Viele Dinge bewirken eine Änderung auf der Welt. Manchmal scheinen es winzige Sachen zu sein, manchmal sind sie auffälliger. Die Auferstehung und Himmelfahrt von Christus Jesus waren äußerst auffällig, ja, sie haben der menschlichen Geschichte eine völlig neue Richtung verliehen.
Doch vor diesen Ereignissen hat es etwas gegeben, das weniger augenfällig ist, sich aber unermesslich auf die Welt ausgewirkt hat. In der Nacht vor der Kreuzigung ging Jesus in dem Wissen, was auf ihn zukam, mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemane. Er entfernte sich etwas, um zu beten, fiel auf die Knie und betete allein. In tiefster Trauer und Pein bat er seinen himmlischen Vater, ihm die Kreuzigung zu ersparen, sagte dann aber (Lukas 22:42): „Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ Seine Jünger hatten ihn offensichtlich mit seinen Sorgen alleingelassen, denn sie waren eingeschlafen, doch ein Engel des Herrn kam, um ihn zu stützen.
Der Druck eines solchen Augenblicks ist unvorstellbar, und wie wir lesen, betete Jesus so inbrünstig, dass „sein Schweiß ... wie Blutstropfen [wurde], die auf die Erde fielen“ (Lukas 22:44). Mit seinen Worten unterwarf sich Jesus jedoch Gottes Willen und gab einen Bestandteil des menschlichen Gemüts auf, den wir als Willen oder Ego bezeichnen. In jenem Augenblick hatte es den Anschein, als würde er sich dem Horror der Kreuzigung ergeben. Doch in Wahrheit öffnete sich die Tür zu dem größten Triumph, den die Welt jemals erlebt hat – die Macht des göttlichen Lebens und der göttlichen Liebe, die den Tod bezwingt.
In diesem nie dagewesenen Augenblick, als Jesus darum betete, Gottes Willen und nicht seinen eigenen zu tun, verlor die Welt ein gewisses Maß an Glauben an ein persönliches Ego. Dadurch, dass er sich weigerte, einem anderen als Gottes Willen zu gehorchen, erkannte er nur ein Ego an, nämlich das göttliche Gemüt, das der Mensch widerspiegelt. Mary Baker Eddy erklärt im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 313–314), dass Jesu geistiger Sinn „alles irdische Sehnen“ – das menschliche Ego – gestillt hatte. Und sie fährt fort: „Dadurch fand er das ewige Ego und bewies, dass er und der Vater als Gott und Seine Widerspiegelung oder der geistige Mensch untrennbar waren.“
Jesus wollte, dass seine Nachfolgerinnen und Nachfolger mit dem beten, was wir als das Gebet des Herrn kennen, und als er die Worte „Dein Wille geschehe“ in dieses Gebet einfügte, war ihm unzweifelhaft bewusst, welche Bedeutung das für alle Zeiten für die Welt haben würde. Sein Leben manifestierte den Geist dieser Worte – die tiefe Demut, die erforderlich ist, um ein persönliches Ego aufzugeben, das eine Identität oder ein Leben in der Materie für sich behauptet, und den großen Mut, der aufgebracht werden muss, um das göttliche Ego bzw. die göttliche Individualität zu bekunden. Doch wenn wir den menschlichen Willen aufgeben, entsteht uns dadurch kein Verlust, sondern wir erlangen unermesslich Gutes. Dieses Gute zeigt sich in einem Christus-gleichen Leben – in unserem Ausdruck der göttlichen Natur, dem Geist von Wahrheit und Liebe –, das der klare Beweis für Gottes Willen ist und uns befähigt, jede Art von Schwierigkeit zu heilen.
Ich bete das Gebet des Herrn, seit ich es als Kind in der Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft gelernt habe, und habe es im Verlauf von Jahrzehnten in Gottesdiensten und sonst während der Woche gebetet. Auch die Worte „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ habe ich unzählige Male gebetet, genau in diesem Wortlaut. Jesus hat sie allerdings vollständig demonstriert. Ich will nicht behaupten, dass es mir nicht gelegentlich äußerst schwergefallen ist, mich Gott zu fügen. Für jeden Menschen nehmen diese Augenblicke eigene Formen an. Für mich waren sie Zeiten, in denen ich gebeten wurde, in meiner Kirche Ämter zu übernehmen, denen ich mich nicht gewachsen fühlte. Und doch, wenn ich auf diese Augenblicke des Mich-Fügens zurückblicke, kann ich immer einen Segen erkennen.
Allerdings habe ich „Dein Wille geschehe“ nie wieder auf dieselbe Weise gebetet, nachdem ich einmal sehr klar die Selbstlosigkeit erkannt habe, die Jesus aufbringen musste, um seinen menschlichen Willen im größtmöglichen Umfang zu opfern. Obwohl ich beim Gebet selten auch nur normalen Schweiß auf der Stirn hatte, geschweige denn die Schweißtropfen, die Jesus in jener Nacht im Garten Gethsemane gekommen waren, habe ich den innigen Wunsch verspürt, Gottes Willen zu tun. Wir können einwandfrei zumindest kleine Schritte dahin unternehmen, dem Beispiel unseres Meisters zu folgen. Jeder Einsatz hilft, die erdrückende Last eines Glaubens an Sünde, Krankheit und Tod abzuschütteln.
Denken Sie beim Beten an die große Bedeutung der Worte „Dein Wille geschehe“ und daran, was Jesus für Sie – für uns alle – in jener Nacht im Garten Gethsemane geleistet hat.
