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Original im Internet

Gebet ohne Hintergedanken

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 26. Juli 2019


Es ist nicht immer leicht, mein Wunschdenken aufzugeben – nicht einmal beim Beten. Sie kennen das Gefühl vielleicht. Als ich zum Beispiel einmal meinte, Gott mein ehrliches Verlangen vorzulegen, wirklich wissentlich Seinen Willen zu tun, merkte ich, dass ich Gott quasi vor eine Wahl stellte: „Dein Wille geschehe, Gott, solange Du Dich für A, B, C oder D entscheidest.“ In dem Moment konnte ich über mich selbst lachen und dann ohne Hintergedanken beten: „Befähige mich zu wissen, Gott, dass Du allmächtig bist und Deine gesamte Schöpfung regierst.“

Mich Gott wirklich bedingungslos zuwenden – das ist mir sehr wichtig. Mir hilft dabei ein tiefes Verständnis von dem, was Gott ist, und das habe ich durch mein Studium der Christlichen Wissenschaft erlangt. Gott zu kennen heißt, dass ich Gott vertrauen kann. Weil ich Gott als das allmächtige Gute kenne, der alles liebevoll regiert, ist es mir möglich, darauf zu vertrauen, Gott nicht von etwas überzeugen zu müssen. Somit könnte man sagen, dass meine Gebete mehr für mich sind als für Gott. Mit anderen Worten, meine Gebete funktionieren nicht als Antrieb für Gott, sondern machen mir Gottes Liebe und Macht bewusst, die immer aktiv und bei mir sind, oder helfen mir, sie besser wahrzunehmen.

Jahrelange Übung im Beten ohne Hintergedanken hat mich gelehrt, dass Gott gegenüber unvoreingenommener zu sein zum Nützlichsten gehört, was ich tun kann – mich in die Arme der göttlichen Liebe zu begeben, ohne ein anderes Verlangen als zu wissen, dass Gott die eine vollkommene Ursache ist und dass ich Gottes vollkommene Wirkung bin. Und je unvoreingenommener mein Gebet, desto überzeugender das Resultat.

Woran liegt das? Mary Baker Eddy erklärt es in diesem Satz in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Der eine unendliche Gott, das Gute, ... lässt nichts übrig, was sündigen, leiden, was bestraft oder zerstört werden könnte“ (S. 340). Wir brauchen also keinen Hintergedanken, denn die Unendlichkeit Gottes, des Guten, schließt alles aus, was dem Guten unähnlich ist. Wie kann es Böses oder Leid geben, wenn das Gute unendlich ist? Das kann es nicht geben. Selbst eine leise Ahnung von dem, was die Existenz des einen unendlichen Gottes, des Guten, bedeutet, hat genug Macht, um zu heilen – so machtvoll wie Licht, das die Dunkelheit ganz natürlich und ohne Mühe vertreibt.

Und was ist, wenn es uns schwerfällt, unsere Hintergedanken fallenzulassen? Es tröstet mich sehr zu sehen, dass selbst Jesus damit zu kämpfen hatte. Er lehrte seine Jünger das Gebet des Herrn, das die Einheit und Allheit Gottes bestätigt und dann ganz einfach würdigt, dass Gott uns kennt und täglich mit allem versorgt, was wir brauchen. Das Gebet des Herrn bittet Gott, uns von jeder Versuchung eines Egos fortzuführen, und schreibt Gott alle Macht, alle Herrlichkeit und die Herrschaft über alle Dinge zu. Es ist die Quintessenz eines Gebets des Loslassens.

Und doch betete Jesus im Garten Gethsemane innig darum, nicht gekreuzigt werden zu müssen. Er musste mehrmals seinen eigenen Willen loslassen, bevor er wirklich sagen konnte: „Mein Vater, wenn es möglich ist, dann gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!“ (Matthäus 26:39).

