Die Sterblichen glauben oft, daß das Gesicht und das Gehör ihre persönlichen. Besitztümer seien und materiellen Organen, Augen und Ohren genannt, innewohnen. Sie glauben auch, daß diese wichtigen persönlichen Besitztümer durch Kräfte, über die sie wenig oder keine Gewalt haben, der Beeinträchtigung oder sogar der Zerstörung unterworfen seien. Sie sehen das Gesicht und das Gehör als trennbar vom Sein an. Das Sein eines Sterblichen, glauben sie, könne normal fortdauern, während sein Gesicht oder sein Gehör beeinträchtigt oder beendigt werden könne.
Die Christliche Wissenschaft stellt die Unwahrheit solcher Annahmen bloß. Sie lehrt, daß der materielle, körperliche Sinn des Seins, des Gesichts und des Gehörs nicht das Wirkliche, das Wissenschaftliche und Tatsächliche ist. Sie zeigt, daß wahres Sein, Gesicht und Gehör nicht unter eine Menge hinfälliger Sterblicher verteilt sind, sondern in dem allwissenden, allsehenden, allhörenden Gemüt, Gott genannt, zu finden sind, der sich und Seine Fähigkeiten in einer Welt von Individualitäten, worin der individuelle Mensch die höchste ist, natürlich kundgibt. Das Sein des Menschen ist das Erzeugnis des Gemüts, ist von der Substanz des Gemüts, nicht der Materie, und dies trifft auch für sein Gesicht und sein Gehör zu, die mit ihm zusammen in Gott bestehen.
Das Gemüt sieht und hört, weil nur das Gemüt wahrhaft unterscheiden und wahrnehmen kann; und Sehen und Hören ist Unterscheiden und Wahrnehmen. Was die materiell denkenden Sterblichen zu sehen scheinen, sind die vorübergehenden, wesenlosen Bilder des negativen materiellen Denkens, weiter nichts. Das sterbliche Gemüt, der eine Lügner, beansprucht alles, was dem göttlichen Gemüt gehört, einschließlich des Seins, des Gesichts und des Gehörs. Aber Beanspruchen ist nicht Haben. Das sterbliche Gemüt beansprucht; das unsterbliche Gemüt hat. Gott besitzt alles. Das sterbliche Gemüt hat nie Gesicht, Gehör oder Sein. Denn dies sind lauter Eigenschaften Gottes und sind unzertrennlich von Ihm. Mrs. Eddy schreibt: „Das Gemüt allein besitzt alle Fähigkeiten, alles Wahrnehmungs- und Begriffsvermögen” (Wissenschaft und Gesundheit, S. 488). Die Sterblichen besitzen sie nicht.
Wie der Mensch das Sein Gottes ausdrückt, so drückt er auch das Gesicht und das Gehör Gottes aus. Gott, das Gemüt, ist nicht nur die Substanz des Seins des Menschen, sondern ebenso die Substanz des Gesichts und des Gehörs des Menschen. Es besteht keine Trennung zwischen dem Menschen und dem Sein und ebensowenig eine Trennung zwischen dem Sein, dem Gesicht und dem Gehör des Menschen. Sie gehören zusammen. Sie wirken zusammen. Es gibt kein Sein, das nicht sieht oder nicht hört. Daher kann es keinen Menschen, den Ausdruck des Seins, geben, der nicht sieht oder nicht hört. Der Mensch sieht immer, hört immer, weil er immerdar das ewigsehende, ewighörende Gemüt bekundet. Überall, wo das Sein ist, ist alles Gesicht und Gehör. Da das Sein ausschließlich im Gemüt ist, ist es klar, daß Gesicht und Gehör nicht in der Materie sein können.
Da alles Sein Gott ist, ist alles Gesicht und Gehör in Gott, so dauernd wie Gott, so wenig zu beeinträchtigen wie Gott, so unzerstörbar wie Gott. Das allein wahre Gesicht und Gehör des Menschen ist die individuell ausgedrückte wahrnehmende, unterscheidende Tätigkeit Gottes.
Jesus fürchtete Blindheit und Taubheit nicht. Für ihn waren sie nicht die Tatsachen des Seins. Sie waren keine Zustände des Menschen. Er verstand die geistige Tatsache der Unzertrennlichkeit des Seins, des Gesichts und des Gehörs, die alle dem Gemüt und dem Menschen innewohnen. Er wußte, daß des Irrtums falsche Vorstellung von ihnen die fortdauernde Unversehrtheit der geistigen Tatsache nicht berühren kann.
Zu einem von den Sterblichen „einen blinden Bettler” genannten Mann sagte er verständnisvoll: „Sei sehend!” Einem, den sie für taubstumm erklärten, gebot er: „Tu dich auf!” Diese Lügen von beeinträchtigter Empfindungsfähigkeit waren augenblicklich vernichtet. Der Blinde sah. Der Taube hörte. Jesus wußte, daß die Materie dem Gemüt, Gott, nicht gebieten oder den Allsehenden, Allhörenden hindern kann, Seine Gesichts- und Gehörtätigkeit im Menschen ununterbrochen auszudrücken. Nur das Gemüt, dürfen wir nicht vergessen, ist es, was immer wirklich sieht, hört, spricht.
