Als Jakob zu seinen Söhnen von den Segnungen Gottes sprach, welche „die Segensfülle der ewigen Berge” überragen sollten, sprach er zu ihnen von der Ewigkeit. Er verlieh jenem Ideal der Unveränderlichkeit Ausdruck, welches das Ziel und das Gebet der Menschheit ist. Was anders veranlaßt die Menschen, zu forschen und zu reisen, zu sammeln und wegzuwerfen, zu experimentieren und zu wagen, als das schlummernde oder bewußte Verlangen zu finden, was wegen seiner Vollkommenheit und Vollständigkeit unveränderlich ist?
Der sterbliche Mensch, der das für den Menschen hält, was von Vollkommenheit weit entfernt ist, schickt sich entweder in eine ganz unbefriedigende Lage oder arbeitet unaufhörlich, um, wenn auch nicht sich zu bessern, so sich doch wenigstens gegen weitere Verheerungen zu schützen. Nichts, was den sterblichen Menschen betrifft, steht still. Er ist immer in einem Zustande der Besserung oder des Rückschritts, gehobener Stimmung oder der Niedergeschlagenheit, des Erlangens oder des Mißlingens. Sogar seine Gedanken über Gott, von dem er glaubt, daß Er die Übel der Welt verordne oder zum mindesten zulasse, stellen Unveränderlichkeit als weit entfernt und unzugänglich dar. Daher sind die ewigen Berge, wenn er ihr Vorhandensein auch nicht bezweifelt, für ihn fast ganz in den Nebeln einer übersinnlichen Zukunft verdunkelt.
Auf Seite 93 in „Rückblick und Einblick” hat Mary Baker Eddy geschrieben: „Das Ideal Gottes ist nicht mehr ein heimatloser oder wandernder Mensch, und die Wahrheit ist nicht mehr ein zusammenhangsloses, planloses Stückwerk, sondern ist zusammengefügt und im Prinzip unbeweglich festgelegt”. Wer in der Christlichen Wissenschaft Gott und daher sich selber findet, nicht teilweise und unvollständig, sondern in der Innigkeit göttlicher Verwandtschaft, kommt in das Reich des Unwandelbaren. Er ist im Geist verankert, ist sich der Allmacht bewußt, ist eins mit der Unsterblichkeit.
Mit dem Kommen der Christlichen Wissenschaft zeigt es sich, daß alles, was unvollständig, zusammenhangslos, gesetzlos ist, alles, was zu Entbehrung, Krankheit und Spaltung führt, die gesetzlose Unwissenheit der Annahme ist. Die Wahrheit wird in der Unendlichkeit ihrer Gegenwart und Anwendbarkeit enthüllt. Sie wetteifert nicht mit der Sterblichkeit, ist ihr nicht zu Willen, sondern wird entsprechend ihrer Art unbesiegbar, unfehlbar, unwiderruflich erfunden.
So lernt jedermann erkennen, daß er sich nicht ungewiß bemüht, Gesundheit zu erhalten und Krankheit zu verhüten, Sicherheit zu finden und der Gefahr zu entrinnen, Erfolg zu suchen und Mißerfolg zu vermeiden. Er lernt erkennen, daß Gesundheit, Sicherheit und Erfolg unwandelbar sein eigen sind. Nicht Wechsel, sondern ununterbrochene Fortdauer ist das Gesetz seines Seins.
„Und niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel herniedergekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist”, sagte Jesus. So brachte er die Bedeutung der Worte zum Ausdruck, die Mrs. Eddy Jahrhunderte später schrieb: „Zusammengefügt und im Prinzip unbeweglich festgelegt”.
Wer das göttliche Prinzip seines Seins, wie es in der Christlichen Wissenschaft enthüllt ist, erfaßt, schwankt nicht mehr unschlüssig zwischen Finden und Verlieren, zwischen Annehmen und Zurückweisen, zwischen Vertrauen und Zweifeln hin und her. Er glaubt nicht, daß ihm seine Gesundheit oder gar sein Leben genommen werden kann. Er weiß, daß das unwandelbare Gesetz der Gesundheit, der Ewigkeit, sein eigen ist; denn Gott allein bildet und erhält ihn. Nur wer auf materielle Grundlagen baut, die sich verschieben und einstürzen, mögen sie auch noch so gewaltig und verschlungen sein, muß das Veränderliche und Unvollkommene weiter erfahren, muß sich wie „ein heimatloser oder wandernder Mensch” vorkommen, oft sogar ohne das ermutigende und inspirierende Ideal ewiger Berge.
Auf Seite 61 in „Unity of Good” schreibt unsere Führerin: „Die Veränderungen des sterblichen Sinnes sind der Abend und der Morgen des menschlichen Denkens—die Abend- und Morgendämmerung irdischer Erkenntnis, die dem nachtlosen Glanze des göttlichen Lebens vorausgeht. Die menschliche Wahrnehmung, die zum Verständnis ihrer Nichtsheit vorrückt, hält inne, zieht sich zurück und geht wieder vorwärts. Aber das göttliche Prinzip und der göttliche Geist und der geistige Mensch sind unveränderlich—weder vorrückend, noch sich zurückziehend oder stillstehend”.
Inmitten unbeschreiblicher Finsternis und unglaublichen Wirrwarrs sind die Menschen für das Zwielicht und die Dämmerung irdischer Erkenntnis dankbar gewesen. Wie Jakob haben sie den Segen jener ewigen Berge erkannt, die sie des göttlichen Wesens versichern, das über Seine Schöpfung wacht. Aber heute ist in ihrem ganzen „nachtlosen Glanze” die Wahrheit der göttlichen Wissenschaft offenbar, daß Gesundheit und Friede, Schönheit und Heiligkeit wegen ihrer Unveränderlichkeit immer unveränderlich gewesen sind; daß auch der Mensch unveränderlich ist, weil das Gemüt in seiner Intelligenz und Macht unveränderlich ist. Jeder, der sich mit dem geistigen Selbst wesenseins erklärt, kann wissen, daß er im Himmel ist. Für den, der dies so wahrnimmt und beweist, gibt es kein Innehalten, kein Sichzurückziehen.
Die Übel der Welt, die Grausamkeiten, die Leiden, die Verfolgungen veranlaßten Jesus nicht, sich von seinem Wege ablenken oder sich darin aufhalten zu lassen. In liebevollem, innigem Erbarmen, in unermüdlichem Verstehen der Bedürfnisse der Menschen und ihrer sofortigen Befriedigung setzte er die Unverrückbarkeit der Gesundheit und der Fülle, der Liebe und des Lebens an Stelle von Krankheit und Mangel, von Sünde und Tod. So blieb seine eigene unveränderliche Einheit mit dem Prinzip unberührt.
Nicht weit entfernt, nicht kommend oder gehend, nicht in der Gewalt von Charakter oder Umstand, nicht von Ort oder Personen abhängig ist die Vollkommenheit, die in der unveränderlichen Beziehung Gottes und des Menschen enthüllt ist. Die Art des Schöpfers ist in Seiner Schöpfung ausgedrückt. Wer weiß, daß keine sterbliche Einbildung trotz ihres mesmerischen Beharrens auf persönlicher oder allgemeiner Beherrschung die Tatsache ändern kann, daß des Menschen Sohn, selbst während er auf Erden weilt, dennoch auch im Himmel ist, wird ruhig und furchtlos bleiben. Er wird fortfahren, die Veränderlichkeit des Bösen, die ewige, immer gegenwärtige Unveränderlichkeit des Guten zu beweisen.
