Ich fühlte mich nicht wohl und legte mich ins Bett in der Erwartung, einzuschlafen und gesund wiederaufzuwachen. Das passierte aber nicht. In den frühen Morgenstunden wachte ich mehrmals auf und versuchte so zu beten, dass die aggressiven und beängstigenden Schmerzen in meinem Unterleib aufhörten.
Für mich als Christliche Wissenschaftlerin war es ganz natürlich zu beten und Gottes Immer-Gegenwart und Fürsorge zu bekräftigen. Auch war es völlig natürlich für mich, in der Bibel und den Schriften von Mary Baker Eddy, der Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, nach Aussagen zu forschen, die mein Denken und auch meinen Körper beruhigen würden. Allerdings war es diesmal mehr eine hektische und chaotische Suche, voller Unruhe. Das bewirkte keinen Fortschritt.
Und inmitten des mentalen Chaos vernahm ich dann ganz plötzlich diese Worte: „Lass Mich dich lieben.“ Sie waren eindeutig und fast hörbar, und ich merkte auf.
Obwohl das chaotische Denken sich nicht sofort beruhigte, standen diese Worte „Lass Mich dich lieben“ jetzt im Vordergrund. Ich fühlte mich dazu geführt, wieder ins Bett zu gehen und mich in diese Botschaft zu vertiefen. Ich war sicher, dass sie von Gott kam.
Zuerst konzentrierte ich mich auf das Wort lass. Das sagte mir, mit dem hektischen menschlichen Abmühen aufzuhören und über Vertrauen nachzudenken. Mrs. Eddy schreibt im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 297): „Bis wir uns von einer Annahme zum Glauben erheben und der Glaube zum geistigen Verständnis wird, hat das menschliche Denken wenig Beziehung zum Tatsächlichen oder Göttlichen.“
Da ich mich schon seit vielen Jahrzehnten nach den Lehren der Christlichen Wissenschaft richtete, hatte ich bereits viele Heilungen erlebt. Ich war sicher, dass mein Gebet sich längst von Glauben zu Vertrauen bewegt hatte und jetzt auf das geistige Verständnis von Gott und dem Menschen als dem Ebenbild Gottes, des Geistes, fokussiert war – auf die wahre Identität eines jeden einzelnen von uns. Genau das hatte ich mich in jener Nacht bemüht zu tun – jede Wahrheitsaussage zu verstehen, die mir in den Sinn kam.
Aber nun legte mir das Wort lass nahe, dass mehr Vertrauen erforderlich war, und warf die Frage auf: „Habe ich Vertrauen in die geistigen Konzepte, auf die ich mich stütze? Vertraue ich darauf, dass die allgegenwärtige Wahrheit alles bereitstellt, was ich genau jetzt brauche, in diesem Augenblick?“ Ich dachte an einen Satz, den ich im Lauf der Jahre immer wieder gehört hatte: „Lass los und lass Gott machen.“ Das sagte mir, dass ich vielleicht meine „Habe ich doch längst“-Haltung, was mein Vertrauen anging – meine Einstellung, dass Vertrauen etwas ist, aus dem man herauswächst und das durch eine fortschrittlichere Haltung ersetzt wird –, ablegen und mir von Gott zeigen lassen musste, wie wichtig Vertrauen ist. Ich kuschelte mich in mein Kissen und ließ Gott, Wahrheit, einfach Gott für mich sein.
Als Vertrauen in meinem Denken einen höheren Stellenwert einnahm, überlegte ich, auf wen oder was sich mein Vertrauen richtete. Die Wahrheitsaussagen in der Bibel und in Wissenschaft und Gesundheit waren die Grundlage meines Gebets, doch ich überlegte, ob ich mein Gottvertrauen durch ein Vertrauen in meine eigenen Bemühungen ersetzt hatte, diese Aussagen zu kennen oder auswendig aufsagen zu können.
