In den Mittwochabend-Zeugnisversammlungen der christlich-wissenschaftlichen Kirchen hören wir oft die Redner sagen, sie finden Worte allein unzulänglich, ihrer Dankbarkeit für die durch das Erforschen und Betätigen der Christlichen Wissenschaft empfangenen Wohltaten vollen Ausdruck zu verleihen. Allerdings würde auch die an diesen Abenden ihnen zu diesem Zweck zur Verfügung stehende Zeit sicher nicht ausreichen, selbst wenn sie für die rechte Dankesbekundung die passenden Worte finden könnten, so zahlreich und mannigfaltig sind die Wohltaten und Segnungen, die die Christliche Wissenschaft allen ehrlichen Forschern bringt.
Wenn auch die Dankbarkeit des echten Christlichen Wissenschafters möglicherweise hauptsächlich durch seine persönlichen Erfahrungen wachgerufen wurde, so beschränkt sie ihre Wirkung keineswegs auf diese besonderen Gelegenheiten; denn in dem Maße, wie er fortschreitet, lernt er verstehen, daß jedes Dartun der Macht der über den Irrtum siegreichen Wahrheit—möge dieses Dartun auch noch so bedeutungslos erscheinen—die Gesamtsumme des Einflusses des sterblichen Gemüts auf das Menschengeschlecht als Ganzes vermindert. Der Einfluß, ihn zu mesmerisieren und irrezuführen, ist also um so viel kleiner geworden, und umgekehrt kann er um so viel leichter das göttliche Prinzip dartun. Er lernt auch einsehen, daß das Gesündeste, Reinste, Schönste und Hilfreichste im menschlichen Bewußtsein heute die lieblichen geistigen Ideen sind, die die Christliche Wissenschaft offenbart; und durch Erfahrung entdeckt er, daß das Dasein für ihn in dem Maße, wie er diese Ideen in seinem täglichen Denken betätigt, gesünder, reiner und schöner wird, weil es sich in der Hilfsbereitschaft und Nützlichkeit für andere kundtut. Er weiß, daß diese Arbeit von der Christlichen Wissenschaft in stets wachsendem Maße und mit immer größerem Einfluß in der ganzen Welt vollbracht wird. Er findet es in jedem Zeugnis bestätigt, sei es in den Kirchen gesprochen oder in den Zeitschriften berichtet; er sieht es in jeder christlich-wissenschaftlichen Kirche oder Vereinigung, die sich bildet; und er gewinnt immer mehr die Zuversicht, daß der Tag rasch heranrückt, den der Prophet mit den Worten verhieß: „Die Erde wird voll werden von Erkenntnis der Ehre des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt”.
Im Lichte dieser herrlichen Zusicherung betrachtet er die Aufklärung, die Verbesserungen, Entdeckungen und Erfindungen, mit denen das Menschengeschlecht im letzten halben Jahrhundert, vielleicht dem herrlichsten halben Jahrhundert der ganzen menschlichen Geschichte, gesegnet worden ist. Instinktiv, unfehlbar weiß er, daß dies alles dem belebenden Einfluß der durch die Christliche Wissenschaft geoffenbarten Wahrheit auf das menschliche Bewußtsein zu verdanken ist. Dann denkt er daran, daß vor über fünfzig Jahren eine Frau der ganzen Welt des sterblichen Gemüts allein gegenüberstand und sich trotz aller Verfolgungen bemühte, den Menschen diese Wissenschaft des Christentums, das wahre Verständnis von Gott und Seinem Menschen, zu bringen, damit alle die unaussprechlichen Segnungen empfangen mögen, die ihr Annehmen zur Folge hat. Schwach erkennt er, was für ein Überzeugungsmut, welche Gesinnungsreinheit und was für ein Charakteradel für dieses geistige Unternehmen erforderlich und so herrlich vorhanden waren; und dankbar anerkennt er, wie dieses Unternehmen durch die willige Selbstverleugnung einer Sterblichen zustande kam, damit der unsterbliche Zweck durch die Christus-Idee wieder bekundet und verstanden werde.
Der Christliche Wissenschafter liest die einfache Erklärung der Mrs. Eddy in Rudimental Divine Science (S. 17): „Das wahre Verständnis vom christlich-wissenschaftlichen Gemüts-Heilen ging nie aus Stolz, Wetteifer und Selbstvergötterung hervor. Die Entdeckerin dieser Wissenschaft könnte von Zaghaftigkeit, Mangel an Selbstvertrauen, Verlassenheit, Mühe, Seelenangst und von Siegen berichten, angesichts derer sie einer wundersamen Vision als Halt bedurfte, als sie die ersten Schritte in dieser Wissenschaft unternahm. Die Wege des Christentums haben sich nicht geändert. Demut, Selbstlosigkeit und Liebe sind die Pfade Seines Zeugnisses und die Fußtapfen Seiner Herde”. Willig gibt er zu, daß hier kein gewöhnlicher, alltäglicher Denker spricht; und gerade ihre große Selbstverleugnung hindert ihn an jedem Versuche, sich mit ihrer Person zu befassen, weil ihre Schriften und Errungenschaften seine Fähigkeiten erwecken, etwas Höheres als eine menschliche Person wahrzunehmen, einen Lichtblick—wenn anfangs auch schwach, so doch mit stets wachsender Klarheit—zu erhaschen, von dem, der „ganz lieblich” ist, das Ebenbild jener Widerspiegelung des Gemüts zu erkennen, „das in Christus Jesus auch war” (engl. Bibel).
Der Christliche Wissenschafter ist nicht überrascht, sondern glücklich, in den Mittwochabend-Versammlungen Redner zu hören, deren Dankbarkeit die Fähigkeit ihrer Sprache an Größe übersteigt; denn er versteht, daß Mrs. Eddy durch ihren treuen Gehorsam gegen das göttliche Prinzip gezeigt hat, daß jene göttliche Macht, die in allen in der ganzen Bibel beschriebenen herrlichen Werken bekundet ist, heute wie vor alters in dem Maße erreichbar ist, wie sie geistig verstanden und richtig angewandt wird. Er ist sich auch des aufrichtigen Verlangens bewußt, jener bemerkenswerten, umfassenden Ermahnung seiner Führerin an ihre Nachfolger tätig zu gehorchen,—der Ermahnung, ihr „nur insoweit” zu folgen, als „sie Christus folge” (Botschaft für 1901, S. 34); denn er hat das Vertrauen, daß er in einer solchen Tätigkeit (außer seinem gesprochenen Zeugnis) eine beständige und passende Bekundung der Dankbarkeit finden werde, die er für die Christliche Wissenschaft und für alles empfindet, was sie für ihn und für die Menschen bedeutet.
