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Original im Internet

Die Immigrationskrise in Gebet hüllen

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 7. November 2019


Ich lebe in den Vereinigten Staaten unweit der mexikanischen Grenze; dort gehört Immigration seit Langem zum Alltag. Für mich ist internationaler Handel ein ertragreiches Geschäft, und ich erfreue mich an Freunden, die aus anderen Ländern kommen. Gleichzeitig betrüben mich menschliche Tragödien, die sich zutragen, Drogenschmuggler, die in ungekennzeichneten Flugzeugen dicht über dem Boden fliegen, und die zunehmende politische Aufmerksamkeit und Zwietracht, die dieses Thema hervorruft.

Dieses und andere Probleme der Welt erfordern Gebete, die etwas bewirken können. Die Christliche Wissenschaft lehrt, dass das, was wir auf individueller Ebene als wahr über Gott und Seine Schöpfung wissen, auch auf globaler Ebene wahr ist. Nicht die Größe des Problems, sondern unsere Sichtweise von Gott ist ausschlaggebend.

Bis vor Kurzem erschien es mir zu komplex, über die Einwanderungskrise zu beten. Doch als in El Paso (Texas), wo ich Verwandte habe, unschuldige Menschen einem Gewaltverbrechen zum Opfer fielen, verstand ich, dass es drängte. Ich musste über diese Krise beten, doch wo könnte ich ansetzen? Geht man von dem Problem aus, ist man ständig nur überwältigt. Doch fängt man mit Gott an, dann kommt man weiter.

In der Bibel suchte ich nach Erkenntnissen, was Immigration aus mentaler und geistiger Perspektive bedeuten kann. In gewisser Weise kann man die Bibel als zusammenhängende, lange Immigrationsgeschichte betrachten, bei der Menschen durch ihr Verlangen angetrieben wurden, Gott zu verstehen. Auf ihrer Suche nach einer Heimat ging es den Kindern Israel zunächst um einen physischen Ort. Jahrhunderte später offenbarte Christus Jesus, dass das von Gott verheißene Land nicht Grund und Boden, sondern ein himmlisches Konzept ist. Er sagte: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte; man wird auch nicht sagen: ‚Sieh, hier!‘ oder: ‚Sieh, dort!‘. Denn seht, das Reich Gottes ist inwendig in euch“ (Lukas 17:20, 21).

Die Gründerin dieser Zeitschrift, Mary Baker Eddy, schreibt in ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Wie die Kinder Israel triumphierend durch das Rote Meer, durch die dunkle Ebbe und Flut menschlicher Furcht geführt wurden – wie sie durch die Wüste geleitet wurden, müde durch die große Einöde menschlicher Hoffnungen wanderten in Erwartung der verheißenen Freude –, so wird die geistige Idee jedes rechte Verlangen auf seinem Weg vom Sinn zur Seele führen, von einer materiellen Auffassung des Daseins zur geistigen, hinauf zu der Herrlichkeit, die denen bereitet ist, die Gott lieben“ (S. 566). Diese Umkehr des Denkens von einer begrenzten, materiellen Sicht vom Leben und seinen Möglichkeiten zu einem Verständnis von Gott als Leben, als unendliche Seele bzw. Geist, ist der Schlüssel in unseren Gebeten für Immigranten und Bürger.

Die Qualitäten, die ein Leben gut machen – Frieden, Harmonie, Freiheit, Erfüllung und Güte – sind in Gott, der göttlichen Seele, angesiedelt. Jeder hat den gleichen Zugang zu Gott, also hat jeder die gleiche Fähigkeit, in das verheißene Land von Gottes vollständiger Güte zu ziehen. Niemandem wird der Zugang verwehrt. Nicht ein Ortswechsel, sondern eine neue Denkweise erschließt uns das Reich Gottes.

Für die menschliche Sichtweise mag es so aussehen, als ob einige Orte mehr Ressourcen haben als andere. Doch aus geistiger Sicht gibt es weder Arme noch Reiche. Ein Verständnis der Fülle und Allgegenwart von Gottes Güte hilft dem Denken, sich für geistige Ideen zu öffnen, die umgesetzt werden können, um jeden menschlichen Bedarf zu decken.

Nach dem Studium arbeitete ich in einer Zufluchtsstätte für Teenager in Not. Hin und wieder kamen Teenager aus Immigrantenfamilien zu uns. Als ich eines Abends zur Arbeit kam, war eine junge Frau aus Mexiko dort, die bei uns untergebracht wurde, bis ihre Verwandten gefunden werden konnten. Die Mitarbeiter hatten den ganzen Tag lang versucht, sie zu trösten, doch sie redete mit niemandem, sondern weinte nur. Ich betete um die Erkenntnis, dass die göttliche Liebe uns umgab und der jungen Frau Trost bringen konnte. Als ich später die Aufsicht führte, während die Mädchen sich bettfertig machten, winkte mich die junge Frau zu sich und fragte, ob ich mit ihr beten könne. Sie kannte das Gebet des Herrn, also beteten wir es gemeinsam in ihrer Muttersprache, Spanisch: „Nuestro Padre ...“ – „Unser Vater ...“ (Matthäus 6:9). Dieses Gebet war die Bekräftigung, dass ihr himmlischer Vater-Mutter-Gott zugegen war und physische und Sprachgrenzen überwand, um sie in göttliche Liebe zu hüllen.

