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Göttlicher Führung folgen

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 10. Mai 2019


Der 12. Dezember 1943 war der erste wirklich kalte Wintertag des Jahres. Ich arbeitete in dieser Kriegszeit als Schiffsausrüster auf einer der größten Werften Neuenglands. Mehrere Tage lang war ich mit der Installation von Verbindungsklappen in den Schotten zwischen den Kraftstofftanks eines großen Schlachtschiffs beschäftigt gewesen. Diese Kraftstofftanks sind bei den Kriegsschiffen über den Boden des Rumpfes verteilt, wo sie den Raum nutzen, der sonst nicht gebraucht wird, und sie sind durch wasserdichte und feuerfeste Schlingerwände voneinander getrennt.

Diese Anordnung der Tanks machte meine Arbeit besonders schwierig und anstrengend, denn ich musste durch enge Räume kriechen und mich durch unzählige kleine als „Fluchtluken“ bezeichnete Löcher zwängen. Auf dem Weg zu den vielen Tankkammern, wo die Klappen erforderlich waren, musste ich über 30 Meter Schweißkabel und die Schnur für meine Handlampe hinter mir her ziehen und außerdem den Sichtschutz und die Werkzeugkiste tragen.

An dem betreffenden Tag wollte ich die Installation der letzten von 39 Klappen den Auftrag gerade abschließen, als ich bei der Überprüfung meiner Arbeit feststellte, dass ich bei irgendeinem Tank eine Klappe vergessen hatte. Das war sehr enttäuschend, denn durch das Liegen auf dem nackten kalten Stahl war ich klamm vor Kälte und wollte endlich mit dieser Arbeit fertig werden, um eine andere Aufgabe zu bekommen, bei der ich aufrecht stehen und mich frei bewegen konnte.

Ich war versucht, diese eine Klappe einfach nicht anzubringen und jemand anders die Arbeit tun zu lassen, sobald man den Mangel bemerkte. Doch normalerweise erledigte ich meine Aufträge vollständig, bevor ich mir eine andere Arbeit geben ließ. So untersuchte ich den ganzen Schiffsrumpf und stellte fest, dass die Klappe, die ich vergessen hatte, die war, die ich als erste hätte anbringen müssen. Sie befand sich ganz vorne am Bug des Schiffes.

Die Installation erforderte, dass ich durch die Fluchtluke, eine Öffnung von 38 mal 58 Zentimetern, in den Tank stieg, denn diese Verbindungsklappen öffnen sich in den Tank hinein.

Ich musste das Scharnier, um das sich die Klappe in den Tank hineindrehte, an die Schlingerwand und an die Klappe schweißen. Damit das Scharnier richtig sitzt, sodass sich die Klappe frei öffnen und schließen lässt, war ich angewiesen worden, immer erst die Klappe mit den vorgesehenen 36 Bolzen fest zu verschrauben und dann das Scharnier anzuschweißen.

Ich versuchte den ersten Bolzen einzusetzen, indem ich mit einer Hand die Klappe über meinem Kopf festhielt und mit der anderen Hand den Bolzen hineindrehte, aber meine Finger waren so taub von der Kälte und so müde durch das weite Kriechen mit der ganzen Ausrüstung, dass ich diese einfache Arbeit erst beim achten Versuch schaffte. Schließlich hatte das Gewinde des ersten Bolzens gefasst, und bald hatte ich genug Bolzen eingesetzt, um die Klappe zu fixieren. Als ich dann nach meinem Schraubenschlüssel suchte, um die Bolzen festzuziehen, stellte ich fest, dass ich ihn irgendwo auf dem Weg hierher verloren haben musste. Ich hatte nun die Wahl, entweder die Klappe wieder abzubauen und im Zwischenrumpf so weit zurückzukriechen, bis ich den Schraubenschlüssel fand, oder die Bolzen mit den Fingern so weit wie möglich festzuziehen, um dann das Scharnier anzuschweißen. Ich entschied mich für die letztere Möglichkeit.

