Die Praxis der Christlichen WissenschaftChristian Science; sprich: kr'istjən s'aiəns. beweist die wunderbaren geistigen Tatsachen der allumfassenden Harmonie, und sie tut das mit Hilfe eines feststehenden Prinzips und festgesetzter Regeln. Das Prinzip oder die erste Ursache ist die göttliche Liebe, Gott, und die Regeln dieses göttlichen Prinzips werden in der christlich-wissenschaftlichen Praxis demonstriert.
Im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, sind all die Regeln enthalten, die notwendig sind, um die geistige Wahrheit zu demonstrieren — Regeln, die durch seine Verfasserin, Mary Baker Eddy, entdeckt, bewiesen und niedergelegt wurden. Hier finden wir inspirierende Darlegungen der christlichen Regeln, Gott über alles und unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben; Regeln der Selbstverleugnung, Sanftmut, Ehrlichkeit und Güte. Zusätzlich zu diesen christlichen Regeln offenbart die Christliche Wissenschaft die Mittel, mit denen man das, was von Gott herrührt, von all dem trennen kann, was falsch und illusorisch ist. Und sie fügt die grundlegende wissenschaftliche Regel hinzu, daß es notwendig ist, Gottes Allheit und die Nichtsheit der Materie zu erkennen.
Die Christliche Wissenschaft vermittelt uns die Elemente wahren Gebets. Ohne diese ist jede gebeterfüllte mentale Arbeit unvollständig. Die Hausfrau mag die Maße und Regeln fürs Kuchenbacken kennen; ohne geeignete Zutaten werden ihre Bemühungen jedoch fehlschlagen. Die Elemente erfolgreichen Gebets schließen Ehrlichkeit, reines Verlangen, Glauben, Ehrfurcht und Güte ein.
Christus Jesus gab uns Regeln für das Beten und beschrieb die Technik oder Methode, die für die metaphysische Anwendung des Gebets erforderlich ist. Er sagte: „Wenn du aber betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.“ Matth. 6:6;
In ihrer geistigen Auslegung seiner Worte sagt Mrs. Eddy: „Um in das Herz des Gebets einzudringen, muß die Tür der irrenden Sinne verschlossen sein. Die Lippen müssen verstummen, und der Materialismus muß schweigen, auf daß der Mensch beim Geist Gehör finde, bei dem göttlichen Prinzip, Liebe, das allen Irrtum zerstört.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 15;
Die materiellen Sinne zum Schweigen zu bringen, das aggressive Verlangen des persönlichen Sinnes verstummen zu lassen, sich von all den Anblicken und Geräuschen der materiellen Dinge abzuwenden, um ausschließlich mit Gott Gemeinschaft zu haben, ist ein Problem, dem alle gegenüberstehen, die bemüht sind, den Regeln der christlichwissenschaftlichen Praxis zu gehorchen. Ein berühmter Journalist schrieb einst, daß kein Mensch in der Lage sei, über unsterbliche Dinge auch nur fünf Minuten lang ununterbrochen nachzudenken. Die Christliche Wissenschaft weist diese Theorie zurück und macht es möglich, in immer größerem Maße mit Gott, Geist, Gemeinschaft zu haben.
Auf Seite 495 des Lehrbuchs legt Mrs. Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft, vier bestimmte Regeln für das Heilen fest. Hier schreibt sie: „Wenn die Illusion von Krankheit oder Sünde dich in Versuchung führt, dann klammere dich fest an Gott und Seine Idee. Laß nichts als Sein Gleichnis in deinen Gedanken weilen. Laß weder Furcht noch Zweifel deinen klaren Sinn und dein ruhiges Vertrauen trüben, daß die Erkenntnis des harmonischen Lebens — wie Leben ewiglich ist — einen jeden schmerzvollen Sinn oder eine jede Annahme von dem, was Leben nicht ist, zu zerstören vermag. Laß die Christliche Wissenschaft statt des körperlichen Sinnes dein Verständnis vom Sein tragen, und dieses Verständnis wird Irrtum durch Wahrheit vertreiben, Sterblichkeit durch Unsterblichkeit ersetzen und Disharmonie durch Harmonie zum Schweigen bringen.“
Diese vier Regeln müssen mit wissenschaftlicher Exaktheit befolgt werden, wenn die harmonische Herrschaft des Geistes demonstriert werden soll. Jemand, der mit der Wissenschaft der Mathematik vertraut ist, würde nicht im Traum daran denken, die Regeln der Addition oder Subtraktion zu verändern. Ebensowenig können die Regeln für die Anwendung der Christlichen Wissenschaft, wie sie in ihrem Lehrbuch dargelegt sind, auch nur in einem einzigen Punkt außer acht gelassen werden.
Eine Christliche Wissenschafterin sah sich einmal von körperlichen Beschwerden bedrängt und hatte das Gefühl, geistig lahmgelegt zu sein. Da sie wußte, daß die Christliche Wissenschaft eine absolute Wissenschaft ist, beschloß sie, die vier oben genannten Regeln auf ihr Problem anzuwenden. Es erschien schwer, der zweiten Regel, „Laß nichts als Sein Gleichnis in deinen Gedanken weilen“, zu folgen, denn „nichts“ ist ein Begriff, der keinen Kompromiß duldet. Sie stellte fest, daß ihr Denken beständig von ihrem hohen Vorsatz abglitt, ausschließlich über göttliche Tatsachen nachzudenken, indem sie fortwährend durch persönliche Interessen und menschliche Begriffe abgelenkt wurde. Freilich erschienen diese Eindringlinge, die ihr Denken erfüllten, harmlos, aber sie hielten immerhin ihr Bewußtsein an die Erde gekettet.
