Dem, der die Regel versteht, bietet die Lösung einer Rechenaufgabe keinen Schrecken und keine Schwierigkeit. Er tritt an seine Aufgabe mit der ruhigen Sicherheit wissenschaftlichen Wissens heran. Er weiß, daß die rechte Anwendung der Regel, die er meistert, zur richtigen Lösung führt.
In ähnlicher Weise kann einer, der die Regeln der christlich-wissenschaftlichen Ausübung versteht, den Verwicklungen des sogenannten sterblichen Daseins furchtlos entgegentreten. Wenn er sich in die Lehren der Christlichen Wissenschaft vertieft, bleibt er nicht mehr im Zweifel, wie er sich mit den vielen verwirrenden Problemen des täglichen Lebens erfolgreich messen kann. Die Christliche Wissenschaft gibt sichere Regeln, die, verständnisvoll angewandt, uns befähigen, unser Problem mit wissenschaftlicher Genauigkeit und unfehlbarer Weisheit zu lösen. Wie dankbar wir doch sein müssen, daß jedermann, anstatt hilflos in der Finsternis der Unwissenheit und der Furcht umherzutasten, in dieser göttlichen Wissenschaft lernen kann, in dem geistigen Lichte der Freiheit, der Herrschaft und der wissenschaftlichen Erkenntnis der Wahrheit des Seins zu wandeln!
Ja, wie endlos die Probleme scheinen, die einen begrenzten, sterblichen Sinn des Lebens bedrängen! Wie oft doch diese Probleme vom Standpunkt des irrenden sterblichen Gemüts verwirrend, erschreckend und unlösbar scheinen! Kein Wunder, daß man, des Tragens dieser Last müde, früher oder später Ermutigung, Erleuchtung und Stärke beim göttlichen Gemüt sucht. Mary Baker Eddy beschreibt dieses Sehnen nach dem Geist mit den Worten (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 322): „Sowohl die harten Erfahrungen des Glaubens an das mutmaßliche Leben der Materie als auch unsere Enttäuschungen und unser unaufhörliches Weh treiben uns wie müde Kinder in die Arme der göttlichen Liebe. Dann beginnen wir das Leben in der göttlichen Wissenschaft zu begreifen”.
An diesem Punkte in seiner geistigen Entwicklung gibt einer gern den Glauben auf, daß er von ihm selber das Verständnis oder die Fähigkeit habe, seine Probleme bloß durch menschliche Weisheit oder Willenskraft zu lösen. Indem er das falsche sterbliche Ich aufgibt und sein wahres Selbst als Sohn Gottes findet, lernt er in Sanftmut und Demut wie Christus Jesus sagen: „Ich kann nichts von mir selber tun”. Dieser Gemütszustand läßt das Licht der Wahrheit herein, das von materieller Knechtschaft befreit und jedes auftauchende menschliche Problem löst.
Die Regeln, die die Christliche Wissenschaft als das vollkommene Heilmittel für sterbliche Widerwärtigkeiten bietet, sind nicht unbestimmt. Sie sind weder ungewiß, noch fehlbar oder schwankend; denn sie sind auf die absolute göttliche Wissenschaft des geistigen Seins gegründet. Gehorsam gegen das göttliche Prinzip und seine Regeln bringt sichere Ergebnisse—Freudigkeit, Gesundheit, Fülle, harmonische Tätigkeit an Stelle von deren irrigen Gegensätzen. Von einer solchen Regel schreibt Mrs. Eddy in „Miscellaneous Writings” (S. 172): „Die erste und grundlegende Regel der Wissenschaft muß verstanden und beachtet werden. Sie ist die in der Bibel oft wiederholte Erklärung, daß Gott gut ist; daher ist das Gute allmächtig und allgegenwärtig”. Diese Regel und ihre Anwendung besteht also in der positiven und rückhaltlosen Anerkennung, daß es nur eine Macht, die Macht Gottes, des allgegenwärtigen Guten, gibt. Das Bejahen der Wahrheit über Gott und über den Menschen als das vollkommene geistige Bild und Gleichnis des einen Schöpfers, des göttlichen Gemüts, bringt die Erkenntnis, daß alles wahre Sein geistig, göttlich und ewig harmonisch ist.
Der Neuling in der Christlichen Wissenschaft erkennt bald, daß es unmöglich ist, die positive Wahrheit dadurch zu beweisen, daß man den negativen Irrtum als wirklich ansieht. Das geistig Gute wird in unserer Erfahrung in dem Verhältnis kund, wie wir aufhören, uns an den Glauben an Irrtum zu klammern. Wie kann einer das göttliche Gemüt, das Gemüt, „das auch in Christus Jesus war”— seine Gelassenheit, sein Gleichgewicht, seine Beständigkeit, seine Stärke, seine Weisheit und seine Herrschaft—widerspiegeln, wenn er den Wirrwarr, die Verwirrung und den Unverstand des sterblichen Gemüts für wirklich hält? Irrtum kann nicht Irrtum heilen. Das Denken muß über das falsche Argument Uneinigkeit erhoben werden und im Reiche des Geistes, wo alles Harmonie und Frieden und Gewahrwerden des Guten ist, Ruhe finden.