Wenn böse Eingebung uns zuflüstert, daß viele Sterbliche nicht gut sehen oder hören, und daß wir selber einmal so dran sein können, müssen wir diese teuflische Lüge sofort und beharrlich zurückweisen. Was kümmert es uns, was das sterbliche Gemüt über seine Begriffe sagt? Ist es nicht an uns, die Wahrheit über Gott und Sein Werk stündlich vor Augen zu haben? Solche Einflüsterungen verstummen, wenn wir wissen, daß keine einzige Idee Gottes—also keine einzige wahre Wesenseinheit—je beeinträchtigtes Sein, Gesicht oder Gehör gekannt hat oder je kennen wird. Freudig müssen wir das Denken mit Gott und der ewigen Unversehrtheit Seines Werks in Übereinstimmmung bringen. Laßt uns das Denken vom Bösen und seinem Werk trennen! Der Irrtum gewinnt durch Wiederholung oder Vervielfältigung kein Ansehen und keine Macht.
Wenn arglistige Einflüsterung einwendet, daß etwas Geheimnisvolles, Zeit genannt, das Gesicht und das Gehör irgendwie beeinflussen könne, dann können wir, wenn wir wollen, eine Erklärung verlangen. Es gibt keine. In einem solchen Einwand ist kein Recht und kein Grund. Die Offenbarung der Christlichen Wissenschaft sagt: „Es liegt mehr Wissenschaft in dem beständigen Gebrauch der Gemüts-Fähigkeiten als in deren Verlust. Solange das Gemüt besteht, können sie nicht verlorengehen” (Wissenschaft und Gesundheit, S. 487). Können die Erdichtungen Zeit und Alter die unaufhörliche Fortdauer von Gottes Sein, Gesicht und Gehör und deren unaufhörlichen Ausdruck, den Menschen, herausfordern?
Weil das Gesicht und das Gehör ewig unversehrt in Gott sind und von Ihm in Seinem Menschen wesenseins mit Ihm gemacht sind, finden wir unsere wahren Sinne und unsere wahre Empfindungsfähigkeit, wenn wir unser Menschentum eins mit Gott finden. In dieser Einheit mit dem allsehenden, allhörenden „Ich” liegt nicht nur unsere Sicherheit vor der Irrtumslüge beeinträchtigten Gesichts oder Gehörs, sondern auch unsere Überlegenheit über sie. Wie finden wir diese Einheit? Schritt für Schritt durch Ablegen des falschen Selbst, durch Läutern und Vergeistigen unseres täglichen Denkens und Lebens, durch Hegen der unterscheidenden geistigen Gedanken, die Gott uns gibt—Gedanken selbstloser Liebe, der Weisheit, des Muts, des Glaubens an Stelle der verblendenden und betäubenden Gedanken der Furcht, des Hasses, des tierischen Wesens, der Eigenliebe und des Eigenwillens.
Unsere von Gott festgesetzte Rechtschaffenheit schließt unsere von Gott verliehene Rechtsichtigkeit in sich. In dieser gibt es keine Kurzsichtigkeit, keine Weitsichtigkeit, keine Verzerrung oder Undeutlichkeit. Das Gemüt sieht in vollkommener Brennweite und Klarheit alles in der ganzen Unendlichkeit vom unendlich Kleinen bis zum unendlich Großen. Diese allwahrnehmende Tätigkeit individualisiert das Gemüt in unserem wahren Sein. Indem wir dies einigermaßen verstehen, erscheint der normale menschliche Gesichts- und Gehörsinn. Die Materie wird untergeordnet und gezwungen zu dienen statt zu herrschen, und wir kommen der Verwirklichung unserer Einheit mit Gott einen Schritt näher.
„Die Sinne des Geistes bleiben in der Liebe und beweisen die Wahrheit und das Leben” (Wissenschaft und Gesundheit, S. 274). Sie sind in der Obhut der Liebe sicher, und sie sind unser eigen, weil die Liebe sie uns gibt. Die Empfindungsfähigkeit Gottes und des Menschen ist in den unveränderlichen, ununterbrechbaren Kräften der göttlichen Liebe, die die wahre Quelle, Substanz und Fortdauer des Sehens und Hörens des Menschen ist.
Heute sagt die Christuswissenschaft zu den mental und physisch Blinden: „Sei sehend!” Nimm die Christusidee des göttlichen Seins und Gesichts mental an! Sie ist göttlich dein eigen. Und zu den Tauben sagt die Christliche Wissenschaft: „Eure Ohren sollen sich auftun!” Dies ist das Gebot Gottes; denn es besteht eine dauernde Einheit zwischen dem Gesicht, dem Gehör und dem Sein des einen Gemüts und Seinem individualisierten Ausdruck, dem Menschen. Gott und Sein Christus sind heute wie vor alters hier, diese Tatsache zu beweisen.