Bald erkannte sie, daß diese unnachgiebige Regel große Disziplin erfordert, denn sie verlangt, daß wir uns vollständig von menschlichen Begriffen abkehren und uns ausschließlich geistiger Ideen bewußt sind. Sie löschte jeden persönlichen Gedanken, der sich zeigte, beharrlich aus und richtete ihre Aufmerksamkeit immer wieder auf die Vergegenwärtigung geistiger Wahrheiten. Ihre Erklärungen, daß Gott das einzige Gemüt ist, daß Er sich nur Seiner selbst und Seines Universums göttlicher Ideen bewußt ist und daß der Mensch, der Sein Ebenbild ist, dieses rein geistige Bewußtsein ohne Mühe oder Behinderung besitzt, halfen ihr, die aggressiven Suggestionen menschlicher Angelegenheiten zum Schweigen zu bringen. Aber es dauerte immerhin nahezu vier Stunden, bis ihr mühsames Bestreben in eine spontane, natürliche Widerspiegelung göttlicher Tatsachen umgewandelt war.
Dann schwang sich der geistige Gedanke widerstandslos empor, und eine fünfte Stunde verging in der bloßen Freude der Vergegenwärtigung. Als die Weisheit sie mahnte, daß es Zeit sei, dringenden menschlichen Pflichten nachzukommen, waren das beunruhigende Gefühl, seelisch niedergehalten zu sein, und die Suggestion von körperlicher Schwäche gewichen. Ein scheinbarer Widerstand gegen die geistige Wirklichkeit war in dem Bewußtsein der Christlichen Wissenschafterin gebrochen worden, und niemals wieder erschien es ihr so schwer, sich von dem persönlichen Daseinsbegriff zu trennen und beständig an den unsichtbaren Tatsachen Gottes festzuhalten.
Diese Erfahrung war nicht eine Sache der Konzentration, sondern der Hingabe — der Hingabe an die geistige Wirklichkeit. Das sogenannte sterbliche Gemüt hatte eine dringend benötigte Disziplinierung erfahren. Der „Starke“ s. Matth. 12:29; war gebunden worden. In diesem speziellen Fall waren Stunden vergangen, ehe völliger Gehorsam gegen die wissenschaftliche Regel erlangt war, aber dieser zeitliche Vorgang ist nicht notwendig. Mrs. Eddy sagt: „Werde dir einen einzigen Augenblick bewußt, daß Leben und Intelligenz rein geistig sind — weder in noch von der Materie —, und der Körper wird keine Klagen äußern. Wenn du an einer Annahme von Krankheit leidest, wirst du entdecken, daß du augenblicks gesund bist.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 14.
Es ist das Ideal des Christlichen Wissenschafters, das geistige Bewußtsein vom Leben, das augenblickliche Heilung zur Folge hat, zu erreichen und zu bewahren. Aber die Disziplin muß fortbestehen, bis die wissenschaftliche Regel befolgt wird. Die Zeit, die erforderlich ist, um die Tür des Denkens gegen die Eindrücke des materiellen Sinnes zu verschließen, ist von längerer oder kürzerer Dauer, je nach unserer Fähigkeit, uns über das persönliche Denken zum Bewußtsein der Seele zu erheben. Die Disziplin, die Christus Jesus in den langen Stunden durchwachter Nächte übte, ermöglichte ihm die einzelnen Augenblicke geistiger Vergegenwärtigung, in denen die Aussätzigen gereinigt, die Menge gespeist, die Blinden und Stummen geheilt und die Toten auferweckt wurden.
Unser großer Meister begann seine Laufbahn mit vierzig Tagen und Nächten eines solchen geistigen Fastens. Nach seiner Taufe und der darauf folgenden Offenbarung, daß er der geliebte Sohn Gottes war, verbrachte er unvergleichliche Wochen heiliger Vergegenwärtigung in der Wüste. Dort wurde sein geistiger Begriff vom Sein in einem solchen Maße gestärkt, daß er, als der körperliche Sinn später gegen diese Disziplin rebellierte und sich durch Hunger und Versuchung geltend machte, in der Lage war, ihn mit geistiger Kraft und Herrschaft augenblicklich zum Schweigen zu bringen.
Am Ende der Laufbahn des Meisters sehen wir ihn noch immer die strenge Disziplin üben, die für seine große Aufgabe erforderlich war, nämlich dem Menschengeschlecht zu beweisen, daß der Mensch nicht materiell, sondern geistig ist. In Gethsemane bewahrte sich Christus Jesus seinen Begriff von der geistigen Wirklichkeit angesichts der scheinbaren Gegenwart der bösartigsten mentalen Kräfte, denen ein Mensch je begegnet ist. Sein Sieg vertrieb die Illusion eines von Gott getrennten Lebens und Gemüts. Die Christliche Wissenschaft erhellt die geistige Bedeutung seiner Kämpfe und seines Triumphs und hat uns die feststehenden Regeln gegeben, die jedem, der ihnen ehrfurchtsvoll gehorcht, einen Sieg über das Böse ermöglichen.