Im göttlichen Gemüt, das Gott ist, gibt es keine beunruhigenden, ungelösten Probleme. Wir brauchen diese Tatsache nur zu erkennen, um unsere Freiheit zu finden. Wenn unser Bewußtsein von dem Nebel der Furcht, der Verwirrung, des Zweifels und der Besorgnis befreit ist, enthüllt das Licht geistiger Vision die in der menschlichen Erfahrung nötigen weisen Schritte. Aber die erste gebieterische Forderung der Wissenschaft ist, das Denken dem göttlichen Prinzip anzupassen, vom Standpunkt des absoluten Guten aus zu folgern und zu arbeiten.
Der Christliche Wissenschafter tut seine Arbeit immer auf der Grundlage der göttlichen Tatsache der Allheit Gottes. Er sollte an jedes Problem mit dem dankbaren, freudigen Bewußtsein herantreten, daß es in Wirklichkeit schon gelöst ist. Sein Gebet ist, daß ihm die Augen geöffnet werden mögen, damit er die vollkommene Lösung sehen kann, die bereits vorhanden ist und nur durch den geistigen Sinn erkannt zu werden braucht. Mit welch zunehmender Wirksamkeit wir unsere Probleme meistern, wenn wir in dieser Weise wissenschaftlich arbeiten! Scheint uns Krankheit zu bedrängen, so steht die Regel der Wahrheit sofort zur Verfügung und bewirkt, wenn gewissenhaft angewandt, Heilung—augenblicklich, wenn wir die Wahrheit augenblicklich und ohne Vorbehalt annehmen. Unsere geliebte Führerin schreibt (Wissenschaft und Gesundheit, S. 418): „Die Wahrheit ist bejahend und verleiht Harmonie. Alle metaphysische Logik wird durch diese einfache Regel der Wahrheit, die alle Wirklichkeit regiert, inspiriert”. Wer diese Regel beachtet, gewinnt den wahren Sinn der Gesundheit in dem Maße, wie er seine göttliche Erbschaft bestimmt beansprucht. Gott, das unendlich Gute, beschränkt Seine Verleihungen des Guten nie. Wir sollten uns fragen: Wieviel Harmonie lasse ich in meinem Leben leuchten? Wieviel von der Wahrheit des Seins liebe und lebe ich?
Wissend, daß der wirkliche Mensch das göttliche Gemüt widerspiegelt, kann man von den Verwicklungen des sogenannten sterblichen Daseins ungestört bleiben. Man braucht nicht verwirrt, entmutigt, entsetzt oder verzweifelt zu sein. Nur der Irrtum ist verwirrt. Die Wahrheit ist einfach, klar und leicht beweisbar. Das Hauptbedürfnis ist, zu erkennen, daß es in Wirklichkeit kein sterbliches Gemüt gibt, das ein Gefühl des Mißklangs oder der Schwierigkeit darbieten könnte. Aber ein Problem bietet sich dem Christlichen Wissenschafter dar: die Wahrheit zu beweisen—zwischen dem göttlichen Gemüt und dem sterblichen Gemüt, zwischen der Wahrheit und dem Irrtum zu wählen, was für den Christlichen Wissenschafter schon geschehen ist, da dem wissenschaftlichen Denken nur das Gute allerhaben ist.
Der geistige Mensch ist kein kranker Sterblicher, der einen Sinn der Gesundheit zurückzugewinnen sucht. Er ringt nicht, etwas zurückzugewinnen, was nie verlorengegangen ist. Er spiegelt jetzt und immerdar die Ganzheit, die Unversehrtheit und die Vollständigkeit des vollkommenen Gemüts wider. Dem Menschen kann nichts Notwendiges fehlen. Gott, die göttliche Liebe, erklärt dem Menschen, Seiner vollkommenen Idee: „Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein”. Der Mensch arbeitet nicht an der Überwindung eines Sterblichkeitszustandes; denn in der Wahrheit besteht kein solcher Sterblichkeitszustand, und der Mensch ist nie von der Wahrheit abgefallen. Der Mensch, Gottes Bild und Gleichnis, ist geistig, vollkommen und unsterblich, er ist sich nur der göttlichen Wirklichkeit bewußt und besteht mit seinem Schöpfer zusammen. Dies ist das wissenschaftliche Wissen, das die Christliche Wissenschaft der Menschheit als ihre Herrschafts- und Freiheitserbschaft bringt.
