Alltägliche Entscheidungen, beispielsweise, was wir anziehen oder zu Mittag essen, können ziemlich einfach zu treffen sein. Doch was ist mit wichtigeren Entscheidungen wie, wo wir leben, wen wir heiraten oder welchen Beruf wir wählen? Sie können große Auswirkungen auf unser Leben haben, und wenn verschiedene Vorteile miteinander konkurrieren, kann es schwer sein, eine Entscheidung zu treffen. Und was ist, wenn die Vorteile ebenso schwer wiegen wie die Nachteile?
Die Bibel enthält viele Beispiele von Personen, die sehr klare Anweisungen von Gott dahingehend bekamen, was sie tun sollten. Gott hat beispielsweise Abram aufgetragen (1. Mose 12:1): „Geh aus deinem Vaterland ... in ein Land, das ich dir zeigen will.“ Und sofort zog Abram mit seiner Familie nach Kanaan. In einem anderen Beispiel ging Mose als bescheidener Hirte auf die Aufforderung ein, Gott zu dienen, indem er die Kinder Israel aus Ägypten führte.
Führung von unserem Vater-Mutter-Gott in Lebensentscheidungen, ob klein oder groß, steht immer bereit. Wir können demütig unsere persönlichen Wünsche außer Acht lassen und uns wie diese Personen aus der Bibel vollständig Gottes Führung anvertrauen.
Jemand könnte hier fragen: Und wie lässt Gott mich wissen, was ich tun soll? Wie vermittelt Er mir Seinen Willen? Göttliche Führung kann unter anderem in Form eines stillen Gedankens in der Nacht zu uns kommen, durch die Worte eines Freundes oder durch etwas, das wir lesen. Welche Form sie auch annimmt, die Botschaft wird klar sein.
Als ich mich vor mehreren Jahren verlobt hatte und sich unsere beiden Familien zu einer verschmelzen sollten, mussten meine Verlobte und ich viele Entscheidungen darüber treffen, wo wir leben und welcher Arbeit wir nachgehen wollten. Ich war damals Berufssoldat, und Offiziere werden immer wieder an andere Stützpunkte versetzt. Die Familie meiner Verlobten war fest verwurzelt, und wir hatten beide Kinder (alle im Alter um zwanzig Jahre), die studierten oder kurz davor waren. Wenn ich meine Laufbahn als Offizier fortsetzen wollte, würde ich aller Voraussicht nach in andere Orte und Bundesstaaten versetzt werden, wodurch unsere Familie entwurzelt oder aufgespalten werden würde. Was war also zu tun?
Mit der Überzeugung, dass die göttliche Liebe mich und auch meine Verlobte führen würde, lauschte ich demütig darauf, was Gemüt, Gott, mir mitteilen würde. Ich vertraute Gott aus ganzem Herzen und versuchte nicht, zu beeinflussen oder mir auszumalen, was am besten wäre.
Als ich eines Abends vor dem Schreibtisch stand, nahm ich die Bibel in die Hand und schlug sie wahllos auf. Mein Blick fiel auf 5. Mose 24:5, wo ich las: „Wenn jemand kurz zuvor eine Frau genommen hat, soll er nicht mit dem Heer ausziehen, und man soll ihm nichts auferlegen. Er soll ein Jahr lang in seinem Haus frei sein, damit er fröhlich sei mit seiner Frau, die er genommen hat.“
Als ich diesen Vers gelesen hatte, sank ich mit Tränen der Dankbarkeit langsam zu Boden. Das war solch eine klare Führung für mich. Ich wusste, dass dies unsere Antwort war. Nachdem ich meiner Verlobten davon erzählt hatte, erklärte ich meinen Austritt aus dem Militär und begann die Vorbereitungen für unser gemeinsames Leben. Ich liebe diesen Satz aus Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy: „Wenn wir geduldig auf Gott warten und Wahrheit aufrichtig suchen, wird Er uns recht führen“ (S. 254).
Das war nicht das erste Mal, dass ich Führung von Gott erbeten und klare Anweisungen erhalten habe, und auch nicht das letzte. Doch dieser Fall ist mir sehr in Erinnerung geblieben. Ich habe festgestellt, dass wir, wenn wir uns wie die Menschen in der Bibel demütig an Gott, das unendliche, immer gegenwärtige Gemüt, wenden, dann erhalten wir Erkenntnisse und Anweisungen, die wir in Erwartung des Guten befolgen können.
Melford Roe