Damit hatte das Weinen ein Ende. Gebet bewirkte einen Wendepunkt, durch den diese junge Frau wieder froh werden und sich in der Unterkunft willkommen fühlen konnte. Dies war der Anfang der schönen neuen Tradition, vor dem Zubettgehen zu beten, bei der die anderen Mädchen im Schlafsaal gern mitmachten.

Politische und religiöse Unterdrückung veranlasst viele, ihr Land zu verlassen, doch Christus Jesus hat gelehrt, dass göttliche Wahrheit Freiheit schafft. Er sagte: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8:31, 32). Jesus lebte zu einer Zeit politischer und religiöser Verfolgung, doch er war der freieste Mensch auf Erden. Er bewies, dass nicht physische Umstände, sondern das geistige Verständnis unserer Beziehung zu Gott Freiheit bewirkt. Das Wissen, dass wir wirklich Gottes geliebte, geistige Söhne und Töchter sind, die unter Seiner erhabenen, harmonischen Regierung leben, kann uns von der Unterdrückung begrenzter Umstände befreien. Jesus lehrte, dass mehr als alles andere göttliche Liebe uns zum verheißenen Land bringt und befähigt, uns geborgen zu fühlen und diese Freiheit zu erleben, wo wir auch sind.

Was die Grenzsicherheit von Einwanderungsländern angeht, so kann es hilfreich sein, Jesu Lehre über Wachsamkeit und den Schutz unseres Denkens und Handelns zu bedenken. Im Johannesevangelium bezeichnet Jesus sich als den Hirten, der die Tür zum Schafstall hütet (siehe 10:1–15). Die Aufmerksamkeit und der Schutz eines guten Hirten halten Wölfe aus dem Schafstall fern. Nicht Menschen, sondern dem wolfähnlichen Denken – Hass, Wut, Rassismus und Zwietracht – wird der Zugang zum Reich Gottes verwehrt. Wenn wir diesen Betrug aus unserem Denken vertreiben, erlangen wir christusgleiche Intuition, die uns vor Gefahr warnt und alle beschützt.

Wir lernen in Wissenschaft und Gesundheit, wie das vor sich geht: „Steh Wache an der Tür des Denkens“ und „... schließe diese ungesunden Gedanken und Befürchtungen aus“ (S. 392). Ungesunde Gedanken und Ängste führen zu Hass und Gewalt, doch die Bibel versichert uns: „Die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus“ (1. Johannes 4:18). Furcht, dass Menschen, die in ein Land kommen, den dortigen Bewohnern Chancen und die Lebensqualität nehmen, wird durch das Verständnis der Ökonomie der vollkommenen, göttlichen Liebe neutralisiert. Jeder Mensch wird von Gott mit allem versorgt, was er zu seiner Erfüllung braucht. Die Versorgung einer Person verringert die einer anderen nicht. Da das Gute in jeder Hinsicht geistig ist, gibt es unendlich viel Gutes, und Gott stellt dieses Gute auf unendlich vielen Wegen bereit.

Wie genau Gebet sich in der menschlichen Erfahrung praktisch zeigt, lässt sich nicht vorbestimmen. Für einige öffnet es vielleicht die Tür zu einer neuen Erfahrung in einem neuen Land. Für andere mag es bedeuten, neue Ziele und neue Kraft – und Sicherheit – da zu finden, wo sie sind.

Starre Ansichten zu hegen, wie die Immigrationskrise politisch und gesellschaftlich angegangen werden soll, kann die Menschen polarisieren und spalten. Doch Gebet, das Gott um Antworten bittet, fördert keine politische Agenda. Das Ergebnis ist weniger Schärfe und mehr Lauschen. Gebet ebnet Intelligenz statt Emotionen den Weg, damit weise und ausgewogene Lösungen gefunden werden können. Und Gebet, das menschliches Denken aus Furcht zu Liebe erhebt, ist die Macht, die jene zugrundeliegenden Probleme heilt, durch die Menschen ihr Zuhause verlassen. Somit können wir eine Welt erleben, die zunehmend durch Liebe und nicht durch Furcht bewegt wird.

Gebet vereint die ganze Menschheit unter der Regierung eines Vater-Mutter-Gottes, der göttlichen Liebe. Wie wir im Epheserbrief lesen: „So seid ihr nun nicht mehr Fremde und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“ (2:19).

Elizabeth Schaefer
Auf Einladung der Redaktion

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Ich betrachte die Herolde und den Sentinel als den „gedruckten Paulus“, weil sie die Botschaft der universellen Verfügbarkeit der Wahrheit in die ganze Welt tragen. Ich muß aber hinzufügen, dass für den Christlichen Wissenschaftler in Übersee der Sentinel und der Herold weit mehr sind als Botschafter der Wahrheit; sie sind buchstäblich das Brot für den jeweiligen Tag und speisen die Christlichen Wissenschaftler mit der „Gnade“, die sie täglich durch das Gebet des Herrn suchen.

Howard Palfrey Jones, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, November 1969 

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