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Original im Internet

Ich habe alles, was ich brauche

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 12. April 2019


Der Tag kam, an dem ich meinen ersten Vertrag als Kostümbildnerin von einem der großen Filmstudios in Hollywood bekam. Obwohl mir die Christliche Wissenschaft vorher schon geholfen hatte, wuchs in mir doch das Verlangen nach immer mehr Geld, mehr Einfluss, mehr Ruhm – alles andere trat in den Hintergrund.

Ich wandte viel Zeit und Mühe auf, Leuten und Dingen nachzujagen, von denen ich glaubte, sie würden mich einflussreicher machen. Ich reagierte missgünstig auf den Erfolg anderer und tat alles, um als Persönlichkeit bewundert zu werden und gefragt zu sein. Ich ließ mein Büro in einem peinlichen Pink streichen und engagierte einen Werbefachmann. Ich gab mir große Mühe, alle Presseleute kennenzulernen. Ich lud sie zum Essen ein und pflegte allerlei Beziehungen in dieser Richtung. Drei- bis viermal die Woche ging ich in Nachtclubs, weil ich dachte, man müsste sich zeigen. Mein Mann unterstützte mich in allem, was ich wollte. Jetzt erst wird mir klar, dass er geduldig und schweigend gelitten hat. Das ging etwa elf Jahre lang so.

Wenn etwas schief lief oder ich zugunsten eines anderen übergangen wurde, rief ich jedes Mal einen Praktiker der Christlichen Wissenschaft an, nahm einen Sentinel oder ein Journal zur Hand und las ein wenig, bis sich die Dinge beruhigt hatten. Dann machte ich wieder weiter. Ich hielt mich für ziemlich kultiviert und tat eigentlich alles, was ich tun wollte – zumindest dachte ich das.

Als all mein „Streben und Machen“ nicht das brachte, was ich mir erhofft hatte, beschloss ich meine Aktivitäten auszuweiten. Mir schien, dass Modedesigner, die ihr eigenes Geschäft hatten, sehr erfolgreich und gefragt waren, also beschloss ich, das auch zu machen. Ich eröffnete einen eigenen Großhandel mit besseren Kleidern, die großen Eindruck machten, und für eine Weile hatte ich einen Riesenerfolg. Dann fand das Studio, dass meine Interessen geteilt seien, was ja zutraf, und so wurde mein Vertrag nicht verlängert. Das war ein großer Schlag für mich. Das Geschäft stand auf sehr wackligen Beinen und es war bitter für mich, als es geschlossen werden musste. Viele meiner Geschäftspartner ließen mich wissen, dass nichts, was mit meinem Namen in Verbindung stand, sie je wieder interessieren würde. Innerhalb von acht Monaten stürzte meine sorgfältig zurechtgelegte Welt in sich zusammen. Ich verlor den Boden unter den Füßen. Es war nicht nur alles weg, wofür ich Jahre gearbeitet hatte. Mein Name, dem ich unbedingt Geltung verschaffen wollte, stand nun auf ganzer Linie für Versagen.

Ich konnte weder in einem Studio noch in der Produktion Arbeit finden. Ich bekam einfach nichts. Etwa zwei Jahre lang blieb ich zuhause, erhielt kein einziges Stellenangebot und kämpfte mit Stolz, Scham und tiefem Bedauern. Von meinem Einkommen hatte ich immer für meine Mutter und meine Schwester gesorgt, und meine Mutter, die keine Christliche Wissenschaftlerin war, erlitt in dieser Zeit einen Schlaganfall. Da sie nichts anderes als medizinische Behandlung akzeptieren konnte, waren dadurch meine Ersparnisse schnell aufgebraucht.

Aufgrund der finanziellen Probleme mussten wir auf die Besuche in Nachtclubs verzichten, die ich in meinem Leben für so wesentlich gehalten hatte. Jeden Morgen stand ich auf, las die Bibellektion aus dem Vierteljahresheft der Christlichen Wissenschaft und beschäftigte mich intensiv damit – manchmal bis mittags.