Vertrauen erfordert, sich auf etwas Verlässliches und Demonstrierbares zu stützen, wie zum Beispiel die Überzeugung, dass wir uns im Alltag auf das Gravitationsgesetz verlassen können. Wenn wir einen Ball in die Luft werfen, wissen wir, dass er immer wieder auf die Erde zurückfallen wird. Wir stellen unser Vertrauen in physikalische Gesetze nie in Zweifel. Doch selbst wenn wir akzeptieren, dass die Erdanziehung immer in Kraft ist, haben wir einen noch viel wichtigeren Grund, die Fähigkeit des göttlichen Prinzips, Gottes, ein gutes Ergebnis zu erzielen, anzuerkennen: Die Tätigkeit von Gottes Gesetz ist viel verlässlicher als die Erdanziehung, denn Gott ist die einzig wahre Macht.
Als Nächstes überlegte ich: „Wer ist Mich in der Botschaft?“ Es schien klar, dass hier Gott zu mir sprach, statt dass ich mit Gott sprach – es ging nicht darum, Ihn mit den Versen und Wahrheitsgedanken zu beeindrucken, die ich auswendig kannte. Es war Gottes Stimme, und ich musste Seine Botschaft beachten. Es war weder nötig noch hilfreich, Gott zu sagen, was Er ist. Ich musste zuhören, was Gott mir durch Christus, die wahre Idee von Gott, über mich sagte.
Dich. Gott sprach direkt zu mir. Mit „dich“ war ich gemeint. Gott liebte mich als Sein Kind, nach Seinem Ebenbild erschaffen, Seiner Fürsorge unendlich würdig. Und Gott liebte auch alle anderen Menschen. Niemand ist einzigartig darin, von Gott geliebt zu werden. Diese göttliche liebevolle Anerkennung bezieht sich auf alle Menschen und alle Dinge, die Gott erschaffen hat.
Lieben. War es nötig, geliebt zu werden und mich geliebt zu fühlen? Absolut. Und wie war es damit, der Liebe Gottes würdig zu sein? Diese Frage zwang mich, ehrlichen und vollständigen Herzens zu bejahen, dass ich ein einzigartiges Kind Gottes bin, zu Ihm gehöre und Ihm wichtig bin. Gott ist nicht nur mein Schöpfer, sondern, was genauso wichtig ist, Er bewahrt Seine Schöpfung und erhält sie – die gesamte Schöpfung, ohne dass jemand ausgeschlossen wird. Ich konnte diese Tatsache nicht dadurch wahrer machen, dass ich etwas aus der Bibel oder den Schriften von Mrs. Eddy zitierte. Es war schlicht und einfach so. Ich hatte einmal gehört, dass Gott nicht nur das liebt, was Er erschafft, sondern dass Er das erschafft, was Er liebt. Liebe ist ganz einfach eine Tatsache des Seins. Wie könnte es auch anders sein, wo doch nicht nur Gott Liebe ist, sondern auch Liebe Gott ist, die den Menschen und das Universum mit Allmacht regiert?
Aber liebt Gott Schmerzen und Krankheit? Dafür ist Er zu gut, und Sein gesamtes Dasein als unendliches Gutes schließt aus, dass diese beiden Dinge ein Teil Seiner Schöpfung sein können, was bedeutet, dass sie weder zu meinem Leben noch zum Leben irgendeines anderen Menschen gehören.
Als ich still dalag und lauschte, wurde ich von einem großen Gefühl der Ruhe, des Vertrauens und der Demut erfasst. Innerhalb weniger Minuten verschwanden alle Schmerzen und ich schlief friedlich ein. Die Schmerzen sind nie zurückgekehrt.
Diese Botschaft, „Lass Mich dich lieben“, begleitet mich seit dieser Heilung jeden Tag. Wenn kleine oder große Herausforderungen auftreten, dient mir jedes Wort als Erinnerung und als Ausgangspunkt für eine weitere Demonstration von Gottes heilender Anwesenheit.
Vor Jahren hat eine Freundin von mir ihr Verständnis der Christlichen Wissenschaft in zwei Sätzen zusammengefasst: „Gott ist gut“ und „Gott ist Alles“. Und ich möchte hinzufügen: Lassen Sie diesen all-guten Gott Ihnen Seine Liebe zeigen.