Als ich mit dem Schweißen fertig war und zufrieden mit der ordentlich erledigten Arbeit zurückkehren wollte, stellte ich fest, dass sich die mit meinen eigenen Fingern eingesetzten Bolzen nicht lösen ließen. Durch das Schweißen hatte sich der Stahl verzogen und die Platte unter Spannung gesetzt, sodass ich nun durch eigene Hand zum Gefangenen geworden war.

Augenblicklich empfand ich den Ernst meiner Lage. Mir wurde klar, dass ich nun die Wahrheitsgedanken, die ich so oft bekannt hatte, für mich selbst demonstrieren musste. Viele aggressive mentale Suggestionen traten in mein Bewusstsein. Ich begegnete jeder mit der Gegentatsache. Mein erster wissenschaftlicher Gedanke war das Thema der Bibellektionspredigt, die am nächsten Tag in allen christlich-wissenschaftlichen Kirchen gelesen werden würde: „Gott der Erhalter des Menschen“.

Ich ließ diese eine Tatsache nicht los und arbeitete, wie ich es gelernt hatte. Als der Satan mir zuflüsterte: „Du bist ganz allein und niemand wird dir helfen“, wusste ich, dass Gott unendlich und immer gegenwärtig ist und dass ich deshalb nicht allein war. Und wieder kam die Einflüsterung: „Die Temperatur beträgt -15°C und es ist Samstagmittag. Wenn du bis 15 Uhr hier nicht rauskommst, dann bist du bis 7 Uhr am Montag in diesem kalten Tank eingeschlossen. Meinst du, das kannst du überleben?“ Dann aber kam die Wahrheit in mein Bewusstsein: „Gott ist dein Leben; du kannst nicht sterben.“

In meinem Bewusstsein wurde eine heftige mentale Schlacht ausgefochten, die sich nicht leicht oder schnell beenden ließ. Aggressive mentale Suggestionen versuchten mich durch Furcht zu beherrschen. Aber, Gott sei Dank, für jede Lüge kannte ich die Gegentatsache.

Während dieser ganzen Zeit versuchte ich mit den Händen die Bolzen herauszudrehen. Ich probierte es mit jedem einzelnen, um einen zu finden, den ich entfernen konnte. Mit der Handlampe fand ich Fleischfetzen an den Bolzenköpfen und dann sah ich meine zerrissenen Finger. Ich empfand keinen Schmerz. Meine Furcht vor dem Eingeschlossensein war größer als jede Schmerzempfindung und überschattete sie.

Der Teufel wollte mich schreien lassen, mich gegen die Wände klopfen, eine andere Öffnung suchen oder die Bolzen mit dem Schweißapparat abbrennen lassen. Aber ich wusste, dass mich niemand hören würde. Die Niethämmer lärmten durch den ganzen Schiffsrumpf. Ich kroch in den anderen Teil des Tanks, aber die Furcht, das behagliche Licht meiner Handlampe zu verlieren, und das Wissen, dass es keine andere Fluchtöffnung gab, beendeten auch jene Versuchung. Und die Weisheit sagte mir: „Du hast noch nie versucht einen Bolzen wegzubrennen. Man hat das schon gemacht, aber du weißt nicht, wie das geht. Wenn du es nicht schaffst und Schweißmaterial an den Bolzen kommt, dann schweißt du dich selber ein.“

Immer noch versuchte ich die Bolzen zu lösen. Schließlich wurde mir klar, dass ich mit den menschlichen Bemühungen aufhören und vollständig auf Gott vertrauen musste. Ich brauchte tatsächlich physische Kraft, um meine Hände von den Bolzen wegzunehmen. Schließlich legte ich sie in den Schoß und sprach mit Gott. Ich sagte: „Gott, ich höre!“ Es gab eine wunderbare Veränderung. Eine Botschaft aus einem Artikel von Adam H. Dickey mit dem Titel „Gottes Berichtigungsgesetz“ kam mir in den Sinn. Der Satz lautet: „Wäre jemand auf hoher See am Ertrinken und scheinbar ohne menschliche Hilfe, so gibt es ein Gesetz Gottes, das – wenn richtig angewandt – ihm Rettung bringt.“

Mit diesem Gedanken kehrte eine absolute Ruhe in mir ein, ein Gefühl des Friedens, die Gewissheit von der Nähe Gottes, die positive Zusicherung der Erlösung. Ich wartete und vernahm die Anweisung. „Zieh den Stift aus dem Scharnier!“ Als ich mich gehorsam bewegte, kam die Stimme des dunklen Engels: „Was soll das? Die Bolzen halten die Klappe und nicht das Scharnier.“ Aber es gab keinen Kampf. Ich kannte die Stimme, der ich folgen würde.

