrauch war in meinem Familienleben gang und gäbe. Meine Mutter war Alkoholikerin. Mein älterer Bruder nahm Drogen und starb kurz nachdem er die Schule abgeschlossen hatte. Mein jüngerer Bruder hat den größten Teil seines Lebens mit Drogenabhängigkeit zu tun gehabt. Auch mich wollte die Abhängigkeit in den Ruin führen, doch ein tiefes Sehnen nach Gottes Güte wies mir den Weg in die Freiheit.
Mein Drogen- und Alkoholkonsum setzte ein, als ich kaum ein Teenager war, und wurde schon bald zu einem großen Problem. Das ist der Hauptgrund, warum ich vier verschiedene Schulen besuchte und auch mehrmals mit der Polizei zu tun hatte. Als ich in der Mittelstufe war, fühlte ich mich verloren und elend, ich sehnte mich verzweifelt nach einem besseren Leben und suchte nach Gottes Hilfe. Aber ich wusste nicht so recht, wie ich beten sollte. Viele meiner Versuche waren ein Flehen um Hilfe, doch manchmal stellte ich Gott Fragen und lauschte auf Antworten. Bei einer solchen Gelegenheit hörte ich, dass ich die Zehn Gebote befolgen muss, wenn ich meinen richtigen Weg finden will. Das war ein Wendepunkt.
Ich musste Widerstand überwinden, deshalb vergingen zwei weitere Jahre, bevor ich ernsthaft daran arbeitete, aber ich fing an, mein Verhalten zu verändern. Ich schloss die Schule ab und geriet nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt, und kurz danach fing ich an, die Christliche Wissenschaft zu erforschen. Mein Leben verbesserte sich schnell.
Ich las die Bibel zusammen mit Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy. Dieses Studium fiel mir schwer, denn ich verstand nicht viel von dem, was ich las, doch ich fühlte mich jedes Mal besser, also kehrte ich immer wieder zu den Büchern zurück. Anfangs verdeutlichten sich mir ganz einfache Konzepte am besten, wie zum Beispiel die trostvolle Idee von „Immanuel oder ‚Gott mit uns‘“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. xi). Die Worte „Verlangen ist Gebet ...“ (S. 1) hauten mich um, denn ich begriff, dass mein Hinwenden zu Gott und mein Wunsch nach einem besseren Leben ein Gebet war, das Wirkung zeigte. Es war, als ob die Autorin mich direkt ansprach und sagte: „Dein Verlangen wurde erhört und wird jetzt erfüllt.“
Doch das Wichtigste war, dass ich geistige Wahrheit fand. Beim Lesen von Wissenschaft und Gesundheit trat Inspiration manchmal auf überraschende Weise an die Oberfläche. Ich vergaß meine Umgebung und verlor jedes Zeitgefühl, wenn ich mir Mühe gab, eine einzelne Seite oder auch nur ein paar Absätze zu verstehen. Ein nie dagewesenes heiliges Gefühl des Friedens erfüllte mich, sodass ich mich, wenn ich schließlich von den Büchern aufsah, überrascht umschaute, als ob ich plötzlich von weither kam und feststellte, dass alles anders war. Doch die Veränderungen fanden in meinem Denken statt.
Innerhalb eines Jahres hatte ich meine Freiheit von Zigaretten, Drogen und Alkohol erlangt – sie schmeckten mir einfach nicht mehr – und ging aufs College. Wahrheit hob mich aus der Dunkelheit, in der ich mich befand, in den Sonnenschein, und dafür schulde ich Gott ewige Dankbarkeit. Doch Christus erfordert unser gesamtes Herz, und ich stellte fest, dass meine Wiedergeburt gerade erst eingesetzt hatte. Paulus drückte es folgendermaßen aus: „Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, sieh, es ist alles neu geworden!“ (2. Korinther 5:17).
Es blieb noch eine Menge zu berichtigen und zu erneuern. Ich versuchte sehr lange, mich so weit wie möglich von der Pein und dem Chaos meines vorherigen Familienlebens fernzuhalten. Die größten Probleme hatte ich mit meiner Mutter. Ich verhielt mich unfreundlich und unversöhnlich und einmal redete ich über zwei Jahre lang nicht mit ihr. Doch schließlich akzeptierte ich die Forderung, wirklich ein neuer Mensch zu sein.