Eines Abends war ich völlig verzweifelt. Ich griff zu Mrs. Eddys Buch Vermischte Schriften 1883-1896, und als ich es aufschlug, fiel mein Blick auf folgende Stelle: „Die Natur des Einzelnen, hartnäckiger als die Umstände, wird immer für sich rechten – für eigene Gewohnheiten, Neigungen und Süchte“ (S. 119).

Bisher hatte ich diese Stelle nie lesen wollen, weil ich mich jedes Mal darüber ärgerte und sagte: „Ich kann meine Art nicht ändern, so bin ich eben.“ Diesmal aber zwang ich mich, sie zu lesen, und sagte mir: „Jede einzelne deiner Schwierigkeiten ist das Resultat der ‚Natur des Einzelnen‘, nicht der äußeren Umstände oder der Menschen, die nach deinem Empfinden hart zu dir waren, oder der Sachen, die dir deiner Meinung nach passiert sind.“ Mir wurde langsam klar, dass das, was ich angestrebt hatte, verkehrt war und dass ich nicht wirklich fair, ordentlich, bescheiden, verlässlich und diszipliniert hatte sein wollen; und das brachte mich auf einen besseren Weg. Das Grundlegende, das dabei aufgedeckt wurde, war, dass ich sagen konnte: „Ja ‚die Natur‘ – meine Forderungen und Wünsche, meine verkehrten Ambitionen und mein Stolz – hat das verursacht und muss weichen.“ Schlussendlich war es genau das, was ich mir eingestehen musste, und ich denke, das ist es, was einem wahrscheinlich am schwersten fällt. Als ich schließlich sagte: „Ja, Du hast Recht – und ich werde gehorsam sein“, geschahen viele wunderbare Dinge.

Ich bekam ein Stellenangebot. Es kostete mich im ersten Jahr viel Mühe, da ich das Gefühl hatte, dass noch etliche Verflechtungen zu entwirren waren. Jeden Tag verbrachte ich meine Mittagspause in einem Leseraum in Beverly Hills, und ich bemühte mich liebevoll zu sein – etwas, was ich vorher nicht getan hatte. In den Jahren davor, als ich von Missgunst erfüllt war, weil mir andere voraus waren oder weil sie besser oder einflussreicher waren, war ich ständig müde gewesen. Nach und nach erkannte ich, dass jeder Mensch vollständig, eine vollständige Einheit der Widerspiegelung des Göttlichen ist. Ich wandte mich immer mehr vom Konkurrenzdenken ab, schaute auf mein wahres Selbst und sagte: „Ich danke Dir, Vater, ich habe alles, was ich brauche.“ Ich versuchte, mich dem göttlichen Gemüt, Seele, zuzuwenden, um dort meinen Sinn für Schönheit, den widerzuspiegeln ich geschaffen wurde, zu finden. Ich lernte einfach die Freude auszudrücken, die ich sehe und empfinde, und das Schöne, das ich erlebe.

Ich habe über die Jahre immer wieder für das gleiche Studio gearbeitet. In den letzten Jahren ergab sich die Möglichkeit, meine Arbeit mit weltweiten Reisen zu verbinden und auf eine Art zu arbeiten, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Ich kann nicht behaupten, dass ich jeden falschen Ehrgeiz bereits vollständig überwunden habe, aber mir ist klar geworden, dass eine geschlossene Faust nicht empfangen kann. Der Ehrgeiz „haben zu wollen“ wurde durch den Wunsch „zu geben“ ersetzt. Ich habe das echte Bedürfnis anderen zu helfen, sich der Christlichen Wissenschaft zuzuwenden, damit auch sie das finden, was sie mir brachte – den Trost, die Freude und das Verständnis von Gott als Vater-Mutter, beständige Liebe.

Renie B. Conley
Hollywood, Kalifornien, Vereinigte Staaten

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– Mildred W. Willenbrock, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Oktober 1963 

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