Ich zog den Stift aus dem Scharnier, legte die Hände in den Schoß und wartete. Wieder kam die Stimme: „Entferne den linken Bolzen!“ Meine Finger griffen nach dem Bolzen auf der linken Seite und drehten ihn mit großer Mühe. Er gab nach. Ich griff erneut hin und wandte meine ganze Kraft auf, um ihn weiterzudrehen, bis ich ihn herausbekam. So fuhr ich fort, einen Bolzen nach dem anderen zu entfernen, bis nur noch einer übrig blieb, der sich nicht bewegen ließ.

Wieder legte ich die Hände in den Schoß und wartete. Die Worte eines geliebten Liedes beschreiben am besten das Erstaunen, das ich verspürte, als ich sah, wie sich Schritt für Schritt meine Befreiung realisierte:

Es war nicht immer so, ich wollte nicht,
   dass Du mich führst;
Ich wählt’ mir selbst den Weg, war ohne Licht,
   doch jetzt – Du führst.
(John Henry Newman, Liederbuch der Christlichen Wissenschaft, Nr. 169, Übersetzung © CSBD)

Da kam die Engelstimme wieder: „Zieh die Klappe runter!“ Die Klappe verbog sich, als ich mit aller Kraft daran zog, sodass das Loch zum Teil offen war. Jetzt spürte ich das Verlangen, mich durch den Spalt zu zwängen. Aber zur rechten Zeit kam der richtige Gedanke: „Versuch es nicht! Du wirst dich auf halbem Weg einklemmen und dann steckst du fest und kannst nicht vor und nicht zurück. Zieh wieder an der Klappe!“ Dieses Mal war es mehr als Muskelkraft. Das Gewinde des Bolzens scherte ab und krachend fiel die Klappe in meinen Schoß. Ich war frei! Ich blickte in den dunklen Zwischenrumpf des Schiffs und sah mein Schweißkabel und die Schnur der Handlampe, wie sie sich durch den Rumpf zu dem „Fluchtweg“ wanden, der mich an Deck des Schiffs bringen würde. Ich hatte das Bedürfnis gehabt, den Weg frei von Hindernissen zu sehen.

Dann lehnte ich mich im Tank zurück, lobte still Gott und freute mich, dass die Christliche Wissenschaft den Menschen solche Kraft gegeben hat. Ich dachte an die vielen Segnungen, nicht zuletzt an den Klassenunterricht, den ich erhalten hatte. Ich empfand eine tiefe Dankbarkeit für Mary Baker Eddy, die in keine Worte zu fassen ist.

Ich installierte die Klappe mit dem Scharnier, wie es sich gehörte, und verließ das Schiff. Als ich nach Hause kam, sagte meine Frau zu mir: „Ich hab den ganzen Tag dafür gebetet, dass du sicher nach Hause kommst.“ Sie hatte meine Not gespürt und sie gestillt, indem sie die Wahrheit über den Menschen erkannte und darauf beharrte. Ich war so von Dankbarkeit überwältigt, dass es Stunden dauerte, bis ich über das sprechen konnte, was passiert war.

Keine andere Erfahrung hat mir die Nähe Gottes so verdeutlicht wie diese. Ich hatte Seine Gegenwart gefühlt und war der Stimme Seiner Engel gefolgt. Ich glaube, ich habe gelernt, wie man die göttliche Führung erkennt.

Roland H. Allen
West Newton, Massachusetts, Vereinigte Staaten

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– Otto Bertschi, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Oktober 1968 

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