Ich musste bei mir selbst anfangen und aufhören zu erwarten, dass andere sich änderten. Es erforderte sehr viel Gebet und Einsatz, gegen sündige Charaktereigenschaften wie Stolz, Groll, Ungeduld, unüberlegtes Handeln, Sturheit, Verzweiflung und Ressentiments anzugehen. Doch langsam, aber sicher zeigte sich Fortschritt. Wir lesen in Wissenschaft und Gesundheit: „Lasst uns in geduldigem Gehorsam gegen einen geduldigen Gott daran arbeiten, mit dem universalen Lösungsmittel der Liebe das harte Gestein des Irrtums – Eigenwillen, Selbstrechtfertigung und Eigenliebe – aufzulösen, das gegen die Geistigkeit ankämpft und das Gesetz der Sünde und des Todes ist“ (S. 242). Genau das zeigte sich bei mir.
Ein wichtiger Schrittstein war erreicht, als eines Abends lebenslange bittere Konflikte zwischen meiner Mutter und mir friedlich beigelegt wurden. Beim Abendessen brach ein Streit los, doch plötzlich hatte ich ein ruhiges Gefühl der Klarheit und hörte sofort auf zu reden. Ich zog mich mental mit dem Gedanken aus dem Kampf zurück: „Ich werde einfach nur lieben.“ Ich lächelte, aß weiter, und das war’s. Das ist jetzt viele Jahre her, und wir haben uns nie wieder gestritten.
Ich lernte außerdem, meinen Vater und meine Mutter zu ehren, indem ich alles ehrte, was würdig und wahr an ihnen war, statt mich auf das zu konzentrieren, was meiner Meinung wiedergutgemacht werden musste. Mein Widerstand löste sich auf und ich fing an, mich über jede Gelegenheit, meine Mutter zu unterstützen, zu freuen.
Nachdem ich in ihre Nähe gezogen war, bemerkte ich, dass sie ebenfalls Fortschritte machte. Wenn ich mit ihr zusammen war, trank sie weniger und manchmal gar nicht. Und ihre Einstellung zur Christlichen Wissenschaft wandelte sich von tiefer Abneigung in Unterstützung. Zuerst konnte ich nicht über meinen Glauben reden, sondern wollte einfach mit meinem Leben still den wahren Wert dieses Glaubens zum Ausdruck bringen. Doch in jüngerer Vergangenheit äußerte sie sich mir und anderen gegenüber positiv über die Christliche Wissenschaft und zeigte Interesse an meiner Kirchenarbeit. Sie bat sogar um mein Einverständnis, in meinem letzten Jahr als Leser den Dankgottesdienst zu besuchen, und fuhr eine halbe Stunde durch den strömenden Regen hin.
Meine Mutter ist unlängst weitergegangen. Als ich das letzte Mal bei ihr war, half ich ihr ins Bett, und bevor sie einschlief, sagte sie, dass ich ihr ein Gefühl von Sicherheit gebe. Es war ein unerwarteter Moment, der gut in einen Film oder Roman gepasst hätte, bei dem am Ende alles gut ausgeht.
In meiner Trauerrede in ihrer Kirche eine Woche später konnte ich sie auf eine Weise ehren, die ich nie zuvor für möglich gehalten hätte. Ich sagte: „Früher war unsere Beziehung sehr problematisch. Doch das änderte sich mit der Zeit, und was kompliziert gewesen war und weh getan hatte, wurde ganz einfach und sehr schön. Ich muss allerdings gestehen, dass wir das nicht allein gemeistert haben. Es war noch ein Dritter daran beteiligt. Die andere Partei, die in unserem Leben gewirkt hat, wird im Kolosserbrief als „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (1:27) und „das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (1:15) definiert. Nun wissen wir, dass der Geist Gottes immer für uns wirkt, uns leitet, unterstützt, segnet und erhebt, wenn wir es zulassen. Rückblickend kann ich sehen, wie Gottes Macht die Hand bei uns beiden im Spiel hatte und uns nach langer Trennung wieder zusammenführte, nicht um das zurückzugewinnen, was verlorengegangen war, sondern um etwas Neues zu entdecken.“
Ein langes Kapitel meiner Wiedergeburt ist abgeschlossen und hat mein Herz mit Dank und Liebe erfüllt, wo zuvor eine schmerzhafte Leere gewesen war. Meine Dankbarkeit für Gott und die Christliche Wissenschaft ist grenzenlos.
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