Dieses Wort „doch“ macht mir Mut. Selbst wenn wir das Gefühl haben, unsere eigenen Vorstellungen beim Beten nicht völlig loszulassen, können wir sie vielleicht wie Jesus zumindest Gott übergeben, bis wir zu dem Punkt kommen, an dem wir sagen: „Doch mehr als alles andere möchte ich fühlen, wissen und darauf vertrauen, dass Du, Vater, herrschst und immer für mich sorgen wirst.“

Ich habe außerdem begriffen, dass es ebenso wichtig ist, Gott nicht vorzuschreiben, wie Er auf meine Gebete eingehen soll. Wenn ich ständig selbst rede, statt Gott zuzuhören, dann habe ich wahrscheinlich irgendwelche Hintergedanken. Und dann verpasse ich eher die Antworten geistiger Inspiration, die „Engel“, die bereits bei mir sind, um mir zu versichern, dass alles in Ordnung ist.

Eins der Lieder im Liederbuch der Christlichen Wissenschaft hat den Wortlaut:

O Herz, das harret sehnsuchtsvoll
   auf Gott in dieser Welt,
Er kennt den Engel, den du brauchst,
   und sendet ihn dir zu,
   dass er dich schützend hält.
(Violet Hay, Nr. 9, Übersetzung© CSBD)

Stellen Sie sich das einmal vor! Gott kennt unseren Bedarf nicht nur, Er kennt ihn viel besser als wir. Häufig bin ich ganz überrascht, dass Engelsbotschaften von Gott scheinbar gar nichts mit meinem Problem zu tun haben, dann aber genau das Missverständnis von Gottes unendlicher Allheit aufdecken und korrigieren, das mich an ein begrenztes Verständnis von Gesundheit, Versorgung oder sonst etwas bindet. Denn letztendlich lässt sich jedes Problem auf ein Missverständnis über Gott und Seine Allheit zurückführen, das in unserem Denken berichtigt werden muss.

Im Urlaub mit der Familie tat mir einmal der Rücken etwas weh, wenn ich mich auf bestimmte Weise bewegte. Nachdem ich den Tisch gedeckt hatte, tat er ständig weh. Also betete ich, obwohl viel los war; ich bekräftigte Gottes zärtliche Fürsorge, und das bewirkte, dass ich ruhig bleiben und alles erledigen konnte, was nötig war. Später fand ich dann Zeit, um ganz still zu werden und demütig auf Gott zu lauschen – mich Gott einfach nahe zu fühlen. Es war ein einfaches, wortloses Gebet der Dankbarkeit für die Augenblicke der Überzeugung, dass Gott Geist ist und dass alles, was Er erschafft – mich eingeschlossen – geistig und gut ist.

Gottes Engelsbotschaften an mich kamen in diesem Moment nicht in Worten, sondern als Gefühl tiefer Freude und machtvoller Liebe – wie eine warme Decke – und der Versicherung, dass es im ganzen Universum kein einziges Problem gibt, das nicht gelöst werden kann, indem man die Allgegenwart der Liebe spürt. Und in dem Moment verschwanden die Rückenschmerzen einfach. Es fühlte sich ganz natürlich in – nicht, wie eine große Erleichterung, sondern richtig und notwendig, denn Gott, die Liebe, ist alles.

In der Bibel versichert uns das Buch Jesaja, dass Gott nicht unsere Hilfe braucht, um uns zu versorgen und zu trösten: „Bevor sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören“ (65:24). Das wirksamste Gebet führt uns dazu, Gemeinschaft mit Gott zu halten und das zu spüren, was aus Sicht dieses unendlichen Gemüts bereits zutrifft. Für mich bedeutet das „Wie“ dieses machtvollen Gebets, die Unversehrtheit und Vollständigkeit des Guten zu akzeptieren – da wo wir sind. Ganz ohne Hintergedanken.

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Der Herold ermutigt jeden von uns, das geistig Gute zu entdecken — den geistigen Sinn zu betätigen. Wir sehen damit klarer die geistigen Tatsachen unserer Beziehung zu Gott und entdecken gleichermaßen auch Gelegenheiten, sie der Welt zu verkünden und anzuwenden: mit anderen Worten, die Aufgabe des Herolds zu erfüllen.

Michael Pabst, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Februar 1997